Paulus, der Angeber

Paulus ist ein Christ mit großem Selbstbewusstsein. Alles, was er ist und kann und weiß, ist ihm von Gott geschenkt. Darauf ist er mit Recht stolz – und sogar auf das, was er nicht im Griff hat, auf seine Schwachheiten, auf die Knüppel, die ihm Gott zwischen die Beine wirft. Denn in all dem weiß er sich getragen von Gott.

Bild des Apostels Paulus an einer Kirche in Portugal

Bild des Apostels Paulus an einer Kirche in Portugal (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 27. Februar 2000 in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Zum zweiten Mal feiern wir im Gemeindesaal Gottesdienst, bevor in unserer inzwischen neu angestrichenen Kirche wieder alles an seinem Platz ist. Ich begrüße Sie und Euch Kinder und Konfirmanden herzlich mit dem Spruch für die kommende Woche aus dem Brief an die Hebräer 3, 15:

Heute, wenn ihr [Gottes] Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.

In der Predigt geht es heute um einen ungewöhnlichen Text des Apostels Paulus. Er stellt sich nämlich als Angeber dar; ein paar von unseren Konfirmanden werden uns das vorlesen. Und wir dürfen gespannt sein, wie die Frage zu beantworten ist: Wie stolz und wie selbstbewusst darf man als Christ denn sein?

Jetzt singen wir das fröhliche Loblied 305:
Singt das Lied der Freude über Gott
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Hochmut kommt vor dem Fall, sagt das Sprichwort. Einbildung ist auch eine Bildung, hält man uns entgegen, wenn wir uns besonders gut vorkommen. Christen sollen demütig sein und nicht stolz. Aber wir werden heute vom Apostel Paulus lernen: Auch Christen können stolze und selbstbewusste Menschen sein. Zum Beispiel, indem wir Gott dankbar anbeten:

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Worauf kann ich stolz sein? Auf meine Begabungen, meine Arbeit, meine coole Art, meinen Einsatz für die Familie, für die Kirche, für eine Partei, für ein Land? Was ist, wenn das nicht zählt, wenn ich Undank ernte, wenn ich mich von Menschen getäuscht sehe, auf die ich vertraut hatte? Was ist, wenn ich mich selbst überschätzt habe, wenn ich die Welt nicht mehr verstehe, wenn ich ratlos und machtlos bin, wenn ich versage, mich in Schuld verstricke? Was ist, wenn ich allein nicht mehr zurechtkomme, wenn meine Arbeitskraft nicht mehr gefragt ist, wenn Spaß doch nicht alles ist im Leben, wenn ich es nicht mehr schaffe, cool zu sein?

Egal, was ist – wir können zu dir rufen, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Ein besonders schönes Gebet der Bibel ist der Psalm 131, voller Gottvertrauen und ohne Überheblichkeit:

1 HERR, mein Herz ist nicht hoffärtig, und meine Augen sind nicht stolz. Ich gehe nicht um mit großen Dingen, die mir zu wunderbar sind.

2 Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, manchmal wünsche ich mir, mich immer durchsetzen zu können – immer konsequent zu sein – niemals Schwäche zu zeigen. Vor allem dann, wenn ich an meine Grenzen komme und in der Gefahr bin, mich klein und unwichtig zu fühlen. Manchmal habe ich die Kontrolle, man widerspricht mir nicht mehr. Bin ich dann der, der andere überrollt und beiseite schiebt? Gott, gib mir Stärke, ohne darauf angewiesen zu sein, schwächere Menschen niederzumachen. Darum bitte ich dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Die Kinder gehen nun mit ihrer Kindergottesdienst-Kerze nach unten… Tschüss und viel Freude!

Im Paulusbrief 1. Korinther 9 lesen wir, worüber Paulus keinen Stolz empfindet, weil es für ihn selbstverständlich ist:

16 Dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!

17 Täte ich’s aus eigenem Willen, so erhielte ich Lohn. Tue ich’s aber nicht aus eigenem Willen, so ist mir doch das Amt anvertraut.

18 Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt und von meinem Recht [auf Unterstützung] nicht Gebrauch mache.

19 Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne.

Liebe Gemeinde!

Viele Menschen scheinen sich nach einem elften Gebot zu richten: „Sei immer stark und cool!” Denn wenn man zeigt, dass man Probleme hat, kann man verletzt werden. In manchen Schulen wagen es die Schüler nicht, Fragen an die Lehrer zu richten; das wird von den Lehrern als Unwissen und Schwäche ausgelegt. Häufiger kommt es heute allerdings vor, dass Schüler sich hüten, allzu viel Interesse am Unterricht zu zeigen, andere Schüler könnten sie ja als Streber bezeichnen. Und wenn jemand nicht so durchsetzungsfähig ist, sich ausnutzen lässt, kein dickes Fell hat, empfindlich ist, dann wird er häufig noch dafür ausgelacht.

Muss man also angeben mit dem, was bei anderen Leuten gerade ankommt? Muss man stolz aufzählen, was man alles leistet oder was man sich leisten kann? Die teuersten Sachen tragen, weil man sonst belächelt wird? Nur ja keinen Fehler zugeben, damit man nicht als unfähig gilt? Keine Unsicherheit erkennen lassen, damit die anderen nicht meinen, man hätte keine eigene Meinung?

Doch selbst wenn man etwas gut kann und darauf stolz sein möchte, weiß man: Niemand ist vollkommen. Jeder macht Fehler. Ich würde mich gern mehr durchsetzen. Ich bin mir nicht immer sicher, ob meine Entscheidungen richtig sind. Werde ich den Menschen gerecht, die etwas von mir wollen? Und wenn ich denke – oder sogar sage: „Das habe ich wirklich gut gemacht!” – dann gibt es bestimmt auch jemanden, der mich trotzdem kritisiert. Dann bin ich lieber nur heimlich stolz auf mich und nach außen hin bescheiden. Vielleicht loben mich dann die anderen.

Der Apostel Paulus war wirklich bescheiden, liebe Gemeinde, das haben wir vorhin in der Lesung gehört. Er verdiente seinen Lebensunterhalt mit seinem Beruf als Zeltmacher und nahm für seinen Predigtdienst nichts an, was ihm eigentlich zugestanden hätte. Und selbst wenn er ein bezahlter Pfarrer gewesen wäre, Paulus hätte gesagt: Das ist meine Aufgabe, dafür muss man mich nicht loben, warum sollte ich stolz sein auf etwas, was man selbstverständlich von mir erwarten kann? Das schreibt er, wie wir vorhin hörten, im 1. Brief an die Gemeinde in Korinth.

Und jetzt werden wir den Predigttext des heutigen Sonntags hören. Der steht in 2. Korinther 11, 18-33 und 12, 1-10 (zitiert – bis auf 12, 9a und zum Teil in vereinfachter Sprache – nach der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart). Da sagt der Apostel Paulus etwas ganz anderes: „Ich will auch einmal ein Angeber sein.”

Aber zuerst sagt er, womit er nicht angeben kann, wozu er nicht fähig ist:

Da viele Menschen im Sinn dieser Welt angeben, will auch ich einmal angeben.

Ihr lasst euch die Narren ja gern gefallen, ihr klugen Leute.

Denn ihr nehmt es hin, wenn euch jemand versklavt.

Ihr nehmt es hin, wenn euch jemand ausbeutet.

Ihr nehmt es hin, wenn euch jemand in seine Gewalt bringt.

Ihr nehmt es hin, wenn jemand anmaßend auftritt.

Ihr nehmt es hin, wenn euch jemand ins Gesicht schlägt.

Zu meiner Schande muss ich gestehen: Dazu bin ich allerdings zu schwach gewesen.

Paulus ist also kein Herrenmensch, der es nötig hat, andere niederzumachen. Er sagt nicht: Ich bin der Größte, und ihr seid nur kleine Würstchen. Aber er weiß, es gibt solche Leute, die andere unterdrücken und von sich abhängig machen – und damit auch noch durchkommen.

Dann sagt Paulus, womit er angeben könnte, worauf er eigentlich stolz sein könnte.

Womit aber jemand prahlt – ich rede jetzt als Narr -, damit kann auch ich prahlen.

Sie sind Hebräer – ich auch.

Sie sind Israeliten – ich auch.

Sie sind Nachkommen Abrahams – ich auch.

Sie sind Diener Christi – jetzt rede ich ganz unvernünftig -, ich noch mehr.

Paulus redet zu Christen, die vorher Juden gewesen waren, und die darauf stolz sind, die hebräische Sprache der alten Bibel zu können. Sie sind stolz darauf, zum auserwählten Gottesvolk Israel zu gehören. Sie sind stolz, dass sie Nachkommen Abrahams sind, und meinen, deshalb sind sie automatisch die Lieblinge von Gott. Und dann sind sie zum Glauben an Jesus Christus gekommen und sind stolz darauf, gute Christen zu sein. Diesen Leuten gegenüber sagt Paulus: Das bin ich alles auch. Er kann auch hebräisch, ist auch ein Jude, kann sich auch zu den Nachkommen Abrahams zählen. Und ein Diener von Christus – ist er auch. Er sagt sogar: Ich habe Christus viel mehr gedient als alle anderen. Aber wie meint er das? Er zählt auf:

Ich ertrug mehr Mühsal.

Ich war häufiger im Gefängnis.

Ich wurde mehr geschlagen.

Ich war oft in Todesgefahr.

Fünfmal erhielt ich von Juden die neununddreißig Hiebe.

Dreimal wurde ich ausgepeitscht.

Einmal wurde ich gesteinigt und habe es überlebt.

Dreimal erlitt ich Schiffbruch.

Eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See.

Ich war oft auf Reisen und geriet in viele Gefahren.

Ich war in Gefahr durch Flüsse.

Ich war in Gefahr durch Räuber.

Ich war in Gefahr durch das eigene Volk.

Ich war in Gefahr durch Heiden.

Ich war in Gefahr in der Stadt.

Ich war in Gefahr in der Wüste.

Ich war in Gefahr auf dem Meer.

Ich war in Gefahr durch falsche Brüder.

Ich erduldete Mühsal und Plage.

Ich durchwachte viele Nächte.

Ich ertrug Hunger und Durst und häufiges Fasten.

Ich ertrug Kälte, oft ohne ausreichend bekleidet zu sein.

In Damaskus ließ der Statthalter des Königs die Stadt bewachen, um mich festzunehmen.

Aber durch ein Fenster wurde ich in einem Korb die Stadtmauer hinuntergelassen, und so entkam ich ihm.

Dazu kommt noch all das, was täglich auf mich einstürmt.

Schwer trage ich an der Sorge für alle Gemeinden, die ich gegründet habe.

Wenn jemand unter irgendeiner Schwachheit leidet, dann fühle und leide ich mit ihm.

Wenn einer vom rechten Weg abkommt, verzehre ich mich in Sorge um ihn.

Wenn schon geprahlt sein muss, will ich mit meiner Schwachheit prahlen.

Gott, der Vater Jesu, weiß, dass ich nicht lüge.

Zuerst sieht das so aus, als ob Paulus mit seinen Heldentaten angibt. Mit den ganzen Abenteuern, die er erlebt hat. Aber normalerweise, wenn das jemand tut, dann erzählt er von seinen Heldentaten. Wie er gekämpft hat, wie tapfer er war, wie mutig, wie klug. Aber Paulus berichtet einfach, was er alles durchgemacht hat. Wie man ihn geschlagen und gedemütigt hat. Wie falsche Freunde ihn hintergangen haben, wie er aus einer Stadt über die Mauer entflohen ist. Wie er sich bis zum Letzten für Gemeinden einsetzt, die ihm das anscheinend kaum danken.

Zum Schluss sagt er:

Wenn ich schon angebe, dann prahle ich mit meiner Schwachheit.

Dann gibt Paulus noch mehr an. Er spricht jetzt zu Menschen, die besondere religiöse Erfahrungen gemacht haben. Sie hörten in sich die Stimme Gottes, sie hatten Erscheinungen von himmlischen Gestalten, sie konnten in fremden Sprachen reden, die ihnen Gott eingab. Und er sagt: Ich kann da auch mitreden. Ja, mir ging es vor vierzehn Jahren genauso. Damals, als ich zum Glauben an Jesus kam. Allerdings spricht er so davon, als spräche er von einem anderen:

Ich muss mich ja rühmen, auch wenn es nichts nützt.

Trotzdem will ich jetzt von Erscheinungen und Offenbarungen sprechen, die mir der Herr geschenkt hat.

Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde.

Ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, also vielleicht nur im Traum oder in der Phantasie, nur Gott weiß es.

Und ich weiß, dass dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde.

Ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es.

Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann.

Eigenartig, was Paulus da von sich selbst sagt. Es gibt solche Erfahrungen, für die sich viele Menschen eher schämen, weil sie meinen, das glaubt mir sowieso keiner. Aber es sind sehr einprägsame, wichtige Erlebnisse, die damit zu tun haben, dass man sich sehr intensiv mit der Frage nach Gott und dem Himmel auseinandersetzt. Bei Paulus war es ein solches Erlebnis, durch das sich sein ganzes Leben änderte, als er eine Erscheinung von Jesus hatte, der ihn fragte: „Warum verfolgst du mich?” Er spürte, das war eine Erscheinung vom Himmel, das waren Worte von Jesus selbst, und er kam nie wieder von diesem Jesus los.

Der Paulus, der solche Erfahrungen gemacht hat, die ihm einfach so geschenkt wurden, der kann darauf wirklich stolz sein. Das lohnt sich, weiterzuerzählen. Er will wohl damit sagen: Alles, was einen Menschen wirklich glücklich macht, hat er nicht von allein. Alle unsere Stärken haben wir nur geschenkt bekommen. Darum sagt er:

Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit.

Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen.

Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.

Zum Schluss erwähnt Paulus noch eine eigenartige Sache. Er spricht davon, dass er einen „Pfahl im Fleisch” hat. Niemand weiß genau, was das ist. Vielleicht eine Krankheit, die er nicht los wird. Vielleicht eine Eigenart seines Charakters, die er nicht ändern kann. Manche meinen, dass er Epileptiker war, dass er öfters Anfälle bekam. Vielleicht war er auch seelisch krank und litt unter manischen-depressiven Stimmungsschwankungen, die er nicht in den Griff bekam. Ganz offen spricht er davon, wie er zu Gott gebetet hat, dass er von dieser Krankheit frei wird.

Damit ich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überheblich werde, wurde mir ein Pfahl ins Fleisch gestoßen: wie ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mir nichts auf mich selber einbilde.

Dreimal habe ich den Herrn Jesus angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.

Und Jesus hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Paulus hat sich tatsächlich damit abgefunden, dass nicht alle seine Probleme gelöst werden. Gott hat ihn nicht geheilt, sondern hat ihm gesagt: Es ist Gnade genug, dass ich dich liebhabe. Es ist Gnade genug, dass du für mich ein wichtiger Mensch bist. Es ist Gnade genug, dass dein Leben einen Sinn hat, auch wenn du nicht gesund wirst. Es ist Gnade genug, dass du lernen kannst, deine Krankheit zu ertragen. Denn wenn du diese Krankheit nicht hättest, dann würdest du vielleicht wirklich anfangen, dir etwas auf dich selber einzubilden. Du bist doch schon selbstbewusst genug. Hättest du gar keine Probleme mehr, dann wärest du wahrscheinlich für deine Mitmenschen unerträglich.

So sagt Paulus Ja dazu, dass auch er ein Mensch mit Fehlern und Schwächen ist, und dass Gott ihn gerade so haben will. Paulus nimmt die Wirklichkeit so an, wie sie ist, auch wenn er sich oft machtlos ganz schlimmen Dingen ausgeliefert fühlt:

Darum will ich am liebsten mit meiner Schwachheit angeben, dann kann die Kraft Christi bei mir wohnen.

Darum bleibe ich voller Zuversicht in Schwachheit.

Ich bleibe voller Zuversicht in Misshandlungen.

Ich bleibe voller Zuversicht in Nöten.

Ich bleibe voller Zuversicht in Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen.

Denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

Paulus ist kein Schwächling. Seine Worte klingen nicht depressiv. Aber er ist auch nicht überheblich. Er blickt nicht auf andere herab und bildet sich nichts auf sich selber ein. Alles, was er ist und kann und weiß, ist ihm von Gott geschenkt, und darauf ist er mit Recht stolz. Und er kann sogar auf das stolz sein, was er nicht im Griff hat, auf seine Schwachheiten, auf die Knüppel, die ihm Gott zwischen die Beine wirft. Denn wenn so etwas geschieht, erfährt er zugleich immer wieder, dass er das alles ertragen kann. So sehr fühlt er sich getragen von Gott.

Paulus ist ein Beispiel dafür, dass man als Christ durchaus ein großes Selbstbewusstsein haben kann. Es gibt einen christlichen Stolz, der kein Hochmut und keine Überheblichkeit ist. Wir können als Christen zugleich selbstbewusst und liebevoll sein. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen aus dem Lied 372 die Verse 1, 2 und 6:

1) Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt seine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten; drum lass ich ihn nur walten.

2) Was Gott tut, das ist wohlgetan, er wird mich nicht betrügen; er führet mich auf rechter Bahn; so lass ich mir genügen an seiner Huld und hab Geduld, er wird mein Unglück wenden, es steht in seinen Händen.

6) Was Gott tut, das ist wohlgetan, dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten; drum lass ich ihn nur walten.

Abkündigungen

Für alles Gute in der vergangenen Woche danke ich dir, guter Gott: für das, was ich zum Leben habe, was mir gelungen ist, was mir gutgetan hat. Auch das Ungute der Woche kann ich dir lassen, heilender Gott: das Unfertige und Misslungene, das Verletzende und Verfehlte, das Unbefriedigende und Unverarbeitete. Was mich bedrängt, kann ich in deine Hand geben: meine Ängste, meine Pläne, meinen Willen, mein Leben. Dir überlasse ich mich. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir, über allem Geschehen, Woche für Woche.

Darum wandle in Segen alle meine Tage, auch die Tage, die kommen. Lass mich aufrecht gehen, wo ich niedergedrückt bin, lass mich zur Besinnung kommen, wo ich gedankenlos bin, lass mich selbstbewusst werden, wo ich zu klein von mir selbst denke und zu klein von dir. Denn für dich ist jeder Mensch wichtig, mit jedem hast du etwas vor, jedem traust du etwas zu, auch mir. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir aus dem Lied 428, die Strophen 1 und 3 und 5:

Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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