„Freuet euch in dem Herrn!“

Meistens geht es bei uns eher ruhig und ernst zu im Gottesdienst. Trotzdem ist in der Kirche Platz für Humor, Heiterkeit und Freude. Der Ernst eines evangelischen Gottesdienstes ist nämlich kein verbissener, verkniffener Ernst; Heiterkeit und Humor gehören zum Leben dazu, wenn es lebenswert sein soll. Menschen, die auf Gott vertrauen, haben viel Grund zu einer gelassenen und fröhlichen Grundstimmung.

Zwei Stoff-Smilies, ein lachendes und ein lächelndes, in einer mit vielen Smilies bedruckten Kiste

Menschen in der Kirche haben Grund zur Freude (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am Sonntag Septuagesimae, 8. Februar 2009, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug der Tauffamilie

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich in der Pauluskirche mit einem Wort aus dem Brief des Paulus an die Philipper 4, 4:

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch!

Heute ist unser Taufsonntag im Monat Februar. Wir taufen einen Vater gemeinsam mit seinem Sohn und heißen Herrn … und den Sohn … mit der ganzen Familie herzlich willkommen!

Lied 166, 1+2+6:

1. Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein; ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht.

2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier. Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.

6. Rede, Herr, so will ich hören, und dein Wille werd erfüllt; nichts lass meine Andacht stören, wenn der Brunn des Lebens quillt; speise mich mit Himmelsbrot, tröste mich in aller Not.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 16:

1 Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.

2 Ich habe gesagt zu dem HERRN: Du bist ja der Herr! Ich weiß von keinem Gut außer dir.

7 Ich lobe den HERRN, der mich beraten hat; auch mahnt mich mein Herz des Nachts.

8 Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich fest bleiben.

11 Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Zu dir, Gott, dürfen wir kommen, wie wir sind: mit unserer Trauer und unserer Freude, mit unserem Stress und unserer Gelassenheit, mit unserer Angst und unserem Vertrauen, mit unserer Langeweile und unserer gespannten Erwartung. Du siehst in unser Herz. Vor dir können und müssen wir uns nicht verstecken oder verstellen. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Der Apostel Paulus spricht (Römer 12, 15):

Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.

Lasst uns Gott lobsingen! Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Großer Gott, du mit dem weiten Herzen, wir sind hier in unterschiedlicher Stimmung: gut gelaunt oder deprimiert, von Sorgen beladen oder im Grunde zufrieden, aufgeregt oder ruhig, mit bitteren Gedanken im Herzen oder voll Vertrauen zu dir und den Menschen. Ein Taufkind bringen wir zu dir voller Freude und Liebe im Herzen; ein Mann lässt sich taufen und bestätigt so den Glauben, in dem er von Kindheit an aufgewachsen ist. Lass diesen Gottesdienst der Tauffamilie und uns allen zum Segen werden. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Lukas 19, 1-10:

1 Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch.

2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich.

3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.

4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.

5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.

6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.

7 Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.

8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn.

10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied 620: Gottes Liebe ist wie die Sonne

Liebe Tauffamilie, liebe Gemeinde!

Morgen wird der kleine … 1 Jahr alt, und heute sind wir hier, um ihn zu taufen. Heute Abend können Sie also in seinen Geburtstag reinfeiern; er selber wird davon noch nichts begreifen. Sein Papa ist damals, als er in Kasachstan aufgewachsen ist, zwar im evangelischen Glauben großgeworden, aber es gab keine Kirchen und keine Gelegenheit zur Taufe. Heute will auch er sich taufen lassen, denn er fühlt sich der evangelischen Kirche zugehörig.

Lieber Herr …, sie haben für sich selbst einen Taufspruch aus dem Buch der Sprüche 16, 9 ausgesucht:

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.

So ist es, wenn Menschen an Gott glauben. Wir leben unser Leben und treffen unsere eigenen Entscheidungen. Aber ganz ungebunden sind wir dabei nicht; wir werden gelenkt von Gott. Das ist allerdings nicht so wie bei einem Marionettenspieler oder einer Gehirnwäsche. Gott zieht nicht an uns wie an unsichtbaren Fäden und er manipuliert nicht unser Gehirn, so dass wir unsere Freiheit verlieren.

In der Bibel ist Gott der Herr, der den Menschen Freiheit schenkt: Dem Volk Israel, dass sie nicht mehr Sklaven sein müssen. Den Sündern, dass ihre Schuld vergeben wird und sie neu anfangen können. Gott will, dass wir wirklich frei werden. Bei allem, was wir planen, zeigt Gott uns gute Ziele. Er will nicht, dass wir ins Unglück rennen. Auf allen Wegen, die wir gehen, will Gott unsere Schritte so lenken, dass wir unsere guten Ziele erreichen und nicht vom guten Wege abkommen. Unser Herz spielt eine große Rolle dabei; das Herz steht für alles, was wir wirklich wollen, was wir aus tiefster Seele ersehnen. Es ist gut, wenn sich unser Herz mit Gott verbündet und sich darauf einlassen kann, wohin Gott unsere Schritte lenken will.

Für Ihren Sohn haben Sie als Taufspruch Psalm 36, 10 ausgesucht:

Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Drei sehr tiefgründige Worte verbinden sich in diesem Vers miteinander: Quelle, Leben, Licht. Ohne Quellen, aus denen Wasser fließt, können wir nicht leben. Das Licht steht nicht ohne Grund am Anfang der Schöpfung, denn es ist das gute, helle, warme Vorzeichen für alles, was Gott den von ihm geschaffenen Lebewesen zur Verfügung stellt.

Unser Leben hat seine einzige wahre Quelle in Gott. Es fließt sozusagen aus Gott heraus. Wenn wir andere Quellen anzapfen als Gott, vergiften wir unser Leben mit dem Todesbazillus.

Aber woran erkennen wir, ob wir die richtige Quelle anzapfen? Darauf gibt unser Vers eine eigentümliche Antwort: „In deinem Licht sehen wir das Licht.“ Das ist deswegen eigentümlich, weil es in der Bibel immer wieder heißt, dass man Gott selber nicht sehen kann. Wir würden es gar nicht ertragen, ihn sehen zu können. Wir werden ja schon geblendet bei hellem Sonnenlicht, wir würden blind, wenn wir direkt in die Sonne sehen würden, Gott ist aber noch unendlich viel größer und heller als die Sonne. Die Bibel meint hier aber nicht, dass wir Gott selber sehen können. Das Licht Gottes sehen wir dort, wo wir gute Worte von ihm lesen oder hören. Gottes gute Worte sind wie Wegweiser, damit wir uns nicht verirren. Gottes gute Worte geben uns Hoffnung. Gottes gute Worte zeigen uns, dass wir geliebt sind. Das Licht Gottes sehen wir auch dort, wo Jesus ist. Er ist das lebendige Licht von Gott, er ist das Licht der Welt. Seine Worte und Taten, sein Leben und sein Leiden zeigen uns, wie Gott für uns da ist. In seinem Licht sehen wir das Licht: Wenn wir Jesus anschauen, sehen wir Gott selbst, wie er sich uns zeigen will, ohne dass wir blind werden oder sterben müssen. Wenn wir auf Jesus hören und auf seinem Weg Schritte der Liebe und des Friedens gehen, dann sind wir Kinder des Lichts.

Lied 572: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied 305: Singt das Lied der Freude über Gott!
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Zur Predigt hören wir noch einmal den Vers, den wir zur Begrüßung gehört haben, aus dem Brief des Paulus an die Philipper 4, 4:

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!

Liebe Gemeinde, wenn ich diesen Satz lese, frage ich mich immer zwei Dinge: Erstens: Kann man sich auf Kommando freuen? Und zweitens: Wenn Paulus das so sagt: Warum scheint es oft so, als ob den Christen das Lachen verboten sei, jedenfalls in der Kirche?

Fangen wir mit der zweiten Frage an. Das Lachen in der Kirche ist nicht wirklich verboten. Auch hier kann Lustiges vorkommen, worüber man schmunzeln oder sogar herzhaft lachen kann.

Aber die meisten kommen nicht zum Lachen in die Kirche. Höchstens wenn es mal einen Kabarettabend gibt wie in unserem Jubiläumsjahr oder wenn St. Albertus wie gestern Abend in den Saal unter der Kirche zur Fastnacht einlädt. Hier in der Kirche werden vor allem ernste Themen angesprochen, und die meisten Gottesdienstteilnehmer wünschen sich so viel Ruhe im Gottesdienst, dass sie sich konzentrieren können auf das, was der Pfarrer sagt. Darum kucke ich euch Konfirmanden manchmal streng an, wenn ihr redet oder herumhampelt. Nehmt Rücksicht auf diejenigen, die konzentriert zuhören möchten.

Aber gibt es nicht in anderen Kirchen, in anderen Ländern, andere Arten von Gottesdiensten, wo es lebendiger zugeht als bei uns? In amerikanischen Kirchen wird viel getanzt und gelacht. Am nächsten Sonntag wird Prädikant William Henderson gemeinsam mit den Konfirmanden einen etwas lebhafteren Gottesdienst in dieser Richtung gestalten; lassen Sie sich überraschen, wie Ihnen das gefällt.

OK, meistens geht es bei uns eher ruhig und ernst zu im Gottesdienst. Das heißt aber nicht, dass es in der Kirche keinen Platz für Humor, Heiterkeit und Freude gibt. Auch wenn ich heute keine Fastnachtspredigt halte und keine witzigen Songs zum Thema DSDS singe wie gestern Abend in St. Albertus: das Thema dieser Predigt ist die Freude. Der Ernst eines evangelischen Gottesdienstes ist nämlich kein verbissener, verkniffener Ernst; Heiterkeit und Humor gehören zum Leben dazu, wenn es lebenswert sein soll. Menschen, die auf Gott vertrauen, haben viel Grund zu einer gelassenen und je nach Lebenslage sogar fröhlichen Grundstimmung.

Das führt uns zur zweiten Frage von vorhin: Kann man sich auf Kommando freuen? Natürlich nicht.

Aber man kann es wie Paul Gerhardt, der Liederdichter, machen. Der hat die Liedstrophe gedichtet:

„Gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen.“

Man kann beten, dass Menschen zur Freude zurückfinden, dass sie sogar mitten im großem Leid getröstet werden, dass sie nicht in einer Depri-Haltung steckenbleiben müssen.

Was meint nun Paulus? Er sagt: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Paulus fordert zu einer bestimmten Freude auf, zur Freude „im Herrn“. Diese Freude ist mit einer Person verbunden, mit Jesus.

Dass wir uns über einen Menschen freuen, das kennen wir. Zum Beispiel ein Kind, das geboren wird, ist für die Eltern und Verwandten und Paten eine große Freude. Und umgekehrt, für das kleine Kind sind die Eltern die größte Freude, es strahlt sie an und lacht, wenn es spürt, die haben mich lieb, die sind für mich da, die kümmern sich um mich, da kriege ich alles, was ich brauche.

So ist Gott für uns da. Gott ist nicht ein unpersönliches Schicksal, sondern er ist interessiert an uns, wie gute Eltern. Er stellt nicht eigene Interessen über die seiner Menschenkinder, sondern er will unser Glück, unsere Freiheit. Dass er alles über uns weiß, ist für uns kein Unglück, denn er will uns nichts Böses. Er führt uns auf gute Wege, auf denen wir Freude finden können.

Normalerweise ist Gott unsichtbar. In Jesus können wir aber seine Liebe sehen und spüren. In Jesus ist Gott selber Mensch geworden. Was wir von Jesus hören und sehen, zeigt uns, wie Gott selber wirklich ist und auch was wir von dieser Welt halten dürfen. Diese Welt ist kein Ort, wo man nichts zu lachen hat. Es gibt Liebe in der Welt, wenn man sie an sich heranlässt, wenn man selber Liebe übt, wenn man es wie Gott macht und wirklich Mensch wird: wenn man menschlich handelt.

Jesus kann also unsere Freude sein, weil überhaupt Menschen unsere Freude sein können: ein Mensch, der uns lieb hat, oder ein Mensch, dem wir gerne unsere Liebe geben. Freuen können wir uns, wenn wir mit Leib und Seele spüren, dass wir geliebt sind, dass wir den Rücken gestärkt bekommen in allen Gefahren und Bedrohungen des Lebens.

Wo erfahren wir so etwas? In der Regel in der Familie oder unter sehr guten Freunden. Aber auch eine Kirchengemeinde kann ein Ort sein, wo man sich gut aufgehoben fühlt, auch mit seinen Problemen, wo man sich gegenseitig besucht, wo man zusammenkommt, wo man miteinander lachen kann, aber auch ein offenes Ohr findet, um über seine Sorgen zu reden. Die Gemeinde des Herrn Jesus Christus wird ja auch beim Abendmahl „der Leib Christi“ genannt; das heißt, wo wir als Mitglieder der Kirche füreinander da sind, da sind wir „im Herrn“, wir fühlen uns als Christinnen und Christen füreinander verantwortlich. „Freut euch im Herrn“, damit sind wir also aufgefordert, als Gemeinde Jesu Christi Freude und Leid miteinander zu teilen.

Gibt es auch Freude, die nicht in die Kirche gehört, die Christen auch im Alltag vermeiden sollten? Es gibt eine Vergnügungssucht, bei der man über die Stränge schlägt. Manche vergessen, vielleicht mit Hilfe von Alkohol, jede Hemmung und tun Dinge, für die sie sich sonst schämen würden. Oder es gibt die Schadenfreude auf Kosten von Menschen, die sich dagegen nicht wehren können. Ich lache gerne über Witze, aber es gibt Witze, die man nicht weiter erzählen sollte, wenn sie nämlich die Würde von Menschen in den Schmutz ziehen. Manche Menschen lachen auch mit Galgenhumor über sich selbst und sagen: „Ich mache nun mal immer die gleichen Fehler, ich bin halt ein Tolpatsch, ich kann mich nicht ändern.“ Wir müssen weder andere noch uns selber auslachen mit Schadenfreude oder Galgenhumor. Damit tun wir nur andern oder uns selber weh, und das hat nichts mit echter Freude zu tun.

Schöner ist es, wenn wir über unsere Schwächen lächeln können: „Niemand ist perfekt, aber ich bin trotzdem lernfähig!“ Es gibt ein befreiendes Lachen über eigene und fremde Fehler. Paulus sagt in seinem großen Lied über die Liebe in 1. Korinther 13, 6:

6 [Die Liebe] freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit.

Also: Freut euch nicht über das, was andere falsch machen, traut ihnen zu, es besser zu machen! Wir können vieles mit Humor ertragen und unseren Mitmenschen und manchmal sogar uns selbst mit einem Augenzwinkern zu verstehen geben: „Das nächste Mal bitte anders!“

Zum Schluss erzähle ich noch einmal die Geschichte nach, die Frau Burk vorhin aus der Bibel vorgelesen hat. Da wird nicht ohne Humor von einem Menschen erzählt, der Jesus begegnet und Lebensfreude findet:

Zachäus wollte sich mit andern zusammen freuen. Aber schon als Kind, wenn er mit andern Kindern spielen wollte, wurde er ausgelacht: „Was willst du denn, Kleiner?“ Er war immer der Kleinste und nicht sehr kräftig, und im Sport wollte ihn niemand in die eigene Mannschaft wählen. Jetzt war er erwachsen, und er war immer noch allein. Die Menschen schauten weg, wenn er einem ins Gesicht sah. Warum? Er war zum Zoll gegangen, war Finanzbeamter geworden, und er hatte sich unbeliebt gemacht, zu viel in die eigene Tasche gesteckt. Er spürte Ablehnung und Misstrauen. Die Leute hatten ja recht. Er war ein Betrüger. „Zöllner“, das war für viele ein schlimmes Schimpfwort. „Zöllner und Sünder“, das war der Abschaum der Gesellschaft.

Manchmal, wenn er sich nicht mehr zu helfen wusste, weil er keine Freunde hatte, ging er in die Kneipe und trank sich einen an. Er gab eine Runde… und noch eine… und noch eine… bis er nicht mehr merkte, wie sie über ihn lachten und ihm auf die Schulter klopften voller Verachtung: „Na, Kleiner, so haben wir dich gern!“ War das die wahre Freude?

Am nächsten Tag hatte er einen schweren Kopf, aber er sah er alles glasklar: „Ich bin allein. Die Menschen misstrauen mir. Ich höre ihr Lachen im Rücken, sehe die Kälte in ihrem Blick. Aber ich kann ihnen das nicht einmal vorwerfen. Ich kann mich ja selber nicht leiden. Ich mache mich selber zu einem, den sie hassen und verachten müssen. Ich kann mir Freundschaft nicht kaufen, also lasse ich sie zahlen, da, wo ich sie in der Hand habe, draußen an der Zollstelle. Sie nennen mich Kleiner, aber da mache ich sie klein, und sie machen mich reich.“ Aber auch das war nicht die wahre Freude.

Eines Tages kam Jesus durch die Stadt. Auf den setzten viele ihre Hoffnung. Zachäus sagte zu sich selbst: „Den muss ich sehen!“ Aber wie? In der Stadt war Betrieb. Er sah ihre Rücken wie breite Mauern. Er spürte ihre Kälte, ihre Ablehnung, sie ließen niemanden durch. Aber kaufen – ihre Gunst – wollte er nicht – dieses Mal nicht. Er sah sich um. Er dachte nach. Wo würde Jesus vorbeikommen?

Da sieht er einen Baum. Und kommt auf die verrückteste Idee seines Lebens. Er klettert hoch, steigt mühsam auf den Baum. Unsportlich wie er ist, ächzt und stöhnt er, bis er oben ist. Die Gesichter der Menschen in der Menge sieht er nicht. Er versucht, ihr Lachen zu überhören. Da kommt Jesus. Und Jesus schaut nach oben. Alle Blicke richten sich auf Zachäus. Viele lachen immer noch. Da ruft Jesus: „Zachäus, komm herunter! In deinem Haus möchte ich mit dir zusammen sein. Was kaputt ist in dir, soll heil werden!“ Das ist eine Freude. Für den Mann auf dem Baum und für Jesus auch.

Aber es gibt auch andere Stimmen. „Ausgerechnet bei dem kehrt er ein? Warum nicht bei einem anständigen Menschen?“ Drohend und ehrlich empört umstellen sie das Haus. Da kommt er heraus, der kleine Zachäus. Frei steht er da und ruft: „Kommt, ich lade euch ein zu einem Fest! Mit mir ist etwas geschehen, ich kann es selber nicht fassen. Ich will den Armen geben, was ich gesammelt habe in meiner Enttäuschung als Ersatz für Leben, für Liebe, für Freude. Ich habe euch übers Ohr gehauen, zurück sollt ihr‘s kriegen, dreifach, vierfach. Kommt, lasst uns feiern, denn ich weiß jetzt, was echte Freude ist!“ Lassen auch wir uns anstecken von der Freude des Zachäus: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 396, 1-3:

1. Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier: ach, wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.

2. Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.

3. Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh. Gottes Macht hält mich in acht, Erd und Abgrund muss verstummen, ob sie noch so brummen.

Herr Jesus Christus, wir danken dir für Freude, die von innen kommt, für Vertrauen, das uns trägt, für Liebe, die uns Wärme gibt, für Hoffnung, die uns getrost den Weg in die Zukunft gehen lässt. Wir danken dir für Kinder, die uns anvertraut sind und denen wir alles geben, was sie brauchen. Wir bitten dich auch: Lass uns zuversichtlich leben, in Verantwortung vor dir. Lass uns eine Gemeinde sein, in der Menschen Rückhalt und Stärkung finden, in der wir ein offenes Ohr füreinander haben, in der wir Freude und Leid miteinander teilen. In der Stille bringen wir vor dich, was wir persönlich auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Liedblatt: Möge die Straße uns zusammenführen
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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