Ein Leben in stiller, ruhiger Beständigkeit

Trauerfeier für eine Frau, die ein Leben in stiller, ruhiger Beständigkeit geführt hat. Ich denke an Psalmen und andere Worte der Bibel, die von einer solchen Ruhe und Stille getragen sind.

Ein Leben in stiller, ruhiger Beständigkeit: Blick in hintereinander liegende eindrucksvolle Berge im Dunst und Abendlicht

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ (Bild: Free-Photos – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau P., die im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Ein langes Leben hat sie geführt, nun ist es zu Ende gegangen. Wir erinnern uns an ihr Leben und begleiten einander in der Trauer. Wir besinnen uns dabei auf Gott, von dem unser Leben herkommt und zu dem es im Tode zurückkehrt. Zu diesem Gott beten wir mit Worten aus dem Psalm 121:

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Liebe Trauergemeinde!

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“, so beginnt der Psalm 121. Die Berge waren es, die Frau P. geliebt hat, dorthin wollte sie immer wieder in den Urlaub fahren. Nur einmal gab es ausnahmsweise einmal eine Reise an die See, aber dann zog es sie doch wieder in die Berge, wo sich für sie offenbar eine Sehnsucht erfüllte.

In der Bibel sind es die Berge, von denen oder auf denen die Menschen besondere Offenbarungen Gottes erwarten und manchmal sogar erfahren. Mag sein, dass man sich dort Gott näher fühlt; oder man kann da oben Alltagsdinge leichter zurücklassen, empfindet die Last des Lebens als nicht so drückend.

Mose stieg auf den Berg Sinai, um die Gebote Gottes für das Volk Israel zu empfangen, Jesus hielt seine berühmte Bergpredigt, um die Gebote des barmherzigen Vaters für alle Menschen neu auszulegen; was da von oben herab zu den Menschen kommt, ist aber nicht die niederdrückende Botschaft eines harten, strafenden Gottes, sondern die barmherzige Wegweisung eines Gottes, der die Liebe ist. Seine Gebote führen in die Freiheit, sein Gesetz ist erfüllt, wo man Liebe übt.

Im Namen dieses Gottes sind wir hier versammelt, auch heute dürfen wir unsere Augen aufheben zu den Bergen, von denen unsere Hilfe kommt, aufheben zu dem Gott, in dessen Liebe wir geborgen sind und bleiben im Leben und Sterben und auch in unserem Tod.

Im Vertrauen auf diesen Gott betrachten wir das Leben der Verstorbenen.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Es gab keine besonderen Höhen oder Tiefen in diesem Leben, aber eine stille, ruhige Beständigkeit über viele Jahrzehnte hin. Als ich darüber nachdachte, fiel mir ein ganz kurzer Psalm der Bibel ein, der nur aus drei Versen besteht, der Psalm 131:

1 HERR, mein Herz ist nicht hoffärtig, und meine Augen sind nicht stolz. Ich gehe nicht um mit großen Dingen, die mir zu wunderbar sind.

2 Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

3 Israel, hoffe auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

„Meine Seele ist still und ruhig“, so heißt es in diesem Psalm, so ein Gefühl hatte ich im Blick auf Ihre Mutter nach dem, was Sie mir von ihr erzählt haben. Ein ruhiges Leben in der Stille kann ein Segen sein; da wächst manches Gute, da werden Kinder in sanfter und vielleicht doch eindrücklicher Weise geprägt, da erinnert man sich vielleicht erst im Lauf der Zeit an die vielen kleinen Erlebnisse, in denen man gemerkt hat, wie man einander verbunden war und geblieben ist.

Es gibt sicher viele Begegnungen, die Ihnen heute in den Sinn kommen; wenn die Mutter stirbt, werden einem die Prägungen bewusst, die sie in den Kindern hinterlassen hat; und nach den vielen Jahren, die das Ehepaar gemeinsam durchlebt hat, ist es schwer, die Ehefrau nun loslassen zu müssen.

Wenn in dem Psalm die Stille und Ruhe der Seele verglichen wird mit der Ruhe und Stille eines kleinen Kindes, dann erinnert mich das an das Wort Jesu (Markus 10, 15):

Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Er meint damit das Vertrauen des Kindes, das auf Hilfe und Schutz angewiesen ist und davon überzeugt ist, in dem, was es braucht, nicht enttäuscht zu werden. So stehen wir alle vor Gott da; das Entscheidende, nämlich die Liebe, die uns trägt und unser Leben erfüllt, bekommen wir von ihm geschenkt, und das einzige, was Gott wirklich von uns verlangt, ist etwas ganz Einfaches, das trotzdem vielen Menschen so schwer fällt: nämlich diese Liebe in unserem Leben an andere weiterzugeben.

Still wird es um manche Menschen auch, wenn ihre Kräfte nachlassen, körperlich und geistig, man lebt ein sehr zurückgezogenes Leben, Erinnerungen an früher bleiben vielleicht noch länger lebendig, aber was gegenwärtig ist, hinterlässt kaum noch bleibende Eindrücke. Im Vertrauen auf den Psalm, den wir gehört haben, dürfen wir auch annehmen, dass eine solche Stille in der Seele nicht einfach eine unausgefüllte Leere ist, sondern dass der Gott, der uns „tröstet, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jesaja 66, 13), uns mit seiner Liebe nahe ist und bleibt und dass er uns besser kennt, als wir uns selber kennen.

Und am Ende, wenn wir sterben, können wir davon ausgehen, dass das andere Psalmgebet wahr wird (Psalm 73, 24):

Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Wir dürfen gewiss sein, dass sie in ihrem Tode nicht verlorengeht. So können wir Frau P. getrost loslassen und sie der Liebe Gottes anvertrauen. Amen.

Großer Gott, wir bitten dich für Frau P.: Ein langes, ruhiges, erfülltes Leben hat sie hier auf Erden geführt, nimm sie nun gnädig auf in deinem ewigen Frieden, vollende ihr Leben in einem Himmel, den wir uns nicht vorstellen können. Was sie an Liebe erfahren hat und was sie an Liebe geben konnte, dafür sind wir dankbar; heute lassen wir sie los im Vertrauen auf dich, du Gott der Liebe.

Begleite und bewahre uns in allem, was wir denken und empfinden, heute und in den Tagen, die kommen. Höre auch auf unsere stummen Gebete und stärke uns in unserer Trauer und, wenn wir nicht mehr weiter wissen, mit deinem Trost. Mach uns bewusst, wie kostbar das Geschenk unseres Lebens ist, und wie viel Liebe du uns gibst, damit wir sie untereinander reichlich weiterverschenken. Amen.

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