Die dritte Weihnachtsgeschichte

Lukas: Maria war gerade 13 Jahre alt. Wie passt das zu der Himmelskönigin, die mit der Sonne bekleidet ist? Johannes: Ich sehe die Wahrheit in der Seele der Menschen. Maria nahm ihr Kind an als ein heiliges Kind, das Gottes Liebe in die Welt bringen sollte. Ist das nicht genug, um sich Maria wie die wunderbarste Königin der Welt vorzustellen?

Ein Konfi-Bild mit der schwangeren Maria und einem Engel, beschienen von der Sonne

Das Bild einer Konfirmandin zur dritten Weihnachtsgeschichte in der Offenbarung des Johannes

Direkt zur PredigtKonfi-Adventsgottesdienst am 4. Sonntag im Advent, 22. Dezember 2013, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am 4. Advent haben wir schon einige Male einen Konfi-Gottesdienst gefeiert. So tun wir es auch in diesem Jahr. Gott sei Dank sind nicht nur Konfis gekommen. Die Konfis haben den Gottesdienst ja gemeinsam mit Pfarrer Schütz für die ganze Gemeinde vorbereitet. Das Thema lautet: „Die dritte Weihnachtsgeschichte“.

Nun werden manche denken: Wieso gibt es eine dritte Weihnachtsgeschichte? Ich dachte, es gibt nur die eine, die jedes Jahr erzählt wird. Lassen wir uns von den Konfis überraschen!

Der Weihnachtsbaum ist bereits aufgestellt worden, aber wir lassen ihn heute noch dunkel – erst übermorgen, am Heiligen Abend, soll er in seinem Licht erstrahlen. Heute lassen wir den Adventskranz voll zur Geltung kommen.

Nun singen wir das erste Lied auf dem Liedblatt, das uns auf die vertraute Weihnachtsgeschichte einstimmt:
Vor langer Zeit in Bethlehem
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

So, wie wir es eben in den ersten beiden Strophen gesungen haben, kennen wir die Weihnachtsgeschichte, die uns der Evangelist Lukas erzählt, mit Maria und Josef, den Tieren im Stall, den Hirten auf dem Feld, denen Engel die frohe Weihnachtsbotschaft bringen. Und in der dritten Strophe leuchtet der Stern, und die heiligen drei Königen besuchen das Christkind mit ihren Geschenken, das erzählt in der Bibel der Evangelist Matthäus. Jesus ist geboren, darüber freuen wir uns an Weihnachten.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Aber geht es an Weihnachten heute wirklich noch um Jesus? Sind nicht andere Dinge viel wichtiger geworden? Viele Kinder und Jugendliche denken nur an Geschenke, die sie kriegen, viele Erwachsene wissen nicht, wie sie den Stress vor Weihnachten überstehen sollen, viele Geschäftsleute müssen große Umsätze im Weihnachtsgeschäft machen, weil sie sonst nicht über die Runden kommen. Gott, schenk uns bei all dem auch Weihnachtsgedanken, die sich um Jesus, deinen Sohn, drehen. Warum feiern wir eigentlich seine Geburt? Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Eigentlich singen wir in jedem Gottesdienst ein Weihnachtslied, nämlich das Lied der Engel auf dem Hirtenfeld, das Gottes Ehre im Himmel verkündet. Ehre bedeutet, dass jemand einen guten Ruf hat, dass er gut dasteht und anerkannt ist. Gott steht gut da, weil er uns Frieden bringt. Lasst uns ihm unser Lob singen:

„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Großer Gott, kann es sein, dass du selbst in Jesus zur Welt kommst? Wie schaffst du das, zu uns den Frieden zu bringen? Das fragen wir dich, indem wir zu dir beten im Namen Jesu Christi, unseres Herren. „Amen.“

Ein Lied haben wir vorhin gesungen, das an die beiden vertrauten Weihnachtsgeschichten nach Lukas und Matthäus erinnert hat. Jetzt hören wir aus der Offenbarung des christlichen Propheten Johannes eine dritte Weihnachtsgeschichte. Sie handelt auch von der Geburt Jesu, erzählt aber ganz anders davon (Offenbarung 12, 1-5):
Maria mit dem Kind auf dem Arm als Himmelskönigin mit zwölf Strahlen umstrahlt, auf der Mondsichel stehend, auf dem Emporenfenster der Evangelischen Pauluskirche Gießen

Die Himmelskönigin auf dem Emporenfenster der evangelischen Pauluskirche Gießen

1 Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.

2 Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt.

3 Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen,

4 und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor die Frau, die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße.

5 Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen ein ungewöhnliches Lied, das aber gut zum Advent passt. In seinem Text bitten wir Gott, dass er uns unter die Haut geht, dass er uns wirklich berührt und verändert, dass er wirklich unter uns Mensch wird:

Du, Gott, geh uns unter die Haut
Gott, gib uns ein Herz für dein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, wenn uns etwas unter die Haut geht, wie wir sagen, dann berührt es uns ganz tief. Dann können wir nicht daran vorbei. Es geht uns einfach an. Die Bibel sagt: Mit Gott ist das so. Der hat uns schließlich erschaffen. Der hat uns etwas zu sagen.

Obwohl – ist dieser Gott uns nicht eigentlich doch sehr fremd? Die Gebote hat doch zuerst nur das Volk Israel gesagt bekommen. Die Wundergeschichten der Bibel sind schwer zu begreifen. Alles, was in der Bibel steht, ist vor mehreren Tausend Jahren geschehen. Was hat das alles mit uns zu tun?

Nun: immerhin feiern wir noch heute das Weihnachtsfest. Wir feiern die Geburt Jesu. Warum eigentlich? Irgendwie sind wir Christen davon überzeugt: diese Geburt hat die Welt so sehr verändert, dass es wichtig ist, an sie zu denken. Darum erzählen wir jedes Jahr neu in den Kirchen die Geschichten von der Geburt Jesu und fragen uns, was sie für uns bedeuten.

Wenn man Geschichten zu häufig hört, kann es sein, dass man gar nicht mehr richtig zuhört. Bei den Weihnachtsgeschichten mag das noch mehr als bei anderen Geschichten der Fall sein. Immerhin hören wir sie jedes Jahr. OK, da geht es um Maria und Josef, um Hirten und Engel, um Könige und einen Stern, um ein Kind und um Geschenke. Das ist schön, das ist feierlich, aber war es das schon? Wie kann das alles uns unter die Haut gehen?

Vielleicht hilft es uns, wenn wir uns einmal eine dritte Geschichte der Bibel anschauen, die auch von der Geburt Jesu handelt. Eine Weihnachtsgeschichte, die sogar hier in der Kirche dargestellt ist, dort oben auf dem Fenster über der Empore. Wir haben sie schon gehört, und einige mögen sich gefragt haben, was das denn alles mit Weihnachten zu tun haben soll.

Am besten fragen wir einmal den Autor der Geschichte, nämlich Johannes, der in der Bibel das Buch der Offenbarung geschrieben hat, wie seine Geschichte zu verstehen ist. Er ist nämlich zu Gast bei uns und kann uns Auskunft geben.

Vielleicht werdet ihr enttäuscht sein. Viel kann ich euch auch nicht erklären. Ich bin nämlich gar nicht der Autor der Offenbarung.

Wieso? Es steht doch Offenbarung des Johannes drüber.

Das stimmt nicht so ganz. Eigentlich ist es die Offenbarung von Jesus Christus. Und Gott hat sie mir nur mitgeteilt, damit ich sie aufschreibe und weitersage.

Wie hat Gott das denn gemacht?

Sagen wir es so: Ich habe Träume gehabt, obwohl ich wach war, ich habe Bilder gesehen und Worte gehört, die waren in meinem Kopf, aber ich habe sie mir nicht nur eingebildet.

Also wie Fernsehen oder YouTube im Kopf, und der Sender oder Server war Gott selber?

Ich verstehe zwar nicht ganz, aber auf jeden Fall kamen die Bilder von Gott.

Aber wie kann es sein, dass Jesus in deiner Geschichte praktisch gar nicht auf der Erde gelebt hat? Kaum ist er geboren, schon kommt die Himmelfahrt und er wird zu Gott zurück entrückt. Wir haben hier zwei Kollegen von dir, die auch von Jesu Geburt erzählt haben, Lukas und Matthäus, aber ihre Geschichten sind ganz anders.

Auf jeden Fall ist Jesus nicht gleich nach seiner Geburt in den Himmel zurückgegangen. Jesus ist zwar nicht sehr alt geworden, aber ungefähr 30 Jahre hat er doch auf der Erde gelebt, bevor er gekreuzigt wurde. Erst danach ist er auferstanden und in den Himmel zurückgekehrt.

So sehe ich das auch. Was du erzählst, lieber Johannes, macht keinen Sinn. Es widerspricht allem, was Menschen erzählt haben, die Jesus persönlich gekannt und erlebt haben.

Ich weiß nur, was ich in meiner Vision gesehen habe. Ich sehe nicht unbedingt, was alle sehen, ich sehe hinter die Dinge.

Gut, dann erkläre mal: Wieso soll Jesus gleich nach der Geburt zu Gott zurückgegangen sein?

Vielleicht ist der Himmel ja gar nicht so weit weg. Vielleicht ist er unsichtbar ganz nahe bei uns, vielleicht spüren wir ihn im Schlag unseres Herzens. Klar hat Jesus auf der Erde gelebt, aber vielleicht lebte er zugleich im Himmel, weil er ganz und gar eins mit dem Vater im Himmel war und ist.

OK, aber was erzählst du da von dem Drachen, der Jesus bedroht hat? Solche Wesen gibt es doch nur im Märchen, oder?

Nein, nein. Du vergisst, dass ich einen Traum hatte, und im Traum sieht man, wie die Dinge wirklich sind. Der Drache, das ist das Böse auf dieser Welt. Manche nennen es den Satan. Der klagt pausenlos die Menschen an, dass sie abgrundtief schlecht sind und in die Hölle gehören. Manche nennen ihn den Teufel. Der bringt die Menschen durcheinander, dass sie zwar Gutes wollen, aber immer wieder doch Böses tun. Schon Adam und Eva hat er durcheinander gebracht, als Schlange verkleidet. Und ist er nicht auch Jesus begegnet, damals in der Wüste?

Ach, so meinst du das. Da hast du Recht. In der Wüste musste sich Jesus gegen die Versuchungen des Teufels wehren.

Und bereits als Kind wäre er beinahe von einem wahren Teufel in Menschengestalt abgeschlachtet worden, nämlich von dem König Herodes.

Siehst du: Jesus war vom Bösen bedroht, von Anfang an.

Aber er wurde gerettet, indem seine Eltern ihn nach Ägypten brachten.

Und wer hat das so hingekriegt? Gott selbst, indem er seine Engel zu den Männern aus dem Morgenland und zu Josef schickte. Die einen sollten Herodes nicht als Spione dienen, der andere sollte das Kind aus der Gefahrenzone bringen. Ist das nicht auch eine Art Entrückung?

Gut, ich verstehe. Das Ganze ist also bildlich gemeint. Gott nimmt das Kind zu sich, obwohl es auf der Erde bleibt, indem er dafür sorgt, dass es vor Gefahren beschützt bleibt.

Die Himmelskönigin, von Konfi gemalt

Maria als Himmelskönigin auf einem von den Konfis gemalten Bild

So kann ich das auch akzeptieren. Aber ich habe eine andere Frage. Ich kenne ja Maria, die Mutter Jesu. Wenn ich deine Beschreibung von der Mutter Jesu lese, erkenne ich die Maria darin aber nicht wieder. Maria war ein junges Mädchen, gerade 13 Jahre alt. Wie passt das zu der Frau, die mit der Sonne bekleidet ist, zwölf Sterne als Krone auf dem Kopf trägt und auf dem Mond steht?

Dazu kann ich wieder nur sagen: Was ich gesehen habe, ist die Wahrheit hinter den Dingen. Vielleicht kann man auch sagen: die Wahrheit, die tief in der Seele der Menschen verborgen liegt. Maria wurde schwanger, kein Mensch weiß genau, wie, und sie nahm ihr Kind von Gott an als ein heiliges Kind, das Gottes Liebe in die Welt bringen sollte. Ist das nicht genug, um sich Maria wie die wunderbarste Königin der Welt vorzustellen?

Da hast du Recht, lieber Johannes. Übrigens hat Jesus ja selbst gesagt: Wer nicht wie ein Kind wird, kommt nicht in das Reich Gottes. Dann kann auch ein Mädchen, das fast noch ein Kind ist und den Sohn Gottes zur Welt bringt, die Himmelskönigin sein.

Was hältst du denn davon, dass man oft gesagt hat: diese Frau, von der du erzählst hast, ist ein Bild für die Kirche, für die Gemeinschaft der Christen?

Das ist eine sehr gute Auslegung. Die Bilder, die ich in der Offenbarung gesehen und von denen ich euch erzählt habe, haben nicht immer nur eine Bedeutung. Vielleicht geht es bei dem Bild von Maria vor allem darum, dass wir alle für die Liebe und den Frieden von Jesus offen sein sollen, so wie Maria damals buchstäblich mit Jesus schwanger war und ihn geboren hat.

Trotzdem gefällt mir das immer noch nicht, dass sich in deiner Geschichte alles so mythologisch anhört. Das meiste spielt sich oben am Himmel ab!

Übertreib mal nicht. Die Geschichte geht ja noch weiter und zwar durchaus auf der Erde.

Ich glaube, das würde aber jetzt zu weit führen, das auch noch zu erzählen, vielleicht machen wir das ein anderes Mal.

Aber lass mich dem Matthäus noch eins antworten: Du beschwerst dich, dass sich in meiner Geschichte alles oben am Himmel abspielt. Und was ist in deiner Geschichte mit dem Stern von Bethlehem? Der steht doch auch oben am Himmel!

Da hast du auch wieder Recht. Vielleicht hängt oben und unten enger zusammen, als wir oft denken.

Das ist ganz bestimmt so. Ich habe übrigens einmal persische Sterndeuter gekannt, die meinten, dass dein Stern von Bethlehem und meine Vision von der Mutter Jesu genau dieselbe Himmelserscheinung sind.

Das musst du noch mal genauer erklären. Wie meinten die das denn?

Das ist sehr kompliziert. Nur so viel habe ich verstanden: Es gibt am Himmel ein Sternbild, das nannten die Perser die Jungfrau. Und mitten in diesem Sternbild erschien eines Nachts plötzlich wie aus dem Nichts ein neuer hell leuchtender Stern.

Das könnte eine Supernova gewesen sein.

Wie gesagt, ich bin kein Sterndeuter. Davon habe ich keine Ahnung. Aber die Perser haben gesagt: Zur gleichen Zeit strahlten um den Kopf des Sternbilds Jungfrau 12 Sterne. Und die Mondsichel war unter ihren Füßen. Und als es Tag wurde, strahlte die Sonne genau dort, wo das Sternbild Jungfrau gewesen war.

Davon habe ich auch etwas gelesen. Es gibt sogar einen Forscher, Dr. Werner Papke, der meint, er kann genau berechnen, wann Jesus wirklich zur Welt gekommen ist, nämlich am 30. August des Jahres 2 vor Christus.

Das klingt komisch: Dann wäre Jesus ja zwei Jahre vor seiner Geburt geboren.

Und Weihnachten würde gar nicht im Winter liegen, sondern im Hochsommer.

Aber ehrlich gesagt, finde ich es gar nicht so wichtig, wann genau Jesus geboren ist. Vielleicht haben die persischen Forscher ja auch gar nicht Recht. Ich finde es ganz gut, dass ihr Weihnachten in der dunkelsten Jahreszeit feiert. Denn als Jesus in die Welt kam, hat er ja das Licht der Liebe von Gott in die Welt gebracht, und nur darauf kommt es wirklich an.

Das finde ich auch. Es ist ein schönes Symbol, dass es von Jesu Geburtsfest an jeden Tag immer ein bisschen heller wird.

So, und nun danke ich erst einmal den drei Konfis Adelina, Laura und Jan, die uns den Propheten Johannes und die Evangelisten Lukas und Matthäus vorgestellt haben!

Maria, sehr schwanger, von einer Konfirmandin gemaltDie Konfirmandengruppe hat aber noch mehr zu diesem Gottesdienst beigetragen, nämlich einige Bilder.

Da ist zum Beispiel dieses Bild von Maria (Bild links), die gerade von einem Engel erfahren hat, dass das Kind in ihrem Bauch ein heiliges Kind ist.

Sie scheint nicht so ganz begeistert zu sein, scheint ein wenig zu schmollen, macht jedenfalls ein ziemlich skeptisches Gesicht. Engel, von Konfis gemalt wie ein schüchterner junger MannKein Wunder, denn sie ist immerhin erst so alt wie unsere Konfirmandinnen. Da ist es nicht leicht, Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, von dem die Leute außerdem noch denken, es sei ein außerehelich gezeugter Bastard.

Der Engel (Bild rechts) ist gemalt wie ein etwas unsicherer und zurückhaltender junger Mann, der nicht so genau weiß, wie er einer so jungen werdenden Mutter begegnen soll. Aber er macht seine Sache gut. Am Ende sagt Maria: Ich will das Kind. Ich glaube dir, Engel, dass es ein Kind von Gott ist. Ich werde gut für das Kind sorgen.

Das Konfi-Bild von Maria und dem Engel mit Sonne und Blume wie oben am Anfang des GottesdienstesHier noch einmal das Bild im Ganzen. Da sieht man: es ist ein Bild voller Hoffnung. Oben steht die Sonne am Himmel, unten wächst eine Blume. Ein Weihnachtsbild kann also auch durchaus frühlingshaft aussehn.

Eine andere Gruppe von Konfis hat sich von dem Bild inspirieren lassen, das dort oben über unserer Empore hängt. Da ist ja auch Maria dargestellt, aber nicht als Schwangere, die vom Engel besucht wird, sondern als die Himmelskönigin, die auf dem Mond steht und von der Sonne bekleidet ist. Dieses Bild, so haben wir es vorhin gehört, hat uns ja der christliche Prophet Johannes vor Augen gestellt.

Ein Konfi-Bild vom großen grünen Monster, über dem die Maria als Himmelskönigin relativ klein wirkt und noch kleiner der Erzengel MichaelUnsere Konfis haben Maria etwas anders gemalt als dort oben. Ein bisschen sieht sie aus wie die Freiheitsstatue in New York. Und sie will ja auch ihre Freiheit gegen den Drachen behaupten, der auf dem Bild der Konfis als Monster in gewaltiger Größe dargestellt ist.

Vergrößerung des Erzengels Gabriel aus dem Bild von ebenDer Erzengel Michael wirkt sehr klein, und doch setzt er sich gemeinsam mit Maria gegen das Monster durch. Ich verstehe das so: Genau wie sein Kollege, der Engel Gabriel, der Maria die Geburt Jesu ankündigte, kämpft auch der Michael letzten Endes mit gewaltlosen Waffen. Liebe ist stärker als das Böse. Die Kraft des Friedens, des Guten, der Gerechtigkeit ist dazu im Stande, alles Böse zu überwinden; das hat Jesus später in seinem Leben gezeigt. Ich finde, ihr habt den Erzengel Michael, der da oben auf dem Bild sehr ernst und ruhig dargestellt wird, noch ein wenig menschlicher und mit Humor dargestellt. Den Kampf gegen das Böse sollte man also schon ernstnehmen, aber mit Humor gelingt es noch besser, die Schwächen der Menschen, auch die eigenen, zu überwinden und das Böse zuerst einmal in sich selber zu bekämpfen.

Schließlich noch ein Bild zum Beginn einer Weihnachtsgeschichte, die Matthäus überliefert. Er fängt sein Evangelium damit an, dass er die Abstammung von Jesus beschreibt. Drei Mal 14 Generationen trennen Jesus nach der Bibel von Abraham, dem Stammvater Israels. Was will Matthäus damit sagen?

Die 42 Generationen zwischen Abraham und Jesus nach Matthäus 1Jesus gehört nach Matthäus über seinen Adoptivvater Josef in die Geschichte des Volkes Israel hinein. Hier haben sich zwei Konfis die Mühe gemacht, alle 42 Generationen von Abraham bis zu Jesus, bildlich darzustellen. Davidssohn wird Jesus mit Recht genannt, weil zu seinen Vorfahren auch König David gehört. Matthäus unterstreicht damit: Jesus ist der Messias Israels, der von Gott gesalbte Friedenskönig für sein Volk Israel.

Zwei der Heiligen Drei Könige, von einem Konfirmanden gemaltUnd zugleich bringt Jesus auch aller Welt Frieden und Gerechtigkeit. Auch dazu erzählt Matthäus eine Geschichte. Nämlich die Geschichte der weisen Männer, die aus fernen Ländern kommen, um Jesus zu besuchen und ihm Geschenke zu bringen. Warum nur zwei und nicht drei Männer zu sehen sind? Der dritte war in der letzten Konfi-Stunde nicht ganz fertig geworden. Vielleicht macht es ja auch Sinn, dass der dritte König schon weg ist. Immerhin mussten sie ja sehr schnell verduften, durften nicht zu König Herodes zurück, um das Jesuskind nicht noch mehr in Gefahr zu bringen.

So viel zu euren Bildern, vielen Dank, dass ihr sie gemalt habt!

Gemeinsam ist allen Weihnachtsgeschichten: Gott wird als Mensch in eine Welt hineingeboren, in der ihn nicht alle Menschen herzlich willkommen heißen. Maria und Josef lassen sich durch Engel überzeugen, ihr Kind als Gottes Kind anzunehmen. Weise Männer aus fernen Ländern werden durch einen Stern nach Bethlehem geführt, um die Macht eines Kindes ernster zu nehmen als ihre eigene Vernunft und Macht. Aber König Herodes will das Kind vernichten, hat Angst vor der Macht dieses Kindes, die schlicht die Macht der Liebe ist. Und der Prophet Johannes bringt alles auf den Punkt: Die Liebe, die Jesus in unserer Welt verkörpert, die von Gott kommt, sie ist immer bedroht durch das Monster, das in uns allen und in allen Ecken unserer Welt lauert: und dieses Monster heißt „Sünde“. Sünde ist ein Leben ohne Gottes Liebe, ist Wehtun statt Helfen, Rache statt Böses mit Gutem überwinden. Sünde ist Respektlosigkeit, ein Sünder kreist nur um sich selbst, aber er liebt nicht einmal sich selbst richtig.

Jesus ist geboren, um dieses Monster in uns und in der Welt zu besiegen. Er will uns Mut machen, dass wir Liebe annehmen, Liebe lernen, Liebe üben. So geht Gott selber uns unter die Haut. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied „Bethlehem“:

Wer nach Bethlehem fliegen will in den Stall
Fürbitten und Stille und Vater unser

Zuletzt singen wir noch ein Lied vom Stern über Bethlehem:

Ein Stern steht über Bethlehem
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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