Evangelisches Profil

Zu guter Letzt

Lutherdenkmal in Erfurt (mit dem Psalmzitat: Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Wort verkündigen

Denkmal von Martin Luther in Erfurt (Foto: pixabay.com)

… im Oktober 1517 schlug Dr. Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosstür zu Wittenberg – heute hätte er sie vermutlich ins Internet gestellt. Sündenstrafen soll man nicht durch gute Werke mindern, Vergebung nicht kaufen können. Denn in seinen Augen ist Vergebung ein reines Geschenk Gottes. Niemand verdient sie, jeder kriegt sie, der ehrlich bereut und zu Gott umkehrt.

Der damals 33-jährige Reformator wollte mit seinen Thesen die Kirche reformieren – seine Kirche, die katholische Kirche. Es kam anders, stattdessen spaltete die Kirche sich in verschiedene „Bekenntnisse“ auf. Erst in den letzten Jahrzehnten gehen diese „Konfessionen“ wieder aufeinander zu und wagen gemeinsame Schritte.

Immer noch ist der 31. Oktober als Reformationstag ein wichtiger Feiertag der evangelischen Kirche, zwar nicht arbeitsfrei, aber sein Anliegen wird im Gottesdienst am darauf folgenden Sonntag aufgenommen. Aber weiß man als evangelischer Christ noch, worum es Martin Luther ging? Sind wir noch bewusst „Kirche der Reformation“?

Hat die evangelische Kirche heute noch ein „Profil“, das sie von der katholischen Kirche unterscheidet? Es ist eigentlich ein bisschen wenig zu sagen: Evangelische müssen nicht beichten gehen. Sie dürfen nach einer Scheidung noch einmal heiraten. Kein Papst kann ihnen etwas vorschreiben.

Martin Luther betonte in der Tat: Ein Christ ist frei! Christus macht ihn frei; nicht einmal der Teufel hat die Macht, ihn zu verdammen. Zugleich fragte Luther nach dem „Wozu“. Wozu sind wir befreit, was fangen wir an mit Vergebung und Freiheit? Provozierend, der Satz Luthers: Ein Christ ist Knecht, kein Herrenmensch, ist jedem untertan – jedem, der ihn braucht. Freiwillig, aus Liebe, ist er für ihn da.

Frei im Glauben – in Anspruch genommen durch die Liebe Christi. Frei im Nachdenken über die Bibel – herausgefordert durch Gott, der uns dort begegnet. Frei von menschlichen Rücksichtnahmen – gebunden an den Willen Gottes für die heutige Zeit. So könnte evangelisches Profil aussehen – ohne dass es uns von der katholischen Kirche trennt.

Was zählt –

Es sind schon deine Werke
– und nicht mal immer hohe –
die gereichen dir zur Stärke;
doch oft genug sind‘s frohe!

markus bernard

Pfarrer Helmut Schütz

„Zu guter Letzt“ September – November 2003 im Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen

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