„Der Mensch setzt sich’s wohl vor im Herzen…“

Schwierig ist es, sich wenig vorzunehmen – das aber könnte dann um so besser gelingen! Vor allem, wenn man es im Vertrauen auf Gott unternimmt. Wann gefallen dem Herrn unsere Wege? Richtig – wenn wir barmherzig miteinander und mit uns selbst umgehen! Ich könnte mir vorstellen, dass wir dann auch wie von selbst mit manchem anderen Menschen viel besser auskommen.

Ein Weg mit zwei Spuren führt in einen dunklen Wald, ein verschlungener Weg mit einer Spur, der zu einem Häuschen führt

Zwei Wege (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtÖkumenischer Gottesdienst am Altjahrsabend, Samstag, den 31. Dezember 1994, um 18.00 Uhr in der Kirche Gau-Odernheim und Abendmahlsgottesdienst an Neujahr, Sonntag, den 1. Januar 1995, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Herzlich willkommen am ersten Tag des Neuen Jahres in unserer Klinik-Kapelle! „Der Mensch denkt, aber Gott lenkt“, dieses Sprichwort kennen wir wohl alle. Es steht in der Bibel, im Predigttext für heute, und es soll uns hineinleiten in das Neue Jahr.

Als erstes Lied singen wir nun aus dem neuen Gesangbuch das Lied Nr. 62, 1 und 3 und 4:

1) Jesus soll die Losung sein, da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein denen zum Paniere dienen, die in seinem Bunde stehn und auf seinen Wegen gehn.

3) Unsre Wege wollen wir nur in Jesu Namen gehen. Geht uns dieser Leitstern für, so wird alles wohl bestehen und durch seinen Gnadenschein alles voller Segen sein.

4) Alle Sorgen, alles Leid soll der Name uns versüßen; so wird alle Bitterkeit uns zur Freude werden müssen. Jesu Nam sei Sonn und Schild, welcher allen Kummer stillt.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen“.

Wir beten mit Worten aus Psalm 8, und zwar das Psalmgebet, das auch im neuen Gesangbuch abgedruckt ist unter Nr. 705 „Was ist der Mensch, Herr, dass du dich seiner annimmst?“ Ich bete den linksbündigen Text vor, und Sie sprechen bitte, wenn Sie möchten, die eingerückten Teile:

2 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, / der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

3 Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen.

4 Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, / den Mond und die Sterne, die du bereitest hast:

5 was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, / und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

6 Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, / mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

7 Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, / alles hast du unter seine Füße getan:

8 Schafe und Rinder allzumal, / dazu auch die wilden Tiere,

9 die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer / und alles, was die Meere durchzieht.

10 HERR, unser Herrscher, / wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ewiger, unendlich großer Gott – unsere kurze, amselige Lebenszeit steht in deinen Händen. Von dir haben wir sie, vor dir verantworten wir sie, in dir wird sie einmal enden. Darum bitten wir dich: begleite uns auch, wenn wir hineingehen in ein Neues Jahr. Lass uns nicht allein, wenn wir uns Gedanken machen über unser Leben. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Lukas 4, 16-21:

16 Und Jesus kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen.

17 Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht:

18 »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen,

19 zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«

20 Und als er das Buch zutat, gab er’s dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn.

21 Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja,Halleluja,Halleluja.“

Wir singen aus dem neuen Gesangbuch das Lied 638, 1-3:
Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Wir hören den Predigttext aus den Sprüchen Salomos (Sprüche 16, 1-9):

1 Der Mensch setzt sich’s wohl vor im Herzen; aber vom HERRN kommt, was die Zunge reden wird.

2 Einen jeglichen dünken seine Wege rein; aber der HERR prüft die Geister.

3 Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen.

4 Der HERR macht alles zu seinem Zweck, auch den Gottlosen für den bösen Tag.

5 Ein stolzes Herz ist dem HERRN ein Greuel und wird gewiss nicht ungestraft bleiben.

6 Durch Güte und Treue wird Missetat gesühnt, und durch die Furcht des HERRN meidet man das Böse.

7 Wenn eines Menschen Wege dem HERRN wohlgefallen, so lässt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen.

8 Besser wenig mit Gerechtigkeit als viel Einkommen mit Unrecht.

9 Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

Liebe Gemeinde,

wenn ein altes Jahr zu Ende geht, macht man sich bewusster als sonst, wie schnell die Zeit verrinnt, wie Sand zwischen unseren Fingern. Scheibchenweise, stunden-, minuten-, sekundenweise wird sie abgeschnitten von dem Jahr, durch das wir 365 Tage lang gegangen sind. Wir sind festgekettet an der Zeit, so lange wir hier auf Erden leben, und wenn die Zeit vergeht, vergehen wir auch. Irgendwann wird auch unsere eigene irdische Lebenszeit so zu Ende sein wie dieses vergehende/vergangene Jahr 1994.

Doch in dieser Nacht, als zum letzten Mal im Jahre 1994 der Stundenzeiger 24.00 Uhr anzeigte, da war es mit einem Schlage, genauer gesagt mit zwölf Glockenschlägen, doch gleich wieder 0.00 Uhr – 0.00 Uhr eines neuen Tages, Beginn eines ganz neuen Jahres. 1995 liegt vor uns wie ein fast unangebrochener Hundertmarkschein, wie ein frisch angeschnittener Kuchen, ein Geschenk für uns, neue Zeit für uns. Was werden wir tun mit den vielen Augenblicken dieses Neuen Jahres?

Silvesternacht, Neujahrstag – das ist natürlich auch die Zeit der Pläne, der guten Vorsätze. Genau so oft, wie gute Vorsätze gefasst wurden, ist allerdings auch schon darauf hingewiesen worden, wie schnell man sie wieder vergisst.

Aber heißt das, dass man sich überhaupt nichts vornehmen soll, dass man ja in seinem Leben sowieso nichts ändern kann? Unser Bibeltext, der uralte Weisheiten aus der zeit vor dreitausend Jahren zusammenfasst, sieht das so:

1 Der Mensch setzt sich’s wohl vor im Herzen; aber vom HERRN kommt, was die Zunge reden wird.

Das heißt doch: Ohne einen Halt an Gott zu haben, ohne sich in Gott geborgen zu fühlen, ohne die Liebe Gottes zu spüren, ohne zu wissen: Ich bin für Gott wichtig! – werden wir uns nicht wesentlich verändern können. Aber was wir uns vornehmen, kann dann etwas fruchten, wenn wir uns zugleich Gott anvertrauen. Es geht dabei gar nicht um große Dinge – unser Vers denkt einfach nur an das, was unsere Zunge sagt: „Vom Herrn kommt, was die Zunge reden wird“, also ob wir freundlich zu anderen Menschen sprechen oder unfreundlich, ob wir ihnen die Meinung offen und ehrlich ins Gesicht sagen oder nur hintenherum über sie reden.

Schwierig ist es, sich wenig vorzunehmen – das aber könnte dann um so besser gelingen! Vor allem, wenn man es im Vertrauen auf Gott unternimmt, wenn man sich sagt: genau so wie mich liebt Gott alle anderen Menschen auch, genau so wie alle anderen liebt er auch mich. Warum also über die anderen herziehen? Warum sich selber niedermachen? Warum nicht schauen, wie man gut sorgen kann für sich selbst – und auch dem Nächsten etwas Gutes tun kann? Unser Bibeltext drückt das so aus:

3 Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen.

An dieser Stelle lasst uns aus dem Lied 61 die Strophen 1 und 2 singen:

1) Hilf, Herr, Jesu, lass gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; lass es neue Kräfte bringen, dass aufs neu ich wandeln kann. Neues Glück und neues Leben wollest du aus Gnaden geben.

2) Was ich sinne, was ich mache, das gescheh in dir allein; wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr, bei mir sein; geh ich aus, wollst du mich leiten; komm ich heim, steh mir zur Seiten.

Wie gesagt, liebe Gemeinde, es ist verständlich, zu sagen: ich mache mir gar keine guten Vorsätze mehr. Vielleicht, weil man sich denkt: das schaffe ich ja sowieso nicht. Und ich will mir nicht selber zum soundsovielten Mal beweisen, dass ich ein Versager bin. Mag sein, dass manche aber auch denken: Wozu mich ändern, ich kann doch mit mir zufrieden sein. Dazu hören wir in den Sprüchen die Mahnung:

2 Einen jeglichen dünken seine Wege rein; aber der HERR prüft die Geister.

Wieder dieser penetrante Hinweis auf Gott – er prüft die Geister, an seinen Maßstäben entscheidet es sich, ob unsere Wege wirklich rein und in Ordnung sind, oder ob wir falschen Ansichten folgen, eine Lebenshaltung pflegen, die uns oder andere ins Unglück führt. Was kann vor Gott bestehen, vor dem Gott der Barmherzigkeit, vor dem Vater Jesu Christi und dem Vater aller Menschen? Das ist eine lohnende Frage auf dem Weg in das neue Jahr. Und am aller-, allerwichtigsten ist es, ihm nachzufolgen in Punkto Barmherzigkeit: Barmherzig sein mit den Schwächen der Kinder, der Eltern, der Arbeitskollegen / der Mitpatienten, barmherzig sein auch mit den eigenen schwachen Punkten. Wenn es um falschen Stolz auf unsere eigene menschliche Größe geht, wird die Bibel ganz hart in ihrer Sprache:

5 Ein stolzes Herz ist dem HERRN ein Greuel und wird gewiss nicht ungestraft bleiben.

Nein, wir sind nicht so groß, dass wir auf andere herabsehen könnten, wir sind nicht einmal so groß, dass wir uns unsere Fehler selber vergeben und uns selber erlösen könnten. Stolz zu sein, ist nicht immer etwas Böses, man kann auch stolz darauf sein, etwas gut gemacht zu haben, ein Ziel erreicht zu haben, ohne dass man auf andere herabsieht, ohne dass man sich größer machen muss, als man ist. Umgekehrt gibt es eine falsche Demut: wenn wir uns absichtlich so klein machen, dass wir denken: Jetzt muss Gott uns doch automatisch vergeben, schließlich mache ich mich so klein. Nein, auch das ist ein versteckter falscher Stolz: denn wer sich klein macht, fühlt sich ja insgeheim größer. Wir brauchen uns weder kleiner noch größer zu machen, als wir sind. Gott nimmt uns so, wie wir sind, mit unseren starken und mit unseren schwachen Seiten.

Was ist nun mit Menschen, die nicht mit Gottes Güte rechnen wollen, die keine Barmherzigkeit an sich heranlassen möchten und stattdessen hartherzig bleiben? Über sie lesen wir in den Sprüchen diese Weisheit:

4 Der HERR macht alles zu seinem Zweck, auch den Gottlosen für den bösen Tag.

Schwer für uns zu begreifen: Auch die Gottlosen sollen in Gottes Plan ihren Zweck erfüllen, gegen ihren Willen. Aber wozu sind sie da? Damit gute Menschen böse Tage erfahren und dadurch geprüft werden? Damit sie selber irgendwann ihren bösen Tag erfahren, an dem sie selber gestraft werden? Das muss wohl ein Geheimnis bleiben. Jedenfalls können wir von niemandem, nicht einmal von uns selber sagen: Also – ich bin sowieso ein böser Mensch, sündige ich also drauflos, es hat ja sowieso keinen Zweck. Gott traut jedem Menschen Besserung zu, Gott ist bereit, jedem Menschen zu vergeben, der sich einlassen will auf seine Güte und Treue, auf ein Leben in Barmherzigkeit:

6 Durch Güte und Treue wird Missetat gesühnt, und durch die Furcht des HERRN meidet man das Böse.

Noch einmal wird in diesem Vers auf andere Weise vom Glauben an Gott gesprochen, nämlich von der Furcht des Herrn. Bei dieser Gottesfurcht geht es nicht um ein ständiges In-Angst-Leben: mache ich auch ja alles richtig? wird Gott mich wohl strafen? Sondern es geht noch einmal darum: dass wir uns Gott anvertrauen wie einem guten Vater, der seine Kinder liebhat. Dann fürchten wir nichts mehr, als dass wir diesen Gott verlieren, dass wir von ihm alleingelassen sein könnten. Und wenn wir uns selber von ihm losgerissen haben, haben wir zu fürchten, dass wir in ein selbstgeschaffenes Unglück rennen. Furcht des Herrn bedeutet: Gott ernstnehmen als den einzigen Gott der ganzen Welt, den einzigen, der uns wirklich etwas zu sagen hat. Den einzigen, der uns auch restlos alle unsere Schuld vergeben kann.

Aus dem begonnenen Lied 61 singen wir die Strophen 3 und 4:

3) Lass dies sein ein Jahr der Gnaden, lass mich büßen meine Sünd‘, hilf, dass sie mir nimmer schaden und ich bald Verzeihung find, Herr, in dir; denn du, mein Leben, kannst die Sünd‘ allein vergeben.

4) Herr, du wollest Gnade geben, dass dies Jahr mir heilig sei und ich christlich könne leben ohne Trug und Heuchelei, dass ich noch allhie auf Erden fromm und selig möge werden.

Der nächste Satz, liebe Gemeinde, den wir in den Sprüchen lesen, macht mich noch einmal nachdenklich:

7 Wenn eines Menschen Wege dem HERRN wohlgefallen, so lässt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen.

Ob das immer so stimmt? Nun, wir wissen ja, Lebensweisheiten können nie für alle Situationen im vorhinein bewiesen werden. Aber wäre es nicht einen Versuch wert, dies auch wieder im neuen Jahr auszuprobieren? Wann gefallen dem Herrn denn unsere Wege? Richtig – wenn wir barmherzig miteinander und mit uns selbst umgehen! Ich könnte mir vorstellen, dass wir dann auch wie von selbst mit manchem anderen Menschen viel besser auskommen, dass es gar nicht erst zu ausgesprochenen Feindschaften kommt.

Ich erinnere mich an einen Patienten in der Klinik, der wohl irgendetwas gegen die Kirche hatte und mich daher niemals grüßte. Einmal traf ich ihn mit seinem Rollstuhl an der Aufzugtür und hielt ihm die Tür auf, da bekam ich das erste Mal von ihm einen kurzen Gruß zu hören. Oder: es gibt unangenehme Nachbarn, die nur darauf warten, dass man Fehler macht, um sich bei anderen darüber beklagen zu können. Und wenn sie selber z. B. auf eine nächtliche Ruhestörung aufmerksam macht, dann beklagen sie sich darüber, dass man sich über Kleinigkeiten aufregt. Es fällt schwer, sich dann immer zurückzuhalten und nicht mit gleicher Münze heimzuzahlen. Vielleicht brauchen es manche Menschen, immer auf jemandem herumhacken zu können. Aber es gibt auch Nachbarn, die werden mit der Zeit friedlicher, wenn man ihnen zu verstehen gibt: Ich will Ihnen doch gar nichts Böses. Wenn es Probleme gibt, sagen Sie es mir ruhig. Wenn Sie einmal noch spät viele Gäste haben, sagen Sie doch einfach rechtzeitig Bescheid. Manchmal sind auch scheinbar böse Nachbarn ganz froh, wenn man einigermaßen miteinander auskommt und nicht ständig im Streit lebt.

Wir kommen zum vorletzten Spruch unserer heutigen Sprüchesammlung – in dem geht es um Geld – der ist sehr aktuell gerade an der Schwelle des Jahres 1995. Die meisten Leute bekommen ja ab Januar mehr abgezogen von ihrem Einkommen, die Pflegeversicherung kostet Geld, die deutsche Einheit nach wie vor auch. Auf die Kirchen kommen wahrscheinlich Steuerausfälle zu. Manche Leute nehmen ja den Solidarzuschlag zum Anlass, ihre sowieso ziemlich eingeschlafene Kirchenmitgliedschaft aufzugeben. Außerdem soll ja das Einkommen irgendwann weniger besteuert werden, dann wird der Anteil der Kirchensteuer dementsprechend auch sinken. Sparen tut niemand gern, auch in der Kirche wird es weh tun, manches nicht mehr so finanzieren zu können wie bisher. Da tut es gut, einen Spruch zu hören zu zu beherzigen wie diesen:

8 Besser wenig mit Gerechtigkeit als viel Einkommen mit Unrecht.

Also: kein Neid auf Großverdiener – auch wenn gerade wir in der Kirche uns natürlich dafür einsetzen müssen, dass nicht bei den Ärmsten der Armen gespart wird. Und wenn uns der Ärger packt über Leute, die Sozialleistungen missbrauchen? Für die meisten Sozialhilfeempfänger ist es kein Spaß, von Ämtern abhängig zu sein und gerade so mit dem Geld hinzukommen – seien wir also barmherzig und vorsichtig mit pauschalen Vorwürfen.

Wollen wir doch mal sehen, wie wir durch das Jahr 1995 hindurchkommen, wenn wir Gottes Barmherzigkeit an uns arbeiten lassen und nicht nur ganz allein gute Vorsätze fassen! In diesem Sinne hören wir noch einmal den letzten Spruch unserer Sammlung:

9 Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen aus dem Lied 58 die Strophen 1 und 11 bis 15:

1) Nun lasst uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben.

11) Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen.

12) Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe.

13) Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen.

14) Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe.

15) Das alles wollst du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christen Schare, zum sel’gen neuen Jahre.

Nun feiern wir am ersten Sonntag im Jahr das heilige Abendmahl miteinander. Wer daran teilnehmen will, kommt nachher nach vorn, die anderen bleiben auf ihrem Platz und gehören auch zu uns dazu. Nach den Einsetzungsworten singen wir das Lied 190.2.

Freundlicher, treuer, geduldiger, barmherziger Gott. Am Beginn des Neuen Jahres willst du uns stärken mit deinem Wort, mit deiner Liebe, mit Brot und Kelch. Lass uns deine Barmherzigkeit spüren, wenn wir von dem Brot essen. Lass uns deine Vergebung annehmen für alle unsere Sünden, wenn wir aus dem Kelch trinken.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Gott, unser Vater, behüte uns im Neuen Jahr. Sei mit uns, wenn wir unsere Schritte tun, vertraute und auch neue, ungewohnte Schritte. Hilf uns, dass wir nicht in Angst erstarren vor all der Gewalt, vor all den Kriegen, vor all dem Hunger in der Welt. Hilf uns zu helfen, wo wir helfen können. Hilf uns gut sorgen für die, die uns anvertraut sind, und auch für uns selbst. Hilf uns auch, dass wir dieses „Gut für uns sorgen“ nicht mit Egoismus verwechseln. Auch für unsere Kirche bitten wir dich, dass wir Christen in einer Zeit knapper werdender Finanzen nicht engherzig und missmutig werden, sondern zuversichtlich die wichtigen Aufgaben anpacken, die uns gestellt sind. Gib, dass Menschen in unserer Mitte etwas von deiner Barmherzigkeit spüren können. Amen.

Vater unser

Wir singen aus dem Gesangbuch das Lied 65, 1-6:

Von guten Mächten treu und still umgeben
Abkündigungen

Nun geht hin mit Gottes Segen:

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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