Diese Welt ist noch zu retten!

Die Weihnachtsgeschichte nach dem Johannesevangelium.

Der Predigttext besteht aus sechs Versen, drei Verse handeln vom Sohn und drei Verse vom Licht. Die Predigt wird auch drei Teile haben, dazwischen hören wir jeweils einen Abschnitt aus der Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Ich schließe mit einer kleinen Geschichte von einem Zündholz und einer Kerze.

Altarfensterbild und Weihnachtsbaum der Pauluskirche 2010

Der Weihnachtsbaum neben dem Altarfensterbild in der Pauluskirche an Heiligabend 2010

direkt-predigtGottesdienst an Heiligabend, Freitag, 24. Dezember 2010, 18.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Abend, liebe Gemeinde!

In der Christ-Vesper besinnen wir uns auf das Geheimnis der Heiligen Nacht, wie es geschrieben steht im Evangelium nach Johannes 1, 14:

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.

Zuerst singen wir aus dem Lied 42 die Strophen 1 bis 4 und 6:

1. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, sein werd in aller Welt gedacht; ihn preise, was durch Jesus Christ im Himmel und auf Erden ist.

2. Die Völker haben dein geharrt, bis dass die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn.

3. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermisst, dass Gottes Lieb unendlich ist.

4. Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil.

6. Du unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir feiern Weihnachten, ein eigenartiges Fest. Auf der einen Seite ist Weihnachten beliebt wie kein anderes unserer Feste. Schon Wochen vorher sind Wohnungen, Straßen und Innenstädte in Vorfreude auf Weihnachten geschmückt wie sonst nie. Das Fest der Familie und des Friedens, der Lichter und der Geschenke wird sogar von Menschen gefeiert, die keine Christen sind. Chinesen feiern es ebenso stimmungsvoll wie mein iranischer Physiotherapeut. Und doch: Ohne Jesus Christus gäbe es Weihnachten nicht. Seine Geburt feiern wir heute; Gott wird Mensch in einem Kind!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Weihnachten ist auch das Fest, an dem vielen Menschen ihre Einsamkeit besonders zum Bewusstsein kommt. Wer keine Familie hat, wer im Unfrieden mit seinen Angehörigen lebt, wer sich nicht im Licht des Erfolgs sieht, sondern als gescheiterte Existenz betrachtet, der empfindet ein Fest der Familie und des Friedens eher als Hohn und zieht sich zurück, manche verzweifeln am Leben. Doch die wahre christliche Weihnachtsbotschaft richtet sich gerade an Menschen, die nicht in einer heilen Welt leben, die nicht im Rampenlicht stehen. Wie in jedem Jahr werden wir heute vom armen Landvolk der Hirten auf den Feldern Bethlehems hören, wie in ihre trostlose Welt von oben ein Licht hineinleuchtet. Für alle, die in dieser Nacht ohne Trost und Hoffnung sind, rufen wir zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Gott ist allmächtig, indem er barmherzig ist. Er will nicht geehrt werden, indem man sich vor ihm klein und schlecht macht. Er macht schwache Menschen stark, richtet Niedergedrückte auf, mutet uns zu, Verantwortung zu übernehmen. Gottes Ehre in der Höhe besteht darin, dass er uns auf Erden Frieden bringt. Davon lasst uns mit den Engeln von Bethlehem Gott lobsingen!

„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.“

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Großer Gott, die Botschaft vom Christfest ist mehr als idyllische Folklore. Mach uns bewusst, wer das Kind in der Krippe ist, zu welchem Mann das Jesuskind heranwächst. Du selbst erfüllst diesen Mann vollkommen mit deinem Geist der Liebe und des Friedens. Er ist kein zweiter Gott, sondern er verkörpert dein göttliches Wort, deine einzigartige Herrlichkeit und Ehre, indem er Mensch ist, so wie du den Menschen erschaffen und gewollt hast: wahrer Mensch nach deinem Ebenbild. Wir freuen uns und sind dankbar, dass du so für uns Menschen da bist und auch uns verwandeln willst, dass wir Menschen nach deinem Ebenbild werden, im Vertrauen auf Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören das Weihnachtsevangelium nach Johannes 3, 16-21, das auch der Predigttext für diesen Gottesdienst ist. Jesus selbst stellt dort dar, warum er von Gott in die Welt gesandt wurde:

16 Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.

21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir bekennen am Heiligen Abend das Geheimnis unseres christlichen Glaubens mit den Worten des Bekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel. Es steht im Gesangbuch unter der Nr. 805:

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein. Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Wir singen aus dem Lied 39 die Verse 1 bis 3 und 6 bis 7:

1. Kommt und lasst uns Christus ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren; singet fröhlich, lasst euch hören, wertes Volk der Christenheit.

2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.

3. Sehet, was hat Gott gegeben: seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud.

6. O du hochgesegnete Stunde, da wir das von Herzensgrunde glauben und mit unserm Munde danken dir, o Jesulein.

7. Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle dich der Engel Heer erhöht.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, vielleicht haben Sie eben in der Eingangsliturgie die vertraute Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium vermisst. Die wollen wir Ihnen auch heute nicht vorenthalten. Wir lassen sie im Laufe der Predigt zu Wort kommen, denn ich möchte sie im Zusammenhang mit dem heutigen Predigttext aus dem Johannesevangelium betrachten; beide sollen sich gegenseitig auslegen. Mal sehen, ob das gelingt.

Als Jesus damals die Worte sagt, die wir eben gehört haben, ist es draußen auch dunkel, genau wie jetzt. Der Pharisäer Nikodemus ist zu Jesus gekommen, heimlich, mitten in der Nacht. Er will sich aus erster Hand informieren, ob man Jesus als religiöse Autorität ernstnehmen muss oder ob er nur ein Spinner ist. Jesus sagt ihm eine ganze Menge. Und am Ende redet er von sich selber und spricht vom Sohn Gottes und vom Licht. Damit passen diese Worte in die Weihnachtsnacht, in der der Sohn geboren wurde und in der wir Lichter anzünden, um die Botschaft vom Licht zu verkünden, das in die Welt gekommen ist.

Der Predigttext besteht aus sechs Versen, drei Verse handeln vom Sohn und drei Verse vom Licht. Die Predigt wird auch drei Teile haben, in jedem lege ich einen der Verse vom Sohn und einen der Verse vom Licht aus, und dazwischen hören wir jeweils einen Abschnitt aus der Weihnachtsgeschichte nach Lukas.

Beginnen wir mit dem ersten Vers vom Sohn Gottes (Johannes 3):

16 Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Dieser Vers setzt voraus, dass die Welt nicht heil ist. Man kann in ihr durchaus verloren gehen. Sei es, dass Menschen verhungern oder ohne Chance auf ein erfülltes Arbeitsleben sind. Sei es, dass Menschen zwar im Luxus leben, aber seelisch verwahrlosen, weil sie kein Mitgefühl mehr kennen. In eine solche Welt hinein gibt Gott seinen eingeborenen, seinen einzigen Sohn.

In der Geschichte Israels hatte Gott schon einmal einen einzigen Sohn gegeben; auf ihn hatte Abraham sein Leben lang gewartet. Erschütternd war dann die Geschichte, wie Abraham diesen einzigen Sohn Gott zum Opfer darbringen sollte, doch in letzter Sekunde schenkte Gott ihm den Sohn zurück.

Was geschieht nun hier: Wieder gibt Gott einen einzigen Sohn, und er gibt ihn nicht nur, er gibt ihn hin in eine Welt, die ihn nicht gut behandeln wird. Zwar tötet ihn nicht der Vater selbst, aber der Vater bewahrt ihn auch nicht davor, den Machenschaften von Machtmenschen zum Opfer zu fallen. Das ist nicht nur die Botschaft des Karfreitags, das steckt schon drin in der Weihnachtsbotschaft. Eine Frohe Botschaft ist es trotzdem: Denn die Welt, in der Jesus getötet werden wird, bleibt nicht unberührt und unverändert durch diesen Sohn, der von Gott her in sie hineingeboren wird. Wer auf ihn vertraut, geht nicht verloren, bekommt ewiges, unzerstörbares Leben, das mit Trost und Frieden, Mut und Zuversicht bereits hier auf Erden beginnt, und das nicht einmal in unserem Sterben aufhört.

Im ersten Teil der Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2 hören wir, unter welchen Umständen der Sohn Gottes zur Welt kommt und welchen Platz er in dieser Welt unter den gegebenen Machtverhältnissen findet:

1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,

5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Liebe Gemeinde, in wie vielen Krippenspielen ist das schon nachgespielt worden, wie es für die schwangere Maria und ihren Mann keinen Platz im Gasthaus gab. Selten machen wir uns klar, dass diese Situation für viele Menschen auf dieser Erde alltäglich ist: Nicht willkommen sein, keine Arbeit oder Ausbildungsstelle finden, fliehen müssen oder vertrieben werden, als Kind von den Eltern immer nur zu hören: Ich habe jetzt keine Zeit! Lukas erzählt vom Sohn Gottes genau diese alltägliche Geschichte: Er spürt vom Anfang seines Lebens an, wie es ist, auf dieser Erde nicht bei allen Mitmenschen willkommen zu sein.

Darum benutzt Jesus im Johannesevangelium auch recht harte Worte, um über sein Kommen in die Welt zu sprechen (Johannes 3):

19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

Was Luther mit „Gericht“ übersetzt, heißt im griechischen Original „krisis“, das bedeutet wörtlich „Entscheidung“. Wo Gott zur Welt kommt, gerät diese Welt in eine Krise. Dieser Mensch Jesus leuchtet wie ein Licht in einer Welt, in der viel Böses geschieht, das nicht ans Licht kommen soll. Und wir sind gefragt, ob wir Kinder dieses Lichts sein wollen oder ob wir uns so sehr an die dunklen Seiten dieser Welt gewöhnt haben, dass wir meinen, nichts dagegen tun zu können.

Wir singen aus dem Lied 51 die Strophen 1 bis 4:
Also liebt Gott die arge Welt, dass er ihr seinen Sohn und Held, den einzigen, gegeben

Liebe Gemeinde, dass die Geburt Jesu die Welt in eine Krise stürzt, sieht man schon in der Weihnachtsgeschichte nach Matthäus an der Reaktion des Königs Herodes. Er sieht seine Macht durch dieses Königskind gefährdet. Ebenso später die Hohenpriester und der römische Statthalter Pilatus. Sie denken, dass Jesus die bestehende Gesellschaftsordnung in Gefahr bringt, ja, dass er die Welt in Aufruhr und Chaos stürzt.

Hören wir vor diesem Hintergrund den zweiten Vers vom Sohn Gottes (Johannes 3):

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Dieser Vers ist ein Wort gegen Weltflucht und Weltverneinung. Jesus hat nichts gegen diese Welt an sich. Er hat etwas gegen eine Weltordnung, die eigentlich eine Weltunordnung ist.

Diese Welt ist von Gott sehr gut geschaffen, und darum will Jesus sie von dem befreien, was auf ihr in Unordnung ist: Habgier und Gewalttat, Ausbeutung von Mensch und Natur, Untreue und Egoismus.

Vor all dem ist diese Welt durchaus zu retten, wenn wir anfangen, an die Möglichkeit von Gerechtigkeit und Frieden zu glauben, wenn wir uns der Liebe Gottes in unserem eigenen Leben öffnen.

Hören wir dazu den zweiten Teil der Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2:

8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Dieser Mittelteil der Weihnachtsgeschichte sagt deutlich, wie die Welt zu retten ist. Sie ist zu retten, indem die Hungerleider und Machtlosen dieser Welt ins Blickfeld geraten und Mut zugesprochen bekommen. Alles Volk hat Grund zur Freude, weil einer geboren ist, dem die kleinen Leute wichtig sind. Er ist ein Retter, aber man kann ihn leicht übersehen; er liegt als Wickelkind in einer Futterkrippe. Die Welt wird versuchen, ihn auszuschalten und über ihn hinweg zur Tagesordnung überzugehen. Doch diese Geschichte bietet nicht nur einen Engel, sondern die gesamten himmlischen Heerscharen auf, um die Bedeutung Jesu zu unterstreichen: Gott ist kein Liebhaber eines einsamen Luxuslebens für sich im Himmel, seine ganze Liebe gilt den Menschen, er setzt seine Ehre darein, uns Menschen ein Leben im Frieden zu ermöglichen. Und dieser Friede beginnt mit Jesus Christus.

Skeptisch, wie viele moderne Menschen sind, könnten wir uns fragen: Ist diese Botschaft wirklich Grund genug zur Freude? Ein Kind in Windeln soll stark genug sein, um die Welt zu retten? Ein pazifistischer Dorfprediger und Heiler wie Jesus soll sich gegen die Terroristen und Militärdiktaturen dieser Welt durchsetzen?

Im Johannesevangelium ist deutlich: Jesus selber weiß sehr genau, dass sein Leben bedroht ist. Aber das liegt nicht daran, dass er völlig machtlos wäre. Im Gegenteil, wer Böses tut, fühlt sich viel mehr vom Licht bedroht als umgekehrt. Wir hören den zweiten Satz, den Jesus über das Licht sagt (Johannes 39:

20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.

Dabei denke ich auch an das Gleichnis vom Weltgericht im Matthäusevangelium. Da sagt Jesus einigen: Ihr habt mir nichts zu essen gegeben, ihr habt mich nicht besucht, ihr habt mich im Stich gelassen, als ich in Not war. Sie fragen ihn: Wie, wann, wo war das? Wenn du uns brauchen würdest, dann würden wir dir auf jeden Fall helfen! Und Jesus sagt ihnen: Wenn ihr die bedürftigen Menschen dieser Welt nicht beachtet, dann habt ihr auch kein Herz für mich. Diese Wahrheit wird offenbar, wenn Menschen zu Jesus kommen. Und wer diese Wahrheit an sich heranlässt, der wird wissen, was zu tun ist.

Wir singen das Lied 48:

1. Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun, kommet, das liebliche Kindlein zu schaun, Christus, der Herr, ist heute geboren, den Gott zum Heiland euch hat erkoren. Fürchtet euch nicht!

2. Lasset uns sehen in Bethlehems Stall, was uns verheißen der himmlische Schall; was wir dort finden, lasset uns künden, lasset uns preisen in frommen Weisen. Halleluja!

3. Wahrlich, die Engel verkündigen heut Bethlehems Hirtenvolk gar große Freud: Nun soll es werden Friede auf Erden, den Menschen allen ein Wohlgefallen. Ehre sei Gott!

Auch den dritten Vers vom Sohn Gottes aus Johannes 3 hören wir noch einmal:

18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

Wie ist dieser Vers gemeint? Man kann ihn leicht missverstehen, als ob hier der Absolutheitsanspruch des Christentums gegenüber allen anderen Religionen behauptet würde. Ich kenne Christen, die sehen das so: Nur wer an den Sohn Gottes Jesus Christus glaubt, wird gerettet, alle anderen sind verloren, kommen in die Hölle! Aber das passt nicht zu Jesus, nicht zur Weihnachtsgeschichte, das ist hier gar nicht das Thema.

Im Johannesevangelium und im Lukasevangelium stehen nicht verschiedene Religionen zur Debatte, zwischen denen man sich entscheiden muss, sondern es geht um die Frage: Ist diese Welt zu retten oder gehen wir alle mit der Welt, so wie sie ist, zugrunde? Wer kein Vertrauen auf eine Rettung hat, ist schon gerichtet, hat sich schon aufgegeben, ist verloren. Wer aber vertraut, der hat keine Verdammung zu befürchten, der darf sich freuen.

Wichtig ist, dass hier vom „Namen“ des einzigen Sohnes Gottes die Rede ist. Bereits im Alten Testament hatte Gott einen bestimmten Namen, und dieser Name wurde dem Mose in seiner Bedeutung offenbart, als er das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei befreien sollte. Mose fragt Gott: In wessen Namen soll ich das denn tun? Was für ein Gott gibt mir einen solchen Auftrag? Und Gott antwortet, indem er seinen Namen nennt: „Ich bin, der ich bin“, „Ich bin für euch da.“ Dieser Name ist kein Eigenname wie die Namen der Götter anderer Völker, die dazu da waren, die Herrschaft von Königen und oberen Schichten über ihre Untertanen zu untermauern. Der Name des biblischen Gottes steht für den entgegengesetzten Weg, den dieser Gott mit seinem Volk geht: „Ich führe euch in die Freiheit, heraus aus der Sklaverei, hinein in das gelobte Land, in dem sich alle, vom König bis zum einfachen Schafhirten an die gleichen guten Gebote Gottes halten müssen.“

Als Maria und Josef angekündigt bekommen, dass ihr Kind der „Sohn des Höchsten“ sein werde, da bekommen sie auch einen Namen für diesen Sohn offenbart, er soll Jesus heißen, das heißt: auf Deutsch „Retter“, „Befreier“, „Helfer.“ Damit bekommt Jesus von Gott seinen eigenen Namen übertragen; durch Jesus sollen über Israel hinaus alle Menschen Befreiung, Rettung und Hilfe erfahren. Wer auf diesen Namen vertraut, der lebt schon jetzt im Reich Gottes, unter dem Einfluss von Gottes guten Geboten; wer aber von diesem befreienden Namen nichts wissen will, bleibt in den tödlichen Ordnungen dieser Welt stecken.

Die entscheidende Weihnachtsfrage ist also, ob wir auf Jesus vertrauen wollen, ob wir uns einlassen wollen auf seine Botschaft, dass die Welt zu retten ist. Wenn wir das wollen, führen wir unser Leben anders, als wenn wir denken: diese Welt geht sowieso den Bach runter, und es ist völlig egal, was ich tue oder lasse. Hören wir, wie die Hirten und die Eltern Jesu in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2 auf die Botschaft der Engel reagieren:

15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Die Hirten sehen das Kind in den Windeln, sie lassen sich überzeugen, dass Gott hier wirklich Geschichte gemacht hat, dass hier die Rettung der Welt beginnt.

Und nach dem Sehen verbreiten sie das Wort, das ihnen die Engel gesagt haben. Es ist ein mächtiges Wort, denn es versetzt viele in Verwunderung, es bewegt das Herz Marias, es lässt die Hirten selbst vor Freude jubeln und Gott loben.

Die Hirten rufen keine Revolution aus. Sie gründen keine Partei, nicht mal einen Hilfsverein. Sie sehen und hören, sie sagen weiter, was sie gehört und gesehen haben, sie loben Gott.

Und mit all dem ändert sich ihre Einstellung zum Leben, sie wissen, es lohnt sich zu leben, Gutes zu tun, sich an die Gebote des guten Gottes zu halten, kleine Schritte des Friedens zu tun. Jesus im Johannesevangelium sagt das so:

21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Interessant ist hier, dass Jesus gar nicht voraussetzt, dass man nur dann in der Wahrheit leben und Gutes tun kann, wenn man vorher an Jesus glaubt. Offenbar gibt es auch Menschen, egal welcher Religion, die die Wahrheit tun, und wenn die ins Licht treten und dem Menschensohn gegenüber stehen, so wie im Gleichnis vom Weltgericht, dann wird offenbar, dass sie, ohne Jesus bewusst anzuerkennen, trotzdem im Sinne und im Namen Gottes gehandelt, dass sie den geringsten Schwestern und Brüdern Jesu Barmherzigkeit erwiesen haben.

Ich schließe mit einer kleinen Geschichte, die ich gestern als Weihnachtsgruß von einem sehr lieben Menschen zugeschickt bekam. Da unterhalten sich ein Zündholz und eine Kerze, und dieses Gespräch macht sehr schön deutlich, was es heißt, zu dem Licht zu kommen, das mit Jesus zu uns in die Welt gekommen ist, um die Welt durch uns zu ändern:

Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: „Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.“

„Oh nein“, erschrak die Kerze, „nur das nicht. Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt. Niemand mehr wird meine Schönheit bewundern.“

Das Zündholz fragte: „Aber willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?“

„Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften“, flüstert die Kerze unsicher und voller Angst.

Eine Kerze wird mit einem Zündholz angezündet

Eine Kerze wird angezündet (Foto: pixabay.com)

„Es ist wahr“, entgegnete das Zündholz. „Aber das ist doch das Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann, ist wenig. Zünde ich dich nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, Feuer zu entfachen. Du bist eine Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weitertragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben…“.

Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: „Ich bitte dich, zünde mich an…“.

Auch wir können mit unserem Licht die Welt ein bisschen wärmer, heller und liebevoller gestalten. Zünden wir einander an… Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 40:

1. Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit, und dieses Welt- und Himmelslicht weicht hunderttausend Sonnen nicht.

2. Lass dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gnadenschein; der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein; er treibet weg der Höllen Macht, der Sünden und des Kreuzes Nacht.

3. In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit; wenn Sonne, Mond und Stern vergehen, vielleicht noch in gar kurzer Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles sein.

4. Lass nur indessen helle scheinen dein Glaubens- und dein Liebeslicht; mit Gott musst du es treulich meinen, sonst hilft dir diese Sonne nicht; willst du genießen diesen Schein, so darfst du nicht mehr dunkel sein.

5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne, bestrahle mich mit deiner Gunst; dein Licht sei meine Weihnachtswonne und lehre mich die Weihnachtskunst, wie ich im Lichte wandeln soll und sei des Weihnachtsglanzes voll.

Lasst uns unsere Fürbitten vor Gott bringen. Jeder einzelne Bitte schließt mit den Worten: „Gott, lass dein Licht in uns und durch uns leuchten“, und alle gemeinsam sprechen wir dann: „Wir bitten Dich, erhöre uns.“

Gott, in deinem Sohn Jesus Christus bist du Mensch geworden – einer von uns. Als Licht der Welt willst du uns an diesem Weihnachtsfest spürbar nahe sein und unsere Liebe entzünden. So kommen wir zu Dir und bitten Dich in den Anliegen dieser Welt:

Wir beten für alle Menschen auf der Welt, die sich Frieden wünschen. Für Völker und Länder, für Glaubensgemeinschaften und Religionen, für uns selbst und unsere Familien. Gott, lass dein Licht in uns und durch uns leuchten. „Wir bitten Dich, erhöre uns.“

Wir beten für die Kirche, die rund um den Erdkreis das Fest der Geburt Christi feiert. Für die Christen aller Konfessionen und Bekenntnisse, für alle, die zusammenführen, was getrennt ist. Gott, lass dein Licht in uns und durch uns leuchten. „Wir bitten Dich, erhöre uns.“

Wir beten für alle, die in den Gottesdiensten dieser Tage ihr Herz öffnen für das Kind in der Krippe, für die Familien, die Weihnachten zusammen gestalten, für alle, die ihre Freude miteinander teilen. Gott, lass dein Licht in uns und durch uns leuchten. „Wir bitten Dich, erhöre uns.“

Wir denken an alle, die in den weihnachtlichen Tagen zum Wohle anderer arbeiten. Wir beten für die vielen, die auch an Weihnachten allein sind. Für die Bundeswehrsoldaten in kriegerischen Einsätzen und für alle Hilfskräfte in den Krisenregionen der Welt. Gott, lass dein Licht in uns und durch uns leuchten. „Wir bitten Dich, erhöre uns.“

Wir beten für die Menschen, die in diesen Tagen unterwegs sind. Für Familien, die doch nicht zusammenkommen können, und für alle, die unter zu viel Schnee und Eis oder unter Hochwasser leiden. Gott, lass dein Licht in uns und durch uns leuchten. „Wir bitten Dich, erhöre uns.“

Wir beten für Menschen, die das Weihnachtsfest in Trauer feiern müssen. Für alle, denen ein Unglück die Freude zerstört hat. Für alle, denen ein lieber Mensch genommen wurde. Gott, lass dein Licht in uns und durch uns leuchten. „Wir bitten Dich, erhöre uns.“

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir persönlich auf dem Herzen haben.

Stille und Vater unser

Wir singen das Lied 44:

1) O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit!

2) O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Christ ist erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue dich, o Christenheit!

3) O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit!

Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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