Logische Milch für lebendige Steine

Wir brauchen, so die Lutherbibel, „vernünftige, lautere Milch“. Wörtlich aus dem Griechischen übersetzt steht da: „logische Milch“. Petrus denkt an das Wort „Wort“, denn „logos“ heißt „Wort“. Und zwar denkt er an ein für uns Christen lebensnotwendiges Wort: das Wort Gottes. „Logische Milch“ ist also „Wort-Gottes-Milch“, Kraftnahrung von Gott für unsere Seele, für unsere Gedanken, für den Aufbau der Gemeinde.

Eine Mutter stillt ihr Baby

„Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein“ (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 6. Sonntag nach Trinitatis, 29. Juni 2008, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie herzlich in der Pauluskirche mit dem Wort zur Woche aus dem Buch Jesaja 43, 1:

Nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat…: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

In der Predigt geht es heute um „logische Milch“ und „lebendige Steine“; was es damit auf sich hat, werden wir sehen.

Lied 369, 1+3+4+7:

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt; Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

4. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nützlich sei; wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh wir’s uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn.

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir rufen zu Gott mit Worten aus dem Psalm 34. Er steht im Gesangbuch unter der Nummer 718. Lesen Sie bitte die linksbündigen Verse, ich lese die nach rechts eingerückten Teile:

2 Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

3 Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass es die Elenden hören und sich freuen.

4 Preiset mit mir den Herrn und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

5 Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

7 Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten.

8 Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

9 Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!

10 Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

11 Reiche müssen darben und hungern; aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

18 Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr und errettet sie aus all ihrer Not.

19 Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

20 Der Gerechte muss viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der Herr.

23 Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Können wir wirklich schmecken, wie freundlich Gott ist? Können wir uns auf Gott verlassen? Was brauchen wir, damit unser Gottvertrauen fest wird?

Als das Volk Israel einmal am Glauben zweifelte, redete Gott ihm ins Gewissen durch den Propheten Jesaja 28, 16:

16 Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht.

Aber der feste Grund unter den Füßen, auf dem sich ein starkes Gottvertrauen gründen kann, wird für solche Füße zum Stolperstein, die nicht auf Gottes Wegen gehen wollen. Auch davon wusste schon der Prophet Jesaja 8, 14 ein Lied zu singen:

14 Er [der HERR Zebaoth] wird ein Fallstrick sein und ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses für die beiden Häuser Israel.

Gott, wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir beten mit Psalm 118:

5 In der Angst rief ich den HERRN an; und der HERR erhörte mich und tröstete mich.

6 Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun?

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, verhüte, dass du selber uns zum Fallstrick und Stolperstein wirst. Hilf uns heraus aus Glaubenszweifeln und schenke uns festen Grund für unser Vertrauen auf dich. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus 1. Petrus 2, 1-10. Über diesen Text wird Herr Pfarrer Schütz gleich predigen:

1 So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede

2 und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil,

3 da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.

4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar.

5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

6 Darum steht in der Schrift: „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.“

7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist „der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist,

8 ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“; sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.

9 Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;

10 die ihr einst „nicht ein Volk“ wart, nun aber „Gottes Volk“ seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 357, 1-4:

1. Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt.

2. Ich weiß, was ewig dauert, ich weiß, was nimmer lässt; mit Diamanten mauert mir’s Gott im Herzen fest. Die Steine sind die Worte, die Worte hell und rein, wodurch die schwächsten Orte gar feste können sein.

3. Auch kenn ich wohl den Meister, der mir die Feste baut, er heißt der Herr der Geister, auf den der Himmel schaut, vor dem die Seraphinen anbetend niederknien, um den die Engel dienen: ich weiß und kenne ihn.

4. Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der diamanten ist, der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchten hier und dort.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

Eine junge Frau wird am Eingang einer russisch-orthodoxen Kirche aufgehalten: „Ohne Kopftuch dürfen Sie nicht hineingehen!“ Sie versteht das nicht. Dieser Tage fragte ich den Priester der orthodoxen Gemeinde, die jeden zweiten Samstag hier bei uns ihren Gottesdienst feiert: „Ist das wirklich so bei Ihnen? Dürfen Frauen ohne Kopftuch nicht in die orthodoxe Kirche?“ Er bestätigt es, und er ergänzt, dass Frauen in der Kirche keine Hosen tragen und das Abendmahl nur mit ungeschminkten Lippen empfangen dürfen. Und jeder orthodox getaufte Christ muss sein Leben lang ein Kreuz um den Hals tragen, er soll in der Öffentlichkeit als Christ erkennbar sein.

Als Christ erkennbar sein, dieses Anliegen hat mich zum Nachdenken gebracht. Natürlich möchte ich keinen Kopftuch- oder Kreuztragezwang in unserer Kirchengemeinde einführen. Aber ich möchte die Frage ernst nehmen: Woran erkennt man uns eigentlich als evangelische Christen? Gibt es ein evangelisches Profil, wie man mit einem Modewort heute gerne fragt?

Im ersten Petrusbrief gibt darauf einer Antworten. Ich nenne ihn der Einfachheit halber Petrus, obwohl wir nicht genau wissen, ob der Apostel Petrus den Brief wirklich selber geschrieben hat. Vielleicht war es auch ein Schüler von ihm. Unser Predigttext, den wir vorhin schon im Ganzen gehört haben, beginnt mit einer Ermahnung:

1 So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede.

Das wäre was: In der christlichen Gemeinde gibt es keine üble Nachrede! Keiner schwätzt schläächt über den schwierigen Mitchristen, sondern wir trauen jedem das Gute zu, das wir auch von uns selber erwarten.

Auch das wäre was: In der evangelischen Kirche fragt man nach dem, was wahr ist, ohne dass man andern oder sich selbst etwas vormacht. Für mich gehört das zum evangelischen Profil: Klarheit und Ehrlichkeit im Nachdenken über den Glauben. Wenn ich Ihnen in dieser Predigt Dinge sagen würde, an die ich selber nicht glaube, dann wäre ich ein Betrüger, ein Heuchler. Ich mute Ihnen und Euch lieber auch mal schwierige Gedanken zu, weil nicht immer alles ganz einfach ist mit dem Glauben. Und ich finde es gut, wenn im Konfi-Unterricht ehrliche Fragen gestellt und auch Glaubenszweifel geäußert werden, statt dass man nur so tut, als ob man sich für die Kirche interessieren würde.

Selbstverständlich sollte es sein, dass Neid und Bosheit nicht zur Ausstattung eines Christen gehören. Aber Christen sind nun mal auch Menschen. Das heißt, es kann auch uns schwer fallen, die kleinen alltäglichen Bosheiten in Gedanken, Worten und Taten abzulegen und auf den Müll zu werfen, wo sie hingehören.

Petrus weiß, wie schwer das ist, darum fügt er eine zweite Ermahnung an:

2 Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil.

Was ist das für eine komische Ermahnung? Wir Erwachsenen oder Konfis sollen begierig sein nach Milch wie kleine Kinder? Spinnt denn der Petrus?

Natürlich meint er nicht wortwörtlich, dass wir uns eine Mutterbrust suchen sollen, um wie ein Baby leckere und nahrhafte Milch zu saugen. Aber es hat seinen Sinn, dass er uns dieses anschauliche Bild vor Augen malt. Petrus stellt uns Babies als Beispiel hin. Wenn die Hunger haben und sie sind gerade beim Papa auf dem Arm, dann suchen sie sogar bei ihm nach der Brust und schreien nach Milch.

Auch wir Christen brauchen etwas so nötig wie neugeborene Kinder die Mutterbrust, meint Petrus. Was meint er wohl?

Wir brauchen, so übersetzt Martin Luther: „vernünftige, lautere Milch“. Wörtlich aus dem Griechischen übersetzt steht da „logische Milch“. Und „unverfälscht“ soll sie sein. „Logische Milch“ klingt merkwürdig. Ein Christ damals versteht unter „logisch“ nicht das Gleiche wie wir heute. Er denkt an das Wort „Wort“, denn „logos“ heißt „Wort“. Und zwar denkt er an ein für uns Christen lebensnotwendiges Wort: das Wort Gottes. „Logische Milch“ ist also „Wort-Gottes-Milch“, Kraftnahrung von Gott für unsere Seele, für unsere Gedanken, für unser Handeln.

Gottes Wort ist also mehr als Buchstaben, zwischen die Buchdeckel der Bibel eingezwängt. Gott spricht uns an mit Worten der Liebe. Er sagt Ja zu uns. Er traut und mutet uns viel zu, gibt uns Orientierung und Halt im Leben. Er tröstet und weist zurecht, gibt unserem Leben Sinn. All das fasst Petrus im Stichwort „Wort-Gottes-Milch“ zusammen. Gottes Worte zeigen uns den richtigen Weg, sie betrügen uns nicht. Wenn wir auf diese Worte hören, müssen wir selber auch niemanden betrügen, noch nicht einmal uns selbst.

Babies, die genug Muttermilch kriegen, gedeihen prächtig und nehmen an Gewicht zu. Mit unverfälschter Wort-Gottes-Milch nehmen auch wir zu, sagt Petrus, aber nicht an Gewicht, sondern „zu unserem Heil“. Wörtlich steht da: „zu unserer Befreiung“. Dazu dient Gottes Wort: dass wir frei werden: frei von Heuchelei, Selbstbetrug und Alltagsbosheit, frei zur Liebe und zum Respekt im Umgang miteinander, frei von Todesangst, frei zu einem erfüllten Leben und sogar zu einem seligen Sterben. In diesem Sinne ist Freiheit auch ein Heil-Werden, sogar wenn wir äußerlich nicht gesund sind, aber wenn wir uns von Gott getragen und in seiner Liebe geborgen wissen.

Im nächsten Vers begründet Petrus seine Ermahnung:

3 Ihr habt ja geschmeckt, dass der Herr freundlich ist.

Petrus ist überzeugt: Man kann es schmecken, dass Gott freundlich ist. Das steht schon in Psalm 34, den wir vorhin gebetet haben. Mit allen Sinnen kann man erfahren, was Gott an uns tut: Er richtet Menschen aus dem Dreck auf, dass sie aufrecht gehen, er vergibt uns die Sünde, und wir können neu anfangen, er lässt zu, dass wir klagen und weinen, bis wir genug geweint haben und sozusagen er selber uns die Tränen abwischt. Wenn wir das Abendmahl feiern, dann sagen wir das auch: Schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist. Jesus gibt sogar sein Leben für uns, damit wir leben können.

Ich fasse zusammen, was wir bisher von Petrus gehört haben: Wir sind als Christen erkennbar, wenn wir Bosheit und Heuchelei ablegen. Um das zu können, brauchen wir Gottes Wort: ein Wort, das uns nährt, das an uns arbeitet, das uns aufbaut wie Aufbaunahrung. Petrus selbst hat erfahren, wie Gottes Wort an ihm gearbeitet hat. Er verleugnet Jesus und der verurteilt ihn nicht. Jesus traut dem Petrus, der gesagt hatte, er kenne Jesus überhaupt nicht, sogar Unglaubliches zu: Petrus soll die Gemeinde in Jerusalem leiten. So ist Jesus auch für uns das Wort Gottes; auf ihn können wir uns voll und ganz verlassen. Jesus selbst ist die „logische Milch“, die Wort-Gottes-Milch, die wir Christen brauchen. Ja, wir nennen Jesus mit Recht den Sohn Gottes, denn in ihm verkörpert sich die Freundlichkeit Gottes vollkommen.

Das ist entscheidend für unser Profil als evangelische Gemeinde: dass Jesus für uns das Wort Gottes ist.

Mitten in der Predigt machen wir eine Pause, um ein Lied vom Wort Gottes zu singen, das Lied 195:

1. Allein auf Gottes Wort will ich mein Grund und Glauben bauen. Das soll mein Schatz sein ewiglich, dem ich allein will trauen. Auch menschlich Weisheit will ich nicht dem göttlich Wort vergleichen, was Gottes Wort klar spricht und richt‘, dem soll doch alles weichen.

2. Alleine Christus ist mein Trost, der für mich ist gestorben, mich durch sein Blut vom Tod erlöst, die Seligkeit erworben. Hat meine Sünd getragen gar, bezahlt an seinem Leibe, das ist vor Gott gewisslich wahr, hilf Gott, dass ich’s fest glaube.

3. Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, hilf, dass mein Glaub dich preise. Mein Fleisch dem Geist Gehorsam leist, des Glaubens Frucht beweise. Hilf, Herre Christ, aus aller Not, wenn ich von hinnen scheide, und führe mich auch aus dem Tod zur Seligkeit und Freude.

Liebe Gemeinde, im zweiten Teil unseres Predigttextes geht es nun ausdrücklich um Jesus. Wer erkennbar als Christ leben will, so sagt Petrus, der soll sich an Jesus selbst wenden:

4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar.

Hier verwendet Petrus ein zweites Bild: Jesus ist der lebendige Stein, der Grundstein für ein festgegründetes Gottvertrauen, von dem bereits Jesaja gesprochen hat. Jesus, wie er leibt und lebt, weckt unser Gottvertrauen, Jesus, wie er lehrt und leidet, ist der feste Grund für unseren Glauben. Allerdings stellt Petrus fest: nicht alle vertrauen auf Jesus.

7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist „der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist,

8 ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“; sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.

Wer in Jesus nicht den Sohn Gottes sieht, stößt sich an ihm, empfindet ihn als einen ärgerlich im Weg liegenden Stein, über den man stolpert. Man wirft ihn weg. Man schreit: „Ans Kreuz mit ihm!“ Sogar seine Freunde verlassen ihn, Petrus verleugnet ihn.

Doch der weggeworfene Stolperstein wird zum kostbarsten Baustein. Menschen mögen kurzen Prozess mit dem Gottessohn machen und Jesus auf Golgatha umbringen, so wie man einen wertlosen Steinbrocken auf einen Schutthaufen wirft; aber ausgerechnet diesem entehrten Menschen gibt Gott alle Macht im Himmel und auf der Erde. Den weggeworfenen Stein macht er zum wichtigsten Stein für den Aufbau seines Volkes.

Was für ein Stein das nun genau ist, ob ein Eckstein am Fundament eines Hauses, den wir Grundstein nennen würden, oder ein Schlussstein, ohne den die Kuppel einer Dachkonstruktion nicht stabil wäre, das ist unerheblich. Für Petrus ist wichtig, dass sich an Jesus alles entscheidet: Ohne Vertrauen auf Jesus hat für ihn Gottes Volk keine Zukunft. Nur wer auf Jesus vertraut, ist ein Baustein für Gottes Volk. Für uns, die wir Nichtjuden sind, ist wichtig: Nicht nur Menschen aus Israel, sondern aus allen Völkern dürfen dazugehören. So spricht Petrus uns direkt an:

5 Auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

9 Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;

10 die ihr einst „nicht ein Volk“ wart, nun aber „Gottes Volk“ seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

Nicht nur Jesus ist ein lebendiger Stein. Auch wir sind lebendige Steine. Ohne den Grundstein Jesus würde seine Gemeinde in sich zusammenstürzen, aber ohne uns als Steine bliebe der Bau der Gemeinde unvollendet, eine Bauruine. Aus uns baut Jesus seine Gemeinde auf.

Aber wenn ich jetzt noch einmal frage, woran man erkennt, dass wir Christen sind, komme ich ins Grübeln. Sind das nicht viel zu große Töne, die Petrus da von sich gibt? Was für ein Gebäude will Jesus mit uns als Bausteinen aufbauen? Ein geistliches Haus, eine heilige, königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk des Eigentums. Wir alle sind Priester, wir alle sind heilig, wir alle gehören zu Gott.

Ist das wirklich so? Wollen wir überhaupt Priester sein? Priester sind in den Religionen Vermittler zwischen Gott und den Menschen, indem sie Gott Opfer darbringen. Petrus sagt: Dafür ist kein besonderer Berufsstand nötig. Ein Pfarrer hat wichtige Aufgaben, aber er vermittelt nicht mehr und nicht weniger zwischen Gott und den Menschen als jeder andere Christ. Wer auf Jesus vertraut, der ist bei Gott, der darf auf Vergebung bauen, der gehört zu den lebendigen Bausteinen der Gemeinde Jesu Christi.

Aber müssten wir, wenn wir alle Priester und Priesterinnen sind, nicht Opfer darbringen? Ja, aber keine blutigen Opfer am Altar einer Kirche, sondern „geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.“ Das heißt, Gott will nicht, dass wir uns irgendwelche Opfer abquälen, um ihm zu gefallen, Gott will, dass wir im Alltag nach seinen Geboten leben, im Einklang mit ihm und mit den Menschen, die uns brauchen. Dann leben wir nicht in Finsternis, sondern in „seinem wunderbaren Licht“. Und das gefällt Gott. Wenn wir Gott an uns arbeiten lassen, wenn wir auf Boshaftigkeit verzichten, wenn wir Egoismus ablegen, wenn es uns Spaß macht, etwas für andere Menschen zu tun, das sind für Petrus „geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind“.

Gott traut uns also eine Menge zu. Aber wir sollten uns darauf nichts einbilden. Denn, so sagt Petrus:

10 Einst [wart ihr] „nicht ein Volk“, nun aber [seid ihr] „Gottes Volk“, und einst [wart ihr] nicht in Gnaden, nun aber [seid ihr] in Gnaden.

Damit erinnert Petrus an ein Versprechen, das Gott durch den Propheten Hosea (2, 1b) dem Volk Israel gegeben hatte:

1 Es soll geschehen, anstatt dass man zu ihnen sagt: „Ihr seid nicht mein Volk“, wird man zu ihnen sagen: „O ihr Kinder des lebendigen Gottes!“

Petrus bestätigt, was Gott dem Volk Israel versprochen hat, und erweitert das Versprechen im Vertrauen auf Jesus. Schon Israel wurde ermahnt: Verlasst nicht den Gott, der euch befreit hat! Wenn ihr zu ihm umkehrt, bleibt ihr seine Kinder! Jetzt ermahnt Petrus auch uns. Wir waren „Nicht ein Volk“, ursprünglich nicht „in Gnaden“, nicht von Gott auserwählt. Aber jetzt sind wir „in Gnaden“. „In Gnaden“ heißt: niemand hat es verdient, von Gott erwählt zu sein, nicht die Juden, nicht die Christen. Das Volk Israel hat Gottes Wort genau so als „logische Milch“ bekommen wie wir, als Geschenk und unverdienten Zuspruch.

Als evangelische Christen sind wir erkennbar, wenn wir diese „Gottes-Wort-Milch“ als Kraftnahrung für unsere Seele nutzen und uns von Jesus als lebendige Steine in seine Gemeinde einbauen lassen. Wir haben alle unseren Platz im Gebäude der Gemeinde Jesu, wir haben alle unsere eigenen Gaben und Aufgaben. Wir haben ein lebendiges Wort, das uns die Kraft gibt, als Christen erkennbar zu sein. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 587, 1-2+6-8: Gott ruft dich, priesterliche Schar

Gott, schenke allen, die an dir zweifeln, Einsicht in deine Gerechtigkeit und Güte. Schenke allen, die von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt sind, neues Selbstvertrauen. Schenke allen, die an ihrem Leben verzweifeln, neues Vertrauen und Menschen, die ihnen beistehen. Lass Hungrige satt werden an Leib und Seele. Hilf, dass wir die reine Milch deines Wortes nicht verachten, sondern in vollen Zügen in uns aufnehmen, damit wir verwandelt und als Christen erkennbar werden.

Auch an das Fußballspiel heute Abend denke ich in diesem Gebet, aber nicht, damit du einer Mannschaft vor der anderen den Vorzug gibst, sondern damit du Spielern und Fans zur Seite stehst, dass auf jeden Fall die Fairness siegt und der Sport die Völker verbindet, statt sie zu trennen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 612: Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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