Nicht fleischlich, sondern geistlich gesinnt sein

Sie streiten – das rote Teufelchen und der kleine weiße Geist. Was würde Paulus sagen? „Ich hab das auch versucht, immer gut zu sein.“ „Genau wie ich!“ ist der kleine Geist ganz stolz. Paulus meint: „Aber das war unmöglich.“ Das Teufelchen fühlt sich bestätigt: „Also ist es egal, was man tut!“ „Nein, nein“, sagt Paulus. Auch das muss er geraderücken.

Die Handpuppen Gabi und Lutz - ein weißes Engelchen und ein schwarzrotes Teufelchen

Die Handpuppen Gabi und Lutz

direkt-predigtPfingstgottesdienst am Pfingstsonntag, den 19. Mai 2002, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Largo von Jacques Paisible

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Der Wochenspruch zum Pfingstfest steht beim Propheten Sacharja 4, 6:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.

Vom Geist, der die Lebensgeister weckt, will Pfarrer Schütz heute in der Predigt erzählen. Flöten- und Geigenmusik zum Lobe Gottes haben wir bereits am Anfang von Frau Marquard, Herrn Schulz und Herrn d’Amour gehört.

Jetzt singen wir zur Orgel aus dem Pfingstlied 134 die Strophen 1, 5 und 7:

1) Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit, deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunklen Herzen sein.

5) Wird uns auch nach Troste bange, dass das Herz oft rufen muss: „Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?“ o so mache den Beschluss; sprich der Seele tröstlich zu und gib Mut, Geduld und Ruh.

7) Herr, bewahr auch unsern Glauben, dass kein Teufel, Tod noch Spott uns denselben möge rauben. Du bist unser Schutz und Gott; sagt das Fleisch gleich immer Nein, lass dein Wort gewisser sein.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

„Was blüht Ihnen zu Pfingsten?“ so lautet ein Werbespruch für Eiscreme. Uns blüht Gottes Geist. Der Geist, der unsere Lebensgeister weckt. Der Geist, der Lebenslügen aufdeckt und zur Wahrheit befreit. Der Geist, der stark macht mitten in der Machtlosigkeit. Der Geist, der Licht in dunkle Herzen und Verhältnisse bringt.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Pfingstrosen können wir sehen. Aber der Geist, der uns zu Pfingsten blüht, ist unsichtbar. Unscheinbare Blumen des Geistes wollen wachsen in unserem Geist: ein Glaube, der im Zweifel bitten kann: „Hilf meinem Unglauben!“, neue Kraft, wenn ich am Ende bin, die Fähigkeit, mit mir und anderen barmherzig zu sein.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Was uns zu Pfingsten blüht, ist unsichtbar und doch real: Trost für unsere Seele. Mut für unser Handeln. Geduld für unser Ertragenmüssen. Ruhe für unser von Stress und Unfrieden zerrissenes Herz.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, mit unserem eigenen Geist allein erleiden wir oft Schiffbruch. Erfülle uns mit deinem Geist. Mit unserer eigenen Kraft sind wir oft am Ende. Erfülle uns mit deiner Kraft. Über das, was wahr ist oder nicht, sind wir oft im Zweifel. Erfülle uns mit deiner Wahrheit. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung zum Pfingstfest aus der Apostelgeschichte 2, 1-18:

1 Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.

2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa?

8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache?

11 Wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.

12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?
13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen!

15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage;

16 sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist:

17 „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;

18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.“

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Menuett von Johann Scherer

Wir bekennen den Glauben an Gott, der uns durch seinen Geist ins Leben rief, an den Sohn, der vollkommen vom Geist des Vaters erfüllt war, und an den Geist, der uns verwandelt:

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus dem Lied 127 die Strophen 1 + 3 + 4:

1) Jauchz, Erd, und Himmel, juble hell, die Wunder Gotts mit Freud erzähl, die er heut hat begangen an seim trostlosen Häuflein klein, das saß in friedsamer Gemein und betet mit Verlangen, dass es mit Geist getaufet werd. Der kam mit Feuers Glut zur Erd, mit starkem Sturmestoben; das Haus erfüllt er überall, zerteilt man Zungen sah im Saal, und all den Herren loben.

3) Ach Herr, nun gib, dass uns auch find in Fried und Flehn dein sel’ger Wind; weh rein vom Sündenstaube ganz das Gemüt und füll das Haus deiner Gemeind, dein Werk richt aus, dass aufgeh rechter Glaube und unsre Zung ganz Feuer werd, nichts rede als dein Lob auf Erd und was den Nächsten bauet. Brenn rein die sündige Natur, mach uns zur neuen Kreatur, ob’s unserm Fleisch auch grauet.

4) Komm, Feuer Gottes, Heilger Geist, erfüll die Herzen allermeist mit deiner Liebe Brennen. Von dir allein muss sein gelehrt, wer sich durch Buß zu Gott bekehrt; gib himmlisches Erkennen. Der fleischlich Mensch sich nicht versteht auf göttlich Ding und irregeht; in Wahrheit wollst uns leiten und uns erinnern aller Lehr, die uns gab Christus, unser Herr, dass wir sein Reich ausbreiten.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, im Ökumenischen Bibelgespräch haben wir gestöhnt, als wir uns den Text zur heutigen Pfingstpredigt vornahmen. Es ist ein Text, um sich daran die Zähne auszubeißen, besonders an den Worten „Fleisch“ und „Geist“. Was meint Paulus mit diesem Gegensatz? Wir hören den Text aus Römer 8, 1-11:

1 So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.

2 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

3 Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch,

4 damit die Gerechtigkeit, vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist.

5 Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt.

6 Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede.

7 Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag’s auch nicht.

8 Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen.

9 Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.

10 Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

11 Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Eine Predigt zu diesem Text vorzubereiten, war harte Arbeit, liebe Gemeinde. Irgendwann wusste ich nicht mehr, ob ich ihn selber wirklich verstehe. Vor allem spürte ich einen großen Widerspruch: Ich will heute an Pfingsten von dem Geist erzählen, der die Lebensgeister weckt. Aber ich empfand die Arbeit an der Pfingstpredigt überwiegend als furchtbar anstrengend. Ich fühlte mich ein bisschen wie die Jünger damals am ersten Pfingsttag: ein trostloses Häuflein, das hinter verschlossenen Türen auf den Heiligen Geist wartet, aber auch nicht weiß, wann und wie er kommt.

Handpuppe Gabi, die wie ein weißes Gespenst aussiehtSie können nichts anderes tun als warten und offen sein – und auf einmal geschieht es: Wie Wind und Sturm, Feuer und Flamme, überkommt der Geist diese Menschen und weckt ihre Lebensgeister, macht sie mutig, lässt sie nach draußen gehen, schenkt ihnen Worte, in denen selbst Menschen anderer Sprache sie verstehen können.

Können wir diesen Geist auch haben? Er weht, wo er will, heißt es; wie sieht es aus, wenn er bei uns weht? Spürt man, dass wir mit Begeisterung Christen sind? Erlebt man uns als friedfertige und liebevolle Menschen, voller Zuversicht und Einsatzfreude?

Handpuppe Lutz, ein kleiner Teufel, schwarzrot mit gelben Hörnern„Hallo!“ meldet sich da die weiße Handpuppe, die ich manchmal drüben in unserem Kindergarten einsetze. „Seht her: Ich bin ganz weiß. Ich bin ein guter Geist. Ich habe eine weiße Weste. Ich glaube an Gott und habe bestimmt den Heiligen Geist. Ich suche keinen Streit und versuche immer gut zu sein.“

Eine zweite Puppe mischt sich ein, die rote hier: „Gib nicht so an. Du bist doch nicht wirklich so fromm und so heilig und so gut!“

Und die erste wieder: „Du kannst gar nicht mitreden. Du kümmerst dich um kein Gebot von Gott, du tust nur, was dir Spaß macht, du bist immer frech und fängst an zu streiten!“

„Na ja“, sagt die rote Figur, „ich mag ja nur ein armer Teufel sein, und ich gebe zu, dass ich oft nur an mich denke. Aber Jesus hat einmal gesagt (Markus 10, 18):

Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein!

Also, wenn sowieso alle böse sind, ist es auch egal, was ich tue!“

So streiten die beiden miteinander – das rote Teufelchen und der kleine weiße Geist.

Was würde Paulus den beiden sagen? „Hört mal zu, ihr beiden. Ich hab das auch versucht, immer gut zu sein und Gottes Gesetz zu erfüllen, von vorn bis hinten.“

„Siehst du!“ ist da der kleine Geist ganz stolz. „Genau wie ich!“

„Ja“, sagt Paulus geduldig, „aber eines Tages hat mir Jesus klar gemacht, dass ich auf einem völlig falschen Weg war. Ich konnte das Gesetz nicht erfüllen. Es war einfach unmöglich.“

Da fühlt sich der kleine Teufel bestätigt: „Das habe ich doch gleich gesagt. Keiner kann das Gesetz erfüllen, also ist es egal, was man tut!“

„Nein, nein“, sagt Paulus. Auch das muss er geraderücken.

„Hört mal genau zu: Eigentlich ist Gottes Gesetz gut. Aber ich habe das Gesetz ausgenutzt – für meinen ganz persönlichen frommen Egoismus. Ich wollte besser sein als die gottlosen Menschen und ich wollte Gott beweisen, dass ich gut bin. Ich wollte ein Mensch sein, erfüllt vom Geist, und was war ich stattdessen: ein Sklave von meinem eigenen Fleisch!“

Da fragt das kleine Teufelchen: „Jetzt kommst du mit diesem blöden Wort: Fleisch. Was meinst du damit? Jeder Mensch ist doch von Fleisch und Blut, das ist doch nicht schlimm. Immer hat die Kirche was gegen den Körper und gegen die fleischlichen Lüste. Was ist denn schon dabei, wenn man Spaß hat?“

„Da verstehst du mich falsch“, erwidert Paulus. „Du denkst an den Leib, an den Körper, und meinst, ich halte ihn für etwas Schlechtes. Aber das stimmt nicht. Der Leib ist uns von Gott gegeben, genau wie unser Geist. Aber wenn wir das vergessen, dass unser Leib und auch unser Geist ein Geschenk von Gott sind, dann sind wir gefangen in unserem Körper, als wäre er nur ein Stück Fleisch.“

Aber jetzt hat der kleine Geist eine Frage: „Aber wieso war es nicht gut, dass du gut sein wolltest? Es kann doch nicht sein, dass dieser kleine Teufel recht hat, wenn er sagt: Es ist doch egal, was man tut!“

Paulus erklärt noch einmal: „Wir können nicht nur in unserem Körper, sondern auch in unserem menschlichen Geist gefangen sein. Auch unser menschlicher Geist ist ein fleischlicher Geist, wenn wir stolz sind auf unsere guten Taten und auf andere Menschen herabsehen. Ich wollte also gut sein – aber ich wurde immer böser. Ich verfolgte sogar die Christen, weil sie einen Menschen anbeteten, der schändlich am Kreuz gestorben war.“

Der kleine Teufel ist auf einmal traurig: „Das kenne ich auch vom weißen Geist. Der tut immer, als wäre er so gut. Aber dann will er mich in die Hölle verdammen, weil er mich für böse hält.“

Paulus sagt: „Ja, das ist die Kehrseite eines guten Menschen, dass er zur Unbarmherzigkeit neigt. Gut, dass ich Christus selbst begegnet bin. Allein hätte ich es nie geschafft, von meinem scheinbar guten und in Wirklichkeit bösen Weg umzukehren, scheinbar geistlich, in Wirklichkeit fleischlich. Eines Tages höre ich die Stimme Christi: „Warum verfolgst du mich!“ Ich stürze zu Boden, mich trifft die Botschaft des Christus: „Du kannst das Gesetz nicht vollständig erfüllen. Aber trotzdem darfst du leben. Ich vergebe dir sogar, dass du mich verfolgt hast und spreche dich frei! Diese Stimme ist es, die mich seitdem erfüllt, dieses Wort meines Herrn schenkt mir Freiheit. Ich bin plötzlich nicht mehr auf meinen eigenen Geist angewiesen, um das Gesetz zu erfüllen. Ich höre die Stimme eines ganz anderen Geistes, mächtig, überwältigend, liebevoll und befreiend!“

Da fragt das Teufelchen: „Heißt das, auch ich brauche nicht böse zu bleiben?“

Und Paulus antwortet: „Ich bin überzeugt – es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“

„Aber wie kann ich in Jesus sein“, fragt der kleine Rote. „Ich kann doch nicht in eine andere Person hineinkriechen. Außerdem ist Jesus schon lange tot!“

Paulus erklärt geduldig: „Ich bin in Christus Jesus, seit ich seine Stimme gehört habe. Ich weiß, seine Liebe ist die Liebe Gottes selbst, und diese Liebe ist allmächtig, sie umgibt mich überall und zu allen Zeiten. Ich bin in Christus und sein Geist ist in mir – mit beidem ist das Gleiche gemeint. Ich ergreife seinen Geist, indem ich von ihm ergriffen bin. Ich habe den Geist, indem er mich hat. Und auch du brauchst nicht gut zu sein aus eigener Kraft. Du kannst spüren, dass du geliebt bist mit deinen Ecken und Kanten und sogar mit deinen Hörnchen – und dann siehst du alles mit anderen Augen.“

Da wird der kleine Teufel sehr nachdenklich und meint: „Wenn das so ist, dann könnte ich vielleicht sogar aufhören, den weißen Geist zu ärgern!“

Und auch der weiße gute Geist hat etwas gelernt: „Entschuldige, dass ich so böse zu dir war, als ich meinte, dass nur du böse bist!“ (Die beiden vertragen sich wieder und umarmen sich.)

Der kleine Teufel erinnert mich übrigens an einen Konfirmanden mit seinen Stehhaaren, dem meine Frau sagte: „Na, wächst schon der Heiligenschein?“ Er meinte: „Eigentlich sind es doch eher Hörnchen.“ Worauf mir spontan einfiel: „Aber manchmal wird ein Heiligenschein auch an Hörnchen aufgehängt.“

Es kann sein, dass ich nichts vom Geist Gottes in mir spüre – und trotzdem preist Jesus mich selig (Matthäus 5, 3):

Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich.

Es kann sein, dass mein Glaube winzig ist und meine Hoffnung am Ende – trotzdem und gerade dann ist die Kraft Christi in meiner Schwäche mächtig.

Ich weiß nicht, ob diese Predigt, die mir so viel Mühe gemacht hat, irgendwelche Lebensgeister wecken kann. Dem Geist selbst traue ich es aber zu. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen nach der Predigt das pfingstliche Lied 125:

1) Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, erfüll mit deiner Gnaden Gut deiner Gläub’gen Herz, Mut und Sinn, dein brennend Lieb entzünd in ihn‘. O Herr, durch deines Lichtes Glanz zum Glauben du versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen. Das sei dir, Herr, zu Lob gesungen. Halleluja, Halleluja.

2) Du heiliges Licht, edler Hort, lass leuchten uns des Lebens Wort und lehr uns Gott recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt vor fremder Lehr, dass wir nicht Meister suchen mehr denn Jesus mit rechtem Glauben und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja, Halleluja.

3) Du heilige Glut, süßer Trost, nun hilf uns, fröhlich und getrost in deim Dienst beständig bleiben, die Trübsal uns nicht wegtreiben. O Herr, durch dein Kraft uns bereit und wehr des Fleisches Ängstlichkeit, dass wir hier ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen. Halleluja, Halleluja.

Gott, du Heiliger Geist, sei du die Kraft in unserem Denken, in unseren Worten, in unserem Handeln. Schenke uns Ruhe mitten in der Hektik, Klarheit mitten in der Verwirrung, Wahrheit mitten in der Verunsicherung.

Gott, du Heiliger Geist, lass du in uns deine guten Gaben wachsen. Den Glauben, der sich ganz auf dich verlässt, die Hoffnung, die dich auch in der Zukunft nicht aus den Augen verliert, die Liebe, die den Egoismus überwindet.

Gott, du Heiliger Geist, begleite uns als Tröster, wenn wir traurig oder verzweifelt sind. Du bist da, auch wenn wir dich nicht spüren, du hörst uns, auch wenn wir nur stumm zu dir schreien, du verwandelst unsere Seufzer in Gebete, wenn wir zum Beten nicht in der Lage sind.

Du Heiliger Geist des Vaters, der Jesus von den Toten auferweckt hat, wir bitten dich heute besonders für Frau … , die im Alter von … Jahren gestorben ist. Nimm sie, die die Sterblichkeit hinter sich gelassen hat, hinein in die lebendige Wirklichkeit deiner Ewigkeit. Schenke den Angehörigen deinen Trost und lasse sie jeden Tag die Kraft deines Heiligen Geistes erfahren. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir das Lied 557:

Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit
Abkündigungen

Und nun geht mit Gottes Segen. Vielleicht bleiben Sie auch noch ein wenig zusammen im Gemeindesaal bei Kaffee oder Tee.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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