Jesu Geburt – nur ein Weihnachtsmärchen?

Böse Versuchung für Josef und Maria.

Gott nimmt den Kampf mit den bösen Mächten auf. Darum geht es an Weihnachten. Ein Kind wird geboren, in dem der Höchste selbst zur Welt kommt, Liebe pur, sonst ohne jede Zauberkraft. Die ganze Liebe des großen Gottes, verpackt in einen kleinen Menschen, das reicht aus, um die ganze Welt zu retten.

Teufelsfiguren zwischen Heiligen und dem Erzengel Michael an Notre Dame

Teuflische Figuren mischen sich zwischen Heilige und Engel an der Kirche Notre Dame (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst mit Konfirmandinnen am 4. Sonntag im Advent, 23. Dezember 2001, 10.00 Uhr in der Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Der Gottesdienst heute am 4. Advent ist ungewöhnlich. Anregungen zum Thema und zur Liedauswahl gehen auf Gespräche in einem Konfirmandenkurs zurück, und zwei Konfirmandinnen werden gemeinsam mit Herrn Pfarrer Schütz Spielszenen vortragen. Das Thema lautet: „Jesu Geburt – nur ein Weihnachtsmärchen?“

Der große Weihnachtsbaum, den eine Frau aus der Gemeinde uns aus ihrem Garten überlassen hat, steht schon da, aber wir lassen ihn heute noch dunkel – erst morgen, am Heiligen Abend, soll er in seinem ganzen Licht erstrahlen. Heute lassen wir den Adventskranz voll zur Geltung kommen. Dass diese vier Kerzen noch nicht brennen, ist kein Fehler des Küsters. Konfirmandinnen zünden sie jetzt an, während wir das erste Lied Nr. 17 singen.

Was sagen uns die Kerzen am Adventskranz? Die erste sagt uns: Eine heilige Zeit beginnt.

Wir sagen euch an den lieben Advent…

Was sagen uns die Kerzen am Adventskranz? Die zweite sagt uns: Seid wie Jesus füreinander da!

Wir sagen euch an den lieben Advent…

Was sagen uns die Kerzen am Adventskranz? Die dritte sagt uns: Bringt Licht in die dunkle Welt!

Wir sagen euch an den lieben Advent…

Was sagen uns die Kerzen am Adventskranz? Die vierte sagt uns: Gott kommt selber und bringt Licht in unser Herz!

Wir sagen euch an den lieben Advent…
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Nahe ist Weihnachten, der Kreis der Lichter am Adventskranz hat sich geschlossen, nichts steht dem Fest mehr im Wege. Gott selber will kommen, er wird unser kleiner Bruder, unser großer Freund.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Aber ist Weihnachten mehr als ein Weihnachtsmärchen? Wird Gott wirklich als Mensch geboren? Gibt es das – Gott zum Anfassen in unserer Welt? Vielen modernen Menschen sind die Geschichten von Gott fremd und unglaubwürdig geworden. Auch viele Konfirmanden haben Schwierigkeiten, an den Gott zu glauben, den wir Erwachsenen ihnen predigen. – Gott, darum bitten wir dich selbst um Glauben und rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Es ist ja nicht so, dass die jungen Leute keinen Glauben haben. Viele glauben, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt. Einige sind fest überzeugt, dass man sich den Geistern der Verstorbenen so nahe fühlen kann, dass man sie sieht und Botschaften von ihnen erhält. Manche experimentieren mit Pendeln und Gläserrücken, ängstigen sich zwar dabei, möchten aber doch in Kontakt kommen mit dem Unbegreiflichen, mit dem Geheimnis.

Und wir hier in der Kirche? Wir sind zusammen hier, Erwachsene und Jugendliche, Menschen auf der Suche nach Glauben. Wir sind zusammen hier im Namen Gottes, des Unbegreiflichen. Kann uns sein Geheimnis faszinieren?

Wir singen für Gott das Loblied, das die Engel zu Bethlehem anstimmen, als Jesus geboren ist – Ehre sei Gott in der Höhe!

„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, unser Leben ist ein Weg – nie sind wir fertig, immer fragen wir alte Fragen neu. Auch in der Kirche gehen wir unsere Wege, meistens nebeneinander her, manchmal gemeinsam. Lass es gelingen, einander ernstzunehmen und auf Fragen und Antworten zu hören.

Das erbitten wir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus 1, 18-21 (GNB):

18. Mit der Geburt Jesu Christi verhielt es sich so: Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt. Aber noch bevor die beiden die Ehe eingegangen waren, stellte sich heraus, dass Maria durch die Wirkung des heiligen Geistes ein Kind erwartete.

19. Josef, dem sie durch die Verlobung schon rechtsgültig verbunden war, war ein anständiger Mann und wollte sie nicht öffentlich verklagen. Er dachte daran, sich stillschweigend von ihr zu trennen.

20. Ehe es jedoch dazu kam, erschien ihm im Traum ein Engel des Herrn und sagte zu ihm: »Josef, du Nachkomme Davids, scheue dich nicht, Maria zu dir zu nehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, kommt vom Geist Gottes.

21. Sie wird einen Sohn bekommen; den sollst du Jesus nennen. Denn er wird sein Volk von aller Schuld befreien.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen ein Spiritual aus Amerika:

Nobody knows the trouble I’ve seen, nobody knows but Jesus. Nobody knows the trouble I’ve seen, glory hallelujah!

Ich bin voll Unrast, fern von dir, o mein Gott, und deine Stimme schweigt in mir, o mein Gott.

O Herr, wir rufen alle zu dir, sieh unsre Not und hilf uns! O Herr, wir rufen alle zu dir, sieh die Not und rette uns!

Sometimes I’m up, sometimes I’m down, oh yes Lord, sometimes I’m almost to the ground, oh yes Lord.

Nobody knows the trouble I’ve seen, nobody knows but Jesus. Nobody knows the trouble I’ve seen, glory hallelujah!

Ich war voll Mut und Selbstvertraun, o mein Gott, wollt nicht nach deiner Hilfe schaun, o mein Gott.

O Herr, wir rufen alle zu dir, sieh unsre Not und hilf uns! O Herr, wir rufen alle zu dir, sieh die Not und rette uns!

One day when I was walkin‘ ‚long, oh yes Lord, the element opened and love came down, oh yes Lord.

Nobody knows the trouble I’ve seen, nobody knows but Jesus. Nobody knows the trouble I’ve seen, glory hallelujah!

Die Sünde raubte mir das Glück, o mein Gott, ließ Überdruss und Angst zurück, o mein Gott.

O Herr, wir rufen alle zu dir, sieh unsre Not und hilf uns! O Herr, wir rufen alle zu dir, sieh die Not und rette uns!

I never shall forget that day, oh yes Lord, when Jesus washes my sins away, oh yes Lord.

Nobody knows the trouble I’ve seen, nobody knows but Jesus. Nobody knows the trouble I’ve seen, glory hallelujah!

Zwei Konfirmandinnen, eine Spielpuppe und ich tragen jetzt eine Spielszene vor, in der vier böse Geister auftreten. Ich selbst übernehme die Rolle des Satans. Den stellt man sich immer schwarz vor – ich nehme dazu mein Beffchen ab. Satan – das ist der, der einmal mit Gott eine Wette abschließt. Er behauptet:

Satan: Ich bringe den frömmsten Menschen vom Glauben ab, wenn ich ihn nur schlimm genug quäle und leiden lasse. Damals habe ich die Wette verloren. Ich konnte einfach aus dem gläubigen Hiob keinen bösen Menschen machen.

Eine Konfirmandin spielt den Lucifer, das heißt auf Deutsch „Lichtbringer“. Ursprünglich ist er ein Engel. Er will aber so hoch hinaus im Himmel, dass er in den Abgrund des Bösen hinabstürzt.

Eine andere Konfirmandin spielt die Rolle der Schlange aus dem Paradies. Das ist die, die Eva einredet, dass Gott den Menschen nichts Gutes gönnt.

Handpuppe Lutz - der kleine Teufel

Die Handpuppe Lutz spielt den Teufel

Und dieser kleine Rote Teufel hier spielt den Teufel aus dem Märchen, den mit dem Pferdefuß und den Hörnern – das ist der, dem die Menschen ihre Seele verkaufen.

Hören wir nun, was die bösen Geister einen Tag vor Heiligabend planen:

Satan: Dämonen! Ich rufe euch, weil wir sofort etwas unternehmen müssen. Das Böse in der Welt ist in Gefahr!

Teufel: Wieso? Habe ich nicht genug Kunden für die Hölle angeworben? So viele verkaufen ihre Seele für Geld!

Schlange: Und ich rede den Jugendlichen ein, dass Gott langweilig ist. Wer glaubt denn noch an DEN DA OBEN?

Lucifer: Und ich bringe den Leuten mein cooles Licht. Coolsein ist in – Gefühle sind out. Sie merken gar nicht, dass mein Licht nicht wärmt, sondern ihnen die Hölle heiß macht.

Satan: Trotzdem, ich weiß aus sicherer Quelle: Schon morgen holt ER DA OBEN zu einem gewaltigen Schlag gegen das Böse aus!

Teufel: Wie denn? Gibt er den Engeln im Himmel neue Waffen? Laserkanonen? Zauberbücher?

Schlange: Oder hat er endlich eingesehen, dass die Erde eine Fehlplanung ist? Lässt er sie mit einem Kometen zusammenkrachen – bums, krach, alles aus und vorbei?

Lucifer: Nein, Schlange, das wagt er nicht, dann hätten wir ja unser Ziel erreicht.

Satan: Nein, ER DA OBEN hat etwas ganz anderes vor. Er kommt selber auf die Welt!

Schlange: Aber das geht doch nicht. Kein sterbliches Wesen überlebt den direkten Kontakt mit IHM persönlich.

Satan: ER wird ein Mensch. Ein Kind. Jesus soll er heißen.

Teufel: Ein Kind – das können wir doch spielend ausschalten.

Lucifer: Jesus heißt das Kind? Es soll morgen in Bethlehem geboren werden? Sohn von Maria und Josef, beide nur verlobt, nicht verheiratet?

Satan: Sohn von Maria und GOTTES Sohn, Josef ist nur der Pflegevater. ER DA OBEN lässt seinen Geist in ihm wohnen. Darum ist Jesus so gefährlich für uns. GOTTES Sohn, der lässt sich nicht auf Böse umpolen.

Teufel: Aber wenn er sterben würde? Vielleicht schon als Kind? Einem kleinen Baby kann so viel passieren.

Lucifer: Ich sehe mit meinem Lucifer-Licht in der Zukunft, wer wann sterben muss. Was sehe ich da? König Herodes bringt alle Kinder in Bethlehem um.

Teufel: Stimmt, dazu werde ich ihn anstiften. Herodes ist einer meiner treuesten Diener!

Lucifer: Aber was ist das? – Jesus ist nicht unter den getöteten Kindern! Drei Könige warnen den Vater – die Familie flieht nach Ägypten!

Teufel: Was soll’s, einem jungen Menschen kann später noch genug zustoßen.

Lucifer: Ja, ich sehe. Mit 33 Jahren wird Jesus wirklich sterben.

Schlange: Dann ist ja doch noch alles aus und vorbei mit Jesus.

Satan: Eben nicht. Er bleibt gefährlich für uns. Er stirbt aus Liebe – und lebt ewig.

Schlange: Du meinst: Jesus stirbt und ER DA OBEN weckt ihn wieder auf?

Satan: Ja, in Jesus lebt SEINE Liebe – und diese Liebe kann nicht sterben. Dagegen können wir nicht an.

Lucifer: Dann gibt es nur eine Lösung! Jesus darf gar nicht erst geboren werden!

Schlange: Ich rede mal mit Josef, der ist sowieso nicht der leibliche Vater von dem Jesus. Und ich zische Maria was ins Ohr. Bei Eva damals hat’s auch geklappt. Ich habe Erfahrungen mit Frauen.

Lucifer: Zur Sicherheit halte ich mich im Hintergrund und springe ein, wenn du versagst.

Satan: Dann macht eure Sache gut – äh, macht sie – böse!

Danke für die erste Spielszene! Eine zweite folgt später. Jetzt singen wir zur Orgel aus dem Lied 6 die Strophen 1, 4 und 5:

Ihr lieben Christen, freut euch nun, bald wird erscheinen Gottes Sohn, der unser Bruder worden ist, das ist der lieb Herr Jesus Christ.

Der Teufel brächt uns gern zu Fall und wollt uns gern verschlingen all; er tracht‘ nach Leib, Seel, Gut und Ehr. Herr Christ, dem alten Drachen wehr.

Ach lieber Herr, eil zum Gericht! Lass sehn dein herrlich Angesicht, das Wesen der Dreifaltigkeit. Das helf uns Gott in Ewigkeit.

Ich habe mich am letzten Dienstag in der Konfi-Stunde gefragt – warum interessieren sich viele Konfirmanden mehr für Geister als für Gott? Mir sind drei Gründe eingefallen.

Erstens – wenn Gott die Sünde bestraft, dann steht er auf der Seite der Erwachsenen, die immer an den Jugendlichen herummeckern.

Zweitens – wenn Gott die Sünde vergibt, ist er zwar gut und lieb, wirkt aber ziemlich langweilig.

Und drittens – trotz seiner Allmacht scheint Gott das Böse in der Welt überhaupt nicht im Griff zu haben.

Die Sache mit den Geistern ist spannender, die sind auch nicht so weit weg und nicht so groß und heilig. Sie machen ein bisschen Angst, aber irgendwas Aufregendes muss es im Leben ja geben. Und es gibt so viele Anhaltspunkte dafür, dass es mehr gibt, als selbst der Pfarrer erklären kann.

Als ich darüber nachdachte, fiel mir auf, dass auch im Gesangbuch vom Teufel die Rede ist, in dem Lied eben zum Beispiel: „Der Teufel brächt uns gern zu Fall und wollt uns gern verschlingen all“. Und auch in der Bibel kommen drei von den Figuren vor, die wir eben haben auftreten lassen – die Schlange, die Eva und Adam verführt, Lucifer, der zur Hölle gefallene Engel, und Satan, der Hiob und Jesus auf die Probe stellt. Den Teufel mit dem Pferdefuß gibt es zwar nur im Märchen, aber auch die Bibel spricht vom Bösen oft wie von einer Person, die Macht über uns gewinnt und denkt dabei an Menschen, die skrupellos über Leichen gehen, die Kinder missbrauchen, die andere Menschen quälen und ausbeuten.

Schon in der Bibel stellt sich die Frage: Haben diese bösen Geister die Welt nicht fest im Griff? Was kann Gott schon gegen sie ausrichten, wenn man nicht einmal mehr an Gott glaubt – wenn man gar nicht mehr glauben kann, dass sich das Gute durchsetzen wird?

Und doch ist es gerade Gott, der den Kampf mit den bösen Mächten aufnimmt. Auf seine Weise. Darum geht es an Weihnachten, und darum geht es in der Spielszene von vorhin. Ein Kind wird geboren, in dem der Höchste selbst zur Welt kommt, Liebe pur, sonst ohne jede Zauberkraft. Man glaubt gar nicht, wie stark Liebe sein kann! Die ganze Liebe des großen Gottes verpackt in einen kleinen Menschen, das reicht aus, um die ganze Welt zu retten – und selbst dem größten Sünder zu verzeihen, wenn er verzweifelt merkt, dass er auf seinem Weg ins Unglück rennt.

Diese Botschaft steckt in dem einen Satz, den Josef im Traum von einem Engel hört (Matthäus 1, 21 – GNB):

21. [Maria] wird einen Sohn bekommen; den sollst du Jesus nennen. Denn er wird sein Volk von aller Schuld befreien.

Die Liebe, die in diesem Jesus steckt, schafft zwar nicht alles Leid aus der Welt. Aber diese Liebe ist ansteckend und weckt in vielen Menschen wieder neue Liebe. So wird die Welt gerettet. So werden auch wir gerettet. Wenn wir lieben, sind wir schon hier im Leben nicht tot. Unser Leben macht Sinn und ist jeden Tag aufregend genug.

Sicher, sterben muss jeder irgendwann, auch der, der liebt. Mancher schon früh, das macht uns traurig. Doch wir dürfen auf ewiges Leben hoffen.

Wie ewiges Leben aussieht, weiß ich nicht. Es ist sicher nicht die endlose Verlängerung von einem öden Erdenleben. Ich stelle mir ewiges Leben erfüllt und spannend vor, garantiert ohne Langeweile. Verdienen können wir es uns nicht. Es ist geschenkt. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Spiritual:

Amazing grace, how sweet the sounds, that saved a wretch like me. I once was lost, but now am found, was blind, but now I see.

Wie süß der Name Jesu klingt für den, der ihm vertraut. Wer blind für Gottes Liebe war, sein Leben auf ihn baut.

Through many dangers, toils and snares, I have already come; ‚t is grace hath brought me safe thus far, and grace will lead me home.

Aber noch ist nicht Heiligabend. Und noch haben die Höllengeister ihre Pläne nicht ausgeführt. Sie haben ja Angst vor dem göttlichen Kind, so viel Angst, dass sie seine Geburt verhindern wollen. Hören wir, wie sie das anstellen wollen!

Hier macht sich die Schlange an Josef heran.

Schlange: He, Josef, warum lässt du dir das eigentlich gefallen? Deine Verlobte kriegt ein Kind, und du erfährst es als Letzter! Alle werden dich auslachen!

Josef: Ist mir egal. Ich hatte einen Traum. Da sagt mir ein Engel: Das Kind im Bauch von Maria ist heilig.

Schlange: Aber eigentlich wolltest du Maria heimlich verlassen.

Josef: Stimmt. Ich dachte nur, Maria hat mich betrogen. Aber nun weiß ich: Darum geht es gar nicht. Das Kind braucht einen Vater, Maria braucht einen Ehemann, und ich vertraue ihr.

Schlange: Du wirst dich noch selber in Gefahr bringen. Weißt du, dass Herodes schon hinter dem Kind her ist?

Josef: Hau ab, du Teufel! Du bist ja selber hinter dem Kind her. Ich werde es beschützen, so gut ich kann. Keiner darf diesem Kind Gewalt antun, so wahr ich Josef heiße.

Da schleicht sich die Schlange an Maria heran.

Schlange: Maria, sollte Gott gesagt haben: Du kriegst ein heiliges Kind? Das glaubst du ja selber nicht!

Maria: Doch, das glaube ich. Ein Engel hat mich besucht, als ich nicht wusste, wie mir geschehen war. Er hat mir Mut gemacht, das Kind zu bekommen.

Schlange: Aber du wirst es schwer haben. Alle tuscheln über dich: sie hat ein uneheliches Kind und beinahe hätte Josef sie verlassen. Was soll aus einem solchen Kind schon werden? Treib doch lieber ab!

Maria: Geh weg, du böse Schlange! So hast du damals Eva verführt! Nein, ich liebe dieses Kind und werde es zur Welt bringen.

Im Hintergrund steht Lucifer und bekommt die Niederlage der Schlange mit. Nun spricht er Maria an:

Lucifer: Hallo, Maria! Hat die böse Schlange dich belästigt? Hab keine Angst, ich bin ein Engel.

Maria: Aber du bist nicht der Engel, der schon mal da war.

Lucifer: Nein, das war mein Bruder. Er hat mich geschickt, um dir noch etwas zu sagen.

Maria: Sagst du mir, was einmal aus meinem Sohn werden wird? Ob ich stolz auf ihn sein kann?

Lucifer: Ich zeige dir die Zukunft. Siehst du: dein Sohn wird mit 33 Jahren sterben. Als Verbrecher am Kreuz. Das wollte dir mein Bruder nicht sagen. Es ist zu schlimm.

Maria: Das ist nicht wahr. Du lügst mich an!

Lucifer: Ich lüge nicht.

Maria: Aber die ganze Wahrheit sagst du nicht. Mein Sohn wird kein böser Mensch.

Lucifer: Mag sein, aber sterben wird er wie ein Mörder, hingerichtet am Kreuz.

Maria: Warum tust du mir so weh? Was soll ich tun?

Lucifer: Vertrau mir. Erspare deinem Kind sein schweres Schicksal. Nimm diesen Trank – dann kommt dein Kind nicht lebend zur Welt. Es bleibt gleich bei Gott im Himmel.

Maria: Nein, du bist kein Engel. So redet kein Engel. Was auch immer geschieht, ich gebe dir keine Macht über dieses Kind.

Lucifer: Dein Herz wird dir brechen, wenn dein Sohn von allen verachtet sterben wird.

Maria: Ich kann es nicht begreifen. Aber wenn Gott es so will, dann muss ich es tragen. Ich habe jedenfalls kein Recht, dieses Kind zu töten. Ich werde es lebend zur Welt bringen. Eins sollst du wissen: Ich liebe mein Kind!

Die bösen Geister sind besiegt – Liebe ist stärker als Schlange, Teufel und Lucifer zusammen. Als der Satan davon erfährt, ist er wütend und nimmt sich vor:

Satan: Eines Tages kommt meine Zeit. Eines Tages wird Jesus Hunger haben in der Wüste – dann werde ich ihm Zauberkräfte geben und die Herrschaft über die ganze Welt anbieten. Dem wird er nicht widerstehen können.

Aber wir wissen: Jesus wird stärker sein. Insgeheim hat Satan ja gleich gewusst: Gegen diese Liebe kommen auch die bösesten Geister nicht an.

Deshalb können wir morgen getrost frohe Weihnachten feiern. Und heute schon singen wir das Spiritual, das ursprünglich ein Weihnachtslied ist:

Go, tell it on the mountains over the hills and ev’rywhere, go, tell it on the mountains, that Jesus Christ was born.

When I was a seeker, I sought both night and day. I asked my Lord to help me and he showed me the way.

Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein, komm, sag es allen weiter, dass Jesus ist geborn.

Sein Haus hat offne Türen, er ruft uns in Geduld, will alle zu sich führen, auch die mit Not und Schuld.

Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein, komm, sag es allen weiter, dass Jesus ist geborn.

When I was a sinner, I prayed both night and day, I asked the Lord to help me, and he showed me the way.

Go, tell it on the mountains over the hills and ev’rywhere, go, tell it on the mountains, that Jesus Christ was born.

Gott, du bist unsichtbar und manchmal unscheinbar, kaum zu erkennen in einer Welt voller böser Mächte. Wir bitten dich um Vertrauen, dass wir Liebe nicht verachten und übersehen, wo wir sie bekommen. Wir bitten dich um Liebe, dass wir Menschen nicht zur Seite schubsen, wenn sie uns brauchen, dass wir Menschen nicht weh tun, nur weil sie anders sind als wir. Wir bitten dich um Hoffnung, dass unser Leben gelingt.

Schenke uns morgen einen Heiligen Abend ohne Heuchelei und ohne falsche Fröhlichkeit. Schenke uns ein gesegnetes Weihnachtsfest und lass es bei uns Frieden werden. Amen.

Was wir außerdem auf dem Herzen haben, bringen wir in der Stille vor dich, unser Gott.

Stille und Vater unser

Wir singen das Lied 18:

Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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