Lamm und Taube

Die Zeugenaussage Johannes des Täufers über Jesus: „Dieser ist Gottes Sohn!“

Es ist eigentümlich, sich ein Lamm vorzustellen, das die Herde der Menschen weidet und zum Wasser des Lebens führt. Und ein Tauben-gleicher Geist – weiß der wie eine Brieftaube, wo er landen muss und wem er eine himmlische Botschaft zu überbringen hat? Oder fliegt auf Jesus eine Friedenstaube herab?

Ein Lamm, das auf einer Fahne die Buchstaben Alpha und Omega trägt

Das Lamm Gottes ist Anfang und Ende, A und O. Auf einer Fahne trägt es die Buchstaben Alpha und Omega (Foto des Kirchenfensters: pixabay.com)

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias, den 7. Januar 2001, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Gestern war der 6. Januar – das Fest der Heiligen Drei Könige und der Erscheinung des Sterns von Bethlehem. Am 1. Sonntag nach diesem Fest, das auf griechisch Epiphanias heißt, grüße ich Sie mit dem Wort aus 1. Johannes 2, 8:

Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt.

An den Sonntagen nach Epiphanias ist es in der Kirche noch ein bisschen weihnachtlich. Für heute haben wir sogar noch den Weihnachtsbaum und die Krippe stehen lassen, und wir singen zwei weihnachtliche Lieder, zuerst das Lied 33:

1) Brich an, du schönes Morgenlicht, und lass den Himmel tagen! Du Hirtenvolk, erschrecke nicht, weil dir die Engel sagen, dass dieses schwache Knäbelein soll unser Trost und Freude sein, dazu den Satan zwingen und letztlich Frieden bringen.

2) Willkommen, süßer Bräutigam, du König aller Ehren! Willkommen, Jesu, Gottes Lamm, ich will dein Lob vermehren; ich will dir all mein Leben lang von Herzen sagen Preis und Dank, dass du, da wir verloren, für uns bist Mensch geboren.

3) Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ, sei dir von mir gesungen, dass du mein Bruder worden bist und hast die Welt bezwungen; hilf, dass ich deine Gütigkeit stets preis in dieser Gnadenzeit und mög hernach dort oben in Ewigkeit dich loben.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Schwacher Knabe. Süßer Bräutigam. König aller Ehren. Gottes Lamm. Mein Bruder. Bilder über Bilder malt uns dieses Lied vor Augen von dem, der an Weihnachten Geburtstag hatte.

Das Weihnachtsfest allein reicht gar nicht aus, um sich auszumalen, welcher Reichtum uns mit Jesus in die Welt gekommen ist, welche Schätze der Weisheit und Erkenntnis in ihm verborgen liegen.

In der Heiligen Nacht kommen die armen Hirten zur Krippe und beten Jesus an. Zwölf Tage später feiern wir die Erscheinung des Sterns von Bethlehem, der aus dem Morgenland die weisen Männer aus der Ferne herbeiführt mit ihren reichen Gaben. Ob arm oder reich, ob nah oder fern, sie beten Jesus an.

Kommt, lasst auch uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir beten Jesus an – und wir kennen auch den Zweifel an Jesus. Jesus – ein schwaches Knäblein? – kann sich das Kind aus der Krippe überhaupt durchsetzen in unserer Welt? Jesus – ein süßer Bräutigam? – wer will schon Jesus heiraten? – außer vielleicht einer Nonne. Jesus – ein König aller Ehren? – als die Römer Jesus König nannten, hatten sie ihn gerade ans Kreuz genagelt. Jesus – Gottes Lamm? – sollen wir lammfromm ihm folgen wie ein Herdentier? Sieh unsere Zweifel und schenke uns Glauben!

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Schwacher Knabe. Süßer Bräutigam. König aller Ehren. Gottes Lamm. Mein Bruder. Nicht jedes dieser Bilder spricht uns an, nicht jedes zu jeder Zeit.

Wer bist du für mich, Herr Jesus? Bleibst du für mich der kleine Junge in der Krippe, der mich anrührt in seiner Kindlichkeit, angewiesen auf Hilfe? Oder bist du einfach mein Bruder? Erkenne ich dich wieder im Bild der Partnerschaft, der Verlobung – Jesus, mir so vertraut wie der Braut ihr Bräutigam? Oder bist du der König, der alle Ehre verdient, mehr als jeder Herrscher dieser Welt?

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

In dir, Jesus, liegt alle Weisheit dieser Welt verborgen. Wie willst du mir nahe sein? Als kleiner Junge, als Geliebter, als König oder Lämmchen oder als mein Bruder? Offenbare dich jedem von uns so, wie es gut für uns ist, du, Jesus Christus, unser Herr. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 2, Verse 1 bis 12:

1 Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:

2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem,

4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.

5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten :

6 »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«

7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,

8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.

9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut

11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 52:

Wisst ihr noch, wie es geschehen? Immer werden wir’s erzählen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, nachdem die Sternsinger in der letzten Woche unterwegs von Haus zu Haus waren und bevor Weihnachtsbaum und Krippe weggeräumt werden, möchte ich mit Ihnen noch einmal innehalten und einen Blick zurück auf einige Bilder von Weihnachten werfen:

Ein Stern oben am Himmel zeigt ein Wunder an, das unten auf der Erde geschieht. Astrologen wenden ihren Blick von den Sternen ab und finden Gott in einem Kind, das auf der Erde geboren wird, und das nicht einmal im Palast der Hauptstadt, sondern in einem Stall des armseligsten Dorfes in Israel, Bethlehem. Gott wird geboren in einem schwachen Knäbelein, wie wir vorhin gesungen haben. So kommt der König aller Ehren zur Welt, so wird er der Bruder aller Menschen.

Viele dieser Bilder sind so eng mit dem Weihnachtsfest verbunden, dass man sie schnell abhakt – Weihnachten ist vorbei – also ist auch nicht mehr aktuell: das Kind in der Krippe – der Stern von Bethlehem – die Hirten und die Heiligen Drei Könige.

Wir brauchen außerdem andere Bilder von Jesus, die wir mit ins Neue Jahr nehmen können, zeitloser als die Weihnachtsbilder und doch treffsicher im Blick auf das, was Jesus für uns bedeutet. Ich finde solche Bilder am Anfang des Johannesevangeliums. Der Evangelist Johannes weiß nichts von der Geburt in Bethlehems, nichts von Stall und Krippe, nichts von Engeln, Hirten und Königen. Bei ihm fängt die Geschichte Jesu mit Johannes dem Täufer an. Der macht, als er Jesus zum ersten Mal begegnet, eine Zeugenaussage über Jesus. Sie steht im Evangelium nach Johannes 1, 29-34:

29 Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!

30 Dieser ist’s, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich.

31 Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser.

32 Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.

33 Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist’s, der mit dem heiligen Geist tauft.

34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.

Jesus ist Gottes Sohn, sagt Johannes der Täufer im Evangelium seines Namensvetters Johannes. Er untermalt das nicht mit der Erzählung von der Geburt eines göttlichen Kindes, sondern er unterstreicht es mit zwei Bildern aus der Tierwelt. Er vergleicht Jesus mit dem Kind eines Tieres, mit einem Lamm, und den Geist, der sich dauerhaft auf ihm niederlässt, mit einer Taube. Gottes Sohn – ein Mensch wie ein Lamm, von einem Geist beseelt, der einer Taube gleicht.

Wenn im Alten Orient Götter mit Tieren verglichen wurden, dann nahm man in der Regel Tiere, die als stark und zeugungskräftig, schnell oder unbesiegbar galten – etwa Stier, Falke, Adler oder Löwe. Lämmer kamen in der Religion auch vor, aber nur als Opfertiere für die Götter. Auch im Volk Israel war das so – vor dem Auszug aus Ägypten mussten die Israeliten Lämmer schlachten, um ihre erstgeborenen Söhne vor dem Tod zu retten. Und wenn später ein armer Mann vom Aussatz geheilt worden war und beim priesterlichen Gesundheitsamt die Wiederaufnahme in die Volksgemeinschaft beantragte, dann musste er ein Lamm und zwei Tauben als Sündopfer mitbringen. Lämmer und Tauben – sie waren nicht Gott gleich, sie wurden als Opfer für Gott geschlachtet.

Ausgerechnet in einem Opferlamm für Gott erblickt Johannes der Täufer den Sohn Gottes. Für ihn ist Jesus Gott gleich, indem er ein Lamm wird, lammfromm sich ausnutzen und zum Schluss abschlachten lässt.

Doch nur oberflächlich gesehen ist dieses Lamm schwach. Es lässt sich zwar wehrlos zur Schlachtbank führen, erweist sich aber als so stark, dass es die Sünde der ganzen Welt tragen kann.

Ich erzähle an dieser Stelle von einem dritten Johannes neben dem Evangelisten und neben dem Täufer. Ich meine den prophetischen Seher Johannes, der auf der Insel Patmos während einer furchtbaren Christenverfolgung starke Bilder vom Weltuntergang und von einer neuen Schöpfung offenbart bekommt. Dieser Prophet Johannes (Offenbarung 5, 12) greift das Bild vom Gotteslamm auf und malt es weiter aus. Er hört die Engel im Himmel von ihm singen:

Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.

Und von den geretteten Menschen im Himmel heißt es (7, 14): Sie haben darum weiße Kleider an, also nur darum eine weiße Weste, denn sie

haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes.

Und weiter (7, 17):

Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.

Es ist eigentümlich, sich ein Lamm vorzustellen, das die Herde der Menschen weidet und zum Wasser des Lebens führt. In dieser Vision des Himmels verschmilzt das Bild des Lammes mit dem Bild des Guten Hirten, ja, das Lamm selber sitzt auf Gottes Thron und wischt den traurigen Menschen die Tränen ab.

Und wenn der allmächtige Gott endgültig über die bösen Mächte der Welt siegt, dann sind die durch das Lamm Gottes erlösten Menschen für immer unzertrennlich mit ihm verbunden – wie in der Hochzeit zweier Brautleute. So kann Jesus, das Lamm Gottes, gleichzeitig auch bildlich als Bräutigam der Gemeinde angeschaut werden. Und der Prophet der Offenbarung (19, 7 und 9) hört Stimmen im Himmel, die rufen:

Lasst uns freuen und fröhlich sein und [Gott] die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet.

Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind.

So viel steckt im Bild vom Lamm Gottes. Nun zurück zu Johannes dem Täufer. Wie kommt der eigentlich darauf, in Jesus das Lamm Gottes zu erkennen, das die Sünde der Welt trägt? Wieviel Mühe er selber mit dieser Vorstellung hat, sieht man an der Art, wie er davon redet. Mehrmals betont er: Ich kannte ihn nicht. Vielleicht als Mensch, als Sohn der Maria, aber nicht als Gottes Sohn. Ich kannte ihn nicht – das klingt, als ob er selber darüber staunt: Ausgerechnet einer, der wie ein Lamm den Wölfen ausgeliefert ist, soll Gottes Sohn sein? Johannes betont mehrfach, dass er nicht aufgrund eigenen Urteilsvermögens sagen kann: Dieser ist Gottes Sohn. Sondern er bezeugt lediglich, was Gott ihm in einer inneren Erfahrung gezeigt hat: Er hat gesehen, wie Gottes Geist, einer Taube gleich, auf Jesus herunterkommt. Gesehen, das heißt hier: Gott schenkt ihm diese Erkenntnis, denn mit seinen zwei leiblichen Augen konnte er den Geist ja nicht wahrnehmen. Er hat also sicher nicht eine Taube gesehen, sondern in der Begegnung mit Jesus nahm er wahr: dieser Mann ist beseelt von einem Geist, der einer Taube gleicht.

Ein Tauben-gleicher Geist – weiß der wie eine Brieftaube, wo er landen muss und wem er eine Botschaft vom Himmel zu überbringen hat? Oder fliegt auf Jesus eine Friedenstaube herab?

In der Tat galt seit Noahs Zeit die Taube mit dem Ölblatt im Schnabel als Symbol des wiederhergestellten Friedens zwischen Gott und den Menschen – die Fluten der Zerstörung haben sich verlaufen, die Menschheit kann wieder auf der Erde leben (1. Buch Mose – Genesis 8, 10-11):

10 [Noah] ließ abermals eine Taube fliegen aus der Arche.

11 Die kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, ein Ölblatt hatte sie abgebrochen und trug’s in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden.

Somit sieht Johannes der Täufer auf Jesus einen Geist herabkommen, der Frieden schafft – zwischen Gott und Mensch, Mensch und Mensch, Mensch und Natur. Das entspricht dem Lied vom Frieden auf Erden, das die Engel in der Weihnachtsgeschichte des Lukas den Hirten auf dem Felde vorsingen.

Das Symbol der Taube erzählt uns noch mehr. Auch darüber, wie Jesus den Frieden schafft. Mir ist zum erstenmal aufgefallen, dass das hebräische Wort für Taube „Jona“ heißt. Der Prophet Jona, mit dem Jesus sich gelegentlich vergleicht, trägt also den Namen „Taube“. Und Jesus wird von einem Geist erfüllt, der mit diesem Propheten etwas zu tun hat. Was würde das bedeuten?

Jona sollte der Stadt Ninive den Untergang predigen, floh aber zuerst vor dieser Aufgabe. Dann tat er es doch. Als die Stadt Ninive sich bekehrte und wider Erwarten gerettet wurde, war Jona sauer auf Gott – wozu seine ganze Anstrengung? Er musste mühsam lernen, dass Gott keinen Spaß am Untergang böser Menschen hat, sondern sich wirklich freut, wenn sie sich ändern (Jona 3, 10):

Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie sich bekehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht.

Auf Jesus geht sicher nicht der Geist des fliehenden und widerstrebenden Jona über, wohl aber der Auftrag des Jona: die Menschen, die in ihr Unglück rennen, zur Umkehr zu rufen und ihren drohenden Untergang abzuwenden!

Um das zu erreichen, reicht eine Strafpredigt allein aber nicht aus. Jesus muss sein eigenes Leben einsetzen, wie eine Opfertaube, wie ein Opferlamm. Er vergibt die Schuld, die man ihm antut – nur so kann er ein für allemal das Böse in den Menschen überwinden.

Als Jesus spürt, sein Weg wird nicht am Tod vorbeiführen und er dennoch seine Hoffnung auf Gott setzt, der ihn vom Tod auferwecken wird, da hat er selber sein eigenes Schicksal mit Jona im Bauch des Wales verglichen. Der musste drei Tage im Schlund des Todes ausharren, bevor er wieder auferstand zum Leben. Der Geist, der auf Jesus herabkommt wie eine Jona, wie eine Taube, ist also auch ein Sinnbild für das Sterben, das auf Jesus wartet, und für seinen Sieg über den Abgrund von Tod, Hölle und Verzweiflung.

Und noch etwas sagt Jesus über Tauben (Matthäus 10, 16):

Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

Wenn Menschen, die wie Lämmer sind, unter Menschen bestehen wollen, die wie Wölfe übereinander herfallen, dürfen sie nicht selber falsch sein wie die Schlangen, sondern geradlinig, echt und rein wie Tauben. Auch das steckt also im Bild des Tauben-gleichen Geistes: Jesus bekommt vom Himmel den Geist der Reinheit und Echtheit geschenkt, den Geist der Wahrheit, wie wir ihn an Pfingsten besingen.

Und ein Letztes. Im Hohenlied Salomos war die Taube auch ein Symbol der Schönheit, ein zärtlicher Ausdruck, mit dem ein Liebender seine Freundin anredet (Hohelied 2, 14):

Meine Taube in den Felsklüften, im Versteck der Felswand, zeige mir deine Gestalt, lass mich hören deine Stimme; denn deine Stimme ist süß, und deine Gestalt ist lieblich.

Der Heilige Geist, der Jesus zärtlich berührt wie eine Freundin – das ist ein ungewöhnlicher Gedanke. Vielleicht spürte der so hart und fordernd männlich auftretende Täufer Johannes in seinem Kamelhaarmantel, dass der Mann Jesus ganz anders als er selbst auch sehr weiblich empfinden konnte. Auffällig ist ja, dass Jesus wie kein anderer Mann in der Bibel sich zärtlich einfühlsam auf Kinder und Frauen einlässt. So ist Jesus der Gottessohn für alle Menschen, für Männer, Frauen und Kinder. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen aus dem Lied 66 die Strophen 1, 6 und 7:

1) Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet’s den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

6) Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden, Sünden der ganzen Welt träget dies Lamm. Sündern die ewge Erlösung zu finden, stirbt es aus Liebe am blutigen Stamm. Abgrund der Liebe, wer kann dich ergründen? Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden.

7) Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden: komme, wen dürstet, und trinke, wer will! Holet für euren so giftigen Schaden Gnade aus dieser unendlichen Füll! Hier kann das Herze sich laben und baden. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.

Im Abendmahl sind wir eingeladen, die Nähe des Lammes Gottes zu spüren, das sich für uns Menschen hingibt. Im Brot schenkt Jesus uns den Leib seiner Liebe. Im Kelch besiegelt er seine Treue zu uns mit seinem Blut.

Gott, nimm von uns, was uns von dir trennt: Unglauben, Lieblosigkeit, Verzagtheit. Hochmut, Trägheit, Lebenslügen. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Liebe und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Die Herzen in die Höhe! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott zu erkennen im Lamm Gottes mit dem Geist der Taube des Friedens und der Barmherzigkeit.

Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Wir singen das Lied 74:

1) Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht, du gingst vor aller Zeiten Lauf in unerschaffner Klarheit auf.

2) Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend’ger, hoffen wir; denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.

3) Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt, du kamst herab ins Erdental mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

4) Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht, bleib auch am Abend dieser Welt als Hilf und Hort uns zugesellt.

Abkündigungen
Verabschiedung von Alexander Nguyen und Andreas Stomps aus ihrem Küsterdienst

Gott, wir danken dir für die Gaben, die wir empfangen – Brot, Kelch, Gemeinschaft deiner Liebe. Wir danken dir auch für die Menschen, die sich auch nach 2000 Jahren noch anrühren lassen von der Botschaft des Lammes und Jesus nachfolgen. Wir danken dir heute besonders für die Jahre, in denen unsere beiden Küster uns vor Augen geführt haben, dass auch heute noch junge Männer für die Kirche Verantwortung übernehmen. Und wir bitten dich, dass deine Nähe uns bewusst bleibt. Lass den Stern deines Lichtes über uns leuchten, wenn wir uns nach Wärme, Wahrheit und Klarheit sehnen. Stecke uns an mit dem Geist der Taube und des Lammes, mit Friedensgedanken und mit Einfühlsamkeit gerade in die Menschen, die uns zu schaffen machen.

Insbesondere beten wir heute für drei Menschen aus unserer Gemeinde, die gestorben sind: Für … . Tröste uns, wenn wir traurig sind, barmherziger Gott, und schenke uns Menschen, die uns nicht im Stich lassen. Amen.

Nach dem Segen und dem Orgelspiel gehen wir durch den Saal nach draußen – wer möchte, kann noch bei einer Tasse Kaffee oder Tee im Gemeindesaal bleiben und ein paar Worte mit unseren scheidenden Küstern wechseln. Und nun empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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