Nur der Glaube macht reich

Johannes benutzt florierende Geschäftszweige in Laodicea, um bildlich auf etwas aufmerksam zu machen: Andere Dinge sind im Leben wichtig. Nur der Glaube macht reich. Nur wer Vergebung erfährt, braucht sich vor anderen nicht mehr zu verstecken. Nur wer von Christus die Augen aufgetan bekommt, sieht wirklich klar. Wichtiger als die äußere Gesundheit ist, dass man mit Gott ins Reine kommt.

Ruinen der Stadt Laodicea in Kleinasien (Bild: romaniamissions – pixabay.com)

Andacht am Buß- und Bettag, Mittwoch, 17. November 1999, um 15.00 Uhr im Stadtkirchenturm zu Gießen

Ich begrüße Sie herzlich zu einer Andacht am Buß- und Bettag 1999 im Stadtkirchenturm Gießen!

Wir feiern diese Andacht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Wir besinnen uns an diesem Tag darauf, was Buße ist: keine Form der Strafe, kein in-Sack-und-Asche-Gehen, sondern: Buße ist Umkehr von Wegen, auf denen wir nicht glücklich werden, Buße ist Hinwendung zu dem echten, dem wirklichen Gott.

Nicht, dass ich mich ständig schuldig fühlte, Gott; hin uns wieder aber werde ich bleich, wenn mir aufgeht: Auch ich bin verstrickt. Die kleine Gedankenlosigkeit und ihre Folgen. Die kleine Gemeinheit. Mein Abwarten und nicht gern Festgelegt-Sein. Nicht dass ich mir ständig als Sünder vorkäme, Gott; aber hin und wieder werde ich schamrot, wenn wir aufgeht: Auch ich bin beteiligt. Mein Reichtum auf Kosten anderer. Mein Glücksgefühl, obwohl Menschen anderswo weinen. Mein Glücksgefühl, manchmal wie selbstverständlich hingenommen. Gott, ich danke dir, dass ich in meiner Schuld noch nicht ertrunken bin, dass du mir noch Zeit schenkst, Zeit zu leben, Zeit zu staunen, Zeit zu weinen, Zeit, neu zu werden. Hilf mir, diese Freiheit anzunehmen. Amen.

Wir hören die Lesung aus dem Buch Jesaja 55:

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!

2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.

3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!

6 Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist.

7 Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.

An welchem Punkt können wir umkehren, einen neuen Anfang machen? Umkehr beginnt mit einer Einsicht, mit der Einsicht, dass wir mehr brauchen, als wir denken. Dass wir nicht immer meinen sollen, wir würden aus eigenen Kräften die Gemeinde aufrechterhalten. Wir dürfen Gott mehr in Anspruch nehmen, als wir es gewöhnlich tun. Johannes, der Seher, schreibt davon diese Sätze (Offenbarung 3):

17 Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß.

18 Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest.

Johannes schreibt diese Sätze an die Gemeinde in Laodicea. Dort war das so: Die Leute kamen sich reich vor, weil sie Gold besaßen, Augensalbe herstellten und weil die Tuchindustrie florierte. Vielleicht sind auch wir reich an Geldmitteln, zumindest leiden wir keine Not. Vielleicht kreisen auch viele unserer Interessen ums Anziehen, um die Mode, um Strickzeug und Häkelnadel. Und bei der Salbe, fallen uns da nicht Medizin und Pharmaindustrie ein, die Beschäftigung mit Krankheit und Gesundwerden, die uns so in Atem hält?

Johannes benutzt diese florierenden Geschäftszweige, um bildlich auf etwas aufmerksam zu machen: Es sind ganz andere Dinge, die im Leben wirklich wichtig sind. Nur der Glaube macht reich. Nur wer Vergebung erfährt, braucht sich vor anderen nicht mehr zu verstecken. Nur wer von Christus die Augen aufgetan bekommt, sieht wirklich klar. Wichtiger als die äußere Gesundheit ist, dass man mit Gott ins Reine kommt.

Und dieses mit-Gott-ins-Reine-Kommen ist nicht schwer. Denn Gott kommt von sich aus auf uns zu. Er schenkt uns Liebe, Vergebung, neuen Anfang. Mehr brauchen wir nicht. Amen.

Lasst uns beten mit einem Lied (EG 234):

1. „So wahr ich lebe“, spricht dein Gott, „mir ist nicht lieb des Sünders Tod; vielmehr ist dies mein Wunsch und Will, dass er von Sünden halte still, von seiner Bosheit kehre sich und lebe mit mir ewiglich.“

2. Dies Wort bedenk, o Menschenkind, verzweifle nicht in deiner Sünd; hier findest du Trost, Heil und Gnad, die Gott dir zugesaget hat, und zwar mit einem teuern Eid. O selig, dem die Sünd ist leid!

Christus, heile unsere Augen, dass wir nicht wegschauen, wo wir hinsehen sollten. Liebend wollen wir die Elenden anblicken und uns ihnen zuwenden. Liebend wollen wir bei ihnen verweilen: bei den Kranken, bei den Sterbenden, bei den Unansehnlichen, bei den Anstrengenden. Wir wollen niemanden aus unserer Mitte ausgrenzen. Schau du auch uns an, Christus, damit wir mit den Augen unseres Herzens sehen lernen! Amen.

Lasst uns nun in der Stille vor Gott ausbreiten, an welchen Stellen wir in unserem Leben eine kleine oder große Umkehr nötig haben.

Stille und Vater unser

Und nun geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

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