Brotwunder in der Zeit der Dürre

Klingt wie ein Märchen, dass aus wenig Brot oder Getreide plötzlich viel wird. Das Kind in uns wünscht sich von ganzem Herzen, dass auf solche märchenhafte Weise alle Menschen in der Welt zu essen bekommen und dass auch unsere Seele satt wird. Oder ist diese Geschichte mehr als ein Märchen? Zeigt sie den Weg, auf dem alle satt werden können?

Getreide in zwei Händen, wie ein Herz geformt - Brotwunder?

Hilft es, wenn man wenig teilt? (Bild: Blackout_Photography – pixabay.com)

#gedankeTurmgebet am Donnerstag, 7. August 2003, um 18.00 Uhr im Stadtkirchenturm Gießen

Herzlich willkommen im Stadtkirchenturm zu einem Turmgebet an einem sehr heißen Tag!

Wir werden gemeinsam beten und singen, gemeinsam Gottes Wort hören. Hier sind Kerzen, Zeichen des Lichts, der Hoffnung, die angezündet werden können, hier sind Steine, Zeichen der Belastungen auf unserer Seele, hier ist ein Buch, in das Gedanken und Fürbitten zu Gott eingetragen werden können.

Im Namen des Gottes Abrahams und Saras, im Namen Jesu, geboren von Maria, im Namen der Weisheit Gottes, des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten gemeinsam mit dem Psalm 23, im Evangelischen Gesangbuch unter Nr. 711:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Amen.

Gott, wir klagen dir die Hitze des Sommers, die Angst vor Klimaveränderungen und vor Missernten. Gemeinsam rufen wir zu dir: „Herr, erbarme dich!“

Gott, wir klagen dir den Hunger in der Welt und die Arbeitslosigkeit auch in Deutschland. Wir klagen dir unsere Hilflosigkeit angesichts des Zerfalls von Sozialsystemen und die leichtfertigen Sprüche vom Krieg der Generationen. Gemeinsam rufen wir zu dir: „Herr, erbarme dich!“

Wir klagen dir Übersättigung und seelische Leere in unserem reichen Land. Den Mangel an Zufriedenheit und die Sucht nach dem immer größeren Kick. Gemeinsam rufen wir zu dir: „Herr, erbarme dich!“

Wir hören, Gott, dass du Wunder tust, aber wir können es kaum glauben. Wie soll das geschehen, dass alle satt werden, dass für jeden Menschen genug da ist? Hilf uns, dass wir das begreifen, hilf uns, dass wir es lernen, auf dich zu vertrauen. Gemeinsam rufen wir zu dir: „Herr, erbarme dich!“

In der Stille klagen wir, was wir außerdem auf dem Herzen haben.

Stille

Gemeinsam rufen wir zu dir: „Herr, erbarme dich!“

Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Gott verspricht uns, dass wir keinen Mangel leiden müssen. Es gibt genug für alle von dem, was wir brauchen, von Liebe, von Frieden, vom Sattwerden, von Zufriedenheit (Psalm 23, 1):

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Erinnern wir uns in der Stille an den Mangel, den Gott in unserem Leben gestillt hat, an den Überfluss, den er uns geschenkt hat, an die Zufriedenheit, die wir erfahren haben.

Stille

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103, 2)

In der Bibel steht eine märchenhafte Geschichte von dem Propheten Elisa aus dem Volk Israel.

Ich dachte an diese Geschichte jetzt in der Zeit der Trockenheit.

Sie steht im Buch 2. Könige 4 und spielt in der Zeit einer schlechten Ernte:

42 Es kam aber ein Mann von Baal-Schalischa und brachte dem Propheten Elisa seine Erntedankgabe, nämlich zwanzig Gerstenbrote, und neues Getreide in seinem Kleid. Elisa aber sprach: Gib‘s den Leuten, dass sie essen!

43 Der andere sprach: Wie soll ich davon hundert Mann geben? Der Prophet sprach: Gib den Leuten, dass sie essen! Denn so spricht der HERR: Man wird essen, und es wird noch übrigbleiben.

44 Und er legte es ihnen vor, dass sie aßen; und es blieb noch übrig nach dem Wort des HERRN.

EG 623: Du bist da, wo Menschen leben

Um den Propheten Elisa im Alten Testament schart sich eine Prophetenschule, sie umfasst hundert Schüler und lebt von den Erntegaben umliegender Dörfer. In guten Jahren kriegen sie Wagenladungen voll Brot und Getreide. Aber jetzt ist Hungersnot, nur „zwanzig Gerstenbrote“ bringt ein Mann, „und neues Getreide in seinem Kleid“, nicht mehr, als er selber tragen kann. Elisa beklagt sich nicht, dass das so wenig ist: „Gib‘s den Leuten, dass sie essen!“ sagt er einfach. Er ist sicher, wo man zu geben bereit ist, werden Menschen auch von Wenigem satt. „Man wird essen, und es wird noch übrigbleiben.“

Klingt wie ein Märchen, dass aus wenig Brot oder Getreide plötzlich viel wird. Das Kind in uns wünscht sich von ganzem Herzen, dass auf solche märchenhafte Weise alle Menschen in der Welt zu essen bekommen und dass auch unsere Seele satt wird.

Oder ist die Geschichte dieses Wunders mehr als ein Märchen? Schlägt sie der harten Realität, in der Wunder keinen Platz haben, ein Schnippchen? Zeigt sie den Weg, auf dem wirklich alle satt werden können?

Ist es nicht schon ein Wunder, dass überhaupt ein Mann mit Erntedankgaben kommt? Stellen Sie sich vor, es ist Dürre, wie im Nachkriegsjahr 1947, wie mir gestern ein alter Mann erzählte, wo es von März bis Oktober nur heiß war und keinen Regen gab, wo nur sooo kleine Kartoffeln auf dem Acker wuchsen, und das bei dem Hunger, der sowieso herrschte. Stellen Sie sich vor, es ist heiß in der sengenden Sonnenhitze. Und da kommt ein Mann und bringt den Prophetenschülern zu essen. Er allein. Getreide, das er in seinem Gewand tragen kann und zwanzig Brote. Elia weiß: Teilen macht satt – Teilen ist das Wunder.

EG 634: Die Erde ist des Herrn

Lasst uns beten mit dem Gebet unter Nr. 854 im Gesangbuch:

Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Bleibe bei uns und bei deiner ganzen Kirche. Bleibe bei uns am Abend des Tages, am Abend des Lebens, am Abend der Welt. Bleibe bei uns mit deiner Gnade und Güte, mit deinem heiligen Wort und Sakrament, mit deinem Trost und Segen. Bleibe bei uns, wenn über uns kommt die Nacht der Trübsal und Angst, die Nacht des Zweifels und der Anfechtung, die Nacht des bitteren Todes. Bleibe bei uns und allen deinen Gläubigen in Zeit und Ewigkeit.

Vater unser

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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