Hoffnung für den Libanon

Wer würde nicht Frieden wünschen für den Libanon, dieses in den letzten Jahren von Bürgerkrieg und Zerstörung betroffene kleine Land im Norden von Israel? Vielleicht war es schon zu Jesajas Zeiten vom Krieg betroffen gewesen, seine Höhen kahlgeschlagen und kaum zu bewohnen. Jesaja verkündet Hoffnung: „Wohlan, es ist jetzt noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden“.

Bischarri im nördlichen Teil des Libanon-Gebirges, der Geburtsort des Poeten, Malers und Bildhauers Khalil Gibran

Bischarri im Libanon-Gebirge, Geburtsort des Dichters, Malers und Bildhauers Khalil Gibran (Foto: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am Sonntag Jubilate, den 16. April 1989 um 10.15 Uhr in der Kirche zu Eppelsheim

Ich begrüße Sie alle herzlich im Gottesdienst in der Eppelsheimer Kirche und möchte mich am Anfang Ihnen erst einmal vorstellen: Ich bin seit einem Monat als neuer Krankenhausseelsorger an der Landesnervenklinik in Alzey tätig, betreue außerdem auch zwei Stationen des Kreiskrankenhauses und bin also dort auch der neue Kollege Ihres Gemeindepfarrers, von Herrn Schmid. Mit Ihrer Gemeinde verbindet mich persönlich noch etwas: nämlich, dass unsere beiden Söhne sich gleich nach unserem Umzug dem Judoverein Eppelsheim angeschlossen haben und sich in der hiesigen Sporthalle sehr wohl fühlen.

Heute freue ich mich nun auf den gemeinsamen Gottesdienst am Sonntag Jubilate – mit Ihnen! Jubilate, das heißt: Jauchzt, jubiliert, dieser Sonntag steht noch ganz im Zeichen der österlichen Freudenzeit, auf die wir heute von einem alttestamentlichen Propheten, von Jesaja her, ein besonderes Licht werfen.

Lied 237, 1-3:

Dir, dir, o Höchster will ich singen, denn wo ist doch ein solcher Gott wie du? Dir will ich meine Lieder bringen; ach, gib mir deines Geistes Kraft dazu, dass ich es tu im Namen Jesu Christ, so wie es dir durch ihn gefällig ist.

Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir; dein Geist in meinem Herzen wohne und meine Sinne und Verstand regier, dass ich den Frieden Gottes schmeck und fühl und dir darob im Herzen sing und spiel.

Verleih mir, Höchster, solche Güte, so wird gewiss mein Singen recht getan; so klingt es schön in meinem Liede und ich bet dich im Geist und Wahrheit an; so hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, dass ich dir Psalmen sing im höhern Chor.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

[Gott,] du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. (Jesaja 9, 2)

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott und Vater, von dir erwarten wir, dass du uns annimmst, so wie wir sind. Ohne deine Nachsicht und deine Bereitschaft zu vergeben, bliebe uns kaum Hoffnung. So bekennen wir dir unser Elend: Wir haben unsere gestörten Beziehungen nicht erneuert; wir haben Unrecht wahrgenommen und – geschwiegen; wir haben unseren Vorteil auf Kosten anderer in Anspruch genommen und durchgesetzt. Aber wir bauen darauf, dass du Geduld mit uns hast. Du lässt uns neu anfangen und gibst uns Raum und Weite, so dass wir uns entfalten können und getrost und zuversichtlich leben können. Dafür danken wir dir, Gott, durch deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Markus 7, 31-37:

31 Und als Jesus … fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.

32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege.

33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und

34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!

35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

36 Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus.

37 Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied 188, 1+5:

Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein. Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein. Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß, errett‘ dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß, mit reichem Trost beschüttet, verjüngt, dem Adler gleich; der Herr schafft Recht, behütet, die leidn in seinem Reich.

Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn, Heiligem Geist! Der wolle in uns mehren, was er aus Gnaden uns verheißt, dass wir ihm fest vertrauen, uns gründen ganz auf ihn, von Herzen auf ihn bauen, dass unser Mut und Sinn ihm allezeit anhangen. Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werdn’s erlangen, glaubn wir von Herzensgrund.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Wir hören den Text zur Predigt aus dem Buch Jesaja 29, 17-24:

17 Wohlan, es ist jetzt noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden.

18 Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen;

19 und die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.

20 Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten,

21 welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach,der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lüge das Recht des Unschuldigen.

22 Darum spricht der HERR, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen.

23 Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände – seine Kinder – in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen, und den Gott Israels fürchten.

24 Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Liebe Gemeinde!

Aus weiter Ferne ruft der Prophet Jesaja seine Worte zu uns herüber, und sie klingen teils fremd, teils vertraut in meinen Ohren. Fremd natürlich: über zwanzig Jahrhunderte trennen uns von ihm und seiner Zeit. Aber um so erstaunlicher ist, dass diese Worte dennoch faszinieren, Dinge beim Namen nennen, die uns wohlbekannt sind. Gleich zu Beginn das Stichwort „Libanon“. Wer würde sich nicht Frieden wünschen für dieses in den letzten Jahren von Bürgerkrieg und Zerstörung betroffene kleine Land im Norden von Israel? Vielleicht war es schon zu Jesajas Zeiten vom Krieg betroffen gewesen, seine Höhen kahlgeschlagen und kaum zu bewohnen. Hoffnung für den Libanon hat Jesaja zu verkünden:

17 Wohlan, es ist jetzt noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden.

Aber kann man das glauben? Nach diesem Text scheint Gott, dessen Worte Jesaja hört und weitersagt, ein großes Interesse am Wohlergehen der Menschen zu haben. Aber ist er auch mächtig genug, um Frieden auf Erden möglich zu machen? Wird es noch einmal fruchtbares Land für alle Hungernden geben, wird genug Wald übrig bleiben, um unsere Atemluft so rein wie nur möglich zu halten?

Schon der Text im Jesajabuch spricht zu Menschen, denen der Glaube zu entgleiten droht, bei denen sich Resignation breit macht. Ob die Verse, die wir gehört haben, vor ca. 2200 Jahren aufgeschrieben worden sind, oder vielleicht schon vor 2500 Jahren, darüber streiten sich die Gelehrten. Aber über die Lage der Angesprochenen gibt es keinen Zweifel; sie leben in einer Zeit, in der kaum einer etwas von Gott hören will.

Doch Jesaja wird nicht müde, dennoch von Gott zu reden, und zwar in der Zukunftsform, als ein Hoffender: Gott wird seine Menschenliebe machtvoll unter Beweis stellen. Natur und Menschenwelt werden verwandelt. Alle werden zur Einsicht kommen. Das ist die Hoffnung des Propheten, die allen traurigen Realitäten spottet.

Wie argumentiert Jesaja? Seine Worte und Bilder muten seltsam aktuell an über die Jahrtausende hinweg und sprechen tröstlich in unser 20. Jahrhundert nach Christi Geburt hinein. Verschieden übersetzt, verschieden deutbar ist der erste Vers, manche übersetzen ihn so: „Es dauert nicht mehr lange, dann verwandelt sich der Libanon in einen Obstgarten, und manche Kulturlandschaft wird zum Gestrüpp.“ Es ist also zum Glück nicht festgeschrieben, dass die Menschen in den armen Ländern für ewig auf dem Trockenen sitzen und niemals satt werden. Die wunderbare Umwandlung von Entwicklungsländern zu Obstgärten ist kein unerfüllbarer Traum, sondern Gottes Wille und Plan. Deshalb ist das, was wir dazu beitragen können, kein Tropfen auf einen heißen Stein, sondern sehr sinnvoll und zielgerichtet.

Und dann heißt es weiter: „Erstaunt werden an diesem Tag die Tauben wieder auf Schriftworte hören, und befreit von Dunkel und Finsternis werden den Blinden die Augen aufgehen.“ Hier sind sicher nicht nur die Menschen ohne Gehör und Augenlicht gemeint, sondern vor allem diejenigen, die zwar rein äußerlich hören und sehen können, die aber von ihren Gaben nicht den rechten Gebrauch machen. Wer taub ist für Gottes Wort und wer blind ist für die Güte und Freundlichkeit Gottes, der hat noch die Chance, dass ihm Ohren und Augen geöffnet werden.

„Die Elenden“, gemeint sind die Dulder, die Gewaltlosen, „können sich dann wieder ungetrübt über das Vorgehen Gottes freuen; und die im Augenblick am tiefsten in der Armut stecken, werden begeistert sein von dem Heiligen Israels.“ Ist das nicht alles reine Zukunftsmusik ohne jeden Bezug zur Wirklichkeit? Wann wird denn das einmal wahr?

Für uns Christen ist diese Prophezeiung keine Vertröstung auf eine paradiesische Zukunft irgendwann und irgendwo, sondern sie ist im Grunde eine Rückerinnerung an den „Heiligen Israels“, der längst gekommen ist, um bei uns zu sein und bei uns zu bleiben alle Tage bis ans Ende der Welt. Als Johannes der Täufer aus seiner Todeszelle bei Jesus nachfragen lässt (Matthäus 11, 3):

Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

– bekommt er genau das zur Antwort, was Jesaja verheißt (Matthäus 11, 5):

Blinde sehen und Lahme gehen … und Armen wird das Evangelium gepredigt.

Auch in den Seligpreisungen Jesu werden die gleichen Menschen angesprochen wie bei Jesaja. Allerdings werden sie dort nicht mehr vertröstet, sondern selig gesprochen, d. h. sie werden zu ewig glücklichen Menschen erklärt (Matthäus 5, 3-6): Die geistlich Armen, denen das Reich Gottes eröffnet wird, die Gewaltlosen, weil sie Töchter und Söhne Gottes heißen werden, die hungern und dürsten nach gerechten Verhältnissen, weil sie satt werden sollen. Die Dulder, weil sie diese Welt erben werden. Die ganze Hoffnung des Propheten wird in dem Heilandsruf verwirklicht (Matthäus 11, 28):

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Aber was hat sich denn geändert, seit Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Pfingsten? Mit Jesus alles – ohne ihn nichts! wie Jesus selbst sagt (Johannes 15, 5)

Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Wir könnten unsere Lasten und Ausweglosigkeiten bei Jesus abladen und uns den Aufgaben widmen, die er für uns bereit hält. Aber wir meinen immer wieder, allein wursteln zu müssen mit unseren Problemen, und haben Angst, wir bekämen von Jesus noch mehr aufgeladen, wenn wir ihm den kleinen Finger reichten. Dabei hat er gesagt (Matthäus 11, 30):

Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Was er uns auferlegt, drückt uns nicht nieder, sondern es stärkt uns vielmehr und baut uns auf.

Wir könnten unsere Augen und Ohren aufsperren und mitbekommen, wie es den Geschöpfen Gottes geht in unserer Welt. Wir könnten auf der Suche sein nach den geringsten Brüdern und Schwestern Jesu, in denen wir ihm selbst begegnen würden. Aber wir haben immer wieder Angst vor Unannehmlichkeiten, wir scheuen uns davor, in komplizierte Zusammenhänge gedanklich einzudringen, wir überlassen manche sozialen Fragen lieber den Experten. Denn die Leute könnten ja über uns reden. Man begibt sich leicht auf gefährliches Glatteis. Schon wenn einer in den Bibelkreis ginge, könnte er ja manchen Leuten als zu fromm erscheinen. Andere wiederum befürchten die Einstufung als „idealistischer Spinner“, wenn sie sich mit Utopien für die menschliche Gesellschaft befassen.

Die Propheten der Bibel hatten weniger Scheu, sich bei den Leuten unbeliebt zu machen. Sie hatten auch keine Angst davor, sich in die öffentlichen Angelegenheiten ihres Landes oder fremder Länder einzumischen. In unserem Predigttext heißt es in aller Strenge (Jesaja 29):

20 Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten,

21 welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen.

Tyrannen und Spötter zu Zeiten Jesajas werden das sicher nicht gern gehört haben.

Aber eine neue Frage drängt sich auf: Wer setzt denn den Tyrannen ein Ende? Wer vertilgt die Unheilsstifter? Kommt es dazu ohne menschliches Zutun, wenn Gott es so will? Oder handelt Gott dabei auch durch menschliche Aktion und Revolution? Uns bräuchte das Thema gegenwärtig kaum zu interessieren, wenn nicht Zeitung und Fernsehen täglich die Neuigkeiten aus aller Welt zu uns transportieren würden. Und da erfahren wir dann eben von Unrecht und Aufstand, von Gewaltherrschaft und Widerstand dagegen. Und zuweilen ragt dann ein Zipfel dieser Weltprobleme, die uns sonst ziemlich ungerührt lassen, in unsere Innenpolitik herein, wie z. B. jetzt gerade, als Herr Blüm in Chile war. Wir verstehen uns ja als ein Staat, in dem gewaltsamer Widerstand nicht nötig ist, weil sich bei uns die meisten Probleme demokratisch oder rechtsstaatlich lösen lassen. Aber wie glaubwürdig sind wir, wenn wir Möglichkeiten nicht nutzen, um Opfern der Tyrannen in anderen Ländern zu helfen?

Ich weiß, wie schwierig es ist, in solchen Fragen gerecht zu urteilen und auch das Richtige zu tun. Ich bin mir auch bewusst, dass ich infolgedessen wie viele andere lieber diese Probleme wegschiebe und mir sage: Ich allein kann da eh nichts ändern. Aber in der Öffentlichkeit wird ja geredet, werden ja Meinungen geäußert. Wo viele etwas sagen, kommt es auch auf die Ansichten einzelner an. Auch auf die Meinungen der Christen. Ich will Ihnen nicht vorschreiben, wie Sie zu denken haben. Aber müssten sich unsere Gedanken als Christen nicht manchmal abheben von Allerweltsweisheiten und unbestimmten Ängsten, durch die wir hart und unmenschlich reagieren? Sicher, wenn ich mir vorstelle, die 14 chilenischen Todeskandidaten reisen in die Bundesrepublik ein, verwechseln dann unseren rechtlich und sozial ganz anders aufgebauten Staat mit einer Tyrannei und würden hier die Terrorszene verstärken – das ruft schon eine gewisse Angst hervor. Aber können uns die Chilenen deshalb menschlich ganz gleichgültig sein? Was sie getan haben, können wir von hier aus nicht beurteilen, was sie zu Protokoll gegeben haben als Geständnis ihrer Taten, hat ein tyrannisches Regime unter der Folter erpresst, was sie vorbringen als Rechtfertigung ihres gewaltsamen Widerstands gegen die Herrschaft in ihrem Land, sollte uns eher nachdenklich machen, als zu vorschnellen Urteilen verleiten, denn immerhin ehren wir an jedem 20. Juli die Männer, die in unserem Land den Mut hatten, sich der Hitlerherrschaft – auch mit Gewalt – zu widersetzen. Dietrich Bonhoeffer, ein engagierter Christ und Theologe, war auch dabei und wurde dafür mit dem Tode bestraft.

Genug mit diesem Ausflug in ein wahrlich umstrittenes Themenfeld. Reden müssten wir mehr über diese Dinge, das tun wir viel zu wenig. Und zwar beginnend bei der Bibel, und dann hinausgreifend in unser Leben und auch die Ordnung unseres Zusammenlebens hinein. Wo wir allein bleiben mit unseren Fragen, werden wir, wenn wir einmal irren, nicht so leicht korrigiert. Oder wir sind ärgerlich auf das, was jemand gesagt hat, scheuen aber das Gespräch mit ihm. Ob bei uns noch einmal die Verheißung wahr wird, die in unserem Jesajaabschnitt am Schluss steht (Jesaja 29)?

24 Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Wann wird das denn alles sein? Nicht erst in der Ewigkeit, die jenseits unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten steht. Sondern jederzeit ist diese Zeit, von der Jesaja spricht. Vor allem jede Zeit, in der wir uns von Jesus Christus geleitet wissen. Dann können wir jetzt erfahren, was Jesaja damals dem Volk Israel oder Jakob verheißen hatte:

22 Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen.

Das sollten wir uns auch merken: Wenn wir verschiedener Meinung sind, dann ist das noch lange kein Grund, uns gegenseitig fertigzumachen und zu beschämen. Vielmehr will Gott, dass wir aufrecht und selbstbewusst leben, allerdings nicht auf Kosten anderer. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.
Lied 233, 5-7:

Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre!

Wenn Trost und Hilf ermangeln muss, die alle Welt erzeiget, so kommt, so hilft der Überfluss, der Schöpfer selbst und neiget die Vateraugen denen zu, die sonsten nirgends finden Ruh. Gebt unserm Gott die Ehre!

Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, von nun an ehren, man soll, Gott, deinen Lobgesang an allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Leib erfreue dich! Gebt unserm Gott die Ehre.

Lasst uns beten.

Dank sei dir, Gott, für alle guten Gaben und Fähigkeiten, mit denen du uns gesegnet hast. Du bist das Gute, das siegt, obwohl es in der Geschichte immer wieder zu unterliegen scheint. Lass uns also gutmütig bleiben und auf Gewalt verzichten. Du bist das vollkommene Glück. Lass uns beim Glücklichmachen und Glücklichsein dir so nahe wie möglich kommen, damit wir die Angst vor dem Leben und dem Sterben verlieren – nicht aber die Geduld.

Du bist das ganze Leben.

Lass uns nicht engen religiösen und politischen Lehrmeinungen verfallen, hilf uns, den Horizont offen zu halten für das wahrhaft menschliche Dasein, das Jesus uns vorgelebt hat.

Du bist der absolute Friede.

Hilf, dass wir unsere Einsichten in deinen Friedenswillen nicht absolut setzen, sondern dass wir das verhältnismäßig Geringe, das uns möglich ist, auch wirklich tun.

Du bist der Sinn des Lebens.

Deshalb können Unsinn, Krankheit, Zufall, Tod nicht siegen.

Du bist das eigentliche Du, das jeder Mensch ersehnt, unser persönliches menschliches Gegenüber, das das Leben liebenswert macht: du bist unser Freund, Nächster, Allernächster, unser Vater im Himmel. Zu dir beten wir mit den Worten, die uns Jesus gelehrt hat:

Vater unser
Lied 75
Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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