Geburtswehen

Jesus vergleicht die Anzeichen der kommenden Friedensherrschaft Gottes mit Geburtswehen. Denn die frohe Botschaft, die mit Jesus in die Welt kam, überspielt nicht das Böse, das Unglück und Leid der Welt, sondern rechnet mit ihm, rechnet auch damit, dass das Böse sich gegen die Liebe wehrt. So wie sich die Menschen gegen Jesus gewehrt haben, indem sie ihn schließlich kreuzigten.

Ein Globus liegt zwischen grünen Blättern

Gibt es Anzeichen der Hoffnung für die Erde? (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am 1. Advent, den 30. November 1980 um 9.30 in Beienheim, 10.30 in Heuchelheim, 13.00 in Staden
Orgelvorspiel

Zum ersten Gottesdienst im Neuen Kirchenjahr heiße ich Sie in der Kirche herzlich willkommen! Wir feiern Advent, das ist eine Zeit der Erwartung. Wir fragen uns: was haben wir zu erwarten – jetzt in der Vorweihnachtszeit, in der Zeit des uns geschenkten Lebens, was haben wir zu erwarten für unsere Welt?

Lied EKG 5, 4-7 (EG 5):

4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.

5. O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.

6. Hier leiden wir die größte Not, vor Augen steht der ewig Tod. Ach komm, führ uns mit starker Hand vom Elend zu dem Vaterland.

7. Da wollen wir all danken dir, unserm Erlöser, für und für; da wollen wir all loben dich zu aller Zeit und ewiglich.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Auf dem Zion, dem schönsten aller Berge, zeigt sich Gott im strahlenden Glanz. Unser Gott kommt, er schweigt nicht länger. Himmel und Erde ruft er als Zeugen auf, denn er will sein Volk zur Rechenschaft ziehen.

Unser Gott, wir feiern Advent, Erwartungszeit. Alle Jahre wieder erwarten wir deine Ankunft. Wir sind oft abgelenkt und haben dein Kommen oft gar nicht bemerkt und verpasst. Lass uns in diesem Gottesdienst spüren, dass du unterwegs bist zu uns. Mache es möglich, dass wir einander auf halbem Wege entgegenkommen, damit unser Warten zu einem Treffen führt, zu einem Treffen, das jeden betrifft. Mache uns zu Betroffenen im Advent. Amen.

Schriftlesung: Lukas 1, 39-56 – zwei schwangere Frauen besuchen einander:

39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda

40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.

41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt

42 und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes!

43 Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe.

45 Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.

46 Und Maria sprach:

Meine Seele erhebt den Herrn,
47 und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;

48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

49 Denn er hat große Dinge an mir getan,
der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.

50 Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht
bei denen, die ihn fürchten.

51 Er übt Gewalt mit seinem Arm
und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.

52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron
und erhebt die Niedrigen.

53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen.

54 Er gedenkt der Barmherzigkeit
und hilft seinem Diener Israel auf,

55 wie er geredet hat zu unsern Vätern,
Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.

56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.

Lied EKG 200, 4-7 (EG 308):

4. Du bist barmherzig insgemein dem, der dich herzlich fürcht’ allein, und hilfst dem Armen immerdar, wenn er muss leiden groß Gefahr.

5. Der Menschen Hoffart muss vergehn, mag nicht vor deiner Hand bestehn; wer sich verlässt auf seine Pracht, dem hast du bald ein End gemacht.

6. Du machst zunicht der Menschen Rat, das sind, Herr, deine Wundertat’; was sie gedenken wider dich, das geht doch allzeit hinter sich.

7. Wer niedrig ist und klein geacht’, an dem übst du dein göttlich Macht und machst ihn einem Fürsten gleich, die Reichen arm, die Armen reich.

Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserm Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.
Predigttext: Matthäus 24, 1-14

1 Und Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels.

2 Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.

3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?

4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe.

5 Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.

6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.

7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.

8 Das alles aber ist der Anfang der Wehen.

9 Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.

10 Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen.

11 Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.

12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.

13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.

14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Liebe Gemeinde!

Wenn die Wehen einsetzen, dann kommt bald – das Ende der Schwangerschaft. Wenn die Wehen einsetzen, dann kommt bald ein neuer Anfang. Dann geht es auf jeden Fall um Tod und Leben. Schmerzen muss die Frau ertragen. Sie wird sie, wenn sie gut vorbereitet ist und wenn sie das Kind wünscht, nicht durch Schmerzmittel betäuben wollen, um sich nicht um das bewusste Erlebnis der Geburt zu bringen. Schmerzen sind für viele Frauen nicht das Schlimmste an der Geburt; schlimmer sind die Stunden des Alleinseins im Kreißsaal, das Sich-Verkrampfen und der dadurch verstärkte Schmerz, wenn man nicht genau weiß, was man zu tun hat; oder auch manchmal der unfreundliche Ton der Geburtshelfer in manchem Krankenhaus.

Das Warten auf den Messias ist in der Bibel, im Alten und im Neuen Testament in Bilder von Geburtsschmerzen gefasst worden. Im Jesajabuch heißt es z. B. (Jesaja 7, 14b-15 – GNB):

„Die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, den wird sie Immanuël (Gott steht uns bei) nennen. Er wird Rahm und Honig essen, bis er Gutes und Böses unterscheiden kann.“

Wenn Gottes Ankunft so mit der Geburt eines Kindes in Verbindung gebracht wird, dann entspricht die Zeit der Erwartung eben der Schwangerschaft bis zu den Wehen. Zwei Punkte sind es besonders, die zum Vergleich herangezogen werden. Einmal, wie schon gesagt, die Schmerzen der Wehen. Das Neue, das erwartet wird, kommt nicht ohne Schmerzen. Der Entbindung eines Kindes gehen Schmerzen voraus. Ebenso gehen auch dem Kommen des Messias schmerzliche Erfahrungen voraus. Der andere Vergleichspunkt ist, dass man genau auf bestimmte Anzeichen achten muss, ehe man gewiss sein kann, wirklich in „guter Hoffnung“ zu sein. So hat man ja immer die Erwartung eines Kindes umschrieben, so kann man aber auch die Stimmung, umschreiben, in der der Messias erwartet wurde und in der man zuversichtlich der Zukunft entgegenblickt. Man muss bestimmte Anzeichen beachten. Wir kennen die Anzeichen, die auf eine Schwangerschaft hinweisen, ehe die Vermutung zur Gewissheit wird. Aber kennen wir auch die Anzeichen, die auf das Kommen des Messias hindeuten? Anders gesagt, die darauf hindeuten, dass die Zukunft nicht von einem blinden Schicksal, sondern von Gott bestimmt wird?

Ich muss einen kurzen Einschub machen und etwas zum Thema „Wiederkunft Christi“ sagen. Unser Predigttext geht ja davon aus, dass Christus, der auferstanden ist, bei Gott und eins mit Gott ist, dass der wieder auf die Erde kommt, um dann Gericht zu halten, eine neue Welt zu schaffen, ein Friedensreich aufzurichten. Das ist eine der Vorstellungen in der Bibel, die manchen zum Glauben hilft, die aber anderen den Zugang zum Glauben versperrt. Es ist sehr schwer, sich vorzustellen, dass Jesus wieder auf die Erde kommt und dass er dann plötzlich das tut, was er bei seinem ersten Kommen nicht getan hat und nicht tun wollte: nämlich die Welt mit wunderbaren Machttaten zu erobern und in ein Friedensreich umzuwandeln. Es gibt einen sehr unterschiedlichen Umgang mit diesen Zukunftsvorstellungen: die einen können gar nichts damit anfangen, die anderen versuchen das Datum des Weltuntergangs genau zu berechnen. Ich finde am wichtigsten, dass wir nur dies von diesen Zukunftsbildern lernen: wir Christen leben nicht nur in der Erinnerung an Jesus, der einmal gelebt hat und uns ein Vorbild war und uns für unser Leben in der Gegenwart Vergebung verschafft hat. Vielmehr leben wir immer noch in der Erwartung von etwas Neuem, von viel Herrlicherem, als wir es uns vorstellen können.

Eigentlich ist es ja merkwürdig, dass in der Adventszeit immer zwei Vorstellungskreise durcheinander gehen, oder schöner formuliert: einander durchdringen: die Erwartung der Geburt Jesu, die wir erinnernd feiern, und die Erwartung von etwas, das erst noch in unserer eigenen Zukunft geschehen soll. Woran liegt das?

Ich denke es liegt daran, dass Jesus eben ein anderer König, eine andere Art von Messias war, als man ihn erwartet hatte. Er hat eben nicht mit Gewalt ein Friedensreich errichtet, die Römerherrschaft gebrochen und die Verhältnisse unter den Menschen zwangsweise geordnet; er hat auch nicht in einer Art Gehirnwäsche die Menschen auf einen Schlag so geändert, dass sie plötzlich fähig geworden wären, in einer Welt des Friedens zu leben. Nein, Jesu Weg war unscheinbarer, war ein Weg der Überzeugung mit Worten und nicht mit der Faust, ein Weg des Leidens und nicht der Gewalt, ein Weg der Ohnmacht und nicht der Macht, ein Weg der Liebe, die auf Gegenliebe hofft, und nicht eines Schemas von Befehl und Gehorsam. Das Wort braucht Zeit, um sich zu entfalten, Liebe ist kein Weg, um schnelle Erfolge zu erzielen. Daher stehen auch wir immer noch in einer Zeit der Erwartung. Das Ziel, die Vollendung der Liebe, ein Reich Gottes ohne Unterdrückung, ohne Schmerzen und Tränen, ist noch nicht erreicht. Allerdings hat Jesus durch sein Leben den Weg schon gezeigt, auf dem man die Herrschaft Gottes erwarten kann, auf dem man ihm nachfolgen kann. Deshalb ist es auch richtig zu sagen, dass in Jesus der erwartete Messias schon gekommen ist. Er ist bei den Geringen, bei den Machtlosen, Unterdrückten, schlichten Menschen – wie wir es im Lied der Maria vorhin gehört haben.

So weit der Einschub über das erste Kommen Jesu und das Wiederkommen Christi. Nun möchte ich wieder zurückkommen auf die Anzeichen, die zeigen, dass man nicht umsonst wartet. Und das ist nun merkwürdig, was das für Zeichen sind. Wir würden doch erwarten, dass Anzeichen für eine herrliche Zukunft etwas Schönes sein müssten, Hoffnungsschimmer, Erfolgserlebnisse. Aber in der Bibel wird in diesem Zusammenhang immer wieder auf das Gegenteil verwiesen. Z. B. im Jesajabuch, wo es geheißen hatte: „Die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, den wird sie Immanuël nennen.“ Da heißt es weiter (Jesaja 7, 17 – GNB):

„Der Herr wird für dich, dein Volk und deine Familie eine Unglückszeit kommen lassen, wie man sie seit der Trennung Israels von Juda nicht erlebt hat. Das wird durch den König von Assyrien geschehen.“

Der Geburt des Messias soll also die Unterdrückung des Volkes durch Fremdherrschaft vorausgehen. Oder in der Weihnachtsgeschichte, ins Lied umgesetzt, hören wir: „So merket nun das Zeichen recht: die Krippe, Windelein so schlecht, da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt.“ Es war doch eigentlich unerhört von Jesaja, zu erwarten, dass die Menschen ihm die Verheißung einer herrlichen Zukunft Gottes glauben – wenn er zuvor Schreckenszeiten ankündigt. Und es ist eigentlich auch gar nicht selbstverständlich, an einen Mann als den Retter der Welt zu glauben, der als Kind von seinen Eltern nur in einen Futtertrog der Tiere gelegt werden konnte. Wir haben uns daran nur schon zu sehr gewöhnt.

Welche Anzeichen gibt es nun heute, in der Gegenwart, an denen wir ablesen können, dass wir von Gott in der Zukunft noch etwas zu erwarten haben? Von solchen Anzeichen handelt unser Predigttext. Es sind auch Dinge, die im Grunde eher Hoffnungslosigkeit nahelegen würden als Hoffnung. Von falschen Christussen ist die Rede, die die Menschen verführen und irreleiten wollen. Von Kriegen ist die Rede, die in der Nähe und in der Ferne ausbrechen. Von Hungersnöten und Erdbeben ist die Rede. Verglichen wird das alles mit den Schmerzen der Geburtswehen.

Irgendwie widerstrebt mir dieser Gedanke. Als ob Kriege und Hunger unvermeidlich wären, so klingt dieser Text. Als ob sie sogar notwendig wären, wie die Geburtswehen. Zu denken gibt mir aber, dass mit keinem Wort die Ursachen für Krieg und Hunger gerechtfertigt werden. Anscheinend wird vorausgesetzt, dass Christen sich nicht am Krieg beteiligen, jedenfalls nicht freiwillig, und dass Christen gegen den Hunger angehen und nicht andere hungern lassen. Jedenfalls setzen sich die Christen in irgendeiner Weise so im Sinne Jesu ein, dass es auffällt. Und nun werden weitere Anzeichen aufgezählt, an denen Christen erkennen können, dass Gott sie in der Zukunft nicht im Stich lässt: – es klingt fast makaber – man wird euch ausliefern, foltern und töten – die Welt wird euch hassen – viele werden vom Glauben abfallen, sich gegenseitig verraten – viele werden irregeführt werden – die Liebe wird bei den meisten erkalten, weil das Böse überhand nimmt. Das ist fast nicht zu verkraften. So stark sind wir kaum, so etwas als Anzeichen einer großen Hoffnung zu deuten, geschweige denn einmal auf uns selbst zu beziehen.

Aber blenden wir noch einmal zurück. Ich hatte gesagt, dass Jesus mit seinem ersten Kommen nicht mit Gewalt ein Reich des Friedens gebaut hat. Er wollte, dass Friede wird durch das Wort, durch Überzeugung, durch das Sich-Durchsetzen der Liebe. Das heißt: es blieb den Menschen möglich, sich auch gegen die Liebe zu entscheiden, für Egoismus, Selbstdurchsetzung, Unterdrückung, Gewalt und Krieg. Oft waren die Kirchen selbst daran beteiligt. Die Christen aber, die am unscheinbaren Weg Jesu festhielten, die erlitten tatsächlich oft das Schicksal, das Jesus angekündigt hatte: Gefangenschaft, Folter, Tod, Hass und Verfolgung der anderen Menschen. Heute könnten wir eher andere der Voraussagen auf unsere Zeit beziehen: dass viele vom Glauben abfallen, dass die Liebe bei den meisten erkaltet, weil sie vor dem Bösen resignieren.

Viele zweifeln ja gerade deshalb am Glauben, weil sie solche Veränderungen heute um sich herum sehen. Doch gerade diese Dinge nennt Jesus als Anzeichen dafür, dass wir zuversichtlich in die Zukunft schauen können.

„Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, wird gerettet“,

sagt er (Matthäus 24, 13 – GNB). Und er fügt hinzu, dass seine Gute Nachricht in der ganzen Welt verkündet werden soll, damit alle Menschen die Einladung in Gottes neue Welt hören. Es bleibt bei Gottes Einladung an alle Menschen, Einladung zum Glauben und zur Liebe, und es bleibt bei seinem Versprechen, auch in der Zukunft bei uns zu sein – im Leben und im Sterben. Als Bonhoeffer am Ende des Krieges von den Nazis ermordet wurde, waren seine letzten Worte: „Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.“

Wenn wir selbst unter Verfolgung zu leiden hätten, wären wir unmittelbarer von den Anzeichen betroffen, von denen Jesus spricht. Ich glaube, wir sind alle froh, dass wir nicht betroffen sind. Wer weiß, ob wir zu denen gehören würden, die „bis zum Ende fest bleiben“ könnten, oder zu denen, die allen Glauben verlieren würden. Aber unsere Situation, in der es uns vergleichsweise gut geht, verpflichtet uns deshalb um so mehr, uns nicht taub zu stellen gegenüber den Leiden der Menschen anderswo – in armen Ländern, in Staaten, wo Unterdrückung, Krieg oder Hunger herrscht. Besser gesagt, wir brauchen uns nicht taub zu stellen für diese Dinge – auch nicht für die Anliegen unseres Nächsten nebenan, oder für die Sorgen der anderen Menschen in unserer Umgebung – wir brauchen es nicht, weil es nicht Anzeichen sind für ein unglückliches Schicksal, sondern weil Gott uns gerade im Leid begegnen kann – besonders im Leid, das wir mit anderen mittragen, besonders wenn wir mit dem Traurigen weinen können.

Das klingt immer noch nach Überforderung. Und ich muss noch daran erinnern, dass Jesus auch gesagt hat: „die Last, die ich euch auferlege, ist leicht“. Er will uns nicht überfordern. Es heißt auch: freut euch mit den Fröhlichen.

Aber so ein Text, wie unser Predigttext, kann uns etwas Wichtiges vermitteln: dass Advents- und Weihnachtszeit keine heile Welt vorgaukeln sollen. Dass es gar nicht so verwunderlich ist, dass viele Menschen die Weihnachtszeit hassen, weil sie noch nichts davon verspürt haben, dass die Christen aus Weihnachten ein Fest der Freude für alle machen: auch für die Einsamen, die Trauernden, die vom geraden Wege Abgekommenen, die ihr Leben nicht gemeistert haben.

Die frohe Botschaft, die mit Jesus in die Welt kam, überspielt nicht das Böse, das Unglück und Leid der Welt, sondern rechnet mit ihm, rechnet auch damit, dass das Böse sich sozusagen gegen die Liebe wehrt. So wie sich die Menschen gegen Jesus gewehrt haben, indem sie ihn schließlich kreuzigten. Oder wie wir uns gegen die Weihnachtsbotschaft wehren, indem wir sie und das Jesuskind praktisch mit Geschenken zudecken. Und doch setzt sich die frohe Botschaft durch. Wir können zuversichtlich sein. Jesus hat zugesagt, dass er bei uns bleibt, alle Tage, bis ans Ende der Welt. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied EKG 3, 1-3 (EG 6):

1. Ihr lieben Christen, freut euch nun, bald wird erscheinen Gottes Sohn, der unser Bruder worden ist, das ist der lieb Herr Jesus Christ.

2. Der Jüngste Tag ist nun nicht fern. Komm, Jesu Christe, lieber Herr! Kein Tag vergeht, wir warten dein und wollten gern bald bei dir sein.

3. Du treuer Heiland Jesu Christ, dieweil die Zeit erfüllet ist, die uns verkündet Daniel, so komm, lieber Immanuel.

Abkündigungen
Gebet mit Fürbitten, Vaterunser und Segen
Lied EKG 6, 5 (EG 1):

5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.

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