Auch Jesus war ein Konfirmand

Jesus als Konfirmand war gar nicht viel anders als ihr. Wenn man als Junge mit der Großfamilie unterwegs ist, um ein Riesenfest zu feiern, können die Eltern ihn schon mal aus den Augen verlieren. Er vergisst die Zeit der Rückkehr, und den Eltern fällt erst auf, dass er weg ist, als man einen ganzen Tag in Richtung Heimat gelaufen ist.

Silhouette eines Jungen vor Sonnenuntergang

Ein Junge vor der untergehenden Sonne (Bild: pixabay.com)

#predigtKonfirmation am Sonntag Jubilate, 17. April 2016, um 14.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Orgelvorspiel zum Einzug der Konfirmandinnen und Konfirmanden mit dem Kirchenvorstand

Im Namen aller Konfis begrüße ich Eltern, Verwandte, Paten und Freunde, den Kirchenvorstand und alle anderen in unserem Gottesdienst zur Konfirmation!

„Auch Jesus war ein Konfirmand“, so steht es auf dem Liedblatt für die letzte Konfirmation, die ich als Pfarrer der Paulusgemeinde mit Ihnen und euch feiere. Wie ich das meine, davon erzähle ich mehr in der Predigt. Ein Konfirmand, eine Konfirmandin, das sind junge Menschen, die sich darauf vorbereiten, konfirmiert, das heißt wörtlich „festgemacht“ zu werden. Ihr macht heute eure Sache mit Gott und mit der Kirche fest, und ihr bekommt Segen von Gott, der euch stark macht für euer erwachsenes Leben als Christinnen und Christen.

Noch ein paar Ansagen: Um Unruhe zu vermeiden, schalten Sie bitte Ihr Handy aus.

Fotografiert oder gefilmt werden sollte nur oben von der Empore aus, aber bitte ohne Blitz. Nach dem Gottesdienst ist Gelegenheit zum Fotografieren vor der Kirche oder am Altar.

Am Mittwoch um 14.30 Uhr findet im Gemeindesaal der Paulustreff statt. Pfarrer Schütz zeigt Bilder aus dem Leben der Paulusgemeinde.

Am Donnerstag lädt Pfarrer Schütz zum Bibelgespräch um 20 Uhr in den Raum Tamar ein. Gelesen wird die Geschichte vom Berg Sinai, wo das Volk Israel die Gebote der Freiheit bekommt.

Am nächsten Sonntag ist hier in der Pauluskirche wieder Gottesdienst um 14 Uhr, in dem Pfarrer Schütz in den Ruhestand verabschiedet wird. Anschließend ist ein Empfang mit Grußworten, Gesang und Capoeira.

Die Kollekte vom letzten Gottesdienst ergab 146 Euro und 9 Cent für die Kirchenmusik unserer Landeskirche. Dafür danken wir sehr herzlich.

Über die heutige Kollekte haben wir Konfirmandinnen und Konfirmanden abgestimmt. Sie ist für die Stiftung „Wings of Hope Deutschland“ bestimmt. Diese betreut vor allem Kinder, die mit ihren Familien aus Krisengebieten geflüchtet sind.

„Wings of Hope“ heißt „Flügel der Hoffnung“. Diese Hilfsorganisation baut sichere und geschützte Stätten auf, in denen Kinder und Jugendliche unterrichtet werden, Fußball spielen und Freundschaften schließen können. Sie können dort Sicherheit, eine Struktur in ihrem Alltag und ein gewaltfreies Umfeld erleben, um mit oft schrecklichen Erlebnissen besser fertig zu werden.

Bekanntgabe zur Wahl eines Nachfolgers für die Paulus-Pfarrstelle

Jetzt konzentrieren wir uns auf die Feier der Konfirmation.

Wir lassen uns konfirmieren im Namen von Jesus, der selber auch einmal ein Konfirmand war.

Jesuslied 552: „Einer ist unser Leben“
Wir feiern Konfirmation im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Am Anfang eines Gottesdienstes beten wir oft einen Psalm aus der Bibel. Heute sprechen die Konfis einen Psalm, dessen Gedanken von ihnen selbst stammen.

Ich habe sie gefragt: „Was stellst du dir vor und was empfindest du, wenn du an Gott denkst?“ Da haben sie Antworten gegeben, aus denen ich den folgenden Lob- und Dankpsalm zusammengestellt habe. Einer fragte allerdings zurück:

Man darf sich ja kein Bild von Gott machen. Darf man das wirklich nicht?

Doch. Wir können gar nicht anders. Wenn wir von Gott reden wollen, brauchen wir Vorstellungen und Bilder. Aber diese Bilder dürfen wir nicht mit Gott selbst verwechseln. Wörtlich steht in der Bibel: „Du sollst dir kein Bild machen, um es anzubeten.“ Also lasst uns getrost mit den Vorstellungen und Bildern unserer Konfis Gott selber anbeten, ihn loben und ihm danken!

Vater im Himmel, du bist der Schöpfer, du hast einen Sohn.

Du bist freundlich.

Viele von uns empfinden Freude, fühlen sich bei dir in Sicherheit.

Gott, wenn ich an dich denke, dann stelle ich mir Ruhe und Frieden vor.

Du bist mächtig ist und immer für alle da.

Du liebst und beschützt alle Menschen.

Mir kommen Gedanken an Hoffnung und Liebe.

Ich empfinde Ehrfurcht und Respekt.

Du schenkst uns Frieden und Liebe.

Du passt auf uns auf.

Gott, gib mir einen Tipp, was ich besser machen kann!

Ich denke immer daran, dass du mich nie im Stich lassen und mir immer helfen wirst.

Amen.

Loblied: „Halleluja, lobt Gott in sein‘m Heiligtum!“
Gott gebe euch ein Herz für sein Wort und Worte für euer Herz. Amen.

Liebe Konfis, liebe Gemeinde, schon sind wir heute bei der Predigt. Denn ich will euch und Ihnen verraten, wie es war, als Jesus ein Konfirmand war. OK, das hieß bei ihm anders, er war ja nicht evangelisch, er war Jude. Und jüdische Jungs mussten sich mit 12/13 Jahren darauf vorbereiten, in der Synagoge auf Hebräisch aus der Tora vorzulesen und zum ersten Mal auf die jährliche Pilgerreise nach Jerusalem zu gehen.

Als wir im Bibelerlebnismuseum in Frankfurt waren, habt ihr gelernt, dass zu biblischen Zeiten sowohl Jungs als auch Mädels mit 13 bereits erwachsen waren. Die Jungen wurden ein „Bar Mizwa“, ein „Sohn des Gesetzes“, die Mädchen feierten mit 13 in der Regel bereits ihre Hochzeit. Von Simon Beckmann, dem jüdischen Studenten, der euch die Gießener Synagoge gezeigt hat, habt ihr gehört, dass diese Unterschiede, die strenggläubige Juden zwischen Männern und Frauen machen, keine Abwertung der Frauen darstellen sollen. Sie seien, da sie Kinder gebären, also Leben schaffen, Gott näher als die Männer; darum hätten es nur Männer nötig, die Tora zu studieren und die Kippa zu tragen als Erinnerungszeichen dafür, dass Gott über ihnen steht. Heute allerdings gibt es bei den Juden nicht nur die Bar Mizwa für Jungen, sondern auch Mädchen werden mit 13 zur „Bat Mizwah“, zur Tochter des Gesetzes.

Wie war das nun bei Jesus, bei seiner Bar Mizwa? Wie hat er sich als Konfirmand verhalten? Darüber gibt es eine Geschichte in der Bibel; sie steht im Evangelium nach Lukas 2, 40-52. Das ist das einzige, was wir aus Jesu Jugendzeit erzählt bekommen:

40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.

41 Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest.

42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes.

43 Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten‘s nicht.

44 Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten.

45 Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn.

46 Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte.

47 Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.

48 Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.

49 Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?

50 Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte.

51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.

52 Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Danke für das Lesen!

Ja, liebe Konfis, liebe Gemeinde, Jesus als Konfirmand war gar nicht viel anders als ihr. Wenn man als Junge in ungefähr eurem Alter mit der Großfamilie und mit Freunden unterwegs ist, um ein Riesenfest zu feiern, da kann es schon mal passieren, dass die Eltern ihn aus den Augen verlieren. Er vergisst die Zeit der Rückkehr, denkt nicht an Absprachen, und den Eltern fällt erst auf, dass er weg ist, als man schon einen ganzen Tag in Richtung Heimat gelaufen ist. Bei Jesus dauert es dann ganze drei Tage, bis die Eltern ihn wiederfinden.

Wenn ich mir vorstelle, einer von euch wäre beim Weihnachtsmarkt in Frankfurt verloren gegangen und wir hätten ihn drei Tage lang suchen müssen, ich glaube, eure Eltern wären vor Sorge vergangen, nicht weniger als Maria und Josef damals. Ist Jesus etwas zugestoßen in der großen Stadt, auf den unsicheren Straßen? Ist er an falsche Freunde oder ins Rotlichtviertel geraten oder von Räubern überfallen worden? Drei Tage Hoffen und Bangen, ohne etwas zu wissen über das eigene Kind, ich glaube, alle, die selber Kinder haben, wissen, was das bedeutet.

Aber wie Kinder so sind: sie begreifen nichts von den Sorgen, die sich ihre Eltern um sie machen. Da ist Jesus nicht anders als alle anderen Kinder und speziell Jugendliche im Konfi-Alter. Auch in dieser Hinsicht ist Jesus ganz Mensch. Sie suchen ihn mit Schmerzen? Er fragt: „Warum habt ihr mich gesucht? Hättet ihr euch nicht denken können, wo ich bin?“

Typisch für die Eltern ist ja, dass sie im ersten Moment, als sie ihren Sohn seelenruhig im Tempel sitzen sehen, von Sorge auf Vorwurf umschalten: „Kind, was tust du uns an!“ Welche Mutter, welcher Vater könnte sich nicht gut in Maria und Josef hineinversetzen? Luther übersetzt Marias Anrede an Jesus mit: „Mein Sohn!“ Im Urtext steht wörtlich: „Kind!“ Mütter sind so, aber das weckt erst recht den Widerspruch eines Zwölfjährigen. Welcher Junge, der so gut wie erwachsen ist, lässt sich schon gerne als Kind behandeln!

Warum erzählt uns Lukas diese kleine Familiengeschichte? Nur um zu unterstreichen, dass Jesus ein Junge wie jeder andere war, der seinen Eltern hin und wieder auch einmal Sorgen machte? Das ist nur die eine Seite der Geschichte.

Die andere besteht darin, dass Jesus seine Bar Mizwa wirklich ernst nimmt. Und auch darin ist er gerade euch in diesem Konfi-Jahr ähnlich: er will etwas lernen über Gott und den Glauben. Wenn er schon ein „Sohn des Gesetzes“ werden soll, dann will er auch etwas erfahren über die Gebote Gottes und sie verstehen. Und so setzt er sich in den Tempel zu den Priestern und Bibelexperten. Und so wie viele von euch im Unterricht stellt er ihnen nicht nur Fragen und hört ihren Antworten zu, sondern er diskutiert auch mit ihnen, und nicht zuletzt probiert er eigene Antworten aus, die irgendwann jeder selbst auf schwierige religiöse Fragen finden muss.

Soweit ist Jesus also ein Konfirmand, der seine pubertäre Nonchalance gegenüber seinen Eltern mit einem Interesse an seiner Religion verbindet. Etwas unterscheidet ihn aber dann doch von handelsüblichen Konfis, wie ihr es seid. „Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?“, so fragt er seine Eltern. Sie verstehen nicht, dass er von Gott im Himmel spricht. Will er sagen: „Hey, ich werde ein Sohn des Gesetzes! Ist damit nicht Gott mein Vater? Der hat mir mehr zu sagen als jeder Mensch auf Erden!“

Jesus ist tatsächlich in einer außergewöhnlichen Weise Gottes Sohn, das steht im Mittelpunkt unseres christlichen Glaubens. Alles, was Gott will, die ganze Liebe von Gott, wir können auch sagen, der komplette heilige Geist Gottes, kommt in diesem Menschen Jesus zum Ausdruck. Und die Bibel erzählt, dass Jesus dieses Leben als Ebenbild der Liebe Gottes lernen, einüben muss, auf ganz einfache, menschliche Weise. Indem er ein Konfirmand ist wie andere, indem er mal auf seine Eltern hört und dann auch wieder mehr auf eigene Ideen. Und auch wenn er weiß oder ahnt, dass er der Sohn Gottes ist, nutzt er dieses Wissen nicht dazu, auf seine Eltern herabzusehen, sondern er erweist ihnen den Respekt, den das Gebot Gottes auch von ihm erwartet: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!“ Jesus vertraut seinen irdischen Eltern, denn er weiß, dass sie so gut für ihn sorgen, wie sie es können. Auch er hat es nötig, erzogen zu werden, Einsichten zu gewinnen; er darf lernen, wachsen und reifen.

Wie Jesus sich als Kind und als Jugendlicher entwickelt, das wird übrigens in Sätzen beschrieben, die ich auch von euch Konfis sagen könnte:

„Er wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.“

„Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.“

Auch ihr werdet älter und wachst und verändert euch schneller, als es euren Eltern manchmal lieb ist. Auch ihr nehmt an Weisheit zu, wenn mit Weisheit das gemeint ist, was ihr im Leben wirklich braucht: nämlich dass ihr im Vertrauen auf Gott lernt, Verantwortung für euer eigenes Leben zu übernehmen. Das alles geht nur mit Gottes Gnade, also mit Liebe, die er euch schenkt. Auch in diesem Punkt ist Jesus nicht anders als ihr.

Vertrauen auf Gott braucht Zeit, um zu wachsen. Gottvertrauen hat hat Jesus zu dem gemacht, was er war und ist. Dieses Vertrauen wird auch euch durch euer Leben tragen. Amen.

Gott erfülle dich mit aller Freude und mit Frieden im Glauben. Amen.
Jesuslied: „Der Gammler“

Liebe Gemeinde, eben habe ich in der Predigt behauptet, unsere Konfis hätten in ihrer Konfi-Zeit an Weisheit zugenommen. Ich meine damit, dass sie sich im Unterricht immer wieder sehr ernsthafte und ernstzunehmende Gedanken über Gott und die Welt gemacht haben. Ein Beispiel davon stellen Ihnen die Konfis jetzt selber vor. Einmal mussten sie sich quasi buchstäblich darum bemühen, Söhne und Töchter des Gesetzes zu werden, denn ich habe ihnen die Frage gestellt: „Was für Gesetze würdest du aufstellen, wenn du oberster Gesetzgeber der Welt wärest?“ Auf einem Blatt standen die Worte „Jeder muss“ und „Niemand darf“, und die Konfis sollten die Sätze vervollständigen. Mir fiel bei den Antworten auf, dass die Gesetze der Konfis fast alle mit den Zehn Geboten übereinstimmen und sie auf eine kluge Weise auslegen. Hören wir, was sie dazu aufgeschrieben haben:

Jeder muss höflich, friedlich und sozial sein.

Niemand darf Leute töten, verletzen oder ihnen etwas Schlimmes antun.

Jeder muss helfen, auf seine Mitmenschen achten, hilfsbereit sein.

Niemand darf zu etwas gezwungen werden. Niemand darf Leute erpressen, einfach über ihr Leben entscheiden.

Jeder muss loyal sein, vor anderen Leuten Respekt haben, seine Mitmenschen respektvoll behandeln.

Niemand darf Mitmenschen gewaltsam behandeln, schlagen, beleidigen oder mobben.

Jeder muss seine Familie ehren, vor allem seine Eltern ehren und lieben.

Niemand darf Krieg unterstützen.

Jeder muss gegen die IS und andere Terrorgruppen vorgehen.

Niemand darf stehlen.

Jeder muss bezahlen.

Jeder muss nach den Gesetzen des jeweiligen Landes leben – bis auf die Steuergesetze.

Ob das letztgenannte Gesetz, so sympathisch es klingt, wirklich durchsetzbar wäre, lasse ich mal offen, genau so wie die Frage, ob man die folgenden Dinge mit Gesetzen regeln kann:

Jeder muss atmen.

Jeder muss genug schlafen.

Jeder muss lachen.

Jemand schrieb außerdem auf: Niemand darf glücklich sein. Das habe ich nicht verstanden. Hat das jemand geschrieben, der selber unglücklich ist und auch anderen kein Glück gönnt? Aber wahrscheinlich wollte da nur jemand einen Scherz machen. Ich bin übrigens sehr stolz auf diese Konfi-Gruppe, weil es bis auf ganz wenige Ausnahmen nur ernsthafte Antworten auf die Fragen gab, die wir Pfarrer ihnen gestellt haben.

Zum Gesetzgebungsverfahren durch die Konfis gehörte dann noch ein zweiter Schritt. Sie sollten auch sagen, welche Rechte ein Mensch haben soll, also die beiden Sätze „Jeder darf“ und „Niemand muss“ vervollständigen. Also, was soll allen Menschen erlaubt sein?

Niemand muss um sein Leben Angst haben.

Jeder darf das tun, was er will, so lange es sich in Grenzen hält.

Niemand muss leiden, hungern oder arm sein.

Jeder darf atmen, Auto fahren, Einkaufen, Spaß haben.

Niemand muss auf die Eltern seiner Freunde hören.

Jeder darf Freunde haben und über sein eigenes Leben entscheiden.

Jeder darf lieben, wen er will.

Jeder darf Menschen helfen.

Niemand muss böse sein. Niemand muss hassen.

Jeder darf mal schlecht gelaunt sein. Niemand muss freundlich sein.

Niemand muss in die Schule. Niemand muss Steuern zahlen.

Jeder darf zur Schule gehen oder studieren, also jeder hat ein Recht auf Bildung.

Niemand muss gegen seinen Willen im Krieg dienen. Niemand muss ohne Grund ins Gefängnis.

Jeder darf Schutz vor dem Staat erhalten, also zum Beispiel auch seine Meinung frei äußern.

Niemand muss sich ärgern lassen.

Jeder darf andere ärgern.

Bei diesem letzten Satz habe ich gestutzt. Soll das wirklich erlaubt sein, andere ärgern zu dürfen? Dann dachte ich: Natürlich gehört dieses Recht auch zur Demokratie dazu, wie wir sie haben und gut finden. Wo die Freiheit aufhört, sich kritisch über hochgestellte Personen zu äußern, weil sich ein Staatsmann über eine in seinen Augen übertriebene Satire ärgert, da ist bald die ganze Demokratie in Gefahr.

Einige Konfis haben sich auch Gedanken über die Gesetzgebung zu religiösen Fragen gemacht. Manche ihrer Gesetze klingen ziemlich strikt, sie würden mir selber, ehrlich gesagt, in einer Gesellschaft der Vielfalt und Toleranz zu weit gehen:

Jeder muss Respekt vor Gott haben.

Niemand darf Gott beleidigen.

Jeder muss die Bibel lesen.

Niemand darf aus dem Gottesdienst einfach rausgehen.

Andere Konfis sind für mehr Freiheit in Religionsfragen:

Jeder darf seine eigene Religion haben.

Jeder darf Gott anbeten.

Niemand muss an Gott glauben.

Jeder darf an die Religion glauben, an die er oder sie will.

Ich denke, damit ist deutlich geworden, wie viel und wie gründlich in diesem Konfi-Jahr nachgedacht worden ist. Anderes war für die Konfis und uns Pfarrer auch sehr wichtig: gemeinsame Erlebnisse auf dem Konfi-Castle oder mit Helfern für Flüchtlinge, mit dem Behindertenseelsorger oder bei Besuchen in kirchlichen Einrichtungen und bei anderen Religionsgemeinschaften. Am deutlichsten wurde mir, dass ihr eine christliche Gruppe seid, als ihr Erfahrungen mit dem Thema „Mobbing, Feindesliebe und Frieden“ gemacht habt. Eure Texte im Konfi-Gottesdienst am Sonntag nach den Anschlägen von Paris finde ich nach wie vor beeindruckend. Und eure Fähigkeit, Konflikte in eurer Gruppe entweder selber zu lösen oder euch auf die Mediation durch eine unserer damaligen Kirchenvorsteherinnen einzulassen, möchte ich auch noch einmal lobend hervorheben.

Lied: „Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist“

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, nun kommen wir langsam zum zentralen Ereignis in diesem Konfirmationsgottesdienst. Ihr sagt auf eure Weise Ja zu Gott, er sagt Ja zu euch. Vor allem diejenigen von euch, die als kleine Kinder getauft wurden, sagen Ja zu ihrer Taufe, zu der ihr damals noch nicht eure Meinung sagen konntet. Gott liebt euch, Gott will euch in eurem Leben begleiten, er will, dass ihr auf seine Gebote der Freiheit und der Liebe hört. Dazu sagt ihr Ja, indem ihr euch konfirmieren lasst, und daraufhin spreche ich euch in ganz besonderer Weise Gottes Segen für euer Leben zu: ihr werdet eingesegnet.

Jede und jeder von euch glaubt auf ihre oder seine eigene Art und Weise an Gott. Wie wir es vorhin schon in der Geschichte von Jesus gehört haben: Euer Glaube ist noch nicht fertig. Nicht einmal mein Glaube ist fertig. So lange wir leben, hören wir nicht auf zu lernen. Davon, wie euer Glaube jetzt im Konfi-Jahr aussieht, hören wir jetzt noch einmal etwas von euch. Ihr habt dazu einmal die Frage beantwortet: „Worauf vertrauen wir, worauf verlassen wir uns?“

Die meisten von uns haben geschrieben: Auf Gott.

Ein paar haben geantwortet: auf den Allmächtigen oder auf Jesus oder auf den Heiligen Geist.

Einigen war es wichtig, überhaupt einen Glauben zu haben, sie verlassen sich auf ihren Glauben.

Einzelne vertrauen auf Gesundheit, auf Liebe, auf Segen von Gott.

Viele verlassen sich auf ihre Familie und im besonderen auf ihre Mama.

Ebenso viele verlassen sich auf ihre Freunde.

Es gab auch welche, die geantwortet haben: Ich vertraue auf die Welt oder auf die Natur.

Einige schrieben: Ich verlasse mich auf mich.

Manche schrieben Sätze aus dem Glaubensbekenntnis auf, an die sie besonders glauben.

Zum Beispiel die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen.

Oder an die Auferstehung: dass Jesus am dritten Tage auferstanden ist und zur Rechten Gottes sitzt.

Oder an die Vergebung der Sünden und an das ewige Leben nach dem Tod.

Soweit euer Glaube, wie ihr ihn selber formuliert habt. Gemeinsam sprecht ihr jetzt das Glaubensbekenntnis, das ihr gelernt habt. Es ist ein Bekenntnis, das die Christen der Welt gemeinsam haben, auch wenn nicht jeder jeden Satz in gleicher Weise glauben kann. Wer es spricht, der darf es als Bitte verstehen, als Bitte um einen eigenen starken Glauben, als Bitte um ein Vertrauen zu Gott, das Gott uns selber schenken will. Heute bei der Konfirmation sprecht ihr Konfirmanden das Glaubensbekenntnis allein, die Gemeinde betet es still mit. Wir schließen alle gemeinsam mit „Amen.“

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde; und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. „Amen.“

Lied: „Jesus Christus segne dich“

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, nun spreche ich euch für euer Leben als Christen Gottes Segen zu.

Segen ist das persönliche Geschenk von Gott an euch. Gott schenkt nicht immer, was man sich wünscht. Er gibt das, was aus eurem Leben ein ewig sinnvolles Leben macht.

Als persönliches Segenswort für euer Leben sage ich euch euren Konfirmationsspruch.

Einsegnung von 21 Konfirmandinnen und Konfirmanden der Paulusgemeinde

Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist gebe dir seine Gnade:
Schutz und Schirm vor allem Bösen,
Stärke und Hilfe zu allem Guten,
dass du bewahrt werdest in rechtem Glauben. Amen.

Gott, begleite die Neukonfirmierten auf ihrem Weg durchs Leben. Lass sie spüren, dass sie wertvolle Menschen sind. Hilf ihnen, verantwortungsvoll ihren eigenen Weg zu gehen, und schenke ihnen Aufmerksamkeit für das, was andere brauchen. Amen.

Jetzt ist noch ein herzliches Dankeschön dran: es gilt am Ende des Konfi-Jahres dem Konfi-Team, das mit mir gemeinsam den Unterricht gestaltet hat: Dazu haben zeitweise Lisa Haßler sowie Tim und Michelle Steinbrecher gehört, Pfarrerin Angelika Maschke und Christoph von Weyhe waren am Anfang dabei und am Ende Pfarrer Tim Fink. Vielen Dank an alle für diese wichtige und wertvolle Unterstützung!

Worte an die Neukonfirmierten (Kirchenvorsteherin Ingrid Walpert)
Lied: „Konfirmiert!“

1. Es ist geschafft, die Pflicht getan. Viel haben wir gelernt nach Plan, auch diskutiert, so dies und das, und mit den Freunden gemeinsam gab es auch immer Spaß, immer so weiter, weiter bis zum Schluss! Heute ist Konfirmation, ein Fest in der Kirche und zu Haus. Unsere Konfis, Mädchen und Jungen, sind nicht mehr Kinder, ein Stück schon erwachsen – konfirmiert!

2. Wer weiß, was uns die Zukunft bringt, was uns im Leben voll gelingt. Gott ist bei uns, bei Tag und Nacht, auch wenn man erst einmal mit Kirche ein wenig Pause macht, Gott hat Geduld und bleibt uns immer treu. Gott ist für immer bei uns, er steht zu uns für alle Zeit. Gott lässt uns niemals, niemals alleine, er macht zu Gewinnern die Menschen, die lieben – garantiert!

Hört nun die Worte zur Einsetzung des Heiligen Abendmahls durch Jesus in gesungener Form. Die Stellen, wo über dem Text Noten stehen, werden von allen mitgesungen. Direkt im Anschluss singen wir das Vater unser, und zwar so, dass ich jede Bitte vorsinge und die Gemeinde die Bitte wiederholt.

Einsetzungsworte des Heiligen Abendmahls nach Peter Janssens
Vater unser im Himmel…

Wir feiern miteinander das heilige Abendmahl. Die Konfirmierten empfangen es zuerst gemeinsam hier vorn. Danach teilen sie es der Gemeinde aus. Dazu kommen sie in die Bank- und Stuhlreihen und reichen in Körben zuerst das Brot herum und dann den Wein im Urzustand, verpackt in die Weintraube, Gewächs des Weinstocks, wie Jesus den Wein genannt hat. Bitte reichen Sie Brot und Trauben weiter. Auch wer nicht am Abendmahl teilnimmt, bleibt bitte während der Feier mit in der Kirche.

Gott, du machst uns frei vom Bösen und von der Gleichgültigkeit, frei zum Guten und zur Liebe. In Jesus warst du auf der Erde – die Liebe in Person. Wie man Brot bricht, wie man Weintrauben presst, so gibt er sein Leben für uns.

Nehmt hin und esst. So spricht Jesus: Ich gebe euch, was ihr braucht, damit ihr euch bewährt im Leben.

Herumreichen des Brotkorbes

Nehmt hin und trinkt. So spricht Jesus: Wer vertrauen und lieben kann, dessen Durst nach Leben wird gestillt. Wer helfen und Hilfe annehmen kann, der wird ein erfülltes Leben haben.

Austeilen der Einzelkelche

Jesus Christus macht euch frei. Lasst euch nicht gefangennehmen durch die Macht des Bösen. Geht hin im Frieden Gottes. Amen.

Austeilung des Abendmahls an die Gemeinde durch die Neukonfirmierten
Lied 632, 1-3: „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“

Auch unsere Fürbitten sind von den Mädchen und Jungen formuliert worden, die wir heute konfirmiert haben. Einige Formulierungen sind sehr persönlich gehalten; sie werden nicht in jedem Fall von der Person vorgelesen, die sie auch verfasst hat.

Gott, wir feiern Konfirmation, ein schönes Fest, die Freude steht heute im Vordergrund.

Im Gebet am Anfang haben wir unser Lob vor dich gebracht und dir gedankt.

Jetzt beten wir wieder und bringen unsere Wünsche vor dich.

Und bevor wir das tun, wollen wir auch daran denken, was vielleicht andere Menschen von uns brauchen.

Gott, hilf mir, dass ich anderen helfe, wenn sie mich brauchen.

Dass ich dir danke und für meine Mitmenschen bete.

Dass ich Leuten helfe, wenn sie gemobbt werden.

Dass ich für alte Leute da bin, wenn es ihnen schlecht geht, und ihnen etwas erzähle.

Dass ich Menschen Glück bringe, also freundlich bin, statt zu streiten.

Gott, ich wünsche mir Glück für mich und meine Familie.

Ich wünsche mir Freunde, ich wünsche mir eine Familie, ich wünsche mir Tiere.

Ich wünsche mir viel Gesundheit und Liebe für meine Familie und auch für meine Freunde.

Darf ich mir von dir auch Erfolg wünschen und nicht nur Glück und Liebe?

Ich wünsche mir Vergebung der Sünden.

Gott, wir haben viele ganz schön große Wünsche an dich:

Dass es meiner Familie gut geht.

Dass meine Mama gesund bleibt.

Dass mein Papa, also mein Stiefvater, nicht so früh stirbt.

Dass alle in meiner Familie lange und gesund leben.

Dass du mir und meiner Familie und anderen Menschen, die ich liebe, Gesundheit, Geborgenheit und Freude gibst.

Dass du auf uns aufpasst.

Dass du die beschützt, die in Lebensgefahr sind, zum Beispiel die, die im Krieg sind und flüchten müssen.

Dass ich als Mensch geliebt werde, so wie ich bin.

Dass du mir die richtigen Antworten im Leben gibst.

Verlass mich nicht und leite mich in meinem Leben.

Ich wünsche mir Freude, Frieden und Segen.

Gott, ich danke dir für das Jahr mit den Konfis aus den beiden Gemeinden Thomas und Paulus. Ich danke dir, diese wunderbaren jungen Menschen kennengelernt zu haben. Ich danke dir für alle Begegnungen zwischen dir und den Konfis, für alle Freundschaften, die unter ihnen entstanden oder enger geworden sind, für Probleme, die gelöst werden konnten, und auch dafür, dass du sie auf ihrem weiteren Weg ins Leben niemals allein lassen wirst.

Für den heutigen Tag der Konfirmation bitte ich dich, Gott, um deinen besonderen Segen, damit es ein Tag wird, an den sich alle gern erinnern. Hilf allen, dass sie es beim fröhlichen Feiern nicht übertreiben mit dem Essen und Trinken, so dass auch heute Nacht der Kopf noch klar und die Freude ungetrübt ist. Amen.

Lied „Segen empfangen, sei selbst ein Segen“
Geschenk und Urkunde
Segen
Auszug und Orgelspiel

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