Gott „hackt“ mich nicht gegen meinen Willen

Der heilige Geist ist kein Geist der Manipulation. Mit seiner Liebe durchdringt er mich nur dann, wenn in mir ein Teil ist, der das auch will, der offen ist für Liebe. Die Mächte des Bösen gehen anders vor. Die machen es wie die Hacker, die ungebeten in meinen PC eindringen, wenn ich ihnen leichtsinnig, ohne es zu wollen, Hintertüren öffne.

Das Wort "HACKED" über dem Kopf eines Mannes im Anzug vor einer Weltkarte voller Einsen und Nullen

Gehackt zu werden (gesprochen mit „ä“), ist leider Alltag in der Computerwelt (Grafik: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am Sonntag Exaudi, den 1. Juni 2014, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen im Gottesdienst in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten am Sonntag „Exaudi“, das heißt auf deutsch: „Höre!“ Dieses Wort stammt aus einem Psalm, den wir gleich nach dem ersten Lied beten werden, und es ist eine Bitte an Gott: „Höre uns doch zu, wenn wir zu dir rufen! Erhöre doch unser Gebet, wenn wir uns nach Hilfe und Trost und Wegweisung von dir sehnen!“

In der Predigt wird Herr Pfarrer Schütz darüber sprechen, wie das ist mit dem Rufen und dem Hören zwischen Gott und uns Menschen. Hört er, wenn wir zu ihm rufen? Hören wir, wenn er uns ruft? An wem liegt es, wenn die Verbindung gestört ist?

Das erste Lied 501 passt zwar nicht mehr ganz in den Monat Juni, der heute beginnt, wir singen es aber trotzdem und bringen Lobpreis und Bitten vor Gott, der uns schenkt, was wir zum Leben brauchen:

1. Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein! Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein. Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß; drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß‘.

3. Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein, damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein, die größte Lust zu haben allein an deinem Wort, das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein; die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei, damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 27:

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!

10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Mit Worten aus Psalm 36, einem Gebet Davids, klagen wir über Menschen, die nicht auf Gott hören und bitten um sein Erbarmen, dass er sie und uns alle auf geraden Wegen leitet:

2 Es sinnen die Übertreter auf gottloses Treiben im Grund ihres Herzens. Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen.

3 Und doch hat Gott den Weg vor ihnen geebnet, um ihre Schuld aufzufinden und zu hassen.

4 Alle ihre Worte sind falsch und erlogen, verständig und gut handeln sie nicht mehr.

5 Sie trachten auf ihrem Lager nach Schaden und stehen fest auf dem bösen Weg und scheuen kein Arges.

11 Breite deine Güte über die, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen.

12 Lass mich nicht kommen unter den Fuß der Stolzen, und die Hand der Gottlosen vertreibe mich nicht!

13 Sieh da, sie sind gefallen, die Übeltäter, sind gestürzt und können nicht wieder aufstehen.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Gemeinsam beten wir nun die Verse aus dem Psalm 36, die ich eben ausgelassen habe; im Gesangbuch stehen sie unter der Nummer 719. Lesen Sie bitte die eingerückten Verse:

6 HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

7 Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. HERR, du hilfst Menschen und Tieren.

8 Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

9 Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

10 Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Großer, barmherziger Gott, du kennst uns besser, als wir uns selber kennen. Wir beten mit Psalm 139:

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören den Predigttext aus dem Brief des Paulus an die Römer 8, 26-30:

26 Der Geist [hilft] unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.

27 Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt.

28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.

29 Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

30 Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Glaubensbekenntnis
Lied 371, 1+3+5+9:

1. Gib dich zufrieden und sei stille in dem Gotte deines Lebens! In ihm ruht aller Freuden Fülle, ohn ihn mühst du dich vergebens; er ist dein Quell und deine Sonne, scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gib dich zufrieden!

3. Wie dir’s und andern oft ergehe, ist ihm wahrlich nicht verborgen; er sieht und kennet aus der Höhe der betrübten Herzen Sorgen. Er zählt den Lauf der heißen Tränen und fasst zuhauf all unser Sehnen. Gib dich zufrieden!

5. Er hört die Seufzer deiner Seelen und des Herzens stilles Klagen, und was du keinem darfst erzählen, magst du Gott gar kühnlich sagen. Er ist nicht fern, steht in der Mitten, hört bald und gern der Armen Bitten. Gib dich zufrieden!

9. Sprich nicht: »Ich sehe keine Mittel, wo ich such, ist nichts zum besten.« Denn das ist Gottes Ehrentitel: helfen, wenn die Not am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, tritt er herzu, uns wohl zu führen. Gib dich zufrieden!

Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Liebe Gemeinde,

in den letzten Tagen war dauernd unser privater Telefonanschluss gestört. Mitten in einem Gespräch war die Leitung plötzlich tot. Die Lichter an der Fritzbox waren aus. Kurze Zeit später gingen sie wieder an, wir konnten wieder telefonieren. Leider wiederholte sich das Spiel; wir riefen die Hotline unseres Telefonanbieters an und bekamen den Rat: „Tauschen Sie das Gerät aus, es ist veraltet.“ Vier Jahre alt, die Garantie ist abgelaufen, wir brauchen ein neues Gerät, um über das Telefon Verbindungen herzustellen mit Familie und Freunden.

Wenn wir mit Gott Verbindung aufnehmen wollen, dann nennen wir das „Beten“. Der Name des letzten Sonntags, auf Lateinisch „Rogate!“, forderte uns auf: „Betet! Nehmt mit Gott Verbindung auf! Wählt seine Rufnummer! Tretet in Kontakt mit ihm!“ Das dürfte an sich kein Problem sein, denn für ein Gespräch mit Gott brauchen wir keine Telekom und nicht einmal ein Telefon. Oder ist gerade das das Problem? Ist die Leitung zu Gott deswegen bei vielen Menschen gestört, weil man nicht einfach einen Techniker holen kann, der die Leitung repariert?

Wenn ich jemanden anrufen will, und es klappt nicht, dann kann entweder mein Apparat kaputt sein oder die Leitung oder vielleicht auch der Apparat des Empfängers. Beim Beten fragen sich viele: Ist am anderen Ende überhaupt einer, der mich hört? Ist die Leitung in Ordnung, ist sie lang genug, damit meine Anliegen bis zu den Ohren Gottes vordringen?

In dem Lied von Paul Gerhardt, das wir eben gesungen haben, hieß es: „Er hört die Seufzer deiner Seelen“. Sogar, was wir niemanden zu sagen wagen, ja, nicht einmal uns selber eingestehen, das bleibt ihm nicht verborgen. Und in einem der Psalmen, die wir vorhin gebetet haben, haben wir Gott als den Erforscher unserer Herzen angebetet: „Du erforschest mich! Du kennst mich besser, als ich selbst mich kenne. Darum bitte ich dich auch: ‚Erforsche mein Herz!‘ Finde heraus, wonach ich mich wirklich sehne, hilf mir, meinen falschen Stolz loszulassen, lass mich einfach kindlich auf dich vertrauen!“

Und damit sind wir mitten in unserem heutigen Predigttext aus dem Römerbrief des Paulus, den wir vorhin bereits gehört haben. Da ist auch von dem Gott die Rede, der die Herzen erforscht. Wir können also sagen: Gott ist nicht nur einer, der uns hört, wenn wir beten. Er hört sogar, was wir noch nicht einmal ausgesprochen, noch nicht einmal bewusst gedacht haben. Was wir ersehnen, uns aber nicht eingestehen, was wir falsch machen, aber nicht ändern wollen oder können, alle unsere Sorgen und Nöte, auch Schuld und Verzweiflung, liegen vor ihm aufgeschlagen wie ein offenes Buch.

Darum müssen wir uns keine Sorgen darüber machen, wie wir beten sollen. Wir brauchen keinen Telefontechniker zu rufen, um die Verbindung zu Gott herzustellen, das erledigt Gott für uns selber. Im Römerbrief hat Paulus das so ausgedrückt: „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“ Wenn wir zu schwach sind, um zu beten, wenn wir nur seufzen können, keine Worte finden, dann will Gott uns dabei vertreten, dann seufzt er mit uns mit, und das genügt ihm, um zu wissen, wie es um uns steht.

Warum spricht Paulus im Text vom Heiligen Geist, warum sagt er nicht einfach: „Gott vertritt uns“? Vielleicht denkt Paulus, Gott ist zu groß, um selber einfach so in uns am Werk zu sein, vielleicht will er sagen, es genügt, wenn Gott einen Teil von sich schickt, der in uns reinpasst. Gott sendet uns seinen Heiligen Geist, und der schaltet sich sozusagen in unseren Geist, in unsere Seele ein, und so sorgt er dafür, dass wir Verbindung zu ihm aufnehmen können.

Das erinnert mich an die Art, wie heutzutage ein Internettechniker auf meinen Computer zugreifen kann, um ihn zu reparieren. Der sitzt vielleicht in Montabaur, in Indien oder in Australien an seinem Computer, und ich kann zusehen, wie er von dort aus auf meinem Monitor Befehle aufruft und alle möglichen geheimnisvollen Dinge macht. Am Ende, wenn alles gut geht, ist mein Computer wieder in Ordnung. Dieser Techniker kann das alles allerdings nur tun, wenn ich ihm das erlaube. Ich muss ihm ein Passwort geben, durch das er in meinen Computer eindringen kann.

Natürlich gibt es auch Hacker, die ungebeten in meinen PC eindringen, aber auch ihnen gebe ich – meist ohne es zu ahnen – dazu die Erlaubnis, indem ich auf nicht vertrauenswürdige Internetseiten gehe oder in Emails, deren Absender ich nicht kenne, auf irgendeinen Link klicke.

Bei Gottes heiligem Geist ist es ähnlich: Er manipuliert mich nicht gegen meinen Willen. Er durchdringt mich mit seiner Liebe, aber nur dann, wenn in mir ein noch so winziger Teil ist, der das auch will, der offen ist für Liebe.

Die Mächte des Bösen, das, was wir Sünde nennen, was uns von Gott und seiner Liebe trennt, die gehen anders vor. Die machen es wie die Hacker: Sie manipulieren uns, schleichen uns in unser Gehirn ein. Sie gaukeln uns vor, wir müssten immer stark sein, möglichst sogar stärker als andere. Dann meinen wir, wir seien stark, wenn wir andere klein machen, oder sogar dann, wenn wir uns selbst kaputtmachen. Auf jeden Fall lassen wir uns dann von dem Wunsch leiten, alles im Griff zu haben, alles zu kontrollieren. Doch in Wirklichkeit haben uns diese bösen Mächte im Griff, sie machen uns unglücklich und merken es oft nicht einmal.

Gut ist es, wenn wir stattdessen dem guten großen Gott unser Herz öffnen, „der die Herzen erforscht“. Der weiß auch, „worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt.“ Es genügt, Gottes heiligem Geist unser Herz zu öffnen, und schon sind wir Heilige. Wir sind heilig, weil wir zu Gott gehören, weil sein Geist für uns eintritt.

Aber wie gesagt: ein winziger Funke an Liebe zu Gott muss in uns sein, sonst will der heilige Geist nicht in uns eindringen, kann er nicht an uns arbeiten. Gegen unseren Willen tut er das nicht. Aber „denen, die Gott lieben“, und sei es mit einer Liebe, die so winzig ist wie ein Senfkorn, denen „dienen alle Dinge zum besten.“ So sagt es Paulus. Es mag sein, dass wir denken, das Leben sei nicht fair. Aber Dietrich Bonhoeffer hat im Sinne des Paulus einmal ein Glaubensbekenntnis formuliert, das uns Mut machen kann, ein solches Denken zu überwinden. Es lautet:

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“

Bis jetzt haben wir von Beten so gesprochen, als ob es eine Einbahnstraße sei. Wir rufen, Gott hört. Jedenfalls dann, wenn die Verbindung nicht gestört ist, wenn wir unser Herz für ihn öffnen, wenn wir darauf zu vertrauen wagen, dass Gott die Liebe ist, wenn es also etwas in uns gibt, das einen Funken dieser Liebe in uns aufnimmt und widerspiegelt.

Erstaunlicherweise fährt Paulus fort, indem er die Blickrichtung umkehrt. Jetzt sind nicht mehr wir diejenigen, die Gott anrufen und hoffen, dass er hört und sich meldet. Jetzt ist Gott der Anrufende, und er hofft, dass wir hören und nicht auf der Leitung sitzen. „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ Wir sind berufen, gerufen, im Griechischen ist das dasselbe Wort.

Im nächsten Satz erläutert Paulus das mit einer langen Reihe von Dingen, die Gott tut und bei denen eins aus dem anderen folgt. Gott fängt damit an, dass er Menschen „ausersieht“, wie Luther übersetzt. Das klingt wie „auswählen“, wörtlich steht da „vorher erkennen“. Gott kennt uns von Anfang an, schon bevor wir im Mutterleib empfangen und geboren sind. Gott weiß, was aus uns werden kann.

Und daraus folgt nun, dass wir „vorherbestimmt“ sind. Wir haben eine Bestimmung, die Gott für uns vorgesehen hat. Wir sollen nämlich „gleich sein dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“.

Eine Anmerkung nebenbei: diese Übersetzung ist falsch, im griechischen Urtext steht ein Wort, das auch „Geschwister“ bedeuten kann, und so meint Paulus hier nicht nur Männer, sondern auch Frauen.

Eigentlich war ja jeder Mensch, Mann und Frau, nach dem Ebenbild der Liebe Gottes geschaffen. In Wahrheit entsprach nur Jesus vollkommen diesem Bild, wie Gott sich uns Menschen vorgestellt hatte. Und im Vertrauen auf Jesus, in seiner Nachfolge, ist es nun auch uns möglich, als Kinder Gottes zu leben. Jesus will nicht das einzige Kind Gottes sein, er ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern und Schwestern. Dazu sind wir vorherbestimmt: Geschwister Jesu, Kinder Gottes zu sein.

Diese Vorherbestimmung ist nicht so gemeint, dass sowieso alles egal wäre, weil Gott ja schon vorher festgelegt hätte: der ist gerettet und der ist verloren! Nein, wir sind dazu bestimmt, Jesus nachzufolgen, ein Kind Gottes zu werden wie Jesus, und wenn wir das wollen, dann entscheiden wir uns dazu in aller Freiheit. Und zugleich wissen wir, dass Gottes heiliger Geist uns zu dieser Freiheit fähig macht, dass wir diese Entscheidung treffen können.

Wie auch immer: Wir müssen nicht verstehen, wie das mit der Vorherbestimmung ist. Hauptsache, der Ruf Gottes kommt bei uns an. Hauptsache, wir stehen oder sitzen nicht auf der Leitung, sondern merken: Gott ruft uns. Gott will was von uns. Gott hat mit uns etwas vor.

Dabei müssen wir uns keine Sorgen machen, ob wir gut genug, stark genug oder heilig genug sind. „Die Gott berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht“, sagt Paulus. Wenn wir uns nicht gut genug fühlen, dann belügen wir uns im Grunde selbst. Wir wollen aus eigener Kraft gut sein. Wir wollen stolz sein auf etwas, worauf wir nicht stolz sein sollten, nämlich eine gespielte, eine nur scheinbare Stärke, die nicht von Gott kommt. Gott nimmt uns an mit unseren Schwächen, er vergibt, was wir verbockt haben, und schenkt uns so viel Kraft, dass wir neu anfangen können, und wenn es nur winzige kleine neue Schritte sind.

Zum Schluss sagt Paulus: „die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht“. Gott sagt Ja zu uns, so wie wir sind, obwohl wir Sünder sind, und zugleich macht Gott uns neu, zeigt uns Wege aus der Sünde, lässt uns auf seinen Wegen gehen. Gott nimmt uns an, als wären wir ein krummes Stück Holz, und er hilft uns, dass wir aufrecht gehen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen das Lied vom Liedblatt, eine moderne Vertonung des Psalms 36, den wir vorhin gebetet haben:

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist

Im Abendmahl sind wir nun eingeladen, Gottes Liebe zu uns zu schmecken, in Brot und Kelch, und die Gemeinschaft mit ihm zu erleben, im Kreis derer, die auf ihn vertrauen.

Gott, wir vertrauen auf deine Treue. Du hältst uns fest, auch wenn wir dir untreu sind, wenn wir zu wenig lieben, zu wenig hoffen, zu wenig Gottvertrauen haben. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen in seiner Treue zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen, denen Gott eine neue Chance gibt, um unsere Treue zu ihm zu bewähren, jeden Tag neu.

Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Jesus Christus spricht: Ich bin das Brot des Lebens. Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes, die euch stärkt und zur Gemeinschaft seines Leibes zusammenschließt.

Herumreichen des Korbs

Jesus Christus spricht: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke. Nehmt hin den Kelch der Liebe Gottes, die euch anrührt und verwandelt.

Austeilen der Kelche

Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten. Geht hin im Frieden! Amen.

Lasst uns beten!

Großer, barmherziger Gott, wir danken dir dafür, dass nicht nur wir zu dir rufen dürfen, dass nicht nur du uns hörst, wenn wir beten, sondern dass du auch uns rufst und das Geschenk des Glaubens anbietest.

Fürbitten

Gott, „in mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht; ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht; ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe; ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede; in mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld; ich verstehe Deine Wege nicht, aber Du weißt den Weg für mich.“ (Dietrich Bonhoeffer)

Amen.

Lied 134, 1+4+5:

1. Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit, deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunklen Herzen sein.

4. Reiz uns, dass wir zu ihm treten frei mit aller Freudigkeit; seufz auch in uns, wenn wir beten, und vertritt uns allezeit; so wird unsre Bitt erhört und die Zuversicht vermehrt.

5. Wird uns auch nach Troste bange, dass das Herz oft rufen muss: »Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?« o so mache den Beschluss; sprich der Seele tröstlich zu und gib Mut, Geduld und Ruh.

Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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