Der Weg über die Regenbogenbrücke

In der Trauerfeier für eine Frau, deren Kinder ihr einen Abschiedstext gewidmet haben, in dem sie ihre Mutter über eine Regenbogenbrücke in den Himmel gehen sehen, gehe ich auf Bibeltexte zum Regenbogen ein.

Der Weg über die Regenbogenbrücke: Ein Regenbogen zieht sich über einen oben dunklen, unten helleren Abendhimmel

Eine Regenbogenbrücke, die in den Himmel führt (Bild: UlrichG – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um von Frau W. Abschied zu nehmen, die im Alter von [über 60] Jahren gestorben ist.

Wir können es noch nicht fassen, dass sie tot ist. Wir besinnen uns auf das, was sie uns bedeutet hat, wie sie uns geprägt hat und uns begegnet ist. Wir seufzen über das, was belastend war, wir sind traurig, dass wir Abschied nehmen müssen, und wir denken dankbar an alles, was ihr und unser Leben mit Liebe erfüllt hat.

Wir denken auch an Gott, der uns das Leben schenkt. Zu ihm beten wir mit dem Psalm 139:

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -,

12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

13 Denn du hast [mein Inneres] bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!

18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Liebe Trauerfamilie, liebe Gemeinde,

ein wunderbares Leben ist uns von Gott geschenkt, von allen Seiten umgibt er uns mit seiner Liebe; auf seinen guten Wegen gehen wir, wenn wir die Liebe, die uns gegeben ist, auch an die Menschen weitergeben, die uns anvertraut sind.

Kostbar ist unser Leben; das wird uns dann besonders bewusst, wenn ein Leben zu Ende gegangen ist, wie jetzt das Leben von Frau W.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Alle, die Frau W. geliebt haben, sind sehr traurig über ihren Tod, besonders ihre Kinder. Ich darf an dieser Stelle einige Abschiedsworte vorlesen, die die Geschwister für ihre Mutter ganz persönlich aufgeschrieben haben:

Gekämpft, gehofft – und doch verloren.
Nun ruhe sanft, du gutes Herz.
Dich leiden zu sehen und nicht helfen zu können,
war unser allergrößter Schmerz.

Liebe Mama, viel zu früh bist du von uns gegangen. Es kam so unerwartet. Dein Herz hat einfach aufgehört zu schlagen, und du hast dich auf die Reise an einen neuen Ort gemacht. Du hast den Weg über die Regenbogenbrücke angetreten, und an diesem neuen Ort wirst du nicht mehr leiden müssen. Du kannst dort die Dinge tun, welche du dir die letzten Jahre so gewünscht hast. In unseren Herzen wirst du für immer weiterleben. Unsere Wege haben sich nun getrennt, und die Zeit, die wir mit dir hatten, ist das allergrößte Geschenk für uns. Wir danken dir dafür, dass du uns so viele Dinge beigebracht hast. Du warst ein toller Mensch und die beste Mama.

Besser, als ihr es formuliert habt, kann man es nicht ausdrücken, wie sehr ihr sie geliebt habt und wie sehr sie euch fehlen wird. Indem ihr euch vorstellt, dass sie über die Regenbogenbrücke an einen neuen Ort kommt, wo ihre Wünsche erfüllt werden, könnt ihr sie im Frieden gehen lassen. Ich finde es auch schön, wie ihr an das größte Geschenk zurückdenkt, für das ihr eurer Mutter dankbar seid: die Zeit, die sie mit euch geteilt hat.

In dem Psalm, den wir am Anfang gebetet haben, heißt es, dass unser kostbares Leben nirgendwo verloren geht. Wenn wir mit Flügeln der Morgenröte ans äußerste Meer fliegen würden, ist Gott auch dort bei uns. Wollten wir es ganz dunkel um uns haben, zündet Gott doch ein Licht für uns an, mitten in der Finsternis. Wenn wir zu den Toten auf den Friedhof gelegt werden – auch da ist Gott, und zugleich nimmt er unser Leben, unsere Liebe, alles, was wir gewesen sind, mit in seinen unsichtbaren Himmel, und dort schenkt er uns ein neues, wunderbares, ewiges Leben voller Liebe und Frieden. Wir können uns das nicht schön genug vorstellen.

Hier auf Erden sind wir traurig über den Tod der Mutter, der Oma, der Freundin, der Nachbarin; aber wir dürfen dessen gewiss sein: sie geht in ihrem Tod nicht verloren. Was sie hier an Liebe empfangen hat und was sie an Liebe verschenken konnte, das bewahrt Gott in seinem Himmel auf und bringt es zur Vollkommenheit.

Auf die Regenbogenbrücke geht der Psalm 139 nicht ein. Aber vom Regenbogen ist an einer anderen Stelle der Bibel die Rede. Als der Prophet Hesekiel einmal eine Vision vom Himmel hat, wo ihm etwas davon gezeigt wird, wie schön und herrlich es bei Gott im Himmel aussieht, da wird zum Schluss auch ein Regenbogen erwähnt (Hesekiel 1, 28):

Wie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, so glänzte es ringsumher. So war die Herrlichkeit des HERRN anzusehen.

Außerdem kommt der Regenbogen in der Geschichte von der Sintflut vor. Als der große Regen vorbei ist, als Noah und all die Tiere aus der Arche wieder herausklettern, da lässt Gott einen Regenbogen in den Wolken erscheinen, zum Zeichen, dass er mit den Menschen Frieden schließt (1. Buch Mose – Genesis 9, 12-17). Auch wenn die Menschen immer wieder Dummheiten und Fehler machen, er will Geduld mit ihnen haben. Der Regenbogen ist also nicht nur ein Zeichen dafür, wie herrlich der Himmel ist, sondern auch dafür, dass Gott uns Menschen nicht verloren gehen lassen will.

So lange wir hier auf der Erde leben, gibt Gott uns nicht auf, gibt er uns immer wieder neue Chancen, um die Liebe weiterzugeben, die er uns gibt. Und auch wenn wir sterben, nimmt er uns in seinem Himmel in Gnaden auf. Das Bild von der Regenbogenbrücke finde ich sehr passend, um auszudrücken, dass der Himmel für uns nicht versperrt ist, sondern dass Gott selber uns den Weg dorthin freiräumt, einfach darum, weil er uns lieb hat.

Im Vertrauen auf diese Liebe Gottes dürfen wir Frau W. getrost loslassen, zugleich in Trauer und in großer Dankbarkeit. Amen.

Barmherziger Gott, nimm Frau W. gnädig auf in deinem Himmel. Danke, dass du immer wieder deinen Regenbogen als Zeichen in die Wolken setzt, damit wir wissen, dass der Himmel im Vertrauen auf dich auch für uns offen ist.

Begleite alle, die um Frau W. trauern, die Kinder, die Enkelkinder und viele andere in Verwandtschaft, Freundschaft und Nachbarschaft. Lass uns niemals allein sein, wenn wir traurig sind, wenn wir jemanden brauchen, bei dem wir uns aussprechen können. Hilf uns zu bewältigen, was uns belastet, und vergib uns, was wir einander schuldig geblieben sind.

Lass uns den Gedanken ertragen, dass auch unser Leben begrenzt ist, und dass es klug ist, jeden Tag als kostbares Geschenk aus deiner Hand anzunehmen. Wo wir die Lücken schmerzlich spüren, die ein geliebter Mensch in unserem Leben hinterlassen hat, da lass uns nicht verzweifeln. Was uns an Liebe geschenkt wird, lass uns dankbar annehmen.

Gib uns genug Kraft, um für alle da sein zu können, die uns brauchen, vor allem für die Kinder, die uns anvertraut sind. Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Amen.

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