Vier Glaubenssätze zur Auferstehung

1. Dass Jesu Tod das Ende unserer Sünde ist, erfahren wir nur durch die Heilige Schrift. 2. Jesus war wirklich tot, nicht nur scheintot. 3. Das scheinbare Sterben und Wiedererscheinen des Mondes nach drei Tagen kann jeden Monat an den Tod und die Auferstehung Jesu erinnern. 4. Die Auferstehung bezeugen kann nur, wer schon hingefunden hat zum Vertrauen auf Christus.

Osterei in abstrakt-verfremdeter farbiger Darstellung mit leuchtend goldgelbem Kreuz

Wie kann der Glaube an die Überwindung des Kreuzes dargestellt werden? (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Ostersonntag, den 19. April 1992, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Herzlich willkommen im Gottesdienst am Ostersonntag in unseren Klinik-Kapelle. Wir feiern heute das Fest der Auferstehung Jesu Christi – wir feiern den Sieg Jesu über den Tod, über die Lebensangst, über alles, was uns den Willen zum Leben nehmen will!

Wir singen zu Beginn das Lied 79, 1-6:

1) Gelobt sei Gott im höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, der für uns hat genug getan. Halleluja, Halleluja, Halleluja.

2) Des Morgens früh am dritten Tag, da noch der Stein am Grab lag, erstand er frei ohn alle Klag. Halleluja, Halleluja, Halleluja.

3) Der Engel sprach: „Ei fürcht‘ euch nicht; denn ich weiß wohl, was euch gebricht. Ihr sucht Jesum, den findt ihr nicht.“ Halleluja, Halleluja, Halleluja.

4) „Er ist erstanden von dem Tod, hat überwunden alle Not; kommt, seht, wo er gelegen hat.“ Halleluja, Halleluja, Halleluja.

5) Nun bitten wir dich, Jesu Christ, weil du vom Tod erstanden bist, verleihe, was uns selig ist, Halleluja, Halleluja, Halleluja,

6) damit von Sünden wir befreit dem Namen dein gebenedeit frei mögen singen allezeit: Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten am Ostertag mit Worten aus dem Psalm 118:

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.

18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ein Wunder ist es, Gott, dass wir leben dürfen, auch wenn alles sinnlos erscheint! Ein Wunder ist es, dass wir vertrauen dürfen trotz aller Angst und Verzweiflung! Ein Wunder ist es, dass unser Leben nicht aufhört an der Grenze des Todes! Gott, lass auch in unserem Leben solche Wunder geschehen! Du erweckst Deinen Sohn aus dem Tod zu neuem Leben – so richte auch uns auf aus dem Tod der Angst, aus dem Tod der Schuld, aus dem Tod der Sinnlosigkeit. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung für den Ostersonntag 1992 aus dem Evangelium nach Markus 16, 1-8:

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir wollen nun die drei Frauen auf ihrem Weg zum Grabe Jesu noch einmal begleiten, indem wir aus dem Lied 78 gemeinsam die Strophen 4 bis 13 singen. Die Verse, die vom Engel gesungen werden, singen wir zur Gitarre, die anderen zur Orgelbegleitung. Ob wir genau die gleiche Tonhöhe haben, weiß ich nicht, wenn nicht, ist das auch nicht schlimm.

4) Drei Frauen nahmen Spezerei, Halleluja, Halleluja, und gingen hin zum Grab ohne Scheu. Halleluja, Halleluja.

5) Sie suchten den Herrn Jesum Christ, Halleluja, Halleluja, der von dem Tod erstanden ist. Halleluja, Halleluja.

6) Der Engel: Erschrecket nicht, seid alle froh, Halleluja, Halleluja, denn, den ihr sucht, der ist nicht da. Halleluja, Halleluja.

7) Maria: Ach Engel, lieber Engel fein, Halleluja, Halleluja, wo find ich denn den Herren mein? Halleluja, Halleluja.

8) Der Engel: Er ist erstanden aus dem Grab, Halleluja, Halleluja, heut an dem heilgen Ostertag. Halleluja, Halleluja.

9) Maria: Zeig uns den Herren Jesum Christ, Halleluja, Halleluja, der von dem Tod erstanden ist. Halleluja, Halleluja.

10) Der Engel: So tret‘ herzu und seht die Statt, Halleluja, Halleluja, da unser Herr gelegen hat. Halleluja, Halleluja.

11) Die Frauen: Wir sehens wohl zu dieser Frist, Halleluja, Halleluja, weis‘ uns den Herren Jesum Christ. Halleluja, Halleluja.

12) Der Engel: Ihr sollt nach Galiläa gehn, Halleluja, Halleluja, da werdet ihr den Heiland sehn. Halleluja, Halleluja.

13) Die Frauen: Hab Dank, du lieber Engel fein, Halleluja, Halleluja, nun wolln wir alle fröhlich sein. Halleluja, Halleluja.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir Worte des Apostels Paulus aus 1. Korinther 15, 1-4 und 9-11:

1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,

2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.

3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift;

4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;

9 Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.

10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.

11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.

Liebe Gemeinde,

Paulus schreibt an Christen, die Probleme mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu Christi haben. Vielleicht kann er auch uns helfen, von Herzen Ostern zu feiern, dieses Fest der Auferstehung. Schauen wir einmal genau hin: Wie macht Paulus denn das – wie bringt er seiner Gemeinde den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi nahe?

Zunächst einmal geht Paulus davon aus: Man kann die Auferstehung nicht beweisen. Ostern, Auferstehung, das ist für ihn nicht etwas, was man weiß, sondern etwas, was man erfahren haben muss. Der Glaube an die Auferstehung ist nicht das Wissen um eine Tatsache, die irgendwann geschehen ist, sondern vielmehr ein Vertrauen, das ich zu diesem Jesus gewinne, zu genau dem Jesus, der doch damals nachweisbar am Kreuz gestorben ist.

Und so erinnert Paulus seine Leser erst einmal an all das, was er und andere ihnen längst verkündigt haben: sie kennen das Evangelium ja schon, das heißt auf deutsch: die Frohe Botschaft von Jesus Christus.

„Ich erinnere euch aber an das Evangelium“, schreibt Paulus. „Ich habe es euch verkündigt, ihr habt es auch angenommen, ihr steht auch fest in ihm. Durch das Evangelium werdet ihr auch selig, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.“ Vertrauen zu Gott zu gewinnen, das geht offenbar nur so, dass einer mir weitersagt, was ihn selber froh gemacht hat. D. h. zunächst muss ich zu ihm ein gewisses Vertrauen haben, um von ihm etwas annehmen zu können. Irgendwie wächst dann auch in mir das Vertrauen zu Gott, ich bekomme sozusagen einen festeren Stand im Glauben. Aber Paulus weist darauf hin, dass dieses „Feststehen im Glauben“ keine äußere Sicherheit bietet – so nach dem Motto: Ich habe ja meinen Glauben, ich werde nie wieder zweifeln. Nein, das Vertrauen zu Gott muss „festgehalten“ werden, sagt Paulus, und ich denke, er meint: es muss jeden Tag neu wachsen, sich bewähren, es braucht auch eine Art Auffrischung durch die Begegnung mit anderen Christen, die sich gegenseitig aufrichten und Mut machen.

Als nächstes beschreibt Paulus die Frohe Botschaft von der Auferstehung, wie er sie seiner Gemeinde weitergegeben hat. Er hat dies mit einer Art Bekenntnisformel getan, die nicht von ihm selber stammt, sondern die er selbst auch schon von anderen Christen übernommen hatte. „Als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.“

Vier Glaubenssätze hat Paulus von andern übernommen. Vier Sätze, in denen sich schon vor dem Brief des Paulus das Vertrauen zu dem Christus verdichtet hat, der getötet wurde und doch lebendig ist. Im ersten Satz wird der Tod Jesu gedeutet: „Christus ist gestorben für unsere Sünde nach der Schrift“. Dass Jesus gestorben ist, das lässt sich historisch belegen. Aber dass sein Tod das Ende unserer Sünde ist, das erfahren wir nur durch die Schrift. Nach rein menschlichem Ermessen hatte man ja Jesus endgültig aus dem Weg geräumt, und diejenigen, die begonnen hatten, ihm zu vertrauen, sie schienen auf dem Holzweg zu sein. Die Sünde, das Böse, das Unrecht, die Machtmenschen schienen gesiegt zu haben über einen allzu sanften, aber unvorsichtigen und naiven Mann Gottes. Aber nach dem Zeugnis der Bibel, des Alten Testaments, war es schon immer so gewesen: die Propheten Gottes wurden nicht gerne gehört, wurden verfolgt und getötet; am Karfreitag hörten wir ja bereits ein Lied des Propheten Jesaja von dem Gottesknecht, der leiden muss. Und so ist der Tod Jesu gar nicht das Ende seiner Botschaft, vielmehr besiegt Jesus den Tod, die Sünde, das Unrecht gerade dadurch, dass er nicht klein beigibt. Er verrät die Liebe nicht, er behält sein riesengroßes Vertrauen zu Gott auch im Sterben, und er bietet allen Sündern die Liebe und Vergebung Gottes an.

Vom Sieg über den Tod durch den Tod Jesu am Kreuz singen wir aus dem Lied 85 die Strophen 6+11+12:

6) Am Kreuz lässt Christus öffentlich vor allem Volke töten sich; da er durchs Todes Kerker bricht, lässt ers die Menschen sehen nicht. Halleluja.

11) O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von der Herzens Tür. Halleluja.

12) Wie tief Kreuz, Trübsal oder Pein, mein Heiland greift allmächtig drein, führt mich heraus mit seiner Hand. Wer mich will halten, wird zuschand. Halleluja.

Als zweites überliefert Paulus den Satz: „Er ist begraben worden“. D. h. er war wirklich tot, nicht nur scheintot. Sein irdisches Leben in der Art, wie wir alle es leben, das war unwiderruflich zu Ende. Auferstehung heißt demnach auch nicht, dass er nachher einfach wiederbelebt wurde und mit den Jüngern wieder hätte weiter durch die Dörfer wandern können. Nein, Paulus sagt an einer anderen Stelle ausdrücklich: Den Jesus nach dem Fleische, den Jesus in seiner irdischen Gestalt, den habe ich nicht kennengelernt, den kenne ich nicht, der ist ein für allemal begraben; aber dennoch ist Christus lebendig, auf eine andere, himmlische Weise, die wir mit unseren irdischen Möglichkeiten gar nicht zutreffend beschreiben können – nur mit Bildern können wir ein wenig davon zum Ausdruck bringen, dass Christus lebt.

Eins dieser Bilder ist die Umschreibung: „Christus ist auferstanden am dritten Tage nach der Schrift“. Dieser Satz will nicht unbedingt sagen, dass es eine bestimmte Stunde oder Sekunde in der Osternacht gegeben hat, an dem plötzlich der tote Leib Jesu wiederbelebt wurde und aus dem Grab verschwand. So etwas hat niemand gesehen und miterlebt. Aber „nach der Schrift“ war zu erwarten, dass Jesus „am dritten Tag“ auferweckt würde. Schon von Abraham wurde erzählt, dass er drei Tage brauchte, um mit seinem Sohn Isaak zum Berg Morija zu wandern, wo er Isaak opfern sollte, drei Tage der Todesangst um seinen Sohn musste er aushalten, ehe ihm sein Sohn von Gott wiedergeschenkt wurde. Schon von Jona wurde erzählt, dass er drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches aushalten musste, im Bauch der Angst, der Verzweiflung und des Todes, bis er das Licht der Hoffnung und des Lebens wieder erblickte. Schon der Prophet Hosea hatte verkündigt: „Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben werden.“

Auch in fremden Religionen gibt es schon diese Vorstellung von der Auferstehung nach drei Tagen – und zwar im Zusammenhang mit dem Mond, der ja im Laufe jeden Monats immer mehr abnimmt und stirbt, dann drei Tage nicht zu sehen ist, bis er am dritten Tag als Neumond wieder erscheint, wiederaufersteht. Vielleicht hat das jüdische Volk diese Vorstellung wirklich einfach so übernommen, auch als man nicht mehr an einen Mondgott glaubte. Interessant ist jedenfalls, dass der Zeitpunkt des Osterfestes bis heute im Zusammenhang mit dem Mond festgelegt wird – Ostern wird immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. So kann das scheinbare Sterben und Wiedererscheinen des Mondes uns in jedem Monat an den Tod und die Auferstehung Jesu erinnern.

Im Lied 85 gibt es auch einige Strophen, die von der Auferstehung am dritten Tage handeln; wir singen die Strophen 3 bis 5:

3) Nicht mehr als nur drei Tage lang bleibt mein Heiland ins Todes Zwang; am dritten Tag durchs Grab er dringt, mir Ehren sein Siegsfähnlein schwingt. Halleluja.

4) Jetzt ist der Tag, da mich die Welt mit Schmach am Kreuz gefangen hält; drauf folgt der Sabbat in dem Grab, darin ich Ruh und Frieden hab. Halleluja.

5) In kurzem wach ich fröhlich auf, mein Ostertag ist schon im Lauf; ich wach auf durch des Herren Stimm, veracht den Tod mit seinem Grimm. Halleluja.

Ein Satz ist noch übrig, den Paulus aus einem älteren Osterbekenntnis der frühen Christengemeinde übernommen hat, da heißt es von dem auferstandenen Christus: „Er ist gesehen worden von Kephas, danach von den Zwölfen“. Und an diesen Satz anknüpfend, zählt Paulus noch eine ganze Reihe weiterer Zeugen auf, die ebenfalls Christus gesehen haben: „Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.“

Will Paulus uns mit diesen vielen Zeugen nun doch die Auferstehung beweisen? So wie man mit Augenzeugenberichten vor Gericht bestimmte Tatsachen beweisen kann?

Dagegen spricht: Er nennt keinen einzigen sozusagen unabhängigen Zeugen, keinen Zeugen, der nicht zur Gemeinde der Christen gehörte. Keinen Hohenpriester, keinen Schriftgelehrten der Juden, keinen römischen Soldaten kann er als Zeugen benennen. Die Auferstehung bezeugen kann offenbar nur jemand, der schon hingefunden hat zum Vertrauen auf Christus. Paulus selbst war ja erst durch eine Erscheinung Christi überhaupt zum Glauben gekommen.

Solch eine Erscheinung ist sicher kein Beweis für die Tatsache der Auferstehung, jedenfalls kein Beweis für einen, der selber nicht auf Gott vertraut. Ja, man kann den Glauben an die Auferstehung überhaupt nicht beweisen, man braucht das auch nicht. Aber offensichtlich gab es damals eine ganze Reihe von Menschen, die von innen heraus, mit den Augen der Herzens und der Seele, mehr sehen konnten als alle anderen Menschen. Sie sahen sozusagen für einen Augenblick den Himmel offen. Sie sahen den Christus, wie er trotz seines schrecklichen Todes und gerade durch diesen Tod von seinem himmlischen Vater zu neuem, ewigem Leben erweckt worden war.

Nicht jeder hat solche Erscheinungen des Auferstandenen erlebt, Paulus sagt sogar, dass er der letzte war, dem Christus selbst erschienen sei. Wer von diesen Erscheinungen weitererzählt, kann damit wie gesagt einem Ungläubigen nichts beweisen. Aber als einer, der schon Vertrauen zum lebendigen Christus gewonnen hat, kann man auch andere dazu einladen: versuch’s doch einfach, lass Dich ein auf das Vertrauen zu Gott, lass Dich anrühren von der ganzen Art dieses Jesus, den Gott auch in seinem furchtbaren Tode nicht im Stich ließ – dann wird die Auferstehung auch für Dich wahr sein.

Welche Zeugen nennt Paulus nun im einzelnen? Zuerst nennt er „Kephas“ und die „Zwölf“. Diese beiden Angaben hat er schon aus seiner Überlieferung übernommen. Kephas ist niemand anderes als Petrus, der Name bedeutet ja „der Fels“, Petrus auf griechisch, Kephas in der aramäischen Sprache der Juden. Ausgerechnet dem Petrus, der Jesus verleugnet hatte, wurde ganz zuerst die Erfahrung zuteil: Christus lebt! Christus verzeiht! Christus lässt auch mich leben und gibt mir einen Auftrag! In zweiter Linie werden dann „die Zwölf“ genannt – die, die ihm zu seinen irdischen Lebzeiten gefolgt waren, die dann einfach feige abgehauen waren, als es brenzlig wurde, die bleiben nicht in ihrer Verzweiflung und in der Trauer um Jesus stecken, auch sie erfahren: Christus lebt!

Merkwürdig ist: Paulus erwähnt keine einzige von all den Frauen, die doch nach den Evangelien sogar die ersten Zeuginnen der Auferstehung waren, nicht einmal Maria Magdalena! Wusste er davon nichts? Oder meinte er, dass Frauen nicht so glaubwürdig seien wie Männer? Der gute Paulus hatte ja einige Vorurteile gegenüber den Frauen, ganz anders als Jesus, das sieht man schon daran, dass er in seinen Briefen immer nur die „Brüder“ anredet, so als ob das, was er zu sagen hat, die Frauen gar nichts anginge.

Stattdessen erwähnt Paulus gleich „mehr als fünfhundert Brüder auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen“ – ob er da vielleicht an Pfingsten denkt, dieses große Ereignis der Kirchengeschichte, als die Gemeinde Christi erst wirklich geboren wurde? Jedenfalls scheint es für Paulus nicht unmöglich zu sein, dass auch ganze Menschengemeinschaften auf einmal von Jesus ergriffen und zum Glauben geführt werden können.

Noch einen Mann erwähnt Paulus namentlich: den „Jakobus“ und noch einmal „alle Apostel“. Mit Jakobus kann nur der Bruder Jesu gemeint sein, der mit Petrus und Johannes zusammen die Gemeinde in Jerusalem leitete, denn nur er war damals unter den Christen so bekannt, dass man ihn ohne Beinamen nennen konnte. Das ist die einzige Stelle in der Bibel, aus der man schließen kann, wie ein unmittelbarer Verwandter Jesu zum Glauben an Jesus gekommen ist – eben auch durch eine Erscheinung des Auferstandenen. Zu irdischen Lebzeiten Jesu waren seine Brüder ihm gegenüber ja noch ablehnend eingestellt.

Als letzten Zeugen der Auferstehung Jesu erwähnt Paulus sich selbst: „Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.“

Vielleicht können wir uns durch das Beispiel des Paulus noch einmal ganz klar vor Augen führen: Es geht bei den Zeugnissen von der Auferstehung wirklich nicht um direkte Augenzeugenberichte einer Wiederbelebung des toten Jesus am Ostermorgen. Es geht nicht um ein äußerliches Sehen. Man hätte damals mit Foto- und Fernsehkameras kein Beweismaterial für die Auferstehung sammeln können. Was Paulus und auch alle anderen christlichen Zeugen damals gesehen haben, das haben sie mit ihrem inneren Auge gesehen, es sind Bilder der Seele, die da allerdings hineingepflanzt wurden von Gott selber. Es sind Bilder eines Vertrauens auf Gott, das stärker ist als der Tod und stärker als alles Unrecht, das Menschen einander zufügen. Geweckt worden war dieses Vertrauen durch die ganze Art des Lebens und des Sterbens Jesu – und weitergetragen wurde dieses Vertrauen durch die Art, wie Christinnen und Christen ihr Leben führten und wie sie davon redeten.

So verstanden können auch wir den auferstandenen Christus „sehen“ – nämlich in den Bildern der Bibel, die in uns ein eben solches Vertrauen wecken, das uns unsere Angst überwinden und uns zuversichtlich leben lässt.

Von diesem Vertrauen auf den Auferstandenen singen wir nun in den ersten beiden Strophen des Liedes 85:

1) Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufersteht; vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja.

2) Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen, gleich als wär ich tot, lässt du mir früh die Gnadensonn aufgehn, nach Trauern Freud und Wonn. Halleluja.

Wenn wir uns also fragen: Wer ist denn nun eigentlich ein Apostel, ein Sendbote Gottes? Sind es nur die Zeitgenossen Jesu, die ihm bereits zu seinen irdischen Lebzeiten als Jünger nachgefolgt waren und die vom Auferstandenen als Sendboten eingesetzt wurden? Sind es nur Männer, wie Paulus und weite Teile der Kirche bis heute annehmen? Dann können wir sagen: Nein, jeder Christ und jede Christin kann ein Apostel oder eine Apostelin sein, die von Christus angerührt und beauftragt werden und seine Frohe Botschaft weitertragen zu den anderen Menschen!

Allerdings: Schon den Paulus hatten die anderen Apostel misstrauisch beäugt – was, der Paulus will auch ein Apostel sein? Und so schreibt er bescheiden: „Ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.“ Aber zugleich ist Paulus fest davon überzeugt: Doch, Christus selbst hat mich berufen. Er ist auch mir erschienen. „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“

Wenn Paulus dann fortfährt: „Seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als die anderen Apostel“, dann merkt man, dass er trotz seiner Bescheidenheit mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet ist. Manche haben damals vielleicht auch gedacht: Was bildet der sich ein! Wie gesagt, Paulus hatte auch seine Fehler, er hatte nicht nur Schwierigkeiten, die Frauen in den Gemeinden ernstzunehmen, er neigte vielleicht auch zu Übertreibungen, was seine Person anging: Ich bin der Kleinste – ich bin der Größte!

Angefangen hatte Paulus seinen Abschnitt mit einem Bekenntnis, das er von anderen Christen übernommen hatte. Angelangt ist er inzwischen bei sich selbst als dem zwar geringsten, aber am härtesten arbeitenden Apostel. Die Gefahr liegt nahe, dass er nun doch sich selbst predigt und vergisst, dass er ja nur einer von vielen Zeugen des Lebens Jesu Christi ist. Aber am Schluss des Abschnitts bremst sich Paulus wieder; es fällt ihm noch rechtzeitig ein, dass er wirklich nicht ein Apostel ist aus eigener Kraft, ja, schreibt er, „ich habe viel gearbeitet, nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.“ Und zugleich würdigt er doch auch das, was die anderen Apostel tun: „Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.“ Er ist nur einer von vielen, die weitererzählen, was sie mit dem lebendigen Christus erfahren haben, und Paulus freut sich über alle, die dadurch selber Zutrauen fassen konnten zu dem Gott, der Jesus Christus auferweckt hat. Es kommt beim Glauben an die Auferstehung also nicht darauf an, wieviel Überzeugungskraft der eine oder andere hat; sondern letzten Endes ist es ein Geschenk, wenn ein Predigthörer durch einen Prediger zu einem tieferen Vertrauen zu Gott gelangt.

Das gilt auch für meine Predigt heute. Auch ich kann Ihnen nicht beweisen, dass Jesus auferstanden ist. Ich kann Ihnen nur bezeugen, dass Jesus für mich lebendig ist. Ich kann versuchen, auch Ihnen die Bilder der Bibel nahezubringen, die mich bewegt und angerührt haben, die in mir das Zutrauen zu Gott geweckt haben – das Zutrauen zu einem Gott, der unsere Angst überwindet und uns getrost leben lässt. Auch ich kann nur mit Paulus sagen: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“

Gott möchte uns alle befreien aus einem angstvollen, verzweifelten oder egoistischen Leben – er möchte uns aufrichten zu einem Leben in Vertrauen, Hoffnung und Liebe. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Ein letztes Mal für heute singen wir zwei Strophen aus dem Lied 85 – die Strophen 13 und 14:

13) Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, dass er mich herzlich liebt. Wenn mir gleich alle Welt stürb ab, gnug, dass ich Christum bei mir hab. Halleluja.

14) Mein Herz darf nicht entsetzen sich, Gott und die Engel lieben mich; die Freude, die mir ist bereit‘, vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja.

Nun feiern wir – wie immer an Ostern – das heilige Abendmahl miteinander. Gott selber lädt uns dazu ein – jeder, der will, mag nachher kommen und schmecken, wie freundlich der Herr ist. Wer nicht nach vorn kommen möchte, mag auf seinem Platz bleiben und trotzdem mitfeiern. Vor dem Mahl singen wir noch das Einladungslied – zur Gitarre – das auf dem Liederzettel steht:

Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein

Wir haben von vielen Aposteln und Apostelinnen gehört, Herr Jesus Christus, von vielen Sendboten und Botinnen, die Deine Auferstehung bezeugt haben. Zwei Männer gab es da auch, die haben Dich erkannt, als Du mit ihnen das Brot gebrochen hast. Nun brechen auch wir das Brot, nun trinken auch wir miteinander aus dem Kelch, und das ist ein Zeichen – ein Zeichen, an dem wir Dich erkennen. Du bist bei uns, so sicher, wie wir das Brot teilen, so sicher, wie wir aus dem Kelch trinken. Du bist nicht tot, Du bist lebendig unter uns, Du bist die Kraft, die uns leben lässt. Amen.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Gott, unser Vater, durch Jesus Christus hast du uns die Tür zum Leben geöffnet. Ketten der Angst hast du zerbrochen, Mauern der Einsamkeit beginnen zu zerbröckeln. Wege der Hoffnung wirst du uns führen. In unserer Welt ist es Ostern geworden, der Tod soll nicht mehr das letzte Wort behalten. Du hast uns zum Leben berufen. Mit uns willst du deine Welt in eine Welt der Hoffnung und der Freude verwandeln. Wir danken dir für das Vertrauen, mit dem du uns entgegenkommst. Vor dir breiten wir aus, was uns trotz Ostern bedrückt und ängstet: Die vielen Menschen, die einsam sind und die niemanden haben, der ihnen zuhört. Die vielen Kinder auf dieser Erde, die auch an diesem Tag kein Zuhause haben und nichts zu essen bekommen. Die vielen Menschen, die in ihrem Leben keinen Sinn mehr sehen und kein Ziel mehr vor Augen haben. Die vielen Menschen, die verbittert und hartherzig geworden sind, so dass sie andern Gewalt antun. Ostern heißt: Du willst deine Welt in eine Welt für Menschen verwandeln. Du brauchst uns dazu, jedes kleine Stück Vertrauen und Hoffnung, das in uns wächst, jeden kleinen Schritt, den wir gehen können. Die Nacht des Todes ist vergangen, und der Tag des Lebens beginnt jetzt! Lass uns an Deiner Hand Schritte des Lebens gehen. Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser

Zum Schluss singen wir das Osterlied 75:

1) Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

2) Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.

3) Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Ostersonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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