Demut und Stolz

Demut ist ein anderes Wort für das Vertrauen zu Gott. Demütig sind wir, wenn wir das für uns annehmen können: Gott hat mich lieb! Und hochmütig wären wir, wenn wir sagen würden: Ich brauche Gottes Liebe nicht, ich bin alleine immer stark genug. Ich kann stolz auf eine Leistung sein, aber ich bin nicht nur durch meine Leistungen etwas wert.

Eine große Hand streckt sich uns entgegen - in bedrohlicher oder friedlicher Absicht?

„Demütigt euch unter die gewaltige Hand Gottes!“ Eine Provokation? (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am 15. Sonntag nach Trinitatis, den 12. September 2010, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich mit dem Wort zur Woche aus dem Brief 1. Petrus 5, 7:

Alle eure Sorge werft auf [Gott], denn er sorgt für euch!

Drei Mädchen werden heute im Gottesdienst getauft … Wir heißen sie herzlich willkommen mit ihren Familien und Paten!

Angekündigt war dieser Gottesdienst im Gemeindebrief mit Chorgesang und Violine. Auf die Violine müssen wir nun doch verzichten, denn der große Bruder des einen Taufkindes, der Geige spielen wollte, kann das wegen einer Verletzung am Finger nun doch nicht tun. Trotzdem ist unser Gottesdienst heute musikalisch sehr gut ausgestattet. Zwei Lieder werden vom Gaudete-Quartett unter der Leitung von Chorleiter Werner Boeck vorgetragen, und ein weiteres Lied singt die Tante eines der Taufkinder, die Mezzo-Sopranistin Michaela Wehrum-Gandenberger.

Den Gemeindegesang begleiten unser Organist Gunnar Wiegand an der Orgel und am Klavier und Pfarrer Schütz mit seiner Gitarre.

Lied 334: Danke für diesen guten Morgen
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Gott, wir dürfen dir danken: für ein neugeborenes Kind, das du uns anvertraust. Für jedes kleine Glück und für große Freundschaft. Für unser Herz, das fühlen darf und mitfühlende Menschen findet. Für dein aufmerksames Hören auf unsere Sorgen. Für deine Liebe, die keine Grenzen kennt.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, wir dürfen auch vor dir klagen: Was uns belastet, was uns auf der Seele liegt. Dass uns die Sorgen über den Kopf wachsen und wir manchmal ohne fremde Hilfe nicht zurechtkommen. Dass wir uns nach Liebe sehnen und enttäuscht werden. Dass wir glücklich leben wollen und immer wieder Angst vor der Zukunft haben. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Gott, wo wir am Ende sind, zeigst du uns neue Wege. Wo wir vor einem neuen Anfang stehen, hilfst du uns, die Herausforderungen zu meistern. Wo das Leben uns eine Tür zuschlägt, öffnest du uns eine neue. Wo wir uns alleingelassen fühlen, bist du der, der bei uns bleibt. Wo wir Familienzuwachs bekommen haben, schenkst du uns deinen Segen, damit unsere Kinder bei uns in Geborgenheit und mit guter Unterstützung aufwachsen können.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, du bist der Gott in der Höhe und richtest uns aus der Tiefe auf. Gott, du bist der Gott des Friedens, nicht nur im Himmel, sondern auf Erden. Gott, du bist der Gott, der uns lieb hat und uns menschlich ganz nahe gekommen bist in deinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn. „Amen.“

Christen glauben, dass die Taufe auf den Willen Jesu zurückgeht. Im Taufevangelium nach Matthäus 28, 16-20, hören wir Jesu Einladung, uns auf ein Leben als Kinder Gottes einzulassen:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Vor der Taufe singen wir im Wechsel mit dem Chorquartett das Lied 211. Der Chor singt die erste, dritte und fünfte Strophe, wir alle singen die Strophen Nr. 2 und 4:
Gott, der du alles Leben schufst

Liebe Tauffamilien, liebe Gemeinde! Drei kleine Mädchen taufen wir heute, eins hat gestern Geburtstag gehabt, eins wird morgen Geburtstag haben, alle drei haben heute ihren Tauftag.

Im Konfirmandenunterricht haben wir am Donnerstag darüber gesprochen, dass die Taufe ein Sakrament ist, das heißt, eine heilige Handlung. Mit dem Wasser und mit den Worten, die bei der Taufe gesagt werden, bringen wir diese Kinder ganz bewusst in eine Verbindung zu Gott. Natürlich schaffen wir diese Verbindung nicht; sie besteht von Gott aus, bevor wir irgend etwas dazu tun können. Aber wir sagen in der Taufe klar und deutlich Ja dazu, dass diese Kinder von Gott geliebt sind und dass wir sie auf ihrem Weg durchs Leben begleiten wollen.

Ein Taufspruch ist ein Wort aus der Bibel, das bei dieser Begleitung helfen kann. Es macht deutlich, wie Gott für uns da ist und worauf es ankommt, wenn wir dieses besondere Menschenkind christlich erziehen wollen.

Zwei unserer Taufmädchen haben von ihren Eltern unabhängig voneinander genau den gleichen Taufspruch bekommen. … Beide bekommen als Taufspruch ein Wort aus Psalm 36, 10:

Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Zwei Bilder stellt uns dieser Spruch vor Augen. Erstens eine Quelle. Da stelle ich mir sprudelndes, frisches Wasser vor, einen klaren Gebirgsbach, aus dem man mit der Hand Wasser schöpfen und trinken kann. Gott ist die Quelle, aus der wir Leben schöpfen können, weil er unser Schöpfer ist. Das Wort „schöpfen“ hat ja einen doppelten Sinn. Man benutzt es, wenn es darum geht, eine Flüssigkeit aus einem Fluss oder einem Topf oder einem Brunnen herauszubekommen, um sie woanders hinzubringen. „Schöpfen“ ist aber auch ein anderes Wort für „erschaffen“. Vielleicht hängt beides so zusammen: Wenn Gott selber die Quelle des Lebens ist, dann schöpft er aus sich selber die Lebenskraft, den Atem, die Seele für alle Lebewesen. Aus seinem eigenen, ewig fließenden Leben nimmt er eine große Portion Liebe heraus, um uns Menschen zu erschaffen. Wir sind also einfach dadurch, dass wir leben, mit Gott verbunden; und wenn wir uns bewusst machen, dass Gott uns lieb hat, dann können wir mit großem Gott- und Selbstvertrauen durchs Leben gehen.

Das zweite Bild im Taufspruch für … und … ist das Bild des Lichts. Ein Licht möchten wir vor allem dann sehen, wenn es in unserem Leben dunkel ist. Solche Zeiten gibt es immer wieder einmal, wenn wir uns Sorgen machen oder Angst haben oder traurig sind. Es ist schlimm, wenn in das Leben mancher Menschen dann überhaupt kein Lichtschein irgendeiner Hoffnung fällt, als gäbe es nicht einmal ein kleines Fünkchen Liebe in der Welt. Aber Gott selbst ist die Liebe; wir können zwar nicht ihn selbst sehen, aber wir können seine Liebe wahrnehmen, überall dort, wo Menschen für uns da sind oder wo wir für ein Kind in Liebe sorgen. Und wenn wir nicht mehr genau wissen, wie Gottes Liebe aussieht, dann können wir zum Beispiel die Geschichten von Jesus anschauen; denn Jesus ist die Liebe Gottes in Fleisch und Blut; was er gesagt und getan hat, zeigt uns deutlich, wie liebevoll Gott für uns alle da ist. In der Liebe, die Gott für uns und unsere Kinder übrig hat, können wir also das Licht sehen, das den Lebensweg unserer Kinder strahlend hell beleuchtet und mit Freude erfüllt.

Einen anderen Taufspruch hat … bekommen, Psalm 91, 11-12:

[Gott] hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen.

Gestern ist … zwei Jahre alt geworden, und damit ist sie bereits ein Persönchen, das auf ihre Selbständigkeit großen Wert legt. „Selber“ ist eins ihrer Lieblingswörter, und sie besteht auf dem Selbermachen auch dann, wenn sie etwas doch noch nicht ganz alleine kann. Für die Eltern ist es wichtig zu erkennen, wie viel man ihr schon zutrauen kann und wie viel Hilfe sie braucht. Der Taufspruch drückt etwas Ähnliches aus: Wir wünschen uns für unsere Kinder, dass Engel sie behüten und auf Händen tragen, aber das bedeutet nicht, dass unsere Kinder verwöhnt werden und keine eigene Verantwortung tragen sollen. Im Gegenteil: Gottes Engel leiten und behüten uns in der Regel, indem sie uns Gottes Botschaften ausrichten und uns darauf aufmerksam machen, was gut für unser Leben ist, nämlich dass wir unser Leben dankbar aus Gottes Hand schöpfen und im Vertrauen auf das Licht seiner Liebe führen.

Unser Vertrauen auf Gott sprechen wir nun aus mit den Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Und nun, liebe Gemeinde, kommt noch einmal etwas zum Nachdenken. Kurz und knapp möchte ich predigen über einige Verse aus dem heutigen Predigttext. Sie stehen in 1. Petrus 5, 5-7:

5 Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

6 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.

7 Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

Liebe Gemeinde! Das klingt nicht gerade einladend. Ich will nicht gedemütigt werden. Was soll das heißen: „demütigt euch unter die gewaltige Hand Gottes!“? Haben wir vor Gott nichts zu melden, dürfen wir keine Wünsche haben, müssen wir uns vor ihm erniedrigen?

Aber das meint die Bibel gerade nicht. Wir verstehen unter Demut meistens, dass man sich klein macht, nicht so wichtig nimmt, sich immer zurückstellt und unauffällig benimmt. Und gedemütigt werden verbinden wir mit einer tiefgreifenden Ablehnung unserer Person; wer uns demütigt, der zieht uns in den Schmutz, der bewirft uns mit Dreck, der stellt uns bloß, so dass wir uns absolut wertlos fühlen.

Und genau das ist in der Bibel nicht gemeint. Die Bibel stellt die Demut dem Wort Hochmut gegenüber. Ein hochmütiger Mensch ist einer, der es nötig hat, auf andere herabzusehen. Ein demütiger Mensch nimmt sich und andere so an, wie sie sind, voller Respekt und Wertschätzung. In Demut traut man sich und anderen Gutes zu.

Es gibt einen kleinen Psalm in der Bibel, den Psalm 131, 1-2,der spricht sehr schön von der Haltung der Demut:

HERR, mein Herz ist nicht [hochmütig], und meine Augen sind nicht stolz. Ich gehe nicht um mit großen Dingen, die mir zu wunderbar sind. Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

In diesem Psalm wird Demut verglichen mit der Haltung eines Kindes, das sich bei seiner Mutter geborgen fühlt. Es weiß einfach: Ich brauche die Mutter, ich kann ohne sie nicht leben. Ich muss noch nicht erwachsen sein, ich muss noch nicht alles allein können. Ich darf schwach sein, ich darf Bedürfnisse und Wünsche haben, ich darf mir Zeit lassen, groß zu werden.

Von dieser Haltung können auch wir Erwachsenen lernen: Wir müssen nicht immer alles im Griff haben – denn es gibt Gott, der uns in seiner Hand festhält, was auch immer geschieht. Wir sind zwar verantwortlich für das, was wir tun und lassen, aber wir müssen nicht immer alles allein schaffen, wir können uns auch Hilfe suchen, wir dürfen auch einmal schwach sein und uns jemandem anvertrauen.

Natürlich ist es auch ein gutes Gefühl, auf niemandem angewiesen zu sein. Schon kleine Kinder probieren das aus, zum Beispiel die kleine …, die alles erst einmal „selber“ machen will. Auch Erwachsene sind gern stolz auf sich selbst.

Problematisch wird das erst, wenn man daraus ein absolutes Programm macht: Mir hilft sowieso keiner, also können mich die andern mal! Ich komme allein zurecht, sollen die andern auch allein sehen, wo sie bleiben. Sicher kann man auf Grund von Enttäuschungen zu einer solchen Lebenshaltung kommen, aber unser Bibeltext und auch die Taufsprüche unserer Taufmädchen möchten uns aus einer solchen negativen Weltanschauung heraushelfen.

Macht es euch nicht schwerer als nötig, sagt unser Bibeltext. Klar, wir brechen unter großen Belastungen manchmal fast zusammen. Aber manchmal darf man alle Sorgen einfach auf Gott werfen; er wird damit fertig, wenn wir im Gebet unseren seelischen Müll bei ihm loswerden. Stellt euch doch vor: Gott ist so gewaltig groß, der bricht nicht zusammen, wenn ihr euch ihm anvertraut mit euren Problemen, so groß sie auch sind.

Und das Gute ist: Gott ist zwar allmächtig und stark, aber er ist kein Brutalo. Und er schaut auch nicht einfach cool auf die Erde herunter und denkt: Ist mir doch egal, was die da unten anstellen, wie sie sich das Leben zur Hölle machen oder in ihr eigenes Unglück rennen. Nein, Gott ist selber Mensch geworden in Jesus Christus und interessiert sich für uns alle, für jedes kleine Kind, für jeden Konfi, für jeden Erwachsenen. Und vor diesem Gott demütig zu sein, heißt wirklich nicht, seine Selbstachtung zu verlieren, sondern gerade eine echte Selbstachtung zu gewinnen. Gott hat nichts dagegen, dass wir stolz sind. Nur sollten wir Stolz nicht mit Hochmut verwechseln.

Ich denke an ein Kind, die Eltern haben es lieb, sie helfen ihm, sie trauen ihm etwas zu. Sie überfordern es nicht, aber sie verlangen auch etwas von ihm. Sie lassen es Dinge tun – und sie helfen auch, wo das Kind es alleine noch nicht schafft. Und wenn das Kind Fortschritte macht, wenn es etwas geschafft hat, dann sagen die Eltern: Toll, was du kannst! Und das Kind kann stolz auf sich sein. Auch wenn es noch nicht alles kann. Auch wenn es immer wieder Hilfe braucht.

Und dann denke ich an ein anderes Kind. Es spürt wenig davon, dass die Eltern es lieb haben. Die Eltern nehmen sich viel zu wenig Zeit für das Kind. Es lernt insgeheim, auf die Großen Rücksicht zu nehmen, darf nicht zu viel verlangen, sonst wird es überhaupt nicht beachtet oder sogar bestraft. Um überhaupt durchs Leben zu kommen, muss es schon früh lernen, allein zurechtzukommen. Es muss ja stark sein, und irgendwie ist es auch stolz darauf. Aber diese Art Stolz fühlt sich nicht so schön an wie der andere. Es ist ein einsamer Stolz. Ein Stolz, der nur Kraft kostet und keine Fehler und keine Schwächen erlaubt.

Diese Art Stolz verträgt sich nicht mit Demut, weil alles zusammenbricht, wenn man merkt, dass man nicht alles allein schafft. Wer diese Art Stolz gelernt hat, muss mit aller Macht gegen jedes Anzeichen von Schwäche ankämpfen, denn schwach zu sein oder zu erscheinen, wäre eine Demütigung.

Die erste Art Stolz verträgt sich aber gut mit Demut. Ich kann etwas, aber ich muss nicht alles können. Manches schaffe ich allein, aber ich muss nicht alles allein schaffen. Ich kann stolz auf eine Leistung sein, aber ich bin nicht nur etwas wert durch meine Leistungen. Schon vorher, bevor ich irgend etwas leisten und schaffen kann, habe ich ein Recht, da zu sein, zu leben, glücklich zu sein. Warum? Weil Gott mich gewollt, geplant, geschaffen hat, weil Gott mich lieb hat und nie aufhört, mich zu lieben.

Demut ist also ein anderes Wort für das Vertrauen zu Gott. Demütig sind wir, wenn wir das für uns selber annehmen können: Gott hat mich lieb! Und hochmütig wären wir, wenn wir sagen würden: Ich brauche Gottes Liebe nicht, ich bin alleine immer stark genug.

„Demütigt euch unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.“ Vielleicht können wir diesem Satz doch einen guten Sinn abgewinnen. Die Hand Gottes mag uns gewaltig erscheinen, wie für ein kleines Kind die Hände der Erwachsenen gewaltig groß und manchmal sogar bedrohlich sind. Aber Gott ist kein Gott, vor dem wir Angst haben und fliehen müssen; vielmehr können wir zu ihm fliehen und Zuflucht finden in seinen starken Armen, denn er liebt uns gerade so, wie wir sind.

Vor ihm müssen wir uns nicht verstecken und verstellen, und mögen wir uns auch schämen vor ihm und uns unendlich klein vorkommen in seinen Händen – er will uns trotzdem nicht niedermachen, will uns nicht kleinhalten, sondern er will uns „erhöhen zu seiner Zeit“. Er macht uns groß und stark und stolz auf das, was wir vollbringen, in der Verantwortung vor ihm und in der Liebe und Fürsorge für die Menschen, die uns anvertraut sind. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 621: Ins Wasser fällt ein Stein

Barmherziger Gott, gib uns Kraft, für die Menschen da zu sein, die uns anvertraut sind, zum Beispiel für Kinder, die Halt und Liebe brauchen, die sich anlehnen und an uns reiben, die unsere Nerven und unsere Kraft manchmal bis auf Äußerste beanspruchen. Insbesondere beten wir heute für unsere Taufkinder und ihre Familien; behüte sie und mach sie stark auf ihrem Weg im Vertrauen auf dich; lass sie Selbstachtung gewinnen, so dass sie in Liebe auch für andere da sein können.

Starker Gott, wir bitten dich um Liebe für alle, die verlassen sind, um Vergebung für alle, die versagt haben, um Hoffnung für alle Verzweifelten, die keinen Ausweg aus ihrer Lage sehen, um Mut für die Ängstlichen, um Trost für die Traurigen.

Besonders beten wir heute für drei Gemeindemitglieder, die gestorben sind und die wir kirchlich bestattet haben: … . Nimm sie gnädig auf in deinem Himmel und lass sie in deiner ewigen Liebe Ruhe und Frieden finden. Für ihre Angehörigen, die zurückbleiben, bitten wir dich: begleite sie in ihrer Trauer, lass sie dankbar zurückblicken und getröstet ihren weiteren Weg durchs Leben gehen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss hören wir vom Gaudete-Quartett aus dem Lied 325 die Strophen 1 und 10:

1. Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut er’s mit mir mein‘. Ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herze regt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

10. Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe find’t, ei so heb ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind, bitte, wollst mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht hier in meinem ganzen Leben, bis ich dich nach dieser Zeit lob und lieb in Ewigkeit.

Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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