Konsequentes Nein zum ersten Glas Bier

Trauerfeier für einen Mann, der seine Alkoholabhängigkeit überwinden konnte und dadurch fähig wurde zu einem neuen Leben im Einklang mit allen, die sich ihm verbunden fühlten.

Konsequentes Nein zum ersten Glas Bier: Ein merkwürdig geformtes Glas Bier, nämlich schräg geknickt

Bewundernswert, wer als Alkoholiker das erste Glas Bier stehen lassen kann (Bild: Alexas_Fotos – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, Sie sind hier versammelt, weil Herr X. im Alter von [über 50] Jahren gestorben ist.

Wir denken gemeinsam an sein Leben, wir begleiten einander auf dem Weg des Abschieds, und wir besinnen uns angesichts des Todes auf Worte Gottes, die trösten und zum Leben helfen.

Wir hören Trostworte aus dem Buch Jesaja 43, 1.5:

1 Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat…: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

2 Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.

3 Denn ich bin der HERR, dein Gott,

4 du [bist] in meinen Augen so wert geachtet … und ich [habe] dich lieb.

5 So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.

Liebe Gemeinde!

Wenn wir zurückblicken auf ein Leben, dann fragen wir uns nach dem, was bleibt in einer so kurzen Zeitspanne, die wir hier auf Erden verbringen. Wir denken an das, was sein Leben erfüllt hat, und an die Belastungen, die ihm zu tragen auferlegt waren. Wir erinnern uns an Begegnungen mit dem nun Verstorbenen und an das, was uns mit ihm verbindet.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Womit sich Herr X. selbst in früheren Jahren oft einen großen Strich durch die Rechnung machte, das war seine Alkoholkrankheit. Wir haben uns im Vorgespräch zu dieser Feier dazu entschlossen, das hier offen anzusprechen, zumal es bewundernswert war, wie er seit einigen Jahren mit seiner Abhängigkeit umging und konsequent abstinent lebte.

Es war für ihn sicher nicht leicht, immer Nein zu sagen, wenn ihn wer scheinbar freundschaftlich zu einem Glas Bier überreden wollte, aber offenbar hat er es geschafft. Nicht zuletzt deshalb konnte er in den letzten Jahren noch etwas zur Rente hinzuverdienen und wieder Kontakt mit seiner Familie aufnehmen.

Viele sind es, die um Herrn X. trauern, am meisten wohl seine Mutter; es ist nie leicht, ein Kind herzugeben, egal wie alt es ist. Zu seiner Mutter bestand immer das beste Verhältnis, sonst hätte er wohl nicht bis fast zuletzt bei ihr wohnen mögen.

Überhaupt war Herr X. ein bescheidener und ehrlicher und hilfsbereiter Mensch. Wenn man ihn um etwas bat, konnte man alles von ihm kriegen; so behalten Sie ihn in Ihrer Erinnerung.

Krebs hatte er schon vor einigen Jahren gehabt, aber es war alles ausgeheilt – dachte man. Jetzt dauerte es lange, bis man erkannte, dass er wieder an Krebs erkrankt war. Und als man es wusste, schritt die Krankheit unaufhaltsam voran. Nach seinem Leidensweg durch viele Krankenhäuser und nach all dem, was er durchmachen musste, haben Sie seinen Tod jetzt als eine Erlösung empfunden und haben auf die Traueranzeige den Spruch gesetzt:

Weinet nicht an meinem Grabe, gönnet mir die ewge Ruh, denkt was ich gelitten habe, eh ich schloss die Augen zu.

Und doch: auch das Weinen gehört zum Abschied dazu. Trauern braucht seine Zeit, Abschied tut einfach weh, wenn man einem Menschen eng verbunden war.

Aber Sie haben Recht: es wäre sicher nicht im Sinne des Verstorbenen gewesen, wenn Sie im Weinen versinken und in der Trauer steckenbleiben würden. Es hat beides seine Zeit, das Weinen und das Lachen, das Trauern und die Freude.

Der Apostel Paulus hat einmal gesagt (Römer 12, 15):

Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.

Sie erfahren ja in Ihrer Familie, wie nahe beides beieinander liegt, das freudige Ereignis einer Hochzeit und die Sorge um Herrn X., jetzt die Trauerfeier für ihn und nächste Woche eine Geburtstagsfeier. Es ist wichtig, überall ganz dabei zu sein mit seinem Fühlen, wenn man sich freut und wenn man traurig ist, sonst läuft man Gefahr, gar nicht mehr zu fühlen, gar nicht mehr zu leben.

Wichtig ist auch, dass man sich klarmacht: Auch Trauer ist nicht immer nur dunkel. Eine Trauerfeier heißt nicht umsonst „Feier“. Immerhin blicken wir auch dankbar auf ein Leben zurück, auf all das, was dieser Mensch gemeistert hat, was er an Liebe erfahren und verschenkt hat, an all die Begegnungen und Prägungen, die Ihnen in der Erinnerung an ihn wichtig sind.

Letzten Endes feiern wir allerdings heute keinen Menschen, sondern wir sind hier ja vor Gott versammelt. Wo es um Leben und Tod geht, hört unsere menschliche Macht auf, sind wir angewiesen auf die Gnade unseres Schöpfers, der uns von seinem Atem auf Zeit etwas abgibt, damit wir auf seiner Erde leben können. Wenn wir unsern letzten Atemzug tun, dann werden wir zu Staub, dann kehrt unser Geist zu Gott zurück, von wo unser Leben gekommen ist, dann treten wir vor unseren Schöpfer und verantworten uns vor ihm für das, was wir aus unserem Leben gemacht haben, wie wir mit der Liebe umgegangen sind, die uns entgegengebracht wurde, ob wir Liebe geben konnten und für die Menschen, die mit uns gelebt haben, ein Segen waren.

Nach unserem christlichen Glauben trägt der Gott, vor den wir in der Ewigkeit treten, ein menschliches Gesicht: Jesus Christus begegnet uns im letzten Weltgericht, und er ist ein barmherziger Richter, der uns besser kennt, als wir uns selber kennen. Er lässt nichts gelten, womit wir uns oder andern etwas vormachen, aber er kennt unsere tiefste Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Erfüllung, nach Liebe, und genau das, genau dieses Echte, worauf es wirklich im Leben ankommt, das bleibt am Ende – und es bleibt im Frieden Gottes aufbewahrt für immer und ewig.

Der Tod war für Herrn X. eine Erlösung von seinen Schmerzen. Erlösung zum ewigen Leben wird ihm geschenkt von dem, der ihn beim Namen ruft, wie wir am Anfang im Bibeltext gehört haben (Jesaja 43, 1):

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Von dieser Erlösung ahnen wir hier auf Erden etwas, wo wir einander begegnen und in Liebe, Freundschaft, Bruderschaft beim Namen rufen. Unser Leben ist kostbar, und es geht im Tode nicht verloren.

In dieser Zuversicht lasst uns den Verstorbenen getrost loslassen und ihn den barmherzigen Händen Gottes anvertrauen. Er nimmt ihn am Ende mit Ehren an, und wir erweisen ihm auf unsere Weise die letzte Ehre, indem wir nun Herrn X. zu seiner letzten irdischen Ruhestätte geleiten. Lasst uns zum Grab gehen im Frieden Gottes, unseres Herrn. Amen.

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