Gott in unserer Seele – wie in einem Tempel

Jesus weint über die Stadt Jerusalem.

Spüren wir in uns Gottes Liebe? Oder halten wir uns für unfähig und wertlos? Ist unsere Seele ein Platz für belastende innere Kämpfe? Aus dem Tempel, in dem es Liebe als Geschenk gibt, wird ein Kaufhaus, wo man Liebe zu kaufen versucht, oder eine Räuberhöhle, in der man sich vom Leben etwas erzwingen will.

Die Klagemauer in Jerusalem

Die Klagemauer in Jerusalem – nichts sonst ist vom Tempel übrig geblieben (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 10. Sonntag nach Trinitatis, den 3. August 1997, um 9.00 Uhr in der Kapelle der Rheinhessen-Fachklinik Alzey

Herzlich willkommen im Abendmahlsgottesdienst in unserer Klinik-Kapelle! Das Thema der heutigen Predigt wird sein: Schlechte Nachrichten – und wie man damit umgehen kann. Wir werden hören, wie Jesus weint und klagt über Menschen, die in ihr eigenes Unglück rennen, die aus dem Haus Gottes eine Räuberhöhle machen, die nicht auf Gottes Liebe vertrauen.

Diese Klage soll uns aber nicht das Herz schwer machen, sondern wir werden sehen: Klagen können auch das Herz erleichtern. Alle Klagen können wir ja vor Gott ausbreiten und ihn darum bitten, dass er uns wieder neuen Glauben schenkt.

Glaubenslied 351, 1-3:

Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?

Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm’s auch ohne Scheu, dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut; das machet, dass ich finde das ewge, wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten dem Psalm 33:

12 Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist!

13 Der HERR schaut vom Himmel und sieht alle Menschenkinder.

15 Er lenkt ihnen allen das Herz, er gibt acht auf alle ihre Werke.

16 Einem König hilft nicht seine große Macht; ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft.

17 Rosse helfen auch nicht; da wäre man betrogen; und ihre große Stärke errettet nicht.

18 Siehe, des HERRN Auge achtet auf alle, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen,

19 dass er sie errette vom Tode und sie am Leben erhalte in Hungersnot.

20 Unsre Seele harrt auf den HERRN; er ist uns Hilfe und Schild.

21 Denn unser Herz freut sich seiner, und wir trauen auf seinen heiligen Namen.

22 Deine Güte, HERR, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, manchmal möchten wir Augen und Ohren verschließen vor schlechten Nachrichten, die uns erreichen. Manchmal können wir kaum glauben, dass Du es trotz allem gut mit uns meinst. Mach unsere Augen auf, dass wir auch das Gute sehen, was Du uns schenkst. Mach unsere Ohren auf, dass wir auch die gute Botschaft hören, die Botschaft von Deiner Liebe. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Brief des Paulus an die Römer 8, 35-39. Paulus fragt sich dort:

35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?

37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied 428, 1-2+5-6: Komm in unsre stolze Welt
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir einen Text aus dem Evangelium nach Lukas 19, 41-48:

41 Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie

42 und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen.

43 Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen,

44 und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist.

45 Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler auszutreiben,

46 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus sein«; ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht.

Liebe Gemeinde, wir hören viele schlechte Nachrichten in diesen Tagen. Menschen verüben einen grausamen Selbstmordanschlag in Jerusalem. Eine Jahrhundertflut überschwemmt das Gebiet an der Oder, und auch in Amerika gibt es Hochwasser. In Südfrankreich bedroht ein Waldbrand die Hafenstadt Marseille.

Das ist weit weg von uns. Aber auch ganz in unserer Nähe hören wir schlechte Nachrichten: Wenn eine Krankheit sich nicht bessert; wenn jemand aus seiner Schwermut nicht herausfindet. „Ich bin wieder am Ende“, erzählt mir z. B. eine frühere Patientin der Klinik, die ich zufällig treffe, „jeden Tag denke ich: am liebsten würde ich jetzt wieder anfangen zu saufen, und am Abend bin ich überrascht, dass ich es doch noch mal ohne Alkohol geschafft habe.“ – „Aber das ist doch wenigstens etwas“, sage ich, „das ist doch etwas Gutes, wenn Sie es von Tag zu Tag schaffen, nicht zu trinken.“ – „Aber wozu das alles“, fragt sie, „ich sehe alles schwarz in schwarz. Ich finde keine Wohnung, meine Arbeitsstelle habe ich verloren, mit meiner Tochter habe ich Schwierigkeiten. Ich weiß nicht mehr weiter.“

Und nun hören wir auch noch eine schlechte Nachricht in unserem Bibeltext, eine Nachricht aus der Vergangenheit, aus dem ersten Jahrhundert nach der Geburt Christi. Eine Stadt wird zerstört, die heilige Stadt der Juden, Jerusalem, die Stadt, die auch heute immer noch nicht zum Frieden gefunden hat. Erst im Jahr 70 ist das passiert, etwa 40 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung; doch Jesus sieht bereits kurz vor seinem Tod kommen, was mit Jerusalem geschehen wird:

43 Es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen,

44 und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir.

Schlechte Nachrichten im Fernsehen, in der Zeitung, schlechte Nachrichten, die uns persönlich gesagt werden oder die wir selber erzählen – und jetzt noch schlechte Nachrichten in der Bibel! Manchmal erdrückt uns das alles. Wir wollen gar nicht mehr hinhören, hinschauen. Wir schalten lieber ab, das Fernsehen, die Nachrichten; wir überblättern die ersten Seiten in der Zeitung. Und manchmal ertragen wir es auch nicht mehr, wenn uns jemand sein persönliches Leid klagt. Abschalten, nur nicht hinhören, wir halten es nicht aus!

Doch was ist, wenn wir selbst betroffen sind? Wenn wir selbst eine Enttäuschung erlitten haben? Wenn wir mitfühlen mit dem Schmerz eines Menschen, der uns nahesteht? Können wir dann auch unsere Gefühle so abschalten wie einen Fernseher oder ein Radio? Viele tun es, viele versuchen, ihre Angst, ihre Traurigkeit, ihren Zorn und was auch immer sie fühlen, einfach wegzudrängen. Was soll man auch anderes tun, wenn niemand da ist, der einen versteht, wenn man nirgendwo sein Herz ausschütten kann?

Aber Gefühle kann man nicht einfach ausschalten. Vielleicht merkt man sie nicht mehr. Aber sie bleiben da. Ungeweinte Tränen können Leib und Seele krank machen. Heruntergeschluckte Gefühle bleiben schwer im Magen liegen oder lasten hart auf Herz und Gemüt.

Doch nun schauen wir einmal genau auf unseren Bibeltext. Dieser Text bringt ja nicht nur eine schlechte Nachricht. Sondern er berichtet auch, wie Jesus mit dieser schlechten Nachricht umgeht. Jesus ist nicht einfach ein nüchterner Nachrichtensprecher, der die nackten Tatsachen vom Blatt abliest. Nein, Jesus tut hier etwas, was ich noch bei keinem Nachrichtensprecher erlebt habe:

41 Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie.

Jesus lässt sich das Schicksal der Stadt nahegehen. Er sieht auch genau hin. Und da kann er nicht anders: er bricht in Tränen aus. Er weint über die Stadt, über das, was mit ihr geschehen wird. Er schämt sich seiner Tränen nicht. Er versucht nicht, sie zurückzuhalten. Er denkt auch nicht: das nützt ja nichts. Er weint. Ein Mann weint über eine Stadt. Er weint, weil er traurig ist, weil die Stadt, die er liebt, kaputt gehen wird. Er weint aber auch aus Zorn, weil er sieht, dass die Bewohner dieser Stadt sich nichts sagen lassen. Sie rennen blindlings in ihr eigenes Unglück. Jesus klagt:

42 Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen.

Das klingt so, als ob Jesus sich machtlos fühlt. Er hat Liebe und Frieden gepredigt. Aber die Masse der Menschen hört nicht auf ihn. Jesus sieht, wie die Menschen in der Stadt immer noch auf Geld und Gewalt vertrauen. Es geht um Macht, nicht um Liebe und Vertrauen und Menschlichkeit. Hier sind die Römer, die das Land besetzt halten, da sind die Priester und Schriftgelehrten, die in religiösen Fragen bestimmen wollen, und dort ist das arme Volk, das von den einen ausgebeutet und von den anderen aufgehetzt wird. Im Jahr 70 wird es einen Aufstand von jüdischen Befreiungskämpfern geben, sie wollen den Römern ihre Macht nehmen; aber das schaffen sie nicht, der Machtkampf führt zum Untergang der Stadt Jerusalem für viele hundert Jahre.

Wie ist das mit diesem Jesus? Die große Masse der Leute hört nicht auf ihn, Jesus spürt das im voraus, er wird es ja auch selber am eigenen Leib und Leben spüren, man wird ihn kreuzigen, wird ihn beseitigen wollen aus dieser Menschengesellschaft. Er scheint machtlos gegenüber denen, die von Liebe und Frieden nichts wissen wollen. Er kann sie nicht umkrempeln, sie nicht zum Frieden zwingen, wenn sie sich nicht anrühren lassen, sich nicht ändern wollen.

Und doch liegt eine Stärke darin, dass er in diesem Augenblick trotzdem dieser Stadt nahe ist, dass er trotzdem hinsieht, und dass er fühlt, was er fühlt. Seine Tränen sind nicht Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Er ist stark genug, zu ertragen, was er fühlt. Stark sein heißt nicht immer, etwas zu tun, auch wenn man gar nichts tun kann. Stark sein heißt auch nicht immer, sich zusammenzureißen und sich von dem, was man fühlt, nichts anmerken zu lassen. Jesus ist, gerade weil er zu seiner Machtlosigkeit steht, ein starker, ein gefühlsstarker Mann.

Lied 430: Gib Frieden, Herr, gib Frieden

Nachdem Jesus geklagt hat, liebe Gemeinde, handelt er auch. Er tut etwas. Alles zu seiner Zeit.

45 Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler auszutreiben.

Diese Geschichte kennen wir. Lukas erwähnt sie hier nur ganz kurz. Anscheinend liegt das Unglück der Stadt für Jesus hier begründet: Wenn Händler im Tempel sind, wenn mit der Religion Geschäfte gemacht werden, wenn man Gott in den Griff bekommen will, das kann nicht gut gehen. Kurz und bündig macht Jesus klar, worum es ihm geht:

46 Er sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus sein«; ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht.

Was hat es genutzt? könnten wir fragen. Jesus ist einige Tage später trotzdem gefangengenommen und getötet worden – gerade weil er solche Dinge gesagt und getan hat. Die Dinge beim Namen nennen, Gefühle zeigen, sich gegen die Geschäftemacher stellen – das war allzu ungewohnt für die Leute. Einen Mann, der in dieser Art stark ist wie Jesus, konnten viele Menschen nicht ertragen.

Können wir etwas mit ihm anfangen?

Auch für die meisten Menschen heute ist es noch ungewöhnlich, wenn man zu seinen Gefühlen steht, wenn man eingesteht, dass man manchmal machtlos ist, wenn man zugibt, dass man viele der erträumten Ziele nicht erreichen kann. Und doch wäre eine solche Haltung heilsam, wenn man bedenkt, wie viel Unglück dadurch entsteht, dass man Gefühle unterdrückt, dass man mit dem Kopf durch die Wand will, dass man sich unerreichbare Ziele setzt.

Ich stelle mir vor, dass Jesus auch uns heute nahe sein will. Und ich denke, dass man das, was Lukas über die Stadt Jerusalem schreibt, vielleicht auch von einzelnen Menschen sagen könnte. Was wäre, wenn Jesus auch über uns weinen müsste?

41 Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie

42 und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen.

Wie traurig ist es, wenn ein Mensch nicht erkennt, worin er Frieden finden kann! Wie traurig ist es, wenn er nicht spüren kann, dass Gott es gut mit ihm meint!

Und wenn ein Mensch in diesem Glauben verhaftet ist: Niemand meint es gut mit mir! Es kann mit mir nicht mehr gut werden! dann mag er sich irgendwann auch so fühlen wie die Stadt, die Jesus beschreibt:

43 Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen,

44 und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir…

Mancher Patient glaubt sich bedrängt von allen Seiten, und fühlt sich hin- und hergeworfen und innerlich zerrissen.

Genau hinhören sollten wir aber auf die Begründung, warum die schöne Stadt zerstört wird. Nämlich…

…weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist.

„Heimgesucht“ – was bedeutet dieses Wort? Heimsuchungen kennen auch wir Menschen. Schicksalsschläge nennen wir sie auch, schmerzhafte Erfahrungen, die uns gar nicht gefallen. In dem Wort „Heimsuchung“ steht aber auch das Wort „Heimat“. Was uns weh tut im Leben, das kann auch ein Anlass für uns sein, unsere Heimat wiederzufinden, zu schauen, was wirklich den Sinn unseres Lebens ausmacht. Jesus ist davon überzeugt: Der Vater im Himmel sucht uns heim, er will uns Heimat schenken, will uns zeigen: wir sind nicht alleingelassen und verloren in dieser Welt; man kann sich geborgen fühlen in dieser Welt, wir sind Gottes geliebte Menschen.

Ich möchte das noch einmal mit einem Bild ausdrücken. So wie in der Stadt Jerusalem der Tempel stand, ein Ort, wo man Gott nahe sein wollte, so kann auch unsere Seele ein kleiner Tempel für Gott werden. Wenn wir in uns selbst Gottes Liebe spüren, dann wohnt ein Stück von Gott in unserer Seele, wie in einem Tempel.

Es fällt vielen so schwer, das zu glauben. Woran liegt das? Warum können wir so schwer darauf vertrauen, dass Gott wirklich das Gute für uns will, dass er immer bei uns ist, auch in Krankheit und Verzweiflung? Es liegt sicher daran, dass manche von uns so oft schlechte Erfahrungen gemacht haben, dass sie nur noch schwarz sehen. Sie vertrauen auf niemanden mehr, damit sie niemand mehr enttäuschen kann. Und manche halten sogar sich selbst für unfähig und wertlos.

Was ist dann mit unserer Seele, die ein kleiner Tempel für Gott sein könnte? Dann lassen wir nicht mehr Gott in unserer Seele wohnen, sondern sie ist ein Platz für viele innere Kämpfe, die uns belasten. Wir kämpfen verzweifelt um Liebe, versuchen uns, Anerkennung zu verdienen, uns Zuwendung zu erpressen. Aus dem Tempel, in dem man Liebe als Geschenk erfährt, wird ein Kaufhaus, in dem man Liebe zu kaufen versucht, oder gar eine Räuberhöhle, in der man sich vom Leben etwas erzwingen will.

Der Tempel in Jerusalem sollte kein Kaufhaus, keine Räuberhöhle sein, sondern ein Bethaus, ein Haus, um Gott zu begegnen.

45 Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler auszutreiben.

Vielleicht können wir ihn das auch bei uns machen lassen. Dann wird auch unsere Seele frei für Gott, dann wird sie eine Stelle, an der wir in unserem Innern Gott begegnen. Wir können tief in uns drin spüren: Gott hat mich lieb! Er hat mit mir etwas vor! Wenn er mich begleitet, dann hat mein Leben einen Sinn! Sinnvoll wird das Leben nur durch Liebe, die man erfährt, die man an sich heranlässt. Sinnvoll bleibt das Leben auch dann, wenn man hin und wieder enttäuscht wird. Dann fühlt man Schmerz und Traurigkeit, vielleicht auch Zorn oder Angst vor neuen Enttäuschungen, aber man spürt auch immer wieder neuen Mut zum Leben und neue Sehnsucht nach Liebe.

Manche Menschen müssen einen langen Weg gehen, um das zu können. Wenn sie endlich jemandem begegnen, der ihnen zeigt, dass sie nicht alles allein tun müssen, dass sie liebenswert sind, das kann der Durchbruch sein, um innerlich heil zu werden.

So verstanden, enthält unsere Geschichte aus der Bibel nicht nur eine schlechte Nachricht. Sie enthält auch die Botschaft: überseht nicht das Gute in der Welt. Seht nicht nur auf das Schlechte. Schaut darauf, dass Gott euch lieb hat. Dann werdet ihr stark sein, um auch Dinge zu ertragen, die euch nahe gehen. Ihr werdet – wie Jesus – nicht alles ändern können. Aber wo es drauf ankommt, könnt ihr mitfühlen, vielleicht auch beginnen, die Welt etwas anders zu sehen, als ihr es gewohnt wart. Vielleicht könnt ihr damit aufhören, euch manchmal selbst ein Bein zu stellen. Jesus war traurig über Jerusalem; er wollte nicht, dass seine geliebte Stadt in ihr Unglück rennt. Und Jesus will auch, dass wir erkennen, was zu unserem Frieden dient. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 638: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt

Nun feiern wir – wie immer am ersten Sonntag des Monats – das heilige Abendmahl miteinander – mit Brot und Traubensaft. Wer kommen will, mag gleich nach vorn kommen, wer nicht mitmachen will, mag auf seinem Platz bleiben. Nach den Einsetzungsworten singen wir das Lied 190.2.

Christus spricht (Johannes 6, 35.37.47):

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben!

Gott, schenke uns mit deinem Abendmahl die Gewissheit, dass du uns liebhast, dass du uns festhältst, dass du uns niemals allein lassen wirst. Stärke uns für die Wege, die wir vor uns haben. Amen.

Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.

Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.

Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen Frieden. Amen.

Der Friede des Herrn sei mit euch allen! Kommt, wer kommen will, denn es ist alles bereit; schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist.

Austeilung des Abendmahls

Und nun lasst uns beten.

Wir sagen Dank für Brot und Wein, für unsern gestillten Hunger und unsere gestillte Sehnsucht, für Nähe und Geborgenheit, für Liebe und Vertrauen, für Verständnis und Vergebung von Gott und unter uns Menschen. Wir breiten unsere Klagen vor dir aus, Gott, alle die schlechten Nachrichten aus unserer Welt und aus unserem Leben. Dir vertrauen wir die Menschen an, die so verirrt sind und sich bekämpfen in Kriegen und Bürgerkriegen. Dir vertrauen wir die Menschen an, die von Dir weglaufen und auf niemanden vertrauen wollen. Dir vertrauen wir uns selbst an, die wir uns sehnen nach Liebe und Geborgenheit. Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser
Lied 369, 1+5+7:

1) Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

5) Denk nicht in deiner Drangsalshitze, dass du von Gott verlassen seist und dass ihm der im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist. Die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel.

7) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.