Welche Politik unterstützen wir als Christen?

Jesus, der sich selbst erniedrigt hat, will nicht, dass andere erniedrigt und gedemütigt werden. Jesus, der Gottes Namen der Befreiung trägt, will nicht, dass Menschen ungerecht behandelt werden. Er will keinen Rassismus und keine abwertende Unterordnung der Frauen unter die Männer oder der Kinder unter die Erwachsenen. Was das im einzelnen bedeutet, darüber muss jede und jeder selber gründlich nachdenken.

Ikone von Jesus mit dunklem Gesicht und farbigem Buch, farbige Sonnenstrahlen fallen auf das Buch

Der Messias Jesus vereinigt die Vielfalt der Farben der Völker (Foto der Ikone: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst zur Goldenen Konfirmation am Palmsonntag, 20. März 2016, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Orgelvorspiel und Einzug der Goldenen Konfirmandinnen und Konfirmanden

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zur Goldenen Konfirmation, die zum achten Mal in unserer Gemeinde stattfindet! Besonders heiße ich eine Goldene Konfirmandin und fünf Goldene Konfirmanden willkommen, die gerade feierlich in die Pauluskirche eingezogen sind. Damals, im Jahr 1966, war Ihr Jahrgang viel größer. Am 15. Mai hat Herr Pfarrer Konopka damals 33 Mädchen, am 22. Mai 33 Jungs konfirmiert. Leider waren die Adressen vieler von diesen 66 Konfirmanden des Jahrgangs 1966 nicht zu ermitteln; und auch einige, die wir angeschrieben haben, mussten oder wollten aus verschiedenen Gründen absagen.

Der Segen einer Gottesdienstfeier hängt aber nicht an der Zahl derer, die an ihr teilnehmen. So beginnen wir die Feier der Goldenen Konfirmation mit dem Loblied 331, Strophe 1, 5 und 11:

1. Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

5. Dich, Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine, Deinem eingebornen Sohn singt die heilige Gemeinde, und sie ehrt den Heilgen Geist, der uns seinen Trost erweist.

11. Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten gemeinsam mit Psalm 118, im Gesangbuch steht er unter 747. Ich lese die nach rechts eingerückten Verse und Sie bitte die linksbündigen Teile: Dies ist der Tag, den der Herr macht.

1 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.

18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

25 O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch, die ihr vom Hause des HERRN seid.

27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wer auf ein halbes Jahrhundert seit seiner Konfirmation zurückblicken kann, hat viel erlebt. Man hat Zeit gehabt, um zu erfahren, wie es wirklich ist mit dem erwachsenen Leben, man hat Zeit gehabt, um zu prüfen, ob das, was man gelernt und geglaubt hat, den echten Prüfungen im richtigen Leben standgehalten hat, man hat Zeit gehabt, um sich selber zu bewähren. Mit Erinnerungen an schöne und an schwere Zeiten, mit dem, was gelungen ist, und mit dem, was uns scheitern ließ, kommen wir zu dir, großer Gott, und vertrauen uns dir an, indem wir rufen:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Gott traut uns viel zu, fordert uns heraus, legt sogar Lasten auf. Aber er hilft uns auch, trägt uns durch schwere, manchmal unerträgliche Tage. Das ist eine Zumutung? Vielleicht. Aber auf jeden Fall ein Segen.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Konfirmation, das hieß einmal: Ja sagen zur eigenen Taufe, Ja sagen zur Kirche, mit der man sich vielleicht nicht immer leicht getan hat. Beim Konfirmationsjubiläum halten wir inne und besinnen uns auf den Gott, der es sich nicht leicht gemacht hat mit uns Menschen, der uns begegnet in Jesus Christus. Wir bitten: Mach unseren Glauben fest, unsere Liebe treu, unsere Hoffnung stark, du, Jesus Christus, unser Herr. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung zum Palmsonntag aus dem Evangelium nach Johannes 12, 12-19:

12 Als … die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme,

13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!

14 Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht:

15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«

16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte.

17 Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat.

18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.

19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

So wurde erfüllt, was der Prophet Sacharja 9, 9-10, angekündigt hatte:

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

10 Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Amen. „Amen.“

Wir singen das Lied 314. Dabei singen wir den Kehrvers auf besondere Weise: das erste und zweite Hosianna singen nämlich die rechts und links Sitzenden im Wechsel:

Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna!
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, vor allem liebe Goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Ich habe diese Predigt bereits vor über einer Woche geschrieben, zwischen den Kommunalwahlen in Hessen und den Landtagswahlen in drei Bundesländern. Es gibt wohl nichts, was die Menschen in Deutschland zur Zeit mehr beschäftigt, als die Erkenntnis: Unser Land ist zwar bunt und vielfältig, aber das bedeutet auch: es ist zerrissener, als viele von uns dachten. Die einen wollen die Vielfalt am liebsten rückgängig machen, auf jeden Fall einschränken. Die anderen wollen Vielfalt und Integration, tun sich aber schwer damit, mit dem Zustrom von Flüchtlingen nach Europa in vernünftiger Weise umzugehen. Auch da gibt es Streit zwischen Nationen, die eigentlich verbündet sind und sogar zwischen Parteien, die eigentlich miteinander koalieren.

Nach den Landtagswahlen am letzten Sonntag war ich innerlich schon gar nicht mehr so aufgewühlt wie in der Woche zuvor. Vielleicht wurde ich gelassener, weil die bunter gewordene politische Landkarte auch Chancen bietet. Weil Denkzettel wirklich manchmal notwendig sind. Und weil man unbequeme Fragen ja nicht dadurch los wird, dass man mit bestimmten Menschen nicht darüber diskutieren will.

Erschreckt hatte mich vor zwei Wochen eine Email von einem guten Bekannten, der mir von einem Streit zwischen verschiedenen evangelikal geprägten Christen berichtete: er selber sei der Meinung, als Christ sollte man gar nicht zur Wahl gehen, weil Gottes Reich nicht von dieser Welt ist, andere meinten, sie würden die AfD wählen, weil sie als einzige Partei der Freigabe von Gotteslästerung, Abtreibung, Homo-„Ehe“, Prostitution als „Beruf“ sowie der Gender-Ideologie und der Islamisierung unseres Landes widerstehen würde.

Ist es wieder so weit, dass ein tiefer Riss quer durch christliche Gemeinden geht? Das hat es ja früher schon gegeben. Als Sie konfirmiert wurden, vertrat Pfarrer Konopka eine Haltung, die von vielen Gemeindemitgliedern – auch im Kirchenvorstand – kritisch betrachtet wurde. Auch später gab es im Kirchenvorstand der Paulusgemeinde manchen hart ausgefochtenen Streit, der sich auch einmal gegen die Haltung einer Pfarrerin richten konnte. Ich bin froh, dass wir in der Paulusgemeinde heute einen solchen Streit nicht haben, jedenfalls nicht im Kirchenvorstand oder unter denen, die in unsere Gottesdienste und Veranstaltungen kommen oder die wir vom Kindergarten her kennen. Die bunte Vielfalt von Muttersprachen und Religionen, die in unserem Kinder- und Familienzentrum normal geworden ist, wird heute jedenfalls in unserer Gemeinde als Bereicherung und Chance, nicht als Bedrohung empfunden.

Allerdings gibt es im Umfeld unserer Gemeinde offenbar auch Menschen, die das anders sehen. Über 30 Prozent der Wahlberechtigten, die überhaupt zur Kommunalwahl vor zwei Wochen gegangen sind, haben im Nordstadtzentrum eine Partei gewählt, die mit der Aussage für sich geworben hat, dass Schwarz-Rot-Gold bunt genug sei.

Passen solche Fragen in einen festlichen Gottesdienst zur Goldenen Konfirmation? Es ist jedenfalls besser, über schwierige Probleme nachzudenken, statt sie zu verdrängen. Davon bekommt man nur Kopf- oder Bauchschmerzen. Zum Palmsonntag passt es ganz besonders, sich zu fragen, was es bedeutet, dass man Jesus damals mit Hosiannarufen in Jerusalem empfing und ihn zum politischen Herrscher machen wollte. Er sollte die Römer verjagen und die Herrschaft des von Rom abhängigen Königs und der Priesterschaft in Israel beenden. Aber was wollte Jesus wirklich? Dass wir uns als Christen aus jeder Politik heraushalten? Dass wir eine bestimmte Politik als christlich definieren und dafür einstehen?

Parteipolitische Aufrufe von der Kanzel aus sind auf jeden Fall fehl am Platz. Aber wenn Meinungen auseinanderdriften, ist es auch für uns Christen notwendig, zu überlegen, von welchen Aussagen der Bibel her wir uns unsere Meinung bilden können.

Unser heutiger Predigttext gibt dafür einiges her. Der Apostel Paulus ruft im Brief an die Philipper 2, 5-11, zu einer an Jesus orientierten Gesinnung auf:

5 Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.

Unsere Gesinnung, egal ob privat oder politisch, soll sich nach Paulus an der Gemeinschaft in Christus Jesus orientieren. Bewusst sagt Paulus nicht „Jesus Christus“, als ob Christus eine Art Nachname wäre, sondern er dreht die Reihenfolge um: Jesus ist der Christus, der Gesalbte Gottes, der Messias, der Friedenskönig, den die Juden erwartet hatten. Im Messias der Juden, den Heiden und Juden gemeinsam kreuzigen, entsteht gerade durch diesen Tod eine neue Gemeinschaft aus Juden und Heiden. In seinem gebrochenen Leib, der im Abendmahl verteilt wird, werden Menschen zusammengeschlossen, die sich vorher niemals an einen Tisch zusammengesetzt hätten.

Welche Gesinnung genau entspricht nun dieser Gemeinschaft im Leib Christi?

6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Die Rede ist hier von Jesus, dem Sohn Gottes. Paulus stellt sich vor, dieser Sohn Gottes war vor seiner Geburt bei Gott, war identisch mit seinem Wort, seiner unendlichen Liebe, seinem Heiligen Geist. Aber indem der Sohn Gottes Mensch wird, verzichtet er auf seine göttliche Gestalt, wie wenn ein Kriegsheld auf seine Beute verzichtet. Stattdessen, so steht es da wörtlich, macht er sich völlig leer von aller göttlichen Allmacht. Er nimmt die Gestalt eines Sklaven an. Der Gott, der den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen hat, wird nun umgekehrt zum Ebenbild eines Menschen, wie wir alle es sind, eher armselig als großartig.

8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

Andere Religionen kannten auch Söhne Gottes. Das waren aber immer besonders mächtige Männer, die Herrscher der Völker, Kaiser oder Könige. Dieser Sohn Gottes ist kein geborener König. Er führt zunächst das Leben eines Zimmermanns, dann eines obdachlosen Wanderpredigers, schließlich wird er von einem römischen Gouverneur auf Druck eines aufgewiegelten Mobs gekreuzigt. Das alles passt nicht zu einem Gottessohn, wie man ihn damals kannte. Jesus stellt sozusagen die Definition eines Gottessohnes auf den Kopf. Jesus stellt sich nicht über das Volk, er beutet es nicht aus. Der wahre Gottes Sohn erniedrigt sich, er wird zum Diener und Sklaven aller Menschen, er lässt sich ausnutzen, sogar verraten, verleugnen, gefangennehmen, auspeitschen, quälen, verspotten und hinrichten. Am Kreuz hängend bittet er sogar noch für seine Mörder um Vergebung. So weit reicht seine Liebe. Und genau damit geschieht eine Wende.

9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,

10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Das klingt paradox: Der Erniedrigte und Gekreuzigte wird von Gott nicht fallengelassen, sondern erhöht, in den Himmel gehoben. Er bekommt alle Macht im Himmel und auf Erden. Gott gibt ihm seinen eigenen Namen, unter dem er den Juden schon lange bekannt war, den Namen der Befreiung, den Namen „Ich bin für euch da!“ „So wie Jesus gelebt, geliebt und gelitten hat, so bin ich, Gott, der Vater, für euch da“, das will Gott der Welt und uns allen damit sagen.

Die Ehre Gottes, des Vaters im Himmel, wird also darin bestätigt, dass sein Sohn auf Erden um der Liebe willen leidet und getötet wird. Das bedeutet auch: Gottes Ehre kann gar nicht zerstört werden, indem man sich über ihn lustig macht, indem man ihn sogar quält und tötet. Gottes Ehre besteht in seiner Liebe, und diese Liebe konnte niemand zerstören, nicht einmal im Tod Jesu am Kreuz. Dort wurde sie sogar ein für alle Mal bekräftigt.

Zur Ehre des himmlischen Vaters sollen sich darum alle Knie vor Jesu Namen beugen: die Knie der Engel im Himmel, die Knie der Menschen auf Erden, sogar die Knie der Verstorbenen unter der Erde. Und all ihre Zungen sollen Jesus als den Herrn bekennen.

Hier muss klar gesagt werden: Dieses Ziel kann nicht mit Zwang oder Gewalt erreicht werden. Auch nicht, indem man Menschen Angst macht: „Wenn ihr nicht an Jesus glaubt, dann kommt ihr in die Hölle.“ Nein, wir sollen Menschen schlicht dazu einladen, auf den Sohn Gottes zu vertrauen, der allen Menschen dienen will: damit Opfer von Gewalt und Unrecht Trost und Mut erfahren und aufgerichtet werden, damit Täter die Chance erhalten, umzukehren, damit Frieden entsteht zwischen den Menschen aller Völker und Religionen. Überall, wo das geschieht, ist der heilige Name Gottes, ist Jesus Christus, ist seine Liebe am Werk, sogar wenn der Name Jesu dabei gar nicht genannt wird. Und umgekehrt: Überall wo Unrecht getan wird und Hass gesät wird, auch wenn man das im Namen irgendeiner Religion tut, beschmutzt man in Wirklichkeit Gottes Namen.

Was für eine Herrschaft will Jesus also? Welche Politik sollen wir als Christen unterstützen? Der, der sich selbst erniedrigt hat, um anderen zu dienen, der will nicht, dass andere erniedrigt und gedemütigt werden. Der, der Gottes Namen der Befreiung trägt, will nicht, dass Menschen ungerecht behandelt werden. Der, in dessen Leib sich damals so verschiedene Menschen wie Juden, Griechen und Römer miteinander versammelten, um das heilige Abendmahl miteinander zu feiern, will keinen Rassismus und keine abwertende Unterordnung der Frauen unter die Männer oder der Kinder unter die Erwachsenen. Was das im einzelnen bedeutet, darüber muss jede und jeder selber gründlich nachdenken. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 586: Herr, der du einst gekommen bist, in Knechtsgestalt zu gehn

Liebe Goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Bei der Konfirmation sagt eine Gruppe von Mädchen und Jungen Ja zu Gott, zu Jesus, zur Kirche. Ähnlich wie man damals am Palmsonntag Jesus zugejubelt hat. Aber was wird aus dem Glaubensbekenntnis, das man bei der Konfirmation gemeinsam ablegt? Übersteht es Krisenzeiten und Konflikte? Wächst der Glaube aus seinen Kinderschuhen heraus und hält er Schicksalsschlägen stand? Können Zweifel überwunden werden oder löst sich jugendlicher Überschwang in Wohlgefallen auf? Das können nur Sie selber, jeder und jede für sich beantworten.

Gemeinsam können wir aber heute erneut das Glaubensbekenntnis sprechen, und zwar als Bitte zu Gott um die Stärkung unseres Gottvertrauens durch die Kraft seiner Liebe:

Glaubensbekenntnis

Nun bitte ich die Goldenen Konfirmanden nach vorn zu kommen, ähnlich wie damals bei der Einsegnung durch Herrn Pfarrer Konopda vor 50 Jahren, nur dass Sie dieses Mal alle zusammen als kleine Gruppe vor den Altar treten. Es tut gut, sich noch einmal des Segens Gottes ganz persönlich zu vergewissern. So spreche ich Ihnen erneut das Wort von Gott zu, dass Ihnen mit Ihrem Konfirmationsspruch auf den Weg gegeben wurde:

Erneute Einsegnung von 1 Goldenen Konfirmandin und 5 Goldenen Konfirmanden

Wir denken in dieser feierlichen Stunden auch an Ihre Kameradinnen und Kameraden, die nicht hier sind, aus gesundheitlichen oder anderen Gründen. Besonders denken wir an diejenigen, die aus dem Kreis Ihres Konfirmandenjahrgangs bereits verstorben sind.

Gottes Segen sei mit Ihnen in Gesundheit und Krankheit, in Freude und Trauer, im Leben und im Sterben. Gottes Friede erfülle Ihr Herz, regiere Ihre Gedanken und bestimme Ihr Tun. Gottes Angesicht leuchte über Ihnen auf allen Ihren Wegen. Amen.

Zur Erinnerung an diesen Tag überreiche ich Ihnen diesen Gedenkschein mit einem Bild vom Altarfenster der Pauluskirche. Herzlichen Glückwunsch zur Goldenen Konfirmation!

Wir feiern nun das Heilige Abendmahl und singen zur Vorbereitung aus dem Lied 78 die Strophen 1 bis 3, 9 und 10:

1. Jesu Kreuz, Leiden und Pein, deins Heilands und Herren, betracht, christliche Gemein, ihm zu Lob und Ehren. Merk, was er gelitten hat, bis er ist gestorben, dich von deiner Missetat erlöst, Gnad erworben.

2. Jesus, wahrer Gottessohn auf Erden erschienen, fing bald in der Jugend an, als ein Knecht zu dienen; äußert sich der göttlich G’walt und verbarg ihr Wesen, lebt in menschlicher Gestalt; daher wir genesen.

3. Jesus richtet aus sein Amt an den Menschenkindern, eh er ward zum Tod verdammt für uns arme Sünder, lehrt und rüst’ die Jünger sein, wusch ihn’ ihre Füße, setzt das heilig Nachtmahl ein, macht ihn’ das Kreuz süße.

9. Jesus ist das Weizenkorn, das im Tod erstorben und uns, die wir warn verlorn, das Leben erworben; bringt viel Frücht zu Gottes Preis, derer wir genießen, gibt sein’ Leib zu einer Speis, sein Blut zum Trank süße.

10. Jesu, weil du bist erhöht zu ewigen Ehren: Unsern alten Adam töt, den Geist tu ernähren; zieh uns allesamt zu dir, dass empor wir schweben; begnad unsers Geists Begier mit deim neuen Leben.

Bevor wir mit Jesus Abendmahl feiern, bringen wir im Beichtgebet vor Gott, was uns von ihm und voneinander trennt.

Vergib uns, Gott, wenn wir zu wenig an unsere Mitmenschen denken. Vergib uns, Gott, wenn wir uns in unseren Sorgen einschließen und zu wenig auf deine Hilfe vertrauen. Vergib uns, Gott, wenn wir nur über die Kirche schimpfen und nicht daran denken, dass wir selber auch die Kirche sind. Vergib uns, Gott, wenn wir nicht nachgeben können. In der Stille bringen wir vor dich, was wir ganz persönlich als Last auf dem Herzen haben:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Austeilung des Abendmahl

In Jesus lebt Gottes Liebe, in Jesus wird Gott eins mit uns Menschen. Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

So sehr liebt uns Gott, dass er sein Leben für uns hingibt. Nehmt hin den Kelch der Vergebung, des neuen Anfangs, der Versöhnung zwischen Gott und Mensch.

Austeilen der Kelche

Jesus Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Gehet hin im Frieden!

Fürbitten
Lied 171: Bewahre uns, Gott
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Orgelnachspiel

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