Weihnachten die Krise kriegen?

Wir können zwischen dem Bösen und der Wahrheit entscheiden – denn die Liebe ist zur Welt gekommen!

Wenn man mich liebhat, macht es einen Unterschied, was ich tue – dann bin ich verantwortlich. Hier fängt die Krise an, hier ist eine Entscheidung fällig. Es kann wehtun, Abschied zu nehmen von dem ach so vertrauten Gefühl, sowieso böse zu sein.

Weihnachtskugeln, in denen sich Sterne spiegeln, vor dunklem Hintergrund

Weihnachten die Krise kriegen? Vielleicht eine heilsame Krise! (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst an Heiligabend, den 24. Dezember 1998, um 18.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Begrüßung

Lied 30, 1-3:

1) Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht.

2) Das Blümlein, das ich meine, davon Jesaja sagt, hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd; aus Gottes ewgem Rat hat sie ein Kind geboren, welches uns selig macht.

3) Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß; mit seinem hellen Scheine vertreibt’s die Finsternis. Wahr‘ Mensch und wahrer Gott, hilft uns aus allem Leide, rettet von Sünd und Tod.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir feiern den Heiligen Abend. Wir singen von einer Rose, die mitten in der Nacht erblüht. Von einer wunderbaren Blume: Ihr Duft erfüllt die ganze Welt, sie strahlt hell in der Dunkelheit, von ihr spricht schon der Prophet Jesaja 9:

1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Heiligabend – ein dunkler Abend für die, die an nichts mehr glauben können. Heiligabend – ein dunkler Abend für die, die am Himmel nicht den Weihnachtsstern sehen, sondern explodierende Marschflugkörper. Heiligabend – ein dunkler Abend für die, deren Sehnsucht nach einem harmonischen Familienleben enttäuscht wurde. Wir Menschen schaffen es nicht, aus diesem Abend einen Heiligen Abend für alle zu machen. Darum rufen wir zu Dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Den Heiligen Abend machst Du allein heilig, großer Gott, wie schon der Prophet Jesaja von allen Menschen sagt, die in Zwängen leben, unter Unrecht leiden und keinen Frieden kennen (Jesaja 9):

3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen.

4 Und jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.

5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;

6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott im Himmel, Du kommst auf Erden zur Welt, in einer Nacht voller Gegensätze. Du bringst Licht in die Finsternis, Frieden in eine zerrissene Menschheit, Zuversicht in ein trostloses Jammertal. Lass uns daran teilhaben, lass uns diese Nacht mitfeiern, öffne unser Herz für das Wunder der Geburt Deines Sohnes. Amen.

Wir hören das Weihnachtsevangelium nach Lukas 2, 1-14. Ich lese es abschnittweise vor, und nach jedem Abschnitt singen wir eine Strophe aus Lied 46: „Stille Nacht!“

1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,

5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Stille Nacht, heilige Nacht! Alles schläft, einsam wacht nur das traute, hochheilige Paar. Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh, schlaf in himmlischer Ruh.

8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Stille Nacht, heilige Nacht! Hirten erst kundgemacht, durch der Engel Halleluja tönt es laut von fern und nah: Christ, der Retter, ist da, Christ, der Retter, ist da!

13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Stille Nacht, heilige Nacht! Gottes Sohn, o wie lacht Lieb aus deinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund, Christ, in deiner Geburt, Christ, in deiner Geburt.

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 41, 1-4:

Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Engel, in Chören
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, in diesem Jahr steht der Predigttext für Heiligabend im Johannesevangelium. Johannes erzählt zwar rein gar nichts aus der Kindheit Jesu. Johannes weiß nicht einmal, dass Jesus in Bethlehem geboren ist. Für ihn ist er nur der Mann aus Nazareth in Galiläa. Trotzdem – auch Johannes erzählt eine Weihnachtsgeschichte, auf seine eigene Weise. Er lässt – im 3. Kapitel seines Evangeliums – den erwachsenen Jesus selbst sprechen. Mitten in der Nacht führt Jesus ein heimliches Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus. Und in diesem Zusammenhang überliefert Johannes Worte Jesu über seine eigene Geburt:

16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.

21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Ich weiß, liebe Gemeinde, das ist schwer zu verstehen. Da spricht Jesus zwar von Gottes Liebe und von unserer Rettung, aber gleich viermal auch vom Richten und Gerichtetwerden. Passt das zur weihnachtlichen Stimmung?

Im griechischen Wort „Richten“ steckt unser deutsches Wort „Krise“. Eine Krise ist eine brenzlige Situation, in der man sich entscheiden muss. In einer Krise steht manchmal alles auf dem Spiel, Glück oder Unglück, Leben oder Tod. Und unser Weihnachtsfest – ist es nicht selbst in der Krise, zwischen Kirche und Kommerz, zwischen Krippenspiel und Depri-Stimmung? Ist Weihnachten nicht extrem aufgeladen mit Gefühlen und Erwartungen? Manche kriegen jedes Jahr „die Krise“ gerade an Weihnachten, weil sie damit nicht fertig werden, viel zu erwarten und doch wieder enttäuscht zu werden. Und umgekehrt: Wenn wir dem Propheten Jesaja glauben, ist das Weihnachtsfest Krisen-Bewältigung: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“

Schauen wir mal die Worte des Johannes genauer an – müssen wir da noch mehr die Krise kriegen oder kriegen wir Hilfe, unsere Krise zu bewältigen? Der Evangelist beginnt:

16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.

Das ist die Weihnachtsbotschaft pur: Gott schenkt uns etwas zu Weihnachten. Er schenkt uns Liebe. Und zwar sozusagen Liebe zum Anfassen – Liebe in Form des einzigen Menschen, in dem er selbst zur Welt kam: eingeborener Sohn. Gott schenkt uns sich selbst in einem Menschenkind, das Liebe braucht und Liebe gibt. Dieses Weihnachtsgeschenk ist kostbarer als Geschenke, die man kaufen kann. Gott schenkt uns eine wundervolle innere Einstellung zum Leben – dass wir etwas zu erwarten haben, dass es Liebe wirklich gibt, auch für uns, dass Gott diese schlimme Welt trotz allem liebt, dass er selbst zur Welt kommt und als kleines Kind in der Krippe liegt.

Wer dieses Weihnachtsgeschenk annimmt und auspackt, wer sich auf Gottes Liebe einlässt, der hat sein Lebensglück gemacht, der hat die Krise überwunden. Genau das wünscht uns Gott, sagt Jesus im Johannesevangelium, dazu schenkt Gott uns seinen Sohn, seine Liebe:

Damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Ich glaube, jeder sehnt sich danach, nicht verloren zu sein, nicht unterzugehen in Sorgen, Angst und Verzweiflung, nicht zerrieben zu werden zwischen den Ansprüchen und Kränkungen der Menschen. Ich glaube auch, jeder sehnt sich nach ewigem Leben. Womit ich nicht eine unendliche Verlängerung eines gar nicht so schönen und vielleicht unendlich langweiligen Lebens meine. Sondern ewig ist ein Leben, das uns niemand wegnehmen kann, ein Leben in Geborgenheit und Liebe mit einem guten Ziel vor Augen.

Und nun sagt uns die Bibel: Wer an Jesus glaubt, der hat dieses ewige Leben schon. An Jesus glauben, das ist nicht eine spezielle Art von Frommsein. Wir müssen nicht unbedingt jeden Tag mit Jesus reden oder Aufkleber aufs Auto bappen, wo draufsteht: „Jesus liebt dich!“ An Jesus glauben, damit ist die innere Einstellung gemeint, von der ich bereits sprach: darauf vertrauen, dass wir von Gott geliebt sind. Nachdenklich werden durch die Art, wie Jesus auf die Menschen zuging. Uns anrühren lassen bereits vom Bild des Gotteskindes in der Krippe. Da finden wir einen anderen Gott als den, der vielen Menschen Angst macht, den viele Menschen ablehnen. Da finden wir keinen Richtergott, keinen Strafgott, der unsere Sünden sieht und zählt und nur darauf wartet, dass er mit uns abrechnen kann. Sondern:

17 Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Die Welt ist schlecht, das sagen viele Leute. Doch Gott hat sich aufgemacht, die Welt zu retten. Er will sie nicht richten, nicht hinrichten, nicht vernichten. Sondern sie soll heil werden: Heilige Nacht!

Aber der Text geht weiter. Der Jesus, wie ihn Johannes überliefert, sagt von sich selber, vom Sohn Gottes:

18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

Kommt nun doch noch das dicke Ende? Erst heißt es: Kommt alle zur Krippe, seht wie Gott die Menschen liebt! Und hier kommt der Knüppel hinterher, hier holt Knecht Ruprecht die Rute aus dem Sack: Wenn ihr nicht an Jesus glaubt, dann seid ihr doch dem Gericht verfallen, dann kommt ihr in die Hölle!

Ich persönlich hasse es, wenn Christen andere Christen unter Druck setzen. Vor allem, wenn sie mit der Hölle drohen. Aber was ist dann gemeint mit diesem eigenartigen Satz: Wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet?

Ich denke, das ist so wie mit einem ungewollten Kind, das in seiner Familie keine Liebe erfährt, das immer nur stört, der Mutter ist es eine Last, den Vater kennt es nicht einmal. Und dann kommt es ins Heim oder in eine Pflegefamilie, und man will ganz lieb mit ihm umgehen, will ihm endlich geben, was ihm gefehlt hat – aber das Kind bleibt ein schwieriges Kind, bleibt misstrauisch, kann nicht glauben, dass man es wirklich gut mit ihm meint. Und so bleibt das Kind in seiner eigenen privaten Hölle gefangen, innen drin in sich selbst hat es seinen eigenen Gerichtshof, wo es verurteilt wird, tagtäglich: Du bist böse, du bist nichts wert, wenn du etwas taugen würdest, dann hätten dich deine Eltern doch liebgehabt!

Solchen Menschenkindern, die misstrauisch sind gegenüber lieben Worten, wollte Jesus nicht noch zusätzlich Hölle und Verdammnis androhen. Nein, Jesus wollte jeden armen Teufel vor der Hölle bewahren, die er sich selber bereitet. Jesus wurde nicht müde, den Menschen zu sagen: Der Himmel ist schon da, auch für dich, mach die Augen auf, vertrau auf die Liebe, tu einfach so, als ob das stimmt, führe dein Leben als ein geliebtes Kind Gottes. Und Jesus sagte das nicht nur so, das hätte nicht gereicht, er ließ die Menschen Liebe spüren, fasste sie an mit sanften Händen, rührte sie an mit der Wärme seiner Stimme. Laut wurde er nur, wenn Menschen gerade durch die Religion sich und anderen das Leben schwer machten.

Wer zu dem Kind in der Krippe kommt, der findet Gott – einen menschenfreundlichen Gott, keinen Gott, der uns niedermachen will. Das Problem ist nun: Wollen wir so einen Gott? Oder richten wir uns unser Leben lieber mit anderen Göttern ein, mit anderen Dingen und Mächten, an die wir unser Herz hängen? Wollen wir uns auf Liebe einlassen? Oder leben wir nach einem anderen Motto: Ich muss mir mein Lebensglück selber schaffen! Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Wer nicht seine Ellbogen gebraucht, kommt zu nichts! Wer an solche Glaubenssätze glaubt, der kann mit dem Kind in der Krippe nichts anfangen, er lebt in einer Welt, von der der Philosoph Jean Paul Sartre gesagt hat: „Die Hölle, das sind die anderen“. Im eigenen privaten Gerichtshof spricht man sich dann sein eigenes Urteil, wenn man immer noch nicht genug im Leben erreicht hat, wenn die Kräfte nachlassen, wenn man die eigenen Gefühle nicht im Griff hat und noch weniger das, was andere für einen empfinden. Von diesem Sich-Selbst-Fertig-Machen redet die Bibel:

19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

Ist es nicht dumm, die Finsternis mehr zu lieben als das Licht? Doch, aber man kann es auch verstehen. Die Menschen, die der Liebe misstrauen, halten ihre eigenen Lebensweisheiten ja gar nicht für schlimm – in einem Leben ohne Liebe handeln sie böse, ohne es zu merken.

Erst wer in Kontakt mit Liebe kommt, wer anfängt zu ahnen, dass da wirklich ein Gott ist, der es gut mit den Menschen meint, der blickt zurück auf sein Leben ohne Liebe und erkennt plötzlich: Es wäre ja doch anders gegangen. Es gibt ja doch Entscheidungsmöglichkeiten zwischen dem Bösen und der Wahrheit, zwischen Liebe und Gedankenlosigkeit.

Ich greife noch einmal auf das Beispiel von dem ungeliebten Kind zurück: Diesem Kind hatte man eingetrichtert: Du bist böse und du bleibst böse. Und da es sowieso böse war, machte es keinen Unterschied mehr, ob es nun versuchte, lieb zu sein oder wirklich garstig war. Es blieb ein schwieriges Kind, zu Hause, in der Schule, sogar unter seinen Freunden. Es machte es allen Menschen schwer, es liebzuhaben.

Erst als dieses Kind erwachsen wurde und anfing, in einer seelischen Therapie einem anderen Menschen zu vertrauen, da fingen die Gewissensbisse an: Wenn man mich liebhat, wenn ich selber lieb sein kann, dann macht es ja doch einen Unterschied, was ich tue – dann bin ich ja verantwortlich für meine Taten.

Und hier fängt nun die Krise an, hier ist eine Entscheidung fällig. Sage ich Ja dazu, dass man mich liebhat? Dann spielt es auch eine Rolle, was ich tue. Oder bleibe ich dabei: keiner hat mich lieb, es ist sowieso egal, was ich mit meinem Leben anfange.

Es kann wehtun, Abschied zu nehmen von dem ach so vertrauten Gefühl, sowieso böse zu sein. Es ist schöner, aber manchmal anstrengender, ein geliebter Mensch zu sein, von dem man auch etwas erwartet. Von dieser Krise, von dieser schwierigen Lebensentscheidung spricht Jesus bei Johannes mit folgenden Worten:

20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.

21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Eigenartig, dass hier nicht das Böse und das Gute gegenübergestellt werden, sondern das Böse und die Wahrheit. Die Wahrheit tun, das heißt: Mit einer Wahrheit leben. Mit der Weihnachtswahrheit: Gott selbst liegt als Kind in der Krippe. Gottes Liebe ist wirklich und wahrhaftig zur Welt gekommen. Liebe ist in der Welt, das ist einfach so, und damit können wir leben. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen das Lied 40, 1-3:

1) Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit, und dieses Welt- und Himmelslicht weicht hunderttausend Sonnen nicht.

2) Lass dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gnadenschein; der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein; er treibet weg der Höllen Macht, der Sünden und des Kreuzes Nacht.

3) In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit; wenn Sonne, Mond und Stern vergehen, vielleicht noch in gar kurzer Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles sein.

Lieber Gott im Himmel, Vater des Kindes in der Krippe, wir danken Dir für Deine Liebe! Schenk uns nun fröhliche und vielleicht auch besinnliche Weihnachtstage. Freude mit Menschen, die uns nahestehen, Freude über Geschenke, die ausdrücken, dass man sich mag. Nachdenken über das, was in Partnerschaft, Familie und unter Freunden einmal geklärt werden sollte. Nachdenken auch über unsere Lebensziele, über das, was uns wirklich wichtig ist, über das, wovon wir uns getragen fühlen und was uns glücklich macht. Zu guter Letzt denken wir auch an Menschen, die der Weihnachtsbotschaft gegenüber verschlossen sind, denen das Leben übel mitgespielt hat, die keine Liebe kennen. Wir wissen, dass Du auch sie liebhast. Hilf uns, so weit es in unserer Macht steht, solchen Menschen zu zeigen: Es gibt nicht nur Kälte in der Welt, es gibt Menschen, die von Liebe erfüllt sind. Amen.

Wir beten mit Jesu Worten:

Vater unser

Das Lied 44 singen wir nun, so weit es Ihnen möglich ist, im Stehen – es klingt dann einfach besser:

1) O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit!

2) O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Christ ist erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue dich, o Christenheit!

3) O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit!

Wir empfangen Gottes Segen und nehmen danach noch einmal Platz, um das Orgelnachspiel zu hören:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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