Licht auf dem Gesicht

Wer darf schon in unsere dunklen Ecken sehen, was wir in der Matratze verstecken oder erst recht in den geheimen Verstecken unserer eigenen Erinnerung? Paulus macht uns Mut, uns trotzdem mit Liebe anschauen zu lassen. Wir werden gesehen von Jesus, der uns nicht verdammt, sondern unsere Würde anerkennt, der uns zutraut, Liebe anzunehmen und weiterzugeben.

Jesusbild, davor eine Kerze und andere religiöse Bilder und Gegenstände im Halbdunkel

Sehen wir das Licht der Liebe Jesu in den Gesichtern derer, die uns begegnen? (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am Vortag von Epiphanias, Sonntag, 5. Januar 2013, 10.00 Uhr in der Justizvollzugsanstalt Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich bin Helmut Schütz, seit 15 Jahren Pfarrer der Evangelischen Paulusgemeinde in Gießen. Vor fast 14 Jahren, im Jahr 2000, war ich bereits zwei Mal hier in der JVA und habe Gottesdienste gehalten. Ich denke mal, es wird kaum jemand von Ihnen damals schon hier gewesen sein. Aber vielleicht kennt mich ja jemand von der Paulusgemeinde her.

Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt.

Das ist ein Satz aus dem 1. Johannesbrief 2, 8. Dieser Satz bringt auf den Punkt, was wir an Weihnachten feiern. Mit der Geburt Jesu kommt ein Licht in die Welt, das alles verändert, das auch uns selbst verändern kann. Die Kirche fand das immer schon so großartig, dass das Weihnachtsfest nicht nur an Heiligabend und zwei Feiertagen gefeiert wurde. Am 6. Januar dachte man an den Stern, der weise Männer nach Bethlehem lockt, um das Licht der Welt anzubeten. Manche nennen sie die Heiligen drei Könige, ursprünglich heißen sie in der Bibel Magier, Sterndeuter, Astrologen.

Im Grunde ist Weihnachten also noch nicht vorbei, nach dem Kalender der orthodoxen Christen ist Weihnachten sowieso erst übermorgen, wenn ich mich nicht irre. Mit ihnen gemeinsam feiern wir heute also noch einmal Weihnachten und denken über das Licht nach, das durch Jesus zu uns kommt.

Lied 557: Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Mit Psalm 18 beten wir:

28 [Gott,] du hilfst dem elenden Volk, aber stolze Augen erniedrigst du.

29 Ja, du machst hell meine Leuchte, … mein Gott macht meine Finsternis licht.

30 Denn … mit meinem Gott [springe] ich über Mauern. Amen.

Wer würde nicht gerne Mauern überspringen, die ihn einschließen? Die Bibel meint Mauern in unserem Kopf, meint unseren eigenen Schatten, über den wir nicht springen können oder wollen, meint die dunklen Seiten in uns, in die Jesus das helle Licht von Gott hineinbringen will.

Verständlich ist es, wenn wir hin- und hergerissen sind. Wir wollen das Licht, wir wollen Hoffnung, Liebe, Vertrauen. Aber wir schämen uns auch. Was wird das Licht Jesu in uns beleuchten? Was wird es aufdecken, uns selbst bewusst machen? Lassen wir aus Stolz, aus falschem Stolz, der unsere Scham verbirgt, Jesu Licht nicht an uns heran, nicht in uns herein?

Jesus, hilf uns, dein Licht nicht als Bedrohung zu erleben, sondern als Befreiung. Mach uns die Scham bewusst und befreie uns vom falschen Stolz, der vor dir verbergen will, wie wir wirklich sind. Richte uns auf und mach uns bewusst, dass wir in deinen Augen größer sind, als wir dachten, denn du hast uns lieb, du traust uns Liebe zu.

In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Stille

Gott, was dunkel ist in unserem Herzen, machst du hell. Wo Angst uns erstarren lässt, taust du uns auf durch die Wärme deines Friedens. Wo Kälte überhand nimmt in unserem Leben, schenkst du uns den Mut zur Warmherzigkeit. Wo wir uns ungeliebt fühlen, lässt du uns spüren: du hast uns lieb. Amen.

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus 2, 1-12:

1 Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:

2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem,

4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.

5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten :

6 »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«

7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,

8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.

9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut

11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Lied: Es ist für uns eine Zeit angekommen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Vor gut 2000 Jahren machen sich Männer aus Persien auf den Weg nach Israel. Es sind Astrologen, die sich mit den Sternen am Himmel gut auskennen und sie als Landkarte der menschlichen Geschichte lesen. Sie haben einen neuen Stern gesehen, vielleicht war es nach unseren Begriffen eine Supernova, vielleicht erschienen im Sternbild Jungfrau, und nach allem, was sie wissen, deutet dieser Stern darauf hin: in Israel muss ein bedeutendes Kind geboren sein, ein Kind, das die Welt verändert, das Frieden und Liebe bringt.

Die Astrologie funktioniert nicht so, wie wir es von Krippenspielen und den Sternsingern kennen, da läuft nicht einfach ein Stern vor den Männern her, dem sie nur folgen müssen. Was sie am Himmel gesehen haben, gibt ihnen nur die ungefähre Richtung an, in der sie suchen müssen. Und das tun sie dann auch.

Verständlicherweise gehen sie zuerst in die Hauptstadt Israels, nach Jerusalem. Wo sonst sollte man ein Kind suchen, das die Geschicke eines ganzen Volkes, ja der ganzen Welt verändern soll, wenn nicht im Palast des Königs? Dadurch aber bringen sie das Kind unabsichtlich in tödliche Gefahr. König Herodes ist nämlich ein Gewaltherrscher, von dem wir wissen, dass er sogar eigene Söhne umgebracht hat, um seine Herrschaft zu sichern, und der schmiedet sogleich Mordpläne gegen das neugeborene Kind. Das ist genau die Dunkelheit, in die das neugeborene Kind sein eigenes Licht leuchten lässt. Scheinbar wehrlos liegt das Kind inzwischen bereits in Bethlehem in der Krippe; sein Licht ist das Licht einer wehrlosen und doch mächtigen Liebe.

Die persischen Sterndeuter finden das Kind dann wirklich, indem sie auf Hinweise in der Heiligen Schrift der Juden vertrauen: In Bethlehem soll der Sohn Davids geboren werden, der aller Welt den Frieden bringt. Dort angekommen, steht der neue Stern über dem Stall still, wo das Jesuskind in der Krippe liegt, und die Männer fühlen sich bestätigt: Dieses Kind haben wir gesucht. Obwohl es arm und wehrlos in einem Futtertrog der Tiere liegt, ist es mächtiger als gewalttätige Könige, denn es kommt aus der allmächtigen Liebe des Vaters im Himmel.

Dabei scheint alles dagegen zu sprechen. Wären die Männer tatsächlich zu Herodes zurückgekehrt, wie er es von ihnen erwartet hatte, hätten sie ihm ohne böse Absicht Agentendienste geleistet, dann wäre Jesus dem Kindermord zu Bethlehem zum Opfer gefallen, den Herodes aus Angst um seine Macht anordnet. So finster sind die Machenschaften der Menschen, denen Jesus von Anfang seines Lebens an ausgesetzt ist. Und doch setzt sich sein Licht auf sanfte Weise durch. Ein Engel erscheint im Traum den Astrologen und warnt sie: „Sagt dem Herodes nicht den genauen Aufenthaltsort des Kindes!“ Ein anderer Engel weckt Josef auf: „Ihr müsst auf die Flucht, Herodes will das Kind töten, geh mit deiner Familie ins Ausland, nach Ägypten, da seid ihr erst einmal sicher!“

Das Licht der Welt braucht Menschen, um überhaupt überleben zu können. Es setzt sich durch, indem gestandene Männer auf Engel hören und sich für ein kleines Kind einsetzen.

Der Predigttext für das morgige Fest der Erscheinung des Sterns von Bethlehem sagt noch etwas mehr über dieses Licht, das mit Jesus zu uns kommt. Paulus sagt in seinem Brief 2. Korinther 4, 3-6 (eigene Übertragung – nur 4, 6a nach Luther):

3 Ich bringe euch gute Nachricht, Frohe Botschaft, das Evangelium von Gott. Viele sagen: Daran glaube ich nicht. Frohe Botschaft, das versteht doch keiner! Ich sage: Nur die verstehen nicht, die verloren gehen.

4 Das sind die, die nicht glauben wollen. Das heißt, sie glauben schon, aber an den falschen Gott. An den Gott dieser Welt. Der falsche Gott dieser Welt macht nämlich blind, so dass man das helle Licht der Frohen Botschaft von Jesus nicht sehen kann. Er ist ja das Ebenbild Gottes, er ist Licht wie Gott selbst.

5 Ich stelle nicht mich selbst als Vorbild hin. Nein, Jesus Christus ist der Herr, er hat mir etwas zu sagen, er gibt mir auch den Mut, euch etwas zu sagen.

6 Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der gab auch Licht in mein Herz. Und von diesem Licht soll ich etwas abgeben. Ich soll helfen, dass ihr Erleuchtung bekommt, dass ihr im Gesicht von Jesus erkennt, wie wunderbar und herrlich Gott ist.

Liebe Männer, der Apostel Paulus macht es einem nicht leicht, ihn zu verstehen. Er sagt ja selber, dass viele sein Evangelium ablehnen, weil sie sagen: Das versteht doch keiner. Aber der eigentliche Punkt ist: Wollen wir verstehen? Glauben wir an die Herodesse dieser Welt, an die Macht von Intrigen und Gewalt, glauben wir, dass das Böse letztlich stärker ist als das Gute und dass das menschliche Leben keinen Sinn hat, weil es sowieso im Tod endet? Wer so denkt und glaubt, ist blind für das wahre Licht. Der glaubt auch, aber an einen falschen Gott, nicht an den Gott, der das Licht ist.

Es geht hier nicht um den Unterschied von Religionen. Es geht um die Frage, wie wir unsere eigene Religion verstehen. Ein guter Freund von mir ist Muslim, und er hat in einem Gottesdienst in unserer Pauluskirche im Advent davon gesprochen, wie wichtig auch im Islam das Licht ist. Auch für ihn ist Gott das Licht, ist Gott der Erbarmer, der die Menschen liebt und auf den guten Weg führen will. Und für mich als Christ ist wichtig, dass ich nicht das Licht von Jesus durch Intoleranz verdunkele. Jesus zwingt niemanden zum Glauben, Jesus lädt dazu ein, sich der Liebe Gottes anzuvertrauen. Darum sagt Paulus, der von Haus aus ein jüdischer Pharisäer war: „Jesus selbst hat mich überzeugt, dass er mir etwas zu sagen hat. Er ist mir in einer Vision erschienen und hat mich gefragt, warum ich ihn verfolge, warum ich Christen gefangennehme. Jesus kommt von Gott, und sein Licht kann auch euch verwandeln.“

Wie geht das nun konkret? Wie werden wir berührt, bewegt, verwandelt durch das Licht Jesu? Was verändert sich in unserem Leben, indem wir uns auf Jesus einlassen?

Paulus spricht zuerst von Gott. Der hat ganz am Anfang, als er die Welt plante und den Urknall vorbereitete, gesagt (1. Buch Mose – Genesis 1, 3):

Es werde Licht.

Aus der Finsternis soll Licht hervorleuchten. Wo nur der dunkle Abgrund des Nichts war, da soll eine Welt entstehen, Energie und Materie, Leben und Geist. Und dieser Gott setzte nicht nur das große Universum in Gang, sondern er kümmert sich auch um mein kleines Herz. Hell soll die Welt werden, indem kleine Lichter in den Menschen, in uns allen angezündet werden.

Was für ein Licht soll uns da aufgehen? Was meint Paulus, wenn er etwas hochtrabend von einer Erleuchtung spricht, die wir bekommen sollen? Sollen wir zu einem Guru gehen?

Paulus sagt ganz schlicht: Im Gesicht von Jesus könnt ihr erkennen, wie wunderbar und herrlich Gott ist. Gottes Herrlichkeit ist nicht oben am Himmel zu sehen, wie ein Silvesterfeuerwerk. Wie großartig Gott ist, das ist im Gesicht eines Menschen zu entdecken, im Gesicht von Jesus. Wer Jesus anschaut, dem geht ein Licht auf. Es gibt Dinge, die kapiert man nicht durch einfaches Nachdenken. Da grübelt man nur, man kreist um sich selbst. Im Gesicht Jesu sehen wir etwas Neues, sehen wir, wie wir von Gott selber angeschaut werden, mit einer unendlichen Liebe, die bis auf den Grund unserer Seele blickt.

Ich sagte es vorhin schon im Gebet: Es kann für uns unangenehm sein, so angeschaut zu werden von jemandem, der uns durch und durch kennt. Wer darf schon in unsere dunklen Ecken sehen, was wir in der Matratze verstecken oder erst recht in den geheimen Verstecken unserer eigenen Erinnerung? Paulus macht uns Mut dazu, uns trotzdem diesem Licht Jesu auszusetzen, uns trotzdem mit Liebe anschauen zu lassen. Er verspricht uns hoch und heilig: Wir werden Schönes sehen, wenn wir die Augen und das Herz aufmachen, so dass wir Jesu Gesicht sehen und von seinen Augen bis ins Herz hinein angeschaut werden. Wir sehen einen Menschen, der uns nicht verdammt, sondern unsere Würde anerkennt, der uns zutraut, Liebe anzunehmen und weiterzugeben. Wir dürfen wissen, wozu wir auf der Welt sind!

Doch wo schauen wir Jesus ins Gesicht? Wir gehen an Weihnachten ja nur im Geiste mit zur Krippe, besuchen heute nur im Geiste mit den Männern aus Persien noch einmal Bethlehem. Genügt es, das Bild des Gesichtes Jesu anzuschauen, wie es uns die Maler oder unsere eigene Phantasie ausmalen? Die Bibel enthält ja keine genaue Personenbeschreibung von Jesus.

Allerdings gibt Jesus selbst einen deutlichen Hinweis, wo wir ihm direkt ins Gesicht schauen können. Im Gleichnis vom Weltgericht fragt er: „Erkennt ihr mich nicht? Ich begegne euch in meinen Geschwistern auf Erden, die euch brauchen! Und manchmal ist da auch ein Mensch, der euch etwas geben kann, was ihr nötig braucht, einen Blick, ein Wort, eine kleine Hilfe.“ In jedem menschlichen Gesicht, in dem die Sehnsucht nach Liebe aufleuchtet, spiegelt sich Gottes Ebenbild und das Licht Jesu.

Paulus weiß, dass Menschen dafür normalerweise blind sind. Die meisten lassen sich die Augen zuhalten vom Gott dieser Welt, sind geblendet von Macht und Geld wie König Herodes. Wenn ich Gott im Gesicht Jesu erkenne, in der Verletzlichkeit des Kindes, das in der Krippe liegt, könnte ich ja spüren, wie verletzbar ich selber bin. Herodes hätte sich ernsthaft als vierter anbetender König den drei Weisen aus dem Morgenland anschließen können. Aber dann wäre ihm die Hohlheit seines auf Gewalt und Gier aufgebauten Lebens aufgegangen, er hätte weinen müssen über jedes blühende Leben, das er auf dem Weg zu seinem Thron ausgelöscht hatte. Herodes liest ja durchaus die Bibel, er will wissen, wo das göttliche Kind zur Welt kommt. Er könnte das wahre Licht suchen, um sich zu ändern. Aber er benutzt die Informationen aus der Heiligen Schrift und von den Weisen nur zur Spionage. Er will das Licht auslöschen, das da aufleuchtet, und versucht in den Kindern von Bethlehem hundertfach Gottes Ebenbild zu töten. Ich glaube, dass Paulus die Herodesse dieser Welt meint, wenn er davon spricht, dass Menschen verloren gehen, die verblendet sind. Sie sind einem falschen Gott verpflichtet, dem Gott dieser Welt, sie sind so sehr an Dinge dieser Welt gebunden, dass sie nicht sehen, wer und wo Gott wirklich ist. Sie sind blind für das Ebenbild Gottes, das ihnen aus jedem menschlichen Antlitz entgegenblickt. Scheinbar sind sie mächtig, indem sie töten, aber letzten Endes können sie auch in einem ermordeten Kind nicht das Ebenbild Gottes töten, sondern sie töten das Licht in sich selbst, stürzen sich selbst in den Abgrund der Verzweiflung.

Trotzdem leuchtet das Licht Jesu weiter in der Welt. Wir sehen es, wenn wir unsere Augen und unser Herz aufmachen. Sogar Menschen, die wie Herodes sind, haben die Chance, sich für das Licht zu öffnen.

So sehen wir die Gesichter der Menschen, die uns begegnen, auf einmal anders. Wir erkennen in ihnen etwas vom Ebenbild Gottes. Wir spüren, wonach sie sich sehnen. Zumindest fangen wir an, tiefer zu blicken und nachzudenken.

In der Aufsässigkeit einer Konfirmandin merke ich etwas von ihrer Sehnsucht nach dem Vater, den sie nie hatte oder den sie früh verlor.

Im Gesicht seiner vom Schlaganfall gezeichneten Ehefrau erkennt ein Ehemann nach fünfzig Ehejahren immer noch die Frau, die er von Herzen liebt und hingebungsvoll pflegt, auch wenn sie ihm nicht mehr mit Worten antworten kann.

Auch an ein kleines Mädchen denke ich. Sie ist traurig über den Tod von Menschen, die sie lieb gehabt hat. Sie schaut die Sterne am Himmel an und stellt sich vor, dass im Strahlen der Sterne die Gesichter der Oma und der Tante freundlich zu ihr herunterleuchten.

Wir alle sind gefragt, ob wir das Licht der Liebe Jesu im Gesicht der Menschen sehen wollen, die uns begegnen. Des Mitgefangenen, des Wachbeamten, des Besuchers, vielleicht der Frau zu Hause, des Kindes, das auf den Papa wartet oder von ihm enttäuscht ist. Durch ihre Augen schaut Jesus uns an, als ob er uns sagen wollte: „Ich höre nicht auf, dich liebzuhaben. Du schaffst das auch: Wo du dich wirklich lieb hast, da kannst du auch entdecken, dass du ein Herz für andere hast.“

Damit beginnt eine Kettenreaktion, eine Lichterkette der menschlichen Wärme. Der helle Schein in unserem Herzen bringt unsere Augen zum Leuchten, gibt uns eine neue Ausstrahlung. Und dann sehen vielleicht auch andere Menschen in unserem Gesicht etwas vom Licht Jesu. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied: Du bist das Licht der Welt

Gott, wir bitten dich, lass dein Licht leuchten in unser Herz und auf unseren Weg, damit wir erkennen, was du uns gegeben hast und was unsere Auf-Gabe ist in unserem Leben.

Lass Wärme in unser Herz einziehen, lass uns aufmerksam werden auf Gutes, das uns geschenkt ist, und auf Menschen, die uns brauchen. Wo wir hart waren, lass uns unsere Haltung überdenken. Wo wir verletzt wurden, lass uns in Ruhe darüber sprechen.

Gott, wir bitten dich um dein Licht auch in den Kriegen und Krisengebieten dieser Welt. Schenke den Verantwortlichen den klaren Blick, was zu tun und zu lassen ist, um dem Frieden zu dienen.

Wir beten mit Jesu Worten, dass Gottes Reich der Liebe zu uns kommt:

Vater unser
Lied 65: Von guten Mächten treu und still umgeben

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.