Trauerfeier für ein glückliches Kind

Trauerfeier für ein Kind, das nicht einmal zwei Jahre alt werden durfte, aber in seinem kurzen Leben sehr glücklich gewesen ist.

Trauerfeier für ein glückliches Kind: Ein kindlicher Engel aus Stein mit bräunlichen Haaren, von Schnee umgeben, das Gesicht mit geschlossenen Augen in die Hände gestützt.

Ein trauriger Engel auf einem Friedhof im Schnee (Bild: TanteTati – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme! (Psalm 130, 1-2)

Liebe Trauerfamilie, liebe Gemeinde! Wir sind tief betroffen und voller Schmerz. Wir können den Verlust nicht fassen, der Sie getroffen hat. Wir müssen J. begraben, der nicht ganz 2 Jahre alt geworden ist.

Liebes Ehepaar I., für Sie ist der Weg zum Grab am schwersten. Niemand kann Ihnen den Schmerz ersparen, der damit verbunden ist. Aber Sie sind in dieser Stunde nicht allein.

Worte der Bibel können helfen, in Worte zu fassen, was auf unserer Seele liegt. So beten wir mit Psalm 77 (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

2 Ich rufe zu Gott, ich schreie, ich rufe zu Gott, bis er mich hört.

3 Am Tag meiner Not suche ich den Herrn; unablässig erhebe ich nachts meine Hände, meine Seele lässt sich nicht trösten.

4 Denke ich an Gott, muss ich seufzen; sinne ich nach, dann will mein Geist verzagen.

5 Du lässt mich nicht mehr schlafen; ich bin voll Unruhe und kann nicht reden.

6 Ich sinne nach über die Tage von einst, ich will denken an längst vergangene Jahre.

7 Mein Herz grübelt bei Nacht, ich sinne nach, es forscht mein Geist.

8 Wird der Herr mich denn auf ewig verstoßen und mir niemals mehr gnädig sein?

10 Hat Gott seine Gnade vergessen?

Ja, liebe Trauergemeinde, wenn wir nachdenken über diesen Tod, über dieses Leben, dann hören wir nicht auf zu grübeln, dann drehen sich unsere Gedanken im Kreise, dann fragen wir: Gott, hast du uns vergessen? Hast du nicht gesehen, wie schlimm krank J. wurde, wie ihm die Ärzte beim besten Willen nicht helfen konnten? Konntest du ihm nicht helfen?

Es ist normal und in Ordnung, zu Gott zu rufen und sogar zu schreien, die Menschen der Bibel machen uns das so vor. Auch sie bekommen nicht auf alle ihre Fragen eine Antwort, aber es ist gut zu wissen, dass man Gott alles sagen darf. Er hält es sogar aus, wenn wir zornig auf ihn sind und versteht es, wenn wir an unserem Glauben zweifeln.

Als wir J. getauft haben, hat er von uns den Taufspruch aus 1. Korinther 13, 13 bekommen:

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Bleibt der Glaube auch jetzt noch? Auch wenn sich Zweifel melden? Unser Vertrauen ist auf eine harte Probe gestellt. Wir begreifen nicht, was Gott mit J. getan hat, warum er ihn so früh zu sich zurückgerufen hat.

Und doch bleibt der Glaube, weil Gott selber ewig ist und bleibt. In seiner Ewigkeit bleibt J. aufgehoben, und Gott bleibt auch unser Begleiter und will seinen Weg weiter mit uns gehen. Wie würden wir unser Leben führen können ohne ihn, ohne seine Hilfe, ohne seinen Trost? Der Glaube hängt nicht von unseren kleinen Kräften ab, sondern Gottes Kraft ist auch in schwachen Menschen mächtig.

Wie ist es mit der Hoffnung? Bleibt auch sie jetzt noch? Es ging so schnell mit der Krankheit von J., es war kaum Zeit, um sich Hoffnungen zu machen, und doch hat man bis zuletzt gehofft, im Grunde auf ein Wunder. Dieses Wunder ist nicht geschehen, jedenfalls sein Leben hier auf Erden konnte nicht gerettet werden.

Worauf können wir jetzt noch hoffen? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Der Apostel Paulus sagt: Ja, auch die Hoffnung bleibt. Aber das, worauf wir hoffen, kann sich ändern. Eine bestimmte Hoffnung kann unerfüllt bleiben. Aber neue Hoffnung kann aufkeimen und wachsen wie eine zarte Pflanze, auch wenn wir noch nicht genau sagen können, wann und wo und wie das geschieht. Es kann neue Wege für uns geben, von denen wir jetzt noch nichts ahnen. „Weißt du den Weg auch nicht, Gott weiß ihn wohl“, heißt es in einem Lied. Hoffnung muss sich manchmal wie ein kleines Licht gegen eine sehr große Dunkelheit ganz langsam und geduldig durchsetzen.

Eine unerfüllbare Hoffnung wäre der Wunsch, dass der Schmerz der Trauer schnell weggeht. Wir können auf Dauer nicht wegdrängen, was wir fühlen, was weh tut. Und es tut einfach weh, ein Kind zu verlieren, zu wissen, dass wir ihn nicht werden aufwachsen sehen, dass er uns nicht mehr wird erfreuen können mit seinem Lachen und Tanzen und seiner Lebendigkeit. Aber Sie können mit Zuversicht darauf hoffen, dass Sie die Trauer gemeinsam tragen und ertragen können. Denn Sie stehen einander in Ihrer Familie bei und sind auch von Gott nicht verlassen. Und Sie dürfen wissen: dass J. bei Gott im Himmel gut aufgehoben ist.

Über das dritte Wort in dem Taufspruch für J. sind wir uns wohl einig: dass die Liebe bleibt. Sie werden nie aufhören, ihren kleinen Jungen liebzuhaben, werden nie vergessen, wie er war. Darum ist es auch gut, immer wieder von ihm zu erzählen, denn – so kurz sein Leben auch war – er war für Sie und für Gott ein wichtiger Mensch auf dieser Erde.

Und Sie haben mir viel erzählt von J., so dass ich mir ein Bild machen konnte von ihm: von einem liebreichen und freundlichen Kind.

Viele Erinnerungen an ein glückliches Kind

All das viele, was Sie mir erzählt haben, und vieles andere, was Sie immer wieder erinnern und erzählen werden, bestätigt und unterstreicht, wie sehr Sie dieses Kind geliebt haben. Und wie sehr dieses Kind auch Sie alle liebgehabt hat.

Dafür können Sie wirklich dankbar sein: für diese Liebe und Geborgenheit in der Familie, in der J. umsorgt war und sich einfach wohlgefühlt hat. J. war ein glückliches Kind. Zwar war es ihm nicht geschenkt, ein langes Leben hier auf Erden zu führen, aber die kurze Zeit, die ihm geschenkt war, war eine Zeit voller Liebe und Glück im Kreis seiner Familie.

Um so schrecklicher war dieser Schicksalsschlag für Sie, als dieses völlig gesunde glückliche Kind urplötzlich so schwer erkrankte, dass kein Arzt ihm helfen konnte. Die ganze Welt war für Sie dunkel geworden. Im Taufgottesdienst für J. hatte ich auch gesagt: „Gott begegnet uns manchmal, als wäre er ein Fremder, aber nie hört er auf, uns zu lieben.“ Ich ahnte damals nicht, wie fremd Gott Ihnen gegenübertreten könnte, als sei er gar nicht mehr freundlich, als sei er nur noch eine dunkle Schicksalsmacht.

Aber ich bin immer noch überzeugt, dass Gott nicht aufgehört hat, Sie zu lieben. Ich versuche nicht, Gott zu rechtfertigen, ich kann nicht erklären, warum Gott das getan oder zugelassen hat. Aber ich will Ihnen eine kleine Geschichte erzählen, an die ich mich erinnert habe. Ich musste schon einmal ein kleines Mädchen beerdigen, und unser kleiner Sohn beschäftigte sich sehr mit der Frage, ob Gott wirklich gewollt hat, dass dieses Mädchen stirbt. Er meinte dann: „Gott ist auch traurig, dass das Mädchen tot ist. Er hat es doch lieb und weckt es im Himmel wieder auf.“

Und dann stellte er mir noch eine schwierige Frage: „Wächst das Mädchen im Himmel noch?“ Ich musste darüber erst einmal nachdenken, und dann habe ich ihm gesagt, dass ich mir das schon vorstellen kann. Wie wir genau im Himmel aussehen werden und ob wir uns da verändern, ob wir größer und reifer werden, das wissen wir nicht. Aber wenn wir uns schon hier auf Erden verändern, warum soll das dann nicht auch im Himmel möglich sein, wo Gott uns das ewige Leben verspricht?

Wie gesagt, ich will und kann Gott nicht rechtfertigen. Wir machen alle mit Gott unsere eigenen Erfahrungen, und es ist gut, wenn jeder selber mit ihm redet und nicht aufgibt, zu ihm zu beten, egal mit was für Worten.

Und ich denke, Sie dürfen auch selber Ihre eigenen Geschichten vom Himmel erzählen. Sich ausmalen, wie es J. dort geht, wie er auf den himmlischen Wiesen herumspringt und dem lieben Gott auf den Schoß klettert. Ich stelle mir vor, dass Gott ihn liebevoll in den Arm nimmt. In der Bibel heißt es ja, dass Gott uns trösten will wie eine Mutter (Jesaja 66, 13). Ja auch uns will er in seine Liebe einschließen, gerade wenn wir vor Verzweiflung nicht weiter wissen und einfach am Ende sind.

Wir dürfen alles, was wir fühlen, alle unsere offenen Fragen vor Gott ausbreiten. Worauf es keine Antworten gibt, das dürfen wir loslassen. Was unsere Seele belastet, werfen wir auf Gott, es soll uns nicht für immer niederdrücken und lähmen. Amen.

EG 533: Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand

Gott, Du bist bei uns, auch wenn wir Deine Nähe nicht spüren. Halte uns fest, wenn wir nicht weiter wissen, wenn unsere Gedanken sich im Kreise drehen. Wenn wir uns zu-machen möchten gegenüber allem, was uns anrühren könnte, dann mach uns stark, unsere Gefühle auszuhalten.

Gott, du hast uns so viel Freude mit J. geschenkt. Lass uns in der Erinnerung dankbar bleiben für viele glückliche Stunden. Lass uns gewiss sein, dass J. bei dir im Himmel gut aufgehoben ist.

Und Gott – gib uns genug Kraft für die Zeit der Trauer, gib uns Geduld, um die Achterbahn unserer Gefühle auszuhalten, um nicht zu erstarren in der Angst vor jedem Fühlen, vor jedem Gedanken an die Vergangenheit und an die Zukunft. Lass uns am Leben festhalten, auch wenn wir es als Zumutung empfinden, leben zu müssen, wenn unser Kind nicht mehr leben darf. Lass uns offen bleiben für neue Wege, für neue Hoffnung, auch wenn wir uns jetzt noch nicht vorstellen können, wo unser Weg hingehen soll.

Gott, schenke uns Offenheit vor allem in der Familie, damit wir einander anvertrauen, was mit uns ist, dass wir Hilfe geben, wo es nötig ist, und Hilfe annehmen, wo wir sie brauchen. Amen.

Hinweise zur Veröffentlichung anonymisierter Texte von Trauerfeiern auf dieser Homepage

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.