Was Gott will: Recht, Liebe, Ehrfurcht!

Was gut ist, muss uns gesagt werden, und es wird uns gesagt. Was gut ist, sagt uns Gott. Was Gott uns nach dem Propheten Micha sagt, lässt sich in drei Stichworten zusammenfassen: Recht, Liebe, Ehrfurcht.

Recht - Liebe- Ehrfurcht: Eine Schultafel voller Pfeile in die unmöglichsten Richtungen

Ist es wirklich so schwer, den Weg zum Guten zu finden? (Bld: geralt – pixabay.com)

#gedankeTurmgebet am Donnerstag, 28. Oktober 2004, 18.00 Uhr im Stadtkirchenturm Gießen

Herzlich willkommen beim Turmgebet im Stadtkirchenturm Gießen!

Wir sind versammelt im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir hören zu Beginn die biblische Tageslese für den heutigen 28. Oktober 2004 aus dem Brief des Paulus 2. Korinther 1, 13-18:

13 Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, wie geschrieben steht (Psalm 116,10): »Ich glaube, darum rede ich«, so glauben wir auch, darum reden wir auch;

14 denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch.

15 Denn es geschieht alles um euretwillen, damit die überschwängliche Gnade durch die Danksagung vieler noch reicher werde zur Ehre Gottes.

16 Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.

17 Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit,

18 uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

Gott, am Ende eines Tages kommen wir zu Dir. Wir klagen Dir, was uns belastet und gefangen hält.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir

Wir klagen darüber, dass viele Menschen nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden können. Wir sind erschüttert, dass viele Eltern ihren Kindern kein gutes Benehmen mehr beibringen und ihnen keine guten Grenzen setzen.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir

Wir klagen darüber, dass alte Werte nicht mehr gelten und dass religiöse Motive vermarktet werden. „Geiz ist geil!“, werden wir in der Werbung angeschrien, und sogar das Gebot „Liebe deinen Nächsten“ sah ich auf einer Reklametafel in Frankfurt, missbraucht als Werbung für den nächsten – Gebrauchtwagen.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir

Wissen die Menschen heute noch, was gut ist? Vielen scheint das egal zu sein. Hauptsache, man lässt sich nicht erwischen oder findet eine gute Ausrede oder kann einen guten Anwalt bezahlen.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir

Gottes Wort hören wir zum Beispiel durch den Mund des Propheten Micha 6, 8 im Wochenspruch für diese Woche:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Ja, es ist uns gesagt, was gut ist. Ja, wir dürfen uns auch an das erinnern, was wir Gutes erfahren haben. An Menschen, die ganz selbstverständlich Gutes tun. An Hilfe, die wir erlebt haben. An das Aufatmen nach großem Stress. An verständnisvolle Worte. An Menschen, die uns gedankt haben.

Wir erinnern uns in der Stille an Gutes, das uns begegnet:

Stille

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! (Psalm 103, 2)

Liebe Turmgemeinde, mein guter Gedanke schließt an das Wort des Propheten Micha an, das wir bereits gehört haben (Micha 6, 8):

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Was gut ist, muss uns gesagt werden, und es wird uns gesagt.

Was gut ist, sagt uns Gott. Was Gott uns nach dem Propheten Micha sagt, lässt sich in drei Stichworten zusammenfassen: Recht, Liebe, Ehrfurcht.

Erstens: Recht. Wir sollen das Rechte tun. Wir kennen die Zehn Gebote, Gott sagt uns, was gut und gerecht ist.

Zweitens: Liebe. Gott will mehr als nur Gesetzestreue. Er wünscht sich, dass wir auf seine Liebe mit unserer Liebe antworten. So wie er uns liebt, so barmherzig sollen wir mit uns und miteinander umgehen.

Drittens: Ehrfurcht. Nicht alles dürfen wir uns erlauben, als wären wir selber Gott. Wenn ich Gott ernstnehme, weiß ich, wie klein ich vor Gott bin, und ich staune darüber, wie gut es dieser große Gott mit mir meint.

Aber wie sagt Gott uns, was gut ist? Ganz einfach. Durch die Bibel. Und dadurch, dass ein Mensch es dem andern weitersagt. Zum Beispiel in der Predigt. Aber auch in der Erziehung von Kindern.

Aber wir leben in einem freien Land. Ist da überhaupt noch eindeutig festgelegt, was gut und böse ist? In einer Demokratie ist immerhin genau geregelt, wer Gesetze beschließt, wer sie ausführt und wer darüber wacht, dass sie auch eingehalten werden – gemeinsam einigt sich eine Gemeinschaft von Menschen über die Unterscheidung von Gut und Böse. Und wenn darüber entschieden ist, muss auch der freieste Bürger sich sagen lassen: Daran hast du dich zu halten, sonst wirst du bestraft.

Ich glaube, die Menschen wissen trotz aller Veränderungen heute wie früher über Recht und Unrecht Bescheid. Früher ließen sich Menschen von Diktatoren wie Hitler verführen, heute wollen viele sich überhaupt nichts mehr sagen lassen. Früher behandelte man uneheliche Mütter und Kinder schlecht, heute finden viele einen Seitensprung in der Ehe fast schon normal. Trotzdem weiß und wusste eigentlich jeder, dass das nicht OK war und ist.

Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist! Das gilt auch heute noch. Die Frage ist, ob wir auch hören wollen, was uns gesagt wird.

Es ist keine Schande für freie Menschen, wenn sie sich von einem, der etwas zu sagen hat, etwas sagen lassen. Wir bleiben frei, gerade dann, wenn wir aus Einsicht einem Gebot „gehorchen“ und nicht nur, weil wir sonst vielleicht erwischt und bestraft werden.

Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist: Halte dich an das, was recht ist. Übe dich in Demut vor Gott und in Liebe gegenüber deinem Nächsten. Amen.

Lied: Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist

Gott, wir beten für die Kranken und Trauernden, dass du ihnen Kraft gibst, zu ertragen, was sie nicht ändern können, und dass sie ihren Lebensmut nicht verlieren.

Gott, wir beten für Politikerinnen und Politiker, dass sie mehr nach Recht und Gerechtigkeit fragen, als sich um persönliche Macht und Intrigen zu kümmern.

Gott, wir beten für unser Land, dass soziale Errungenschaften nicht leichtfertig aufgegeben werden und dass die Menschenwürde von denen, die auf Hilfe angewiesen sind, nicht mit Füßen getreten wird.

Gott, wir beten für unsere Welt, dass sie nicht Spielball ist zwischen den Mächtigen in Wirtschaft und Politik, sondern dass die Gerechtigkeit für die Armen und der Friede zwischen den Völkern eine Chance hat.

Gott, wir bitten dich für uns alle: dass wir uns sagen lassen, was gut ist, und darauf hören. Amen.

Vater unser und Segen
EG 483: Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden

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