Wo ist mein Heiligenschein?

Wenn ich heilig bin, dann nicht weil ich so gut bin. Sondern weil Vergebung auch für mich da ist. Weil Gott mir etwas zutraut. Weil er mir Glauben schenkt. Weil er mir hilft, mit Konfirmanden Geduld zu haben. Nicht immer, aber immer öfter. Weil er mir Kraft gibt zuzuhören, oder weil mir das richtige Wort einfällt, wenn jemand Trost braucht.

Altarfenster der evangelischen Pauluskirche Gießen: Paulus stürzt vor Damaskus, getroffen von Lichtstrahlen Christi - und Paulus predigt in Athen

Zwei Szenen mit dem Apostel Paulus auf dem Altarfenster der evangelischen Pauluskirche Gießen

#predigtTaufgottesdienst am 2. Sonntag nach Trinitatis, den 9. Juni 2002, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug der Täuflinge mit Eltern und Paten

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Christus spricht:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.

Mit diesem Wort aus dem Evangelium nach Matthäus 11, 28 begrüße ich Sie herzlich im Taufgottesdienst in der Pauluskirche.

Heute taufen wir die Kinder … und …, die wir mit ihrer Familie und ihren Paten bei uns herzlich willkommen heißen.

Lied 322, 1-5:

1) Nun danket all und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeld’t.

2) Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge tut;

3) der uns von Mutterleibe an frisch und gesund erhält und, wo kein Mensch nicht helfen kann, sich selbst zum Helfer stellt;

4) der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet guten Muts, die Straf erlässt, die Schuld vergibt und tut uns alles Guts.

5) Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

An einem merkwürdigen Ort sind wir hier in der Kirche. Ein Gebäude aus Stein, schön angestrichen und mit bunten Bildern. Ein Ort, der in gewisser Weise heilig ist. Denn hier kommen wir im Namen Gottes zusammen. Er ruft uns hierher, heraus aus unserem Alltag, um uns im Alltag zu begleiten.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Viele Menschen scheuen sich davor, zu oft an einem heiligen Ort zu sein. Sie möchten nicht als „fromm“ gelten. Sie können nicht mehr wie Turnvater Jahn ganz unbefangen „frisch, fromm, fröhlich und frei“ sein. Sie möchten nicht hören: Du hältst dich wohl für etwas Besseres! Sie wollen nicht weltfremd sein. Viele sind auch enttäuscht von Christen und von Pfarrern, weil nicht überall, wo „fromm“ drauf steht, auch wirklich „fromm“ drin ist.

Gott, wir bitten dich: nimm uns an, so wie wir sind. Zeige uns, worauf es ankommt: nicht, dass wir besonders fromm werden, sondern Vertrauen lernen. Nicht dass wir besser als andere Menschen sein wollen, sondern Liebe lernen. Vergib uns, wenn wir Kirchenmitglieder verachten, die selten zur Kirche kommen. Vergib uns, wenn wir fromme Menschen belächeln, denen der Gottesdienst eine Herzensangelegenheit ist. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Unser Herr Jesus Christus sagt nicht: Es ist eure Pflicht, zu mir zu kommen. Es gehört sich so, dass ihr zur Kirche geht. Er lädt uns ein, hier unsere seelischen Lasten abzuladen. Er lädt uns ein, hier neue Kraft zu tanken. Er lädt uns ein, hier neue Orientierung in unserem hin- und hergerissenen Leben zu finden. Christus spricht: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, wir bitten dich: lass uns heute erleben, was das alte Wort meint: „erquickt werden“. Rühre uns an mit einem Lied, lass ein Wort von dir mit uns gehen, belebe uns mit deinem Geist! Nimm die Kinder, die wir heute taufen, in die Gemeinschaft deiner Kirche auf und schenke ihnen gute erwachsene Begleiter, die mit ihnen gemeinsam nach dir fragen. Darum bitten wir dich, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Christen glauben, dass die Taufe auf den Willen Jesu zurückgeht. Im Taufevangelium nach Matthäus 28, 16-20, hören wir Jesu Einladung, uns auf ein Leben mit ihm einzulassen:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Liebe Familie … und liebe Familie …, liebe Paten, liebe Gemeinde!

Ich habe gesagt, dass Gott uns einlädt. Jeden Sonntag lädt er uns ein zum Gottesdienst. Gottesdienst heißt: Gott will uns dienen. Gott lädt uns deswegen ein, weil wir von ihm herkommen. Unser Leben haben wir von ihm, unsere Kinder sind uns von ihm anvertraut. Darum macht es Sinn, dass wir immer wieder an einem Ort zusammenkommen, wo wir uns darauf besinnen: Wir kommen von Gott her, wir sind vor ihm verantwortlich für das, was wir aus unserem Leben machen, wir dürfen gespannt sein, was er mit uns vorhat und mit welchen Kräften er uns beschenken will.

Einmal im Leben gibt es einen Punkt, an dem wir das klarstellen: dieser einmalige Mensch kommt von Gott her und gehört zu ihm. Dieser Punkt ist die Taufe. Wenn wir ein Kind taufen lassen, das uns anvertraut ist, dann sagen wir damit: Gott sagt Ja zu diesem Kind, und wir möchten, dass es in der Gemeinde der Christen aufwächst.

Zwei Kinder taufen wir heute. Eins ist noch ein Baby, …, und eins ist schon sechs Jahre alt, … .

Die … war mit ihren Eltern beim Taufgespräch dabei und hat sich auch schon hier in der Kirche umgesehen. Aber ich glaube, heute ist doch wieder alles ganz anders – mit den vielen fremden Leuten.

Du bist schon ein großes Mädchen, …, bald kommst du in die Schule. Aber groß zu sein, heißt nicht, dass man gleich alles kann und keine Angst mehr hat. Ein bisschen darf man auch immer noch klein sein und eine Hand brauchen, an der man geht, und vor allem die Mama, an die man sich ankuscheln kann.

… wird heranwachsen, die Eltern begleiten sie dabei und auch ihre beiden großen Brüder, die zugleich ihre Paten sind, dann wird sie zu den Großen gehören – und dann wird es ihr wie uns allen gehen: Groß zu sein als Mensch, erwachsen zu sein und für sich selbst verantwortlich zu sein, das bedeutet nicht, dass man nun gar keine Hilfe und Begleitung mehr braucht. Auch wir Großen fühlen uns mal klein. Jeder Erwachsene braucht Liebe. Niemand kann sein Leben ganz allein meistern. Wir sind begrenzte endliche Menschen und keine unsterblichen ewigen Wesen.

Darum brauchen wir auch als Erwachsene die Hand, die uns führt, die liebende Macht, die uns behütet. Sie haben für Nicole einen Taufspruch ausgesucht, der diesen Zuspruch ausdrückt; er steht im 4. Buch Mose – Numeri 6, 24:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der ewige Gott sagt zu jedem Menschen: Du bist wunderbar geschaffen, einmalig und kostbar. Du sollst in Ewigkeit nicht verloren gehen.

Das gleiche gilt für …, die noch ein Baby ist. Sie wächst auf in einer großen Familie. Da spielen neben der Mutter und dem Paten in der Erziehung auch die Oma und mehrere Tanten eine große Rolle, sicher auch der Opa oder der gerade erwachsen gewordene Onkel. Was ich spannend fand beim Taufgespräch: dass unabhängig voneinander mehrere Familienmitglieder den gleichen Taufspruch für … ausgewählt haben, nämlich Psalm 91, 11:

[Gott] hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

In einer großen Familie ist jeder für den anderen da, wenn’s drauf ankommt. Ähnlich können wir uns Gottes behütende Macht vorstellen. Seine Engel, das können Schutzengel sein, die uns in Gefahren zur Seite stehen. Seine Engel, das können gute Geister sein, die uns vor bösen Geistern bewahren, auch vor bösen Einflüssen, vor Egoismus und davor, einer Sucht zu verfallen. Seine Engel, das können Menschen sein, die uns in Krisenzeiten nicht allein lassen. Seine Engel, das können Gottes gute Gedanken sein, durch die wir auf dem richtigen Weg bleiben.

Bevor wir die Kinder taufen, singen wir ein Lied von den Engeln – „Jedes Kind braucht einen Engel“.

Sie sind der Anfang und das Licht, doch wir sehn es nicht

Unser Vertrauen auf Gott, der uns segnet und behütet und uns durch seine guten Mächte begleitet, sprechen wir nun gemeinsam aus, stellvertretend auch für die Taufkinder, mit den Worten unseres christlichen Glaubensbekenntnisses:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied 393, 6-8:

6) Kommt, Kinder, lasst uns gehen, der Vater gehet mit; er selbst will bei uns stehen bei jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süßen Sonnenblicken uns locken und erquicken; ach ja, wir haben’s gut, ach ja, wir haben’s gut.

7) Kommt, Kinder, lasst uns wandern, wir gehen Hand in Hand; eins freuet sich am andern in diesem wilden Land. Kommt, lasst uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten; die Engel selbst begleiten als Brüder unsre Reihn, als Brüder unsre Reihn.

8) Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu; man trag, man helfe allen, man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, bindet fester an; ein jeder sei der Kleinste, doch auch wohl gern der Reinste auf unsrer Liebesbahn, auf unsrer Liebesbahn.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden haben sich letzte Woche hier in der Kirche umgeschaut und sollten herausfinden, was diese Kirche zu einem besonderen Ort macht. Wo gibt es Hinweise auf das Heilige? Einige haben den Paulus genannt, der auf unserem Altarbild da oben zweimal zu sehen ist. Einer meinte zunächst, der hat einen blauen Raumfahrerhelm auf, aber dann wusste er schon, das ist ein Heiligenschein. Paulus, ein heiliger Mensch, ein frommer Mensch.

Ein anderer war dann ein bisschen keck und fragte mich: „Warum sieht man denn Ihren Heiligenschein nicht?“ Das war eine gute Frage. Bin ich als Pfarrer heilig? Und wenn – kann man das irgendwie erkennen?

Stellen Sie sich hier in der Kirche auch die Frage: „Wo ist mein Heiligenschein? Kann ich nachher gestärkt aus der Kirche nach Hause gehen, sozusagen etwas in den Alltag mitnehmen?“ Oder spüren Sie ihre Scheu, vielleicht nicht recht am Platz zu sein, weil Sie sich nicht so fromm fühlen?

Ich frage jetzt mal Paulus selbst, warum er da auf dem Bild eigentlich einen Heiligenschein hat. Er kann zwar nicht direkt antworten, er ist ja seit über 1900 Jahren tot. Aber in seinem 1. Brief an die Gemeinde in Korinth (1. Korinther 9, 16-23) stehen Antworten auf meine Frage. Paulus schreibt als erstes:

16 Dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!

Paulus verkündet also das Evangelium – Frohe Botschaft. Worte von Gott, die sein Leben verändert haben. Er ist ein Heiliger, weil er Worte von Gott weitersagt. Er ist kein Heiliger, der damit angibt, besser zu sein als andere. Er fühlt sich regelrecht unter einem Zwang, das Evangelium zu verkünden – wie ein Sklave, der gehorchen muss.

17 Täte ich’s aus eigenem Willen, so erhielte ich Lohn. Tue ich’s aber nicht aus eigenem Willen, so ist mir doch das Amt anvertraut.

Er hat es sich nicht ausgesucht, das Evangelium zu predigen. Auf dem Altarfenster können wir sehen, wie das Evangelium zu Paulus kam: Das Licht des Auferstandenen trifft Paulus, und der stürzt zu Boden, für drei Tage blind. Dann weiß er: Der Christus, den ich verfolgt hatte, ist in Wirklichkeit mein Herr und meine einzige Rettung.

Im Brief an die Korinther fragt sich Paulus weiter:

18 Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt und von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache.

Paulus ist ehrenamtlicher Prediger. Seine Brötchen verdient er als Zeltmacher. Er wird nicht von einer Gemeinde bezahlt und fühlt sich nur als Sklave des Evangeliums. Darin liegt für ihn ein großer Gewinn – denn von menschlichen Abhängigkeiten ist er frei! Aber Paulus fährt fort:

19 Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne.

Wir merken, Paulus drückt sich nicht einfach aus. Erst nennt er sich Sklave des Evangeliums – dadurch ist er frei gegenüber jedem Menschen – jetzt macht er sich freiwillig für jeden Menschen zum Sklaven – denn er will möglichst viele für die Botschaft des Evangeliums gewinnen. Spannend ist, wie er das macht:

20 Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne.

Er, der geborene Jude, ist zwar Christ geworden, fühlt sich nicht mehr an das Gesetz der Juden gebunden. Aber um Juden für Christus zu gewinnen, stellt er sich voll an die Seite der Juden, spricht ihre Sprache, fühlt sich ein in ihr Denken. Er weiß, was frommen Juden wichtig ist. Sie denken: Nur wer das Gesetz Gottes erfüllt, ist gerecht, ist heilig. So sagt Paulus:

Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden – obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne.

Paulus akzeptiert die Denkvoraussetzung – das ganze Gesetz muss erfüllt werden! In seiner Predigt knüpft er daran an – und stellt von innen heraus alles in Frage: Wer kann das ganze Gesetz Gottes befolgen? Das schafft niemand, außer Gottes Sohn selbst. Haltet euch an Jesus – der lebt Gottes Liebe, stellvertretend für alle Menschen. Er schenkt Vergebung, gibt jedem Sünder eine Chance. Das ist das Evangelium des Paulus für die Juden.

Viel bedeutender ist Paulus als Missionar für Heiden geworden, für die in den Augen seiner Mitjuden Unbeschnittenen oder Ungläubigen. Er schreibt:

21 Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden – obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi -, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne.

Hier versetzt sich Paulus in die Lage der römischen oder griechischen Heiden, für die das jüdische Gesetz Gottes überhaupt nichts bedeutet. Er begreift, dass man ihnen nicht zumuten muss, zuerst Jude zu werden, also zum Beispiel sich beschneiden zu lassen, bevor man Christ werden kann. Es genügt, dass man ihnen das Gesetz Christi predigt – seid barmherzig mit den Menschen, so wie Gott mit euch barmherzig ist. Denn obwohl die Menschen so gottlos sind, dass sie sogar den Sohn Gottes ans Kreuz schlagen, hört Gott nicht auf, die Menschen zu lieben.

Das Konzept des Paulus für die christliche Verkündigung finde ich gut. Versetz dich in die Lage der Leute, die du überzeugen willst. Fühl dich ein, versteh erstmal, wo die Leute leben, wie sie denken, was sie empfinden. Dann erzähl ihnen, was sie verstehen, was für sie hilfreich ist. Auch wir Pfarrer müssen mit Konfis im Unterricht anders reden als mit den Senioren im Seniorentreff.

Ein letztes Beispiel nennt Paulus:

22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.

Paulus ist ein selbstbewusster Mensch. Absolut kein Schwächling. Aber er lässt nicht immer seine Stärke raushängen. Da ist vielleicht einer, der darf keinen Alkohol trinken. Er versucht verzweifelt trocken zu bleiben. Paulus würde in seiner Gegenwart keinen Tropfen Alkohol trinken, auch wenn er selbst kein Problem damit hätte.

Wahrscheinlich hat Paulus darum seinen Heiligenschein. Nicht, weil er heiliger sein will als andere. Er will, dass alle Menschen heilig werden – jeder auf seine eigene Weise.

Und dabei will er einfach mit dabei sein, das sagt er in seinem letzten Satz:

23 Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben.

Zurück zur Frage vom Anfang. Zur Frage des Konfirmanden an mich: „Wo ist denn Ihr Heiligenschein?“ Ich antworte jetzt: Wenn ich heilig bin, dann bin ich es, nicht weil ich so gut bin. Sondern weil Vergebung auch für mich da ist. Weil Gott mir etwas zutraut. Weil er mir Glauben schenkt. Weil er mir hilft, mit Konfirmanden Geduld zu haben. Nicht immer, aber immer öfter. Weil er mir Kraft gibt zuzuhören, oder mir das richtige Wort einfällt, wenn jemand Trost braucht. Niemand ist nur heilig, auch ich nicht. Heiligkeit ist immer ein Geschenk. Zugleich sind wir Menschen immer auch Sünder, immer wieder ungeduldig, unaufmerksam oder ängstlich um eigene Vorteile. Doch in jedem Augenblick, in dem wir ein Stück Liebe leben, haben wir Anteil an Gottes Heiligkeit. Wer etwas weitergibt von der Liebe, mit der Gott ihn geliebt hat, trägt dazu bei, dass auf dieser Erde ein Stück Himmel wächst.

Ich will gar kein Heiliger sein, der keine Fehler hat. Aber wollen wir nicht alle Liebe erfahren, Verlässlichkeit, Leben, das gelingt? Als die Konfirmanden sagen sollten, was ihnen heilig ist, da haben sie vor allem die Menschen genannt, die ihnen am Herzen liegen: Familie, Freundschaft, Eltern, Geschwister. Ich glaube, sie ahnen etwas davon, dass dort, wo Liebe geschieht, etwas durch unser alltägliches Leben hindurchscheint von Gottes Liebe, von Heiligkeit. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 209: Ich möcht‘, dass einer mit mir geht

Gott, wir beten für die beiden Kinder, die wir getauft haben, dass sie niemals ohne Menschen sind, die ihnen Geborgenheit und Orientierung geben, und dass sie auch in deiner Gemeinde ihren eigenen Ort finden.

Gott, wir beten für unsere neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass sie sich in unserer Mitte nicht nur fremd fühlen, sondern spüren, wie Gott auch für sie da ist.

Gott, wir beten für die Kranken und Trauernden in unserer Gemeinde, dass du ihnen Kraft gibst, das Schwere zu bewältigen und dass sie ihren Lebensmut nicht verlieren.

Gott, wir beten für die politische Auseinandersetzung in unserem Land, dass das Klima nicht noch mehr vergiftet wird und dass man zum Boden der Sachlichkeit und Fairness zurückfindet.

Gott, wir bitten dich für uns alle: rühre uns an mit deiner Kraft, dass wir fähig werden, Liebe und Geduld zu üben. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 619:

1) Er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

2) Er hält das winzigkleine Baby in seiner Hand, er hält das winzigkleine Baby in seiner Hand, er hält das winzigkleine Baby in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

3) Er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

4) Er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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