„Das A und das O, der Erste und der Letzte“

Zu guter Letzt

… schreibe ich zum letzten Mal eine Betrachtung unter diesem Titel auf der letzten Seite des „Paulus“-Gemeindebriefs. Denn ab September geben die Kirchenvorstände der Thomas- und Paulusgemeinde einen gemeinsamen Gemeindebrief in neuer Aufmachung unter dem Namen „Evangelisch in der Nordstadt“ heraus.

Dass das „Geistliche Wort“ in der Gemeindezeitung über zwölf Jahre lang nicht vorn, sondern auf der Rückseite stand, sollte gewiss nicht signalisieren, eine solche Betrachtung vom christlichen Glauben und von der Bibel her sei nun wirklich „das Letzte“. Im Gegenteil. Es gibt viele Menschen, die Druckerzeugnisse grundsätzlich von hinten nach vorn durchblättern, und wenn der Gemeindebrief mit dem „Gesicht“ nach unten auf dem Wohnzimmertisch liegt, fällt der Blick vielleicht auch später einmal wie von selbst auf diese Seite, die nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt aktuell ist.

Mosaik mit Christus in einem Halbkreis, in dem auf Lateinisch steht: Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit

Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit (Foto: pixabay.com)

Gott ist beides: „das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Offenbarung 22, 13). Er war schon da, als noch gar nichts war, und wenn unser Weltall irgendwann ein Ende haben sollte, dann wird er auch noch da sein.

Bei uns „macht der Letzte das Licht aus.“ Von Gott sagt die Bibel, er habe das Licht erschaffen, damit fing die Welt an (1. Mose – Genesis 1, 3), und vollendet sei die Welt, wenn Gott von seinen Werken ruhen werde (1. Mose 2, 3).

Der siebte Tag der Schöpfung und die Vollendung der Welt finden statt in der Zukunft – sie liegen vor uns als Bilder der Hoffnung. Dass Gott „der Letzte“ ist, heißt nicht: irgendwann ist alles aus und vorbei. Nein, das Licht bleibt an, Gott ist nämlich der einzige, „der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige“ (Offenbarung 1, 8). Wenn „alles“ vorbei ist, wie wir sagen, unser einzelnes Leben, eine Epoche der menschlichen Geschichte oder sogar die uns unendlich erscheinenden Jahrmilliarden des Universums, ist Gottes Macht keineswegs am Ende. Darum macht Gott uns Mut, wenn wir an Grenzen stoßen und verzweifelt denken, dass wir am Ende sind: Gott hat mit uns immer noch etwas vor.

Und eben weil Gott nicht nur zu guter Letzt kommt, sondern auch in jedem neuen Anfang bei uns ist, ist es auch völlig in Ordnung, eine vertraute Rubrik im Gemeindebrief aufzugeben, um in Zukunft mit der geistlichen Betrachtung auf Seite 3 zu beginnen.

Zu guter Letzt – gute Wünsche für die Sommerzeit!
Ihr Pfarrer Helmut Schütz

„Zu guter Letzt“ Juni bis August 2009 im Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen

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