„Es war Ja in ihm!“

Sagt Gott in Jesus wirklich Ja zu jedem Menschen? Die einzigen Menschen, bei denen Gottes Vergebung an Grenzen stößt, sind diejenigen, die Vergebung überhaupt nicht wollen. Die halten sich entweder für zu gut oder wollen gar nicht gut sein. Ich bin ja böse, ich kann mich eh nicht ändern, also ist es egal, ob ich mich bemühe oder nicht.

Lauter Zettel mit dem Wort "JA" darauf und ein großes "JA" in der Mitte

Wer sagt bedingungslos Ja zu uns? (Grafik: pixabay.com)

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am 2. Advent, 4. Dezember 2011, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zum Abendmahlsgottesdienst am 2. Advent in der Pauluskirche mit dem Wort zur kommenden Woche aus dem Evangelium nach Lukas 21, 28:

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!

Die Adventszeit ist eine Zeit der Vorfreude, vor allem für die kleinen Kinder, die mit Spannung auf Weihnachten und das Christkind warten. Vielleicht kann ein Adventsgottesdienst mit den Kerzen am Adventskranz, den Gebeten und Liedern auch uns Erwachsenen ein wenig Vorfreude bereiten. In der Predigt werden wir darüber nachdenken, wie viel Grund zur Freude wir Christen haben – trotz aller schlechten und gemischten Gefühle.

Wir singen aus dem Lied 9 die Strophen 1 und 4 bis 6:

1. Nun jauchzet, all ihr Frommen, zu dieser Gnadenzeit, weil unser Heil ist kommen, der Herr der Herrlichkeit, zwar ohne stolze Pracht, doch mächtig, zu verheeren und gänzlich zu zerstören des Teufels Reich und Macht.

4. Ihr Mächtigen auf Erden, nehmt diesen König an, wollt ihr beraten werden und gehn die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet, des Höchsten Zorn euch rührt.

5. Ihr Armen und Elenden zu dieser bösen Zeit, die ihr an allen Enden müsst haben Angst und Leid, seid dennoch wohlgemut, lasst eure Lieder klingen, dem König Lob zu singen, der ist eu’r höchstes Gut.

6. Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit und all eu’r Klag und Weinen verwandeln ganz in Freud. Er ist’s, der helfen kann; halt‘ eure Lampen fertig und seid stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir sind versammelt im Adventsgottesdienst, in einer Feier des Wartens auf Gott.

Die einen unter uns sind in adventlicher Stimmung und freuen sich auf einen feierlichen Gottesdienst. Andere fühlen sich vielleicht nicht weihnachtlich und sind einfach so in diesem Gottesdienst, vielleicht öffnet Gott ja gerade ihnen das Herz. Und manche mögen sich fragen, wie sie das alles noch schaffen sollen, was zu erledigen ist bis Weihnachten. Hier im Gottesdienst dürfen sie heute eine ruhige Stunde erwarten.

Wir alle sind hier und jetzt deine Gemeinde, großer Gott, in deinem Namen versammelt.

Kommt, lasst uns anbeten! Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Wo wir schon fast nicht mehr sehen, wie böse es zugeht an vielen Stellen unserer Welt, nicht nur in der Ferne, auch ganz in unserer Nähe, da kommt einer, Gottes Sohn, der wirklich Gutes mit uns vorhat. Wo manch einer nicht einmal mehr spürt oder zu zeigen wagt, wie schlecht es ihm selber geht, da kommt dieser eine, das lebendige Wort von Gott, der ihm zuhört und neuen Mut schenkt.

Mein Gott, unser Gott, wir können niemandem ins Herz blicken, nicht dem, der nach außen cool wirkt und sich innen drin unsicher fühlt, nicht dem, der seine Mitmenschen mit seinen Problemen nicht belasten will. Egal, wie es in uns drinnen aussieht, du, Gott, kennst unser Herz und nimmst uns an, wie wir sind, und wir bitten um deine Nähe und Freundlichkeit. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir beten zu Gott mit Worten aus dem Psalm 106:

1 Halleluja! Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

2 Wer kann die großen Taten des Herrn alle erzählen und sein Lob genug verkündigen?

3 Wohl denen, die sich an ihn halten und Gerechtigkeit üben allezeit!

4 Herr, gedenke meiner nach der Liebe zu deinem Volk; suche mich heim mit deiner Hilfe,

5 dass ich meine Lust schaue am Glück deiner Erwählten und mich freuen an der Freude meines Volkes.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott im Himmel, wir sind so verschieden in deiner Gemeinde, so unterschiedlich veranlagt und gestimmt, und doch schließt du uns zusammen zu einer Gemeinde und willst uns Freude schenken. Nicht eine aufgesetzte Heiterkeit, sondern eine Freude von innen heraus, eine Freude, die sich sogar mit unseren Tränen verträgt, die wir nicht mehr unterdrücken müssen, oder einem heimlichen Zorn, von dem du weißt, dass er berechtigt ist. Lass uns fühlen, was wir fühlen, damit unser Fühlen sich auch verwandeln kann zu echter Freude! Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Brief des Paulus an die Philipper 4, 4-7:

4 Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!

5 Eure Güte lasst kundsein allen Menschen! Der Herr ist nahe!

6 Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!

7 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied Nr. 4:

1. Es kommt ein Schiff geladen bis an sein höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.

2 Das Schiff geht still im Triebe, es trägt ein teure Last, das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast.

3 Der Anker haft‘ auf Erden, da ist das Schiff am Land. Das Wort tut Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt.

4 Zu Bethlehem geboren im Stall ein Kindelein, gibt sich für uns verloren; gelobet muss es sein.

5 Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will, muss vorher mit ihm leiden groß Pein und Marter viel.

6 Danach mit ihm auch sterben und geistlich auferstehn, ewigs Leben zu erben, wie an ihm ist geschehn.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Zur Predigt hören wir Worte aus einem Brief des Apostels Paulus, 2. Korinther 1, 18-22:

18 Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist.

19 Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm.

20 Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.

21 Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt

22 und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Liebe Gemeinde, vielleicht kennen Sie das auch: gemischte Gefühle. Ein Durcheinander von Gefühlen, wie ein Eintopf zusammengerührt. Eben noch war man ausgeglichen, dann fühlt man sich aus der Bahn geworfen. Mitten in einer Traurigkeit muss man plötzlich auch einmal wieder lachen. Ein Mensch begegnet mir, und ich schwanke zwischen Zuneigung und Furcht, Abwehr von zu viel Nähe. Ja, manchmal kann man sogar auf einen Menschen, die man sehr liebhat, eine große Wut haben.

Gemischte Gefühle, sie gehören zu unserem Leben einfach dazu. Aber warum fällt es vielen Menschen so schwer, dieses Nebeneinander, Beieinander, Durcheinander von Gefühlen auszuhalten?

Ich glaube, das hat genau mit dem Thema zu tun, das in unserem Predigttext angesprochen wird – mit dem Thema „Ja und Nein“.

Ich verstehe dieses Thema nämlich so: Wir Menschen wünschen uns doch – glaube ich – alle, dass jemand zu uns Ja sagt. Ja, du bist mir recht, ja, du bist OK, ja, ich habe dich lieb, so wie du bist. Das Problem ist nun, dass manche Menschen nicht nur dieses Ja zu hören bekommen. Viele hören außerdem noch ein mehr oder weniger lautes Nein! Ja, ich habe dich lieb, aber nur wenn du brav bist. Ja, du bist OK, solange du nichts Böses tust. Ja, du bist mir recht, solange du nach meiner Pfeife tanzst. Ob man es nun ausspricht oder nicht – immer ist da ein heimliches oder unheimliches Nein zu spüren: Nein, wenn du dich nicht anstrengst, dann bist du nicht in Ordnung. Nein, so wie du bist, bist du nichts wert, du solltest anders sein, warum bist du ein Mädchen, ich hatte mir doch einen Jungen gewünscht, warum bist du so weich und schwächlich, so kannst du es im Leben doch zu nichts bringen.

Wer niemals ein eindeutiges Ja zu seiner eigenen Person gesagt bekommen hat, der schwankt hin und her zwischen diesen Extremen: Ich strenge mich furchtbar an, um anerkannt zu werden – und zugleich zweifle ich: werde ich je so gut sein, dass ich wirklich hundertprozentig anerkannt werde? Werde ich den Maßstäben, die ich in mir selbst ja auch drin habe, jemals ganz genügen können? Ich sehne mich danach, dass endlich jemand ganz einfach Ja zu mir sagt – aber wenn das jemand täte, könnte ich es noch nicht einmal akzeptieren, weil ich selber zu mir nicht Ja sagen kann.

Aber wenn ich selber zu mir nicht Ja sage, dann sind mir auch viele meiner Gefühle verdächtig. Darf ich denn so traurig, so ängstlich, so wütend sein? Darf ich mich so unbändig freuen und im nächsten Augenblick schon wieder betrübt sein? Darf ich anderen mein Leid klagen, wenn ich Schmerzen habe oder mich einfach irgendwie unwohl fühle?

Schwierig ist das vor allem, wenn es um Gefühle geht, die ich gegenüber Menschen empfinde, die mir viel bedeuten. Kann ich z. B. jemandem sagen, dass ich ihn mag? Wird er mich nicht vielleicht missverstehen, mir zu nahe treten, mich vereinnahmen? Oder kann ich jemandem sagen, mit dem ich eigentlich gut auskomme, dass ich mich über ihn ärgere? Wird er mich dann nicht ablehnen, mich zurückstoßen? Und wenn jemand anders auf mich wütend wird – ist dann nicht alles aus zwischen ihm und mir, habe ich diesen Menschen dann nicht endgültig verloren?

In unserem Predigttext begegnen wir nun Menschen, die ganz eindeutig sind in ihrem Ja. „Unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein zugleich“, sagt Paulus, und er erwähnt außer seiner eigenen Person noch Timotheus und Silvanus. Diese drei glauben an Gott und haben von Gott gelernt, Ja zu sagen zu den Menschen – so wie gute Eltern Ja zu ihren Kindern sagen und sie niemals wegstoßen würden. Und woran machen Paulus, Silvanus und Timotheus ihr unerschütterliches Vertrauen auf Gott fest? Sie predigen Jesus Christus, sie erinnern an Jesus Christus, der eindeutig „nicht Ja und Nein“ war, „sondern es war Ja in ihm“. Sie machen mit ihrer Predigt Mut: Verlasst euch auf diesen Menschen Jesus, in dem kein Nein ist, sondern nur das Ja! In diesem einen Mann, der von Gott her auf die Welt kommt, hat nur das Ja zum Menschen Platz, nur die vorbehaltlose, bedingungslose Liebe zu jedem einzelnen Menschen.

Wie viele Leute sind Jesus begegnet, die nur verachtet worden waren, für die es nur das Nein gab von allen Seiten: Nein, du bist nichts wert! Nein, du bist ein böser Mensch! Nein, Gott hat dich gestraft! Nein, du bist ein Sünder!

Und was sagte Jesus zu genau diesen Menschen? Ja, Gott hat auch dich lieb! Ja, deine Sünden sind dir vergeben! Ja, du bist vor Gott einmalig und unverwechselbar und unendlich wichtig! Ja, du bist ein kostbares Menschenkind und ein Kind Gottes dazu!

Erstaunlich ist: Selbst wo jemand Jesus total ablehnt, hört Jesus nicht auf, Ja zu ihm zu sagen. Sogar für die Soldaten, die Jesus gefangennehmen und ans Kreuz nageln, betet er noch zu seinem Vater im Himmel: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Überhaupt kann Jesus sich im Reich der Gefühle offenbar völlig frei bewegen. Er ist mütterlich sanft, als er Kinder zu sich ruft und auf den Arm nimmt. Er fährt seinen Oberjünger Petrus zornig an und nennt ihn „Satan“, als der überhaupt nicht versteht, warum Jesus sich nicht mit Gewalt gegen sein Leiden wehren will. Seiner Mutter Maria hält Jesus einmal ärgerlich entgegen: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?“ Voller Freude feiert Jesus Hochzeiten, mit Genuss schlemmt er bei festlichen Gastmählern. Ebenso weint er Tränen um andere Menschen und um sich selbst, um Freunde und um die Bewohner ganzer Städte, vor Zorn und vor Trauer, vor Angst und vor Schmerzen.

Jesus ist echt, authentisch, in seinen Gefühlen, er kann fühlen, was er fühlt, weil er spürt: Gott selber hat zu ihm hundertprozentig Ja gesagt. Und darum sagt Jesus auch zu diesem Gott ein ebenso eindeutiges Ja. Er muss sich nicht verbiegen und verdrehen, um es Gott recht zu machen, um Gott recht zu sein. Niemand muss das mehr tun. Denn Gott sagt von sich aus Ja zu uns allen, er hat uns alle lieb, so wie wir sind.

Vielleicht möchten Sie jetzt die Frage stellen: Woher will der Pfarrer denn genau wissen, ob das überhaupt stimmt? Sagt Gott in Jesus wirklich Ja zu jedem Menschen? Sagt er wirklich Ja zu mir? Kann es nicht sein, dass es einen Menschen gibt, der so böse ist, dass auch Jesus ihm nicht verzeihen kann?

Ich denke, Gott kann gar nicht anders handeln, weil er so handelt wie ein absolut guter Vater. Der würde auch keins seiner Kinder verstoßen oder im Stich lassen, egal wie sehr er sich daneben benimmt. Die einzigen Menschen, bei denen die Vergebung Gottes an eine Grenze stößt, das sind diejenigen, die eine Vergebung überhaupt nicht wollen. Die halten sich entweder für zu gut oder wollen gar nicht gut sein. Sie haben sich eingerichtet in ihrer scheinbar guten Welt und schauen auf die bösen Menschen herab. Oder sie verschanzen sich in in ihrer Bosheit und denken: es gibt ja eh keine Gerechtigkeit, also wird mich auch keiner drankriegen für das, was ich tue.

Dann gibt es aber auch die, die sich selber für so böse halten, dass sie meinen: Mir kann Gott nicht vergeben! Vielleicht ist das ein Kind gewesen, das nie geliebt wurde. Ihm wurde regelrecht eingeimpft: „Du bist und bleibst böse!“ Wenn es schlecht läuft, wird ein solches Kind erwachsen und richtet sich in einer bösen Welt ein. Ich bin ja böse, ich kann mich eh nicht ändern, also kommt es nicht drauf an, ob ich mich bemühe oder nicht. Das muss nicht einmal böser Wille sein. Da kann eine Angst dahinterstecken: wenn ich ein lieber, ein guter Mensch wäre, bräche mein ganzes Weltbild zusammen, ich wäre vor Enttäuschungen nicht mehr sicher. Manche Menschen halten es auch nicht aus, einmal einen großen Fehler zu machen. Ich denke an den hohen Polizeibeamten, der wegen Trunkenheit mit schwerwiegenden Folgen ein Strafverfahren zu erwarten hatte und sich daraufhin selbst das Leben nahm – ohne daran zu denken, dass er dadurch noch mehr Leid, zum Beispiel für seine Familie, verursacht.

Ich hoffe und bete, dass alle, denen es so oder ähnlich geht, umdenken, umlernen können. Dass sie es auch akzeptieren können: Ich bin von Gott geliebt. Ich darf ein guter Mensch sein, einer, der zwar auch Fehler macht, der auch Schuld auf sich lädt, der aber aufhören kann, Böses zu tun, dem verziehen wird, der neu anfangen kann, jeden Tag. Es gibt keine Schuld, die Gott nicht vergeben kann, es gibt niemanden, der nicht trotz allem neu anfangen kann, wenn er diese Chance denn auch wirklich ergreift und Ja sagt zu dem Ja, das Gott zu ihm sagt!

Was Paulus sagt, kann zwar nicht bewiesen werden, aber wir können fest darauf vertrauen: In Jesus ist kein Nein, sondern nur ein Ja zu jedem Menschen. Unterstützt wird dieses Vertrauen durch all das, was Gott den Menschen immer wieder zugesprochen hat, die Bibel ist voll von solchen Verheißungen Gottes. Und „auf all diese Gottesverheißungen“, so heißt es in unserem Text, „ist in ihm das Ja“ – wer also eine Antwort auf die Frage sucht, ob man sich auf Gottes Wort verlassen kann, wie es in der Bibel steht, der muss immer wieder nachschauen, was da von Jesus geschrieben steht, was man sich von ihm zu erzählen weiß, wie Menschen von ihm in ihrem Innersten angerührt und verwandelt wurden. Jesus, dessen Geburt wir in 20 Tagen feiern, er war nicht nur ein guter Mensch, er war und ist und bleibt in seiner Person das große Ja Gottes zu uns Menschen! Und dazu können wir Ja und Amen sagen, wie es weiter im Text heißt – so soll es sein, dafür ist Gott im Himmel zu loben, dass er dieses menschliche Gesicht trägt, dass er in Jesus zur Welt kommt, in diesem kindlichsten und zugleich erwachsensten aller Menschen.

Der letzte Satz unseres Predigttextes hat es dann noch einmal in sich: „Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.“ Dieser Satz unterstreicht noch einmal ganz dick, was es eigentlich bedeutet, dass Gott durch Jesus Christus Ja zu uns Menschen sagt. Gott sagt Ja zu uns, das heißt: Er macht uns fest. Er salbt uns. Er versiegelt uns. Er gibt ein Unterpfand in unsere Hand.

Bis auf den ersten dieser Sätze klingt das alles aber ziemlich unklar. Er macht uns fest, das können wir noch verstehen. Festigkeit ist etwas, was wir uns wünschen. Wer innerlich fest ist, der hat einen Halt, der braucht nicht alles und jedes unter Kontrolle zu behalten, der braucht seine Gefühle nicht zu verdrängen oder zu betäuben. Er weiß, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Gefühl, das er fühlen darf, z. B. Wut, und bestimmten Handlungen, die er nicht tun darf, z. B. aus Wut jemanden verletzen.

Was bedeuten aber die anderen drei Sätze? Er salbt uns…? Er versiegelt uns…? Er gibt uns als Unterpfand den Geist…?

Die Salbung erinnert an etwas, was die alten Propheten im Volk Israel getan hatten. Sie salbten jemanden zum König oder zum Priester oder zum Propheten, das heißt, sie übertrugen jemandem eine Aufgabe von Gott selbst. Wenn Jesus uns salbt, dann meint das: Er hat etwas mit uns vor. Er gibt uns eine Aufgabe. Manchmal weiß ich selber nicht, was Gott wohl noch mit mir vorhat. Das liegt nicht immer auf der Hand. Es gibt Menschen, die lange warten müssen, bis sie erkennen, wozu Gott sie braucht. Aber eins ist sicher: kein Mensch muss in Sinnlosigkeit versinken. Gott will, dass jeder Mensch ein erfülltes Leben hat – ganz gleich, ob diese Erfüllung in einer großen Aufgabe besteht, die in der Öffentlichkeit sichtbar ist, oder in unscheinbaren kleinen Dingen.

Außerdem versiegelt Gott uns. Ich verstehe das so, dass er uns Schutz gibt. Es gibt etwas an uns und in uns, das soll niemand gegen unseren Willen anrühren. Niemand soll uns zu nahe treten dürfen. Selbst Gott achtet unsere Menschenwürde; er manipuliert uns nicht, er zwingt uns nicht, er setzt uns nicht unter Druck. Nein, er vertraut ganz auf unser Vertrauen. Er lädt uns ein, an ihn zu glauben, und verzichtet völlig auf äußere Macht. Nirgends sehen wir das deutlicher als an Weihnachten. Gott wird ein Kind.

Wie gesagt, einen Beweis für all das gibt es nicht. Aber es gibt ein „Unterpfand“, so nennt es Paulus, es gibt schon etwas, an dem wir uns sozusagen festhalten können. Aber paradoxerweise ist dieses Etwas nichts Äußerliches, sondern etwas Geistiges, Unsichtbares, scheinbar Ungreifbares: nämlich der heilige Geist. Mit diesem Wort umschreiben die Menschen immer den Vorgang, wenn sich Gott selber sozusagen den Menschen in die Hände gibt. Durch den Geist Gottes ist das Kind, das Maria empfängt, ein göttliches Kind. Durch den Geist Gottes sind wir angerührt, wenn wir anfangen, auf Jesus zu vertrauen. Der Geist Gottes weht überall da, wo Menschen Zuversicht und Mut gewinnen, statt in Verzweiflung zu versinken. Dass Gott Ja zu uns sagt – wir können es nicht unter unsere Kontrolle kriegen, aber wir können dessen gewiss werden – durch Vertrauen, durch ein Geschenk Gottes. Und wenn wir diese Gewissheit erfahren: Gott sagt Ja zu mir, uneingeschränkt, einfach so, ich bin sein Kind – dann wird es Weihnachten auch bei uns. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen aus dem Adventslied 11 die Strophen 4 bis 8 – es ist ein Gebet zu Jesus, dessen Geist bei uns ist, auch wenn wir uns nicht gut fühlen, er richtet uns auf und macht uns Mut zu neuen Schritten in unserem Leben:

4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, das sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut.

5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast.

6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr; seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.

7. Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht. Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewut.

8. Auch dürft ihr nicht erschrecken vor eurer Sünden Schuld; nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zu Trost und wahrem Heil, schafft, dass bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Teil.

Nun feiern wir das heilige Abendmahl miteinander. Wer teilnehmen will, kommt gleich in den Abendmahlskreis, die anderen bleiben auf ihrem Platz sitzen und gehören auch so zu unserer Gemeinschaft dazu.

Herr Jesus Christus, wir erwarten dein Kommen: dein Kommen zur Geburt in diese Welt, dein Kommen hinein in die Höhen und Tiefen unseres Lebens, dein Kommen am Ende unserer Welt und am Ende unserer Zeit. Im Abendmahl kommst du zu uns leibhaftig: im Brot, das wir essen, im Kelch, den wir trinken, in der Gemeinschaft, zu der du uns zusammenschließt. Komm in unsere Herzen und in unsere Gemeinde und lass das Licht deiner Liebe bei und in uns leuchten. In der Stille breiten wir vor dir aus, was uns belastet, was in uns und unter uns dunkel ist, damit wir Trost und Vergebung empfangen.

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Liebe und Vergebung zu euch kommen und unter euch ankommen lassen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, mit offenem Herzen auf dich zu warten, dreieiniger Gott. Du stehst uns gegenüber als unser Schöpfer, du bist in uns mit der Kraft deines Geistes, du sendest deinen Sohn Jesus Christus, um uns zu erlösen. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Jesus kommt und lebt Gottes Liebe in der Welt. Wir empfangen Jesu Leib, und Gottes Liebe lebt in uns.

Herumreichen des Korbs

Jesus erleidet die Folgen unserer Sünde, stirbt durch sie am Kreuz, doch seine Liebe stirbt nicht. Nehmt hin den Kelch der Versöhnung zwischen Gott und Mensch und des Friedens unter den Menschen.

Austeilen der Kelche

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Geht hin im Frieden. Amen.

Lasst uns beten.

Gott im Himmel, wir beten für die im Dunkeln in unserer Welt, dass sie dein Licht erfahren: Vertrauen finden, Hoffnung nicht aufgeben, Liebe lernen. Wir beten für Menschen, die nicht an dich glauben, dass du trotzdem Wege findest, sie deine Liebe erfahren zu lassen. Wir beten für die Christenheit und insbesondere für uns selbst: schenke uns den Geist der Weihnacht, einen kindlichen Geist der Vorfreude, mit dem wir erfassen, dass du Gott, uns im Kind begegnen willst.

Lass uns ernstnehmen, dass du Ja zu uns sagst, dass du all unsere Gefühle aushältst, selbst unseren Zorn auf dich, und hilf uns, dass wir uns selber aushalten mit dem, was in uns ist. Bevor wir ernsthaft bitten um Freude und Glück, lass uns bedenken: Es ist viel wert, wenn wir überhaupt fühlen und unser Fühlen aushalten können: die Traurigkeiten unseres Lebens, alles, was uns Angst macht, auch Wut und Hass und so viele gemischte Gefühle. Und dann lass uns einen Schritt weitergehen: Wie wäre es, wenn sich unter gemischte Gefühle auch ein wenig Vertrauen mischt, etwas Hoffnung, neue Zuversicht, ein bisschen Hoffnung, Getröstetsein, Geliebtsein? In dieser Weise lass in uns Vorfreude wachsen, lass es Weihnachten werden bei uns. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir heute ganz persönlich auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen das Lied 13:

1. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!

2. Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk! Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh! Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!

3. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!

Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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