Bunte Vielfalt statt Prunken mit Farbe

Taufgottesdienst mit einer Psalmpredigt über Gott, den vergebenden Rächer.

Durch das Banner bekommt die Pauluskirche auch außen mehr Farbe. Eine bunte Vielfalt hat im Pauluszentrum ihren Platz: Kindergartenkinder und ihre Eltern, Konfis und Senioren; es wird Theater und Capoeira gespielt, Musik gemacht und gesungen. Manchmal finden interreligiöse Feiern statt, denn unsere Kita besuchen Kinder sehr verschiedener Herkunft und unterschiedlicher Religion.

Altar der evangelischen Pauluskirche zum Taufgottesdienst mit Taufkerzen

Altar der evangelischen Pauluskirche Gießen zum Taufgottesdienst mit Taufkerzen

#predigtTaufgottesdienst am Sonntag, 14. September 2014, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug der Tauffamilien

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

In der Evangelischen Pauluskirche begrüße ich Sie herzlich mit dem Wort zur Woche aus dem Evangelium nach Matthäus 25, 40. Christus spricht:

Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern [und Schwestern], das habt ihr mir getan.

… und … werden in diesem Gottesdienst getauft. Wir heißen sie mit ihren Familien und ihren Paten besonders herzlich willkommen!

Zum ersten Mal beteiligt sich unsere Gemeinde heute am „Tag des Offenen Denkmals“, weil uns das diesjährige Motto der Aktion angesprochen hat. Es lautet „Farbe“, und dazu passen unsere farbenfrohen Kirchenfenster. Herr Pfarrer Schütz wird sie heute Nachmittag in zwei Meditationen intensiver betrachten. Auf dem Weg zur Kirche haben Sie vielleicht bemerkt, dass die Pauluskirche auch außen farbiger geworden ist. An der Seitenwand wurde ein Banner aufgehängt, das auf die vielfältigen Angebote für Jung und Alt im Pauluszentrum hinweist.

Das erste Lied 514 ist ein Loblied auf die Vielfalt der Schöpfung. Darin kommen ausdrücklich die bunten Blumen vor. Wir singen die Strophen 1 bis 2 und 4 bis 5:

1. Gottes Geschöpfe, kommt zuhauf! Halleluja, Lasst brausen hoch zum Himmel auf: Halleluja! Du Sonne hell mit goldnem Strahl, Halleluja, Mond leuchtend hoch vom Himmelssaal, Halleluja. Singt ihm Ehre! Singt ihm Ehre! Halleluja.

2. Du Sturm, der durch die Welten zieht, Halleluja, du Wolke, die am Himmel flieht, Halleluja. Du Sommers junges Morgenrot, Halleluja, du Abendschein, der prächtig loht, Halleluja. Singt ihm Ehre! Singt ihm Ehre! Halleluja.

4. Du, Mutter Erde, gut und mild, Halleluja, daraus uns lauter Segen quillt, Halleluja. Ihr Blumen bunt, ihr Früchte treu, Halleluja, die Jahr um Jahr uns reifen neu, Halleluja. Singt ihm Ehre! Singt ihm Ehre! Halleluja.

5. Ihr Herzen, drin die Liebe wohnt, Halleluja, die ihr den Feind verzeihend schont, Halleluja. Ihr, die ihr traget schweres Leid, Halleluja, es Gott zu opfern still bereit, Halleluja. Singt ihm Ehre! Singt ihm Ehre! Halleluja.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wer die Pauluskirche betritt, dem fällt wohl als erstes das Altarfenster mit seinen leuchtenden Farben auf. Dabei dominieren die rote und die gelbe Farbe, aber auch Weiß spielt eine große Rolle, und die dritte Grundfarbe taucht als Farbtupfer im Heiligenschein Christi, des Apostels Paulus und der beiden Engel auf.

In der Bibel kommt das Wort „Farbe“ oder „farbig“ nur ganz selten vor. Aber dort, wo es in einem guten Sinne vorkommt, ist die Farbigkeit der Schöpfung ein Grund, um den Schöpfer der Natur zu loben. Im Buch Sirach 43, 12 heißt es:

Sieh den Regenbogen an und lobe den, der ihn gemacht hat! denn er hat sehr schöne Farben.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Warum kommt das Wort „Farbe“ und „Buntheit“ in der Bibel insgesamt so wenig vor? Nicht weil die Schöpfung nicht bunt und vielfältig wäre oder sein dürfte. Sondern – im Gegenteil – eher, weil in alter Zeit nur besonders reiche Menschen farbige Kleidung tragen konnten und durch diesen Prunk ihre Besonderheit und Macht zur Schau stellen wollten. Wer ein buntes Hemd trug, der fiel auf. Josef erregte den Neid seiner Brüder, weil sein Vater ihm als Lieblingssohn so ein buntes Kleid schenkte und er auch noch stolz darauf war (1. Buch Mose 37, 3-4):

3 Israel aber hatte Josef lieber als alle seine Söhne, weil er der Sohn seines Alters war, und machte ihm einen bunten Rock.

4 Als nun seine Brüder sahen, dass ihn ihr Vater lieber hatte als alle seine Brüder, wurden sie ihm feind und konnten ihm kein freundliches Wort sagen.

Auch Tiere, die allzu auffällig gefärbt sind, können anderen Tieren zum Opfer fallen, wie der Prophet Jeremia 12, 9 sagt, zum Beispiel…

… der bunte Vogel, um den sich die Vögel sammeln: Wohlauf und sammelt euch, alle Tiere des Feldes, kommt und fresst!

Verstehen wir: Wenn Farbe dazu dient, besser sein zu wollen oder mit dem eigenen Reichtum anzugeben, dann wird die bunte Schöpfung Gottes missbraucht. Buntheit soll für Vielfalt stehen, nicht für Extravaganz. Farbe soll für alle da sein.

Gott, mach uns bewusst, wo die Grenze zwischen einer vertretbaren schönen Ausgestaltung unserer Kirchenräume und einer übertriebenen Prunksucht verläuft. Hilf uns, die Buntheit der Natur und unserer Menschenwelt wahrzunehmen und zu akzeptieren, und bewahre uns sowohl vor falschem Stolz als auch vor Eifersucht und Neid. Wir rufen zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Im Regenbogen bricht sich die weiße Farbe des Lichts und malt die Buntheit der Welt in ihrer ganzen Vielfalt und Schönheit an den Himmel. Die weiße Farbe selbst wird in der Bibel mit Gott selbst verbunden. So sprechen wir mit Psalm 104 (1-2a):

Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Die Buntheit der Welt spiegelt sich wider in unserem Stadtteil, in unserer Paulusgemeinde, in unserem Kindergarten, mit all den Menschen verschiedener Herkunft, die hier im Frieden zusammenleben. Gott, wir bitten dich, dass wir Frieden bewahren und ausbauen und als gute Nachbarn Verantwortung füreinander übernehmen. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Buch Jesaja 6, 1-3:

1 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel.

2 Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie.

3 Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Den Gott, der über den Cherubim thront, der von Serafim umgeben ist, der die Engel, die ihn loben, als seine Diener in die Welt entsendet, den wollen wir auch loben mit dem Lied 331, Strophe 1 bis 3, 5 und 11:

1. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

2. Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh: »Heilig, heilig, heilig!« zu.

3. Heilig, Herr Gott Zebaoth! Heilig, Herr der Himmelsheere! Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.

5. Dich, Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine. Deinem eingebornen Sohn singt die heilige Gemeinde, und sie ehrt den Heilgen Geist, der uns seinen Trost erweist.

11. Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen; deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen. Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein.

Geschmücktes Taufbecken, Altar und Altarfensterbild der Pauluskirche

Das geschmückte Taufbecken vor dem farbenfrohen Altarfensterbild der Pauluskirche

Liebe Tauffamilien, liebe Gemeinde!

Zwei Kinder taufen wir heute, … Beide Kinder haben von ihren Eltern Namen bekommen, die in der Bibel vorkommen. Iseah heißt auf Deutsch Jesaja, dieser Name erinnert an den Propheten, von dem wir gerade gehört haben, dass er die Engel im Himmel hat loben und singen hören. Und Michael ist der Name eines Erzengels, dort auf dem Fensterbild über der Orgelempore ist er dargestellt.

Fangen wir mit Michael an. … Sie haben Ihren beiden Kindern die Namen von Engelfürsten gegeben: Gabriel und Michael. Das sind starke Namen, sie erinnern an starke Gestalten der Bibel. Gabriel kündigt Jesu Geburt an, Michael führt Krieg gegen den Drachen der Finsternis, der die Menschen Tag und Nacht vor Gott schlecht zu machen versuchte (Offenbarung 12, 10). Auch Ihre beiden Kinder entwickeln schon starke Persönlichkeiten. Den Gabriel kenne ich gut aus dem Kindergarten und von seinem ersten Schultag letzte Woche. Vom Michael weiß ich, dass er seine Welt sehr selbstbewusst erobert, sei es dass er beim Laufenlernen sein Gleichgewicht erst einmal mit erhobener Hand zu halten versuchte, oder sei es, dass er mit seinem ersten Zahn Löcher in eine Kakaopackung biss und auf einmal überall braun bepudert war.

Für Michael haben Sie den Taufspruch aus Psalm 121, 7 ausgewählt:

Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

Dieser schlichte Vers geht davon aus, dass wir als Menschen Schutz brauchen und dass dieser Schutz auch da ist. Egal wie stark wir sind oder uns fühlen, wir sind als Menschen sehr verletzlich. Aber Gott ist da und bewahrt uns in seiner Obhut. Wovor behütet uns Gott? Vor allem Übel. Übel ist alles, was böse ist, und zwar böse in dem Sinne, dass es unsere Seele böse machen könnte. Egal was diesem Kind passiert, was es auf seinem Lebensweg bewältigen muss, niemals soll seine Seele böse werden.

Natürlich wünschen wir uns, dass Michael auch vor anderen Übeln bewahrt bleibt: vor Krankheit und Leid, vor Unglück und Gefahr. Aber kein Menschenleben läuft ganz ohne Sorgen und Nöte ab. Dafür gibt es in der Bibel keine Garantie. Eine Garantie kriegen wir aber, dass Gott uns nie allein lässt. Für immer begleitet er uns mit seiner Liebe.

Kommen wir zu Iseah. Seine Mutter kenne ich schon viele Jahre, weil ich sie konfirmiert habe; ich kann mich noch gut an sie erinnern. Sein Vater Robel will uns gleich ein Lied singen, das er seinem Sohn widmet, es heißt „Circle Of Life“, Kreislauf des Lebens.

In diesem Lied geht es unter anderem darum, dass das Leben nicht nur aus dem besteht, was man nimmt und kriegen kann, sondern auch aus dem, was man gibt und anderen schenken kann. Manche Menschen fallen am Wegrand zu Boden, andere steigen zu den Sternen auf, viele kommen klar mit ihren Problemen, andere müssen mit ihren Wunden leben. Aber die Sonne am saphirblauen Himmel scheint über Groß und Klein und erinnert daran, dass im Kreislauf des Lebens der Sprung in den Glauben möglich ist und das Glück und das Band der Hoffnung gefunden werden können.

Ich finde, dieses Lied hat viel zu tun mit dem Taufspruch, den Sie beide für Iseah ausgesucht haben. Er steht im Psalm 27, 1:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?

Auch das ist ein starker Spruch für einen Jungen, von dem man ja erwartet, dass er keine Angst kennt, mutig und stark ist. Aber ich finde es gut, dass wenigstens als Frage ausgesprochen wird, dass man sich in dieser Welt durchaus vor manchem fürchten könnte. Egal ob Mädchen oder Junge, ob Mann oder Frau, es gibt Dinge, die uns Angst machen, es gibt Menschen, die anderen das Leben schwer machen. Darum ist es gut, wenn ein Kind vom Anfang seines Lebens an ein Urvertrauen aufbauen kann und spüren kann: Ich bin geliebt, so wie ich bin! Ich darf so sein und bin gut so, wie ich bin! Und weil ich so bin, wie ich bin, kann ich auch andere Menschen so nehmen, wie sie sind, kann sie mit Liebe und Respekt behandeln. In der Bibel ist klar gesagt, dass Gott, der das Licht und die Liebe ist, uns zum Bild seiner Liebe geschaffen hat. Das heißt nicht, dass wir so aussehen wie er, nein, wo wir, so verschieden wir sind, miteinander in Liebe und Frieden leben, sind wir im Vergleich zu Gott wie der bunte Regenbogen, dessen Licht vom weißen Licht der Sonne kommt.

Darum also, weil Gott das Licht auch für Iseah ist, weil er heil macht, was in seiner Welt böse oder kaputt ist, darum muss er nicht ein Leben in Furcht leben, sondern er kann im Kreis des Lebens das Vertrauen zu Gott finden, Hoffnung bewahren und glücklich werden.

So viel zu den Taufsprüchen unserer beiden Taufkinder. Nun singt Robel Ambaye das Lied:

Circle Of Life
Robel Ambaye singt ein Lied zur Taufe seines Sohnes

Robel Ambaye singt ein Lied zur Taufe seines Sohnes

Glaubensbekenntnis und Taufen

In unserem Evangelischen Gesangbuch kommt nur in zwei Liedern das Wort „Farbe“ vor. Eins davon passt heute gar nicht, es ist das Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“, da verliert Jesus während seines Leidens die Farbe seiner Wangen. Das andere ist das Tauflied 574, das wir jetzt singen wollen. Da ist von den Farben der Blumen die Rede, die unsere Kinder mit der Zeit zu sehen und zu unterscheiden lernen:

Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, als wir geplant haben, uns an diesem Sonntag am Tag des Offenen Denkmals zum Thema „Farbe“ zu beteiligen, wussten wir noch nicht, dass passend zu diesem Anlass ausgerechnet in dieser Woche das neue Banner für unser Pauluszentrum außen an der Kirchenwand angebracht werden würde. Durch dieses Banner bekommt die Pauluskirche, die ja innen bereits farbenfroh ausgestaltet ist, nun auch außen etwas mehr Farbe. Und die Menschen, die an ihr vorbeigehen, können sofort erkennen, was für eine Gemeinde wir sind und sein wollen. Hier finden junge und alte Menschen ihren Platz. Zum Beispiel im Gemeindesaal: da turnen die Kindergartenkinder, ihre Eltern kommen zu Elternabenden zusammen, Konfis setzen sich mit Kirche und Glauben auseinander, Senioren halten sich fit, es wird Theater und Capoeira gespielt, Musik gemacht und gesungen. Manchmal finden auch interreligiöse Feiern statt, denn in unsere Kita gehen Kinder sehr verschiedener Herkunft und unterschiedlicher Konfessionen und Religionen. Die Paulusgemeinde und ihr Kinder- und Familienzentrum sind so eng miteinander verbunden, dass wir auch nach außen sichtbar machen wollen: wir sind ein Pauluszentrum, in dem ganz bewusst eine bunte Vielfalt gelebt wird.

Aufhängung des Banners für das Pauluszentrum an der Wand der evangelischen Pauluskirche Gießen

Am 11. 9. 2014 wurde das Banner für das Pauluszentrum an der Nordwand der Pauluskirche aufgehängt

Diese Vielfalt hat nichts mit Unverbindlichkeit zu tun, als ob es egal wäre, was wir glauben. In meiner Predigt möchte ich einen Psalm der Bibel auslegen, um zu erklären, wo in der bunten Vielfalt des Pauluszentrums die tragende Mitte zu finden ist. Es ist der Psalm 99, den wir Vers für Vers betrachten:

1 Der HERR ist König, darum zittern die Völker; er sitzt über den Cherubim, darum bebt die Welt.

2 Der HERR ist groß in Zion und erhaben über alle Völker.

Wenn in der Bibel das Wort „HERR“ groß geschrieben wird, dann steht im Urtext der Name Gottes, der nie ausgesprochen wurde. Dieser Name bedeutet „Ich bin für euch da“, er steht dafür, dass Gott die Menschen liebt. Dieser Gott steht bei uns im Mittelpunkt. Er will die Freiheit der Menschen. Er will Gerechtigkeit für Unterdrückte und Benachteiligte. Der Psalm singt ziemlich unverschämt, dass die Völker vor diesem Gott zittern; das klingt anmaßend, aber das kleine Volk Israel wurde tatsächlich aus der Sklavenherrschaft des altägyptischen Pharaonenreichs befreit und aus der Babylonischen Gefangenschaft zurückgeführt. Der unsichtbare Gott, so stellt es sich der Psalm vor, ist mächtiger als alle anderen Mächte und bringt eine Welt zum Beben, in der Unrecht und Bosheit herrschen. Alle anderen unsichtbaren Kräfte können mit dem Gott, der die Liebe ist, nicht konkurrieren; sie sind ihm untertan; er thront über den mächtigen Engeln, die Cherubim oder Serafim genannt werden. Auf unserem Fensterbild sind die Serafim mit ihren sechs Flügeln zu sehen; außerdem ist zwar nicht der unsichtbare Gott dargestellt, aber doch, mit welchem Gesicht wir uns diesen Gott seit der Himmelfahrt Christi vorstellen können: es ist das Gesicht von Jesus, der mit seiner Liebe den Tod besiegt hat und mit dem Vater im Himmel eins ist.

3 Preisen sollen sie deinen großen und wunderbaren Namen, – denn er ist heilig –

4 und die Macht des Königs, der das Recht lieb hat. Du hast bestimmt, was richtig ist, du schaffst Gericht und Gerechtigkeit in Jakob.

Nun wird der Name Gottes ausdrücklich gepriesen: heilig ist er, weil er anders als andere Götter wirklich für Gerechtigkeit in Israel sorgt. Und die Macht des Königs wird nicht deshalb hervorgehoben, weil sie absolut wäre und über dem Gesetz stünde, im Gegenteil, nur ein Machthaber im Staat, der das Recht lieb hat, verdient es, überschwänglich gelobt zu werden.

5 Erhebet den HERRN, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße; denn er ist heilig.

Gott ist so groß, dass es kein Gotteshaus gibt, in dem er wohnen könnte. Vielleicht könnte er eine Kirche gerade mal als Fußbänkchen nutzen, aber auch das ist natürlich bildlich gemeint.

6 Mose und Aaron unter seinen Priestern, und Samuel unter denen, die seinen Namen anrufen, die riefen den HERRN an, und er erhörte sie.

Warum werden Mose, Aaron und Samuel besonders hervorgehoben? Weil Mose die Zehn Gebote Gottes auf dem Berg Sinai empfing? Weil Aaron der erste Hohepriester des Volkes Israel war? Weil Samuel der Prophet war, der die ersten beiden Könige Israels salbte? Hier wird von ihnen nur eins gesagt: dass sie den Herrn anriefen. Sie beten zu Gott. Sie bitten um Hilfe und werden erhört. Darin sind sie Vorbilder für uns.

7 Er redete mit ihnen in der Wolkensäule; sie hielten seine Gesetze und Gebote, die er ihnen gab.

Hier wird näher erläutert, auf welche Weise Gott diejenigen erhört, die zu ihm rufen: er redet mit ihnen. Damals auf dem Weg durch die Wüste erschien er ihnen in einer Wolkensäule. Heute sind Gottes Worte in der Bibel zu lesen oder in Predigten zu hören. Und was erzählt Gott ihnen, was sagt er uns? Er gibt ihnen und uns Gesetze und Gebote als hilfreiche Wegweisung für ihr und unser Leben. „Gesetz“ klingt für uns oft einengend; der heilige Gott gibt uns Gesetze, die uns frei machen – frei von egoistischer Eigensucht und frei zu einer Selbstliebe, die zugleich offen wird für die Liebe zum Nächsten.

8 HERR, du bist unser Gott, du erhörtest sie; du, Gott, vergabst ihnen und straftest ihr Tun.

Mit diesem Vers können wir in das Bekenntnis zu dem befreienden Gott Israels einstimmen, der durch Jesus Christus auch unser Gott geworden ist: „Herr, du bist unser Gott!“ Als Begründung wird noch einmal wiederholt, dass Gott ihr Gebet erhörte. Das heißt, wörtlich steht da, dass er auf ihr Gebet antwortete. Etwas überraschend wird Gott zugleich als vergebender und als strafender, wörtlich sogar als rächender Gott bezeichnet; wir sehen darin oft einen Gegensatz. Gott ist ein sanftmütiger Rächer, der den Opfern von Unrecht ihr Recht verschafft, aber nicht dadurch, dass er die Täter vernichtet, sondern ihnen die Umkehr von ihren bösen Taten ermöglicht.

9 Erhebet den HERRN, unsern Gott, und betet an auf seinem heiligen Berge; denn der HERR, unser Gott, ist heilig.

Mit einer nochmaligen Aufforderung, Gottes Größe anzuerkennen und ihn anzubeten, endet der Psalm 99. Der Gott, der Recht und Gerechtigkeit schafft, der Freiheit und Frieden will, er ist heilig, er ist Licht und Liebe, er traut uns zu, auf seinen Wegen zu gehen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 424: Deine Hände, großer Gott, halten unsre liebe Erde

Du Gott der Liebe, behüte unsere Taufkinder Iseah und Michael und lass sie in der Liebe ihrer Familie groß werden und ohne Furcht zu Männern heranwachsen, die stark darin sind, auf deinen Wegen zu gehen und Frieden zu schaffen.

Du Gott des Friedens, hilf den Völkern im Krieg, im Waffenstillstand, in angespannten Situationen, und sende ihnen Menschen, die nach friedlichen Auswegen suchen. Wir denken vor dir auch an die Bürgerinnen und Bürger, die in diesen Tagen über die Zukunft ihres Landes entscheiden – in Thüringen und Brandenburg, in Schottland und vielleicht in Katalonien.

Du Gott des Lichtes, wir bitten dich heute insbesondere für Frau …, die im Alter von … Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben ist und die wir in der vergangenen Woche bestattet haben. Nimm sie auf in deinen ewigen Frieden und begleite ihre Angehörigen und Freunde mit deinem Trost und mit dem zuversichtlichen Mut, auf deinen Wegen zu gehen.

Gebetsstille und Vater unser
Lied 334: Danke für diesen guten Morgen
Abkündigungen
Segen

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