Erntedankkreuz

Zu guter Letzt

Ein Kreuz auf einem Grabstein mit drei Ähren, eine davon abgeknickt.… stehen uns im Kirchenjahreskalender nach dem an Festen armen Sommerquartal eine ganze Reihe traditioneller Feste im vierten Vierteljahr bevor: vom Erntedankfest über den Reformationstag bis hin zum Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Ewigkeitssonntag.

Beim „Gottesdienst unterwegs“ im letzten Juni auf dem Friedhof fielen mir an einer Station Zusammenhänge auf zwischen dem Erntedankfest und dem Ewigkeitssonntag, den wir als Gedenktag der Toten begehen.

Erstens ein Zusammenhang allgemeiner Art: Weil unser Leben begrenzt und kurz ist, ist es besonders kostbar. Wir verdanken es nicht uns selber; es ist nicht selbstverständlich, dass wir leben; wir haben Grund, dankbar zu leben.

Außerdem haben wir auf dem Friedhof auf einem Grabstein ein Symbol betrachtet, das an das Thema unseres diesjährigen Familiengottesdienstes zum Erntedankfest erinnert: „Vom Korn zum Brot“.

Die Naturvölker bedankten sich beim Korn selbst und bei den Geistern der Tiere, dass sie sie verzehren durften. Im Erntedank an den Schöpfer des Lebens bleibt uns Christen bewusst, dass essen zu dürfen nicht selbstverständlich ist. Wir achten und bewahren die Umwelt, in (und von) der wir leben, als eine sehr gute Schöpfung, wenn wir die Ehrfurcht auch vor dem Leben, das sich uns hingibt, nicht vergessen.

Eine der Ähren auf dem Grabstein ist abgeknickt: Sinnbild für einen Menschen, der zu früh gestorben ist, bevor er die Ernte seines Lebens, Reife und Erfüllung erreichen konnte, und wir begreifen nicht, warum.

Durch das Kreuz bleibt aber auch die vorzeitig abgeknickte Ähre mit den anderen verbunden. Gott stirbt in Jesus unseren Tod mit. Er nimmt uns auch mit hinein in seine Auferstehung. Die Realität auch des sinnlosen Todes wird überboten von der Realität des ewigen Lebens. Im Vertrauen auf Gottes Liebe darf jeder Mensch auf eine Ernte seines Lebens hoffen, die der Tod nicht zerstören kann.

Pfarrer Helmut Schütz

„Zu guter Letzt“ September bis November 2007 im Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.