Gottes Wort ist der Hammer

Die Mauer, die Deutschland geteilt hatte, ist auf friedliche Weise „zerschmissen“ worden, und auch die Mauer der Apartheid in Südafrika wurde weitgehend ohne Blutvergießen überwunden, weil Menschen wie Nelson Mandela sich im Geist der Bergpredigt gegen die Rassentrennung aufgelehnt hatten. Wenn unser Herz so hart ist wie ein Felsen, dann kann Gottes Wort wie ein Schmiedehammer diese Härte aufbrechen.

Der Chor „Stimme Afrikas“ gestaltete den Taufgottesdienst mit

Der Chor „Stimme Afrikas“ gestaltete den Taufgottesdienst mit

#predigtTaufgottesdienst am 1. Sonntag nach Trinitatis, 10. Juni 2012, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Vorspiel und Einzug der Tauffamilien

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen in der Pauluskirche zu einem Gottesdienst mit dem Thema: „Gottes Wort ist der Hammer!“ Was es mit diesem Thema auf sich hat, wird spätestens in der Predigt klar werden.

Besonders herzlich begrüßen wir heute fünf Kinder aus vier Familien, die wir taufen wollen: …, und wir heißen sie mit ihren Familien und ihren Paten herzlich willkommen!

Der Vater von … hat uns besondere Musik mitgebracht; er ist Mitglied in der „Stimme Afrikas“, die uns zwei Lieder auf Französisch vortragen und zwei Lieder gemeinsam mit uns allen singen wird.

331, 1-3+5:

1. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

2. Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh: »Heilig, heilig, heilig!« zu.

3. Heilig, Herr Gott Zebaoth! Heilig, Herr der Himmelsheere! Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.

5. Dich, Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine. Deinem eingebornen Sohn singt die heilige Gemeinde, und sie ehrt den Heilgen Geist, der uns seinen Trost erweist.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus Psalm 119:

153 Sieh doch mein Elend und errette mich; denn ich vergesse dein Gesetz nicht.

154 Führe meine Sache und erlöse mich; erquicke mich durch dein Wort.

174 HERR, mich verlangt nach deinem Heil, und an deinem Gesetz habe ich Freude.

175 Lass meine Seele leben, dass sie dich lobe, und dein Recht mir helfen.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott im Himmel, großer unsichtbarer und doch starker Begleiter auf unseren Wegen! Du siehst, was wir tun und lassen, und du weißt besser als wir selbst, warum wir oft nicht das tun, was wir sollten und eigentlich wollen und dann doch nicht zustande bringen. Vergib uns, was falsch oder schräg läuft in unserem Leben, und hilf uns, auf deinen geraden Wegen zu gehen. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Mit Psalm 130, 4 beten wir zu dem Gott, der ein Befreier ist, der uns wahre Freiheit schenkt:

4 Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Großer Gott, als barmherziger Vater hast du dich uns durch Jesus Christus offenbart. Wir dürfen auf deine Hilfe hoffen, wir dürfen uns und unsere Kinder dir anvertrauen, wir gehören zu dir in unserem ganzen Leben und auch im Sterben und bis in alle Ewigkeit. In der Taufe setzen wir ein Zeichen für die enge Bindung, die du durch Jesus mit uns allen, auch mit unseren Kindern, eingegangen bist. Lass uns das mit vollem Bewusstsein heute tun, indem wir in der Taufe fünf Kinder deinem Segen anvertrauen. Öffne unsere Ohren und unsere Herzen für dein Wort, das unser Leben prägen und leiten will. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören das Taufevangelium nach Matthäus 28, 16-20:

16 [Als Jesus am Kreuz gestorben war und als nach drei Tagen einige Frauen ihn als Auferstandenen gesehen und seine Stimme gehört hatten, gingen] die elf Jünger … nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Der Chor „Stimme Afrikas“ gestaltete den Taufgottesdienst mit

Der Chor „Stimme Afrikas“ gestaltete den Taufgottesdienst mit

Bevor wir uns der Taufe unserer Kinder zuwenden, singt die „Stimme Afrikas“ das Lied „Comme un enfant“ – das heißt auf Deutsch: „Wie ein Kind“:

„Comme un enfant“

Liebe Tauffamilien, liebe Paten, liebe Gemeinde!

Gott gibt Jesus alle Macht im Himmel und auf Erden. Darum taufen wir Menschen in seinem Namen. Gott verbindet seinen eigenen unaussprechlichen Namen mit dem menschlichen Namen Jesu; was Jesus sagt und tut und erleidet, was Gott mit Jesus macht, wie er ihn leitet, ihn sogar durch seinen schrecklichen Tod hindurch mit seinen Engeln begleitet und vom Tode auferweckt, das alles zeigt uns, wie Gott in seiner Liebe für uns da ist.

In der Theologensprache heißt das: Gottes Wort wird Fleisch für uns; Jesus ist lebendiges Wort zum Anfassen, zum Sehen, zum Hören. Und weil Jesus nicht mehr leiblich unter uns ist, sondern nach seiner Auferstehung genau so unsichtbar wie Gott selbst bei Gott in seinem unvorstellbaren Himmel lebt, vollziehen wir die Taufe nicht nur im Namen des Vaters und des Sohnes, sondern auch des Heiligen Geistes, denn es ist der unsichtbare Geist Jesu und seines Vaters im Himmel, der ganz real bei uns und in uns wirksam ist und uns das Vertrauen auf den Gott schenken will, der in Jesus ein Mensch aus Fleisch und Blut geworden ist.

In der Taufe bezeugen wir, dass dieser dreieinige Gott ganz individuell für jeden einzelnen Menschen da ist und ihn begleitet. Um diese Individualität zu betonen, bitte ich die Eltern eines Kindes immer, einen besonderen Bibelvers auszusuchen, den sie ihrem Kind als Taufspruch auf ihren Lebensweg mitgeben möchten.

Das gilt auch für unsere Zwillinge …, die im nächsten Monat zwei Jahre alt werden. Sie sehen sich sehr ähnlich, sind aber doch zwei unterschiedliche Persönlichkeiten, und darum bekommen sie auch zwei ganz verschiedene Taufsprüche.

Der Spruch für … steht im Psalm 139, 14:

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.

Dieses Wort erinnert daran, dass wir Menschen auf eine Idee Gottes zurückgehen; Gott ist es, der im Lauf der Evolution so wunderbare Wesen wie uns Menschen hervorgebracht hat und jedes einzelne Menschenkind im Mutterleib als ein neues kleines Wunder heranwachsen lässt, bis wir es dann nach seiner Geburt staunend im Arm halten. Sie, liebe Frau … und lieber Herr …, hatten dieses Glück bei der Geburt Ihrer Zwillinge sogar doppelt. Wer sich als wunderbares Geschöpf von Gott annehmen kann, der kann dankbar leben und als lebensfroher Mensch aufwachsen.

Für … haben Sie 1. Korinther 16, 14 ausgesucht:

Alle eure Dinge lasset in der Liebe geschehen!

Dieser Taufspruch ergänzt den Spruch seines Bruders. Da Gott uns aus Liebe wunderbar gemacht hat, und zwar nach seinem eigenen Ebenbild, nach dem Bild seiner Liebe, ist es nur folgerichtig, dass wir uns in unserem Leben an dieser Liebe ausrichten.

Viele Dinge fordern unsere Neugier und unser Handeln heraus, das ist schon bei Kindern so, und wenn wir liebevoll mit Dingen und Menschen umgehen, wird unser Leben im Einklang mit Gott und den anderen Menschen gelingen.

Eng verbunden ist die Familie … mit Ihrer Familie, lieber Herr …, liebe Frau … . Gegenseitig haben Sie die Patenschaft für Ihre Kinder übernommen. Sie haben für Ihren Sohn …, der mit sechs Jahren heute unser ältestes Taufkind ist, einen Spruch aus dem Psalm 91, 11 ausgesucht:

[Gott] hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Fast den gleichen Spruch haben Sie, liebe Frau … und lieber Herr …, für Ihren Sohn … ausgewählt, nur dass Sie noch den folgenden Vers 12 aus Psalm 91 hinzugenommen haben:

Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Dass Gott Engel beauftragt, ein Kind zu umsorgen, erinnert uns daran, wie Gott in unsere Welt eingreift: nicht direkt als Supergott mit Zauberkräften, sondern als Gott einer Liebe, die sich in dieser auf ganz schlichte und manchmal verborgene Weise durchsetzt. Einerseits vertraut Gott ein Kind seinen Eltern, seinen Großeltern, seinen Paten und vielen anderen Menschen bis hin zum Erziehungspersonal in Kindergarten, Schule und Kirche an. Wir alle können unseren Kindern „ein wenig Engel sein“. Andererseits verfügt Gott auch über unsichtbare Engelmächte, die uns über unsere menschlichen Kräfte hinaus umgeben und behüten, so dass wir uns getragen wissen, was auch immer geschieht, und dass uns kein noch so steiniger Weg in unserem Leben stolpern lässt und uns vom geraden Weg Gottes abbringt.

Die kleine … ist heute unser jüngstes Taufkind, erst … Monate alt, und doch hat sie schon viel in ihrem kurzem Leben durchmachen müssen. Sie musste operiert werden, ihre Augen brauchen eine Korrektur, sie ist auf mehr Unterstützung angewiesen als ein Baby es ohnehin schon ist. Welch ein Glück, dass sie so liebevolle und geduldige Eltern hat!

Da Sie sich für Ihre Tochter ganz besonders wünschen, dass Gott ihr Kraft gibt, um auf eigenen Füßen durch ihr Leben zu gehen und es zu bewältigen, haben Sie für … einen Taufspruch aus Jesaja 41, 10 ausgesucht (eigene Übertragung):

Gott spricht: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; hab keine Angst, ich mache dich stark.“

„Fürchte dich nicht!“, ist oft das erste, was Engel einem Menschen sagen, zu dem Gott sie mit einer Botschaft gesandt hat. Mancher Sorge oder Furcht können wir uns erst dann stellen, wenn wir im Kontakt mit Gott spüren, wie sehr uns seine große Liebe trägt. Er macht uns zugleich bewusst, wie klein und zerbrechlich wir Menschen sind, wie sehr wir angewiesen sind auf seinen Halt und seine Wegweisung. Da Gott selbst in Jesus ein Mensch geworden ist, der kein Supermann war, sondern einer, der auch Ängste kannte, können wir es ihm abnehmen, dass er mit uns mitfühlen kann, was wir durchmachen, und dass es keine leeren Worte sind, wenn er uns sagt: „Ich bin mit dir; hab keine Angst, ich mache dich stark.“

Unser Vertrauen auf Gott und Jesus und seinen Heiligen Geist der Liebe bekennen wir mit dem Glaubensbekenntnis, stellvertretend auch für unsere Taufkinder:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Taufkerzen für fünf Kinder

Die Taufkerzen auf dem Altar für fünf Kinder

Lied 408: Meinem Gott gehört die Welt

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde,

„Gottes Wort ist der Hammer“, haben wir am Anfang behauptet. Das hört sich an wie ein gewollt moderner Werbespruch. Hammer-Angebote gibt es dauernd in irgendwelchen Märkten, und damit sind in der Regel gerade nicht buchstäblich die Werkzeuge mit Holzgriff und Eisenkopf gemeint, mit dem sich unerfahrene Heimwerker so leicht selber auf den Daumen hauen. Interessant ist, dass bereits der Prophet Jeremia in der Bibel die Sache mit dem Hammer als Bildwort gebraucht (Jeremia 23, 29):

Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

Gott redet so von seinem eigenen Wort in einem Zusammenhang, in dem er falsche Propheten scharf angreift (Jeremia 23, 16):

Sie betrügen euch, denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN.

Und was ist ihre Botschaft, die nicht von Gott kommt (Jeremia 23, 17)?

Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohlgehen –, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen.

Das ist die größte Gefahr einer Predigt, auch von dieser Kanzel aus, dass man allen Menschen gute Worte von Gott sagen will und dabei vergisst, den Menschen, natürlich einschließlich sich selber, ins Gewissen zu reden. Das ist nämlich nur scheinbar eine gute Botschaft: Es wird euch gutgehen, euch passiert schon nichts. Die Propheten, die damals so redeten, haben sicher zu Jeremia gesagt: „Das wollen die Leute hören, nicht das, was du predigst, du malst immer nur den Teufel an die Wand!“ Aber Jeremia sagt: „Wenn Gott aber doch auch Unheil zulassen oder sogar in seinem Sinne nutzen kann, um Menschen wieder auf den richtigen Weg zu bringen? Dann muss man auch von den Strafen Gottes reden.“

Das Problem mit Strafpredigten ist allerdings: Wir neigen zum Schwarzweißdenken. Wir denken: Gott straft die Bösen, Gott belohnt die Guten. Wir gehören doch hoffentlich zu den Guten, also trifft die Strafe hoffentlich nur die anderen. Wenn uns dann aber doch etwas Schlimmes widerfährt, klagen wir Gott an: Warum ich? Warum bin ich so gestraft? Bin ich denn so viel schlechter als andere? Andere hätten Strafe doch viel eher verdient als ich!

Die Menschen der Bibel denken anders. Sie wissen, dass kein Mensch nur gut oder nur böse ist. Wir alle sind von Gott gut geschaffen und sollen alle unsere Dinge in Liebe geschehen lassen, wie wir es vorhin in den Taufsprüchen der Zwillinge gehört haben. Aber wenn uns nicht Gott selber durch seine Engel auf guten Wegen leitet und uns stark macht, das Gute zu tun, dann neigen wir dazu, uns selbst auf Kosten anderer behaupten zu wollen. Wir wollen möglichst viel vom Leben, beneiden vielleicht andere, denen es so viel besser zu gehen scheint, und vergessen dabei, dass wir alles im Leben von Gott geschenkt bekommen. Ein Leben im Kreisen um sich selbst, ohne Verantwortung vor den Mitmenschen und vor Gott, nennt die Bibel Sünde, und ein solches Leben hat oft schlimme Folgen, die Bibel nennt sie Strafen.

In der Zeit Jeremias konnte der einzelne im Volk Israel sicher nicht übersehen, wohin es führte, dass die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinanderklaffte und dass die Könige des Landes in ihre eigene Tasche wirtschafteten, statt sich an die gerechten Gebote Gottes zu halten. Die Propheten, denen von Gott ein tieferer Blick in die Zusammenhänge geschenkt war, behielten Recht mit ihren Warnungen vor der drohenden Katastrophe: Israel wurde von den Babyloniern erobert und die Oberschicht des Landes in die Verbannung nach Babel geführt. Dort dachten die Menschen über Jeremias Worte nach. Hätten alle Propheten wie Jeremia dem Volk ins Gewissen geredet (Jeremia 23, 22),

um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren,

wäre die Katastrophe vielleicht zu verhindern gewesen.

Was fangen wir heute mit solchen Worten an? Auch heute gibt es Entwicklungen, die in eine Katastrophe führen könnten. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima war zum Beispiel ein Anlass, um zu überdenken, welche Art der Energieversorgung vor künftigen Generationen verantwortbar ist. Die internationale Finanzkrise sollte ebenso zu denken geben, wie der Gier nach Spekulationsgewinnen Einhalt geboten werden kann, nicht nur, weil die Gefahr besteht, dass ganze Volkswirtschaften und Währungen zusammenbrechen, sondern weil schon jetzt überall Geld für soziale Projekte fehlt. Und auch der Friede, den wir in unserem Land seit 67 Jahren genießen, ist zerbrechlich, denkt man an Konflikte wie den zwischen Israel und Iran, die sehr schnell auf die ganze Welt übergreifen können, wenn sie akut ausbrechen.

Ausdrücklich betone ich: Es liegt mir fern zu behaupten, alle Katastrophen seien von Gott geschickt als Strafe für bestimmte Sünden der Menschen. Nein, Katastrophen, die von Menschen mit herbeigeführt wurden, treffen in der Regel mehr Unschuldige als Schuldige, und daran leidet Gott mit allen Betroffenen mit. Und es gibt auch Unglück, Krankheit und Not, die überhaupt nicht auf menschliche Schuld zurückzuführen sind.

Trotzdem steht da in der Bibel dieses harte Bildwort (Jeremia 23, 29):

[Gottes] Wort [ist] wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt.

Das klingt nach einer strafenden Gewalt, die nicht zu einem Gott des Friedens passt. Aber ist Gott nicht zugleich der Gott der Gerechtigkeit? Manchmal wünschen wir es doch, dass Gott dazwischenfährt, wenn himmelschreiendes Unrecht geschieht – wenn zum Beispiel ein Diktator Blutbäder in seinem eigenen Volk anrichtet oder wenn Missbrauch an Kindern über Jahre hin unentdeckt bleibt.

Aber wie sollen wir uns das nun vorstellen, wie setzt Gott sein Wort als Hammer gegen Felsen ein? Buchstäblich haben wir das ja noch nicht gesehen, dass ein Hammer aus den Wolken käme, der Felsen zertrümmert hätte.

In der Friedensbewegung der 80er Jahre haben wir einen Song gesungen: „Das weiche Wasser bricht den Stein“, da ging es um die Überzeugung, dass man sich gegen die Übermacht von Waffen, egal in welcher Hand sie sich befinden, auch durch die friedliche Macht von Demonstrationen und anderer gewaltfreier Aktionen wehren kann. Die Mauer, die Deutschland geteilt hatte, ist nicht durch Gewalt und Krieg, sondern auf friedliche Weise „zerschmissen“ worden, wenn wir es so ausdrücken wollen, und auch die Mauer der Apartheid in Südafrika wurde weitgehend ohne Blutvergießen überwunden, weil Menschen wie Nelson Mandela sich im Geist der Bergpredigt ohne Gewalt gegen die Rassentrennung aufgelehnt hatten.

Wenn unser eigenes Herz so hart ist wie ein Felsen, dann ist Gottes Wort in der Lage, wie ein Schmiedehammer diese Härte aufzubrechen und zu zerschmeißen. Vielleicht auch im Feuer weichzuschmelzen. Das tut weh, wenn Gottes Hammer dabei auf empfindliche Vorurteile und Charakterverhärtungen in uns trifft, aber das bringt uns nicht um, denn darunter kommt unser weiches Herz zum Vorschein, das für die Liebe Gottes offen ist. Denn der wahre Hammer ist Gottes Wort deshalb, weil Gott uns unendlich liebt und nicht verloren gehen lässt. Zwar lässt er keinen faulen Frieden mit dem Unrecht zu, aber er öffnet uns die Chance, im Vertrauen auf Vergebung mit Gott und den Menschen im Einklang zu leben. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Gemeinsam mit der „Stimme Afrikas“ singen wir das Lied 316, 1-4:

1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?

3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!

4. Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet.

Großer Gott, wir bitten dich für die Kinder, die wir heute getauft haben, und für alle Kinder, die uns anvertraut sind. Lass uns finden, was wir selber brauchen, damit wir als gute Begleiter und Vorbilder uns voll und ganz auf das einlassen können, was sie brauchen.

Großer Gott, wir bitten dich für unsere von Konflikten und Unrecht zerrissene Welt – lass uns unseren Beitrag für Gerechtigkeit und Frieden leisten und bewahre die Menschen vor den Folgen ihrer Uneinsichtigkeit.

Großer Gott, schenke uns die Einsicht, wie groß die Geschenke deiner Liebe an uns sind. Lass uns in Dankbarkeit leben im Bewusstsein, dass wir uns vor dir für alles verantworten müssen, was wir tun und lassen.

Was wir persönlich auf dem Herzen haben, vertrauen wir dir, Gott, in der Stille an.

Stille und Vater unser
Der Chor „Stimme Afrikas“ gestaltete den Taufgottesdienst mit

Der Chor „Stimme Afrikas“ gestaltete den Taufgottesdienst mit

„Stimme Afrikas“: Soyez bénît, seid gesegnet!
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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