Reisefertig für die Ewigkeit?

Trauerfeier für eine Frau, die ihre letzte Reise in die Ewigkeit angetreten hat und nicht wollte, dass man um ihretwillen traurig ist. Ich gehe auf Bibeltexte ein, in denen es um den Umgang mit Trauer und Traurigkeit geht.

Reisefertig für die Ewigkeit: Ein Reisekoffer mit etwas abgewetztem Griff

Für die Reise in die Ewigkeit ist kein Koffer notwendig (Bild: stevepb – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, weil Frau F. im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir erinnern uns an ihr Leben, ein erfülltes, energiegeladenes Leben.

Wir gehen gemeinsam ein paar Schritte auf dem Weg des Abschieds.

Und wir machen uns bewusst, dass unser Leben von Gott herkommt und im Tode zu ihm wieder zurückkehrt. Zu diesem Gott beten wir mit dem Psalm 139:

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

13 Denn du hast [mein Inneres] bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Liebe Trauergemeinde!

Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig, erzählt lieber von mir und traut euch ruhig zu lachen. Lasst mir einen Platz zwischen euch, so wie ich ihn im Leben hatte.

So stand es auf der Traueranzeige, und so entsprach es dem Wesen von Frau F., wie Sie es mir geschildert haben. Sie wollte nie über den Tod reden und hätte nicht gewollt, dass man bei ihrer Trauerfeier in ein tiefes Loch fällt und in Traurigkeit versinkt.

Natürlich können wir nicht einfach leugnen und verdrängen, dass wir traurig sind, wenn die Mutter, die Oma, die Freundin und gute Bekannte, die Frau, die einem sehr nahe stand, nicht mehr da ist. Die Tränen, die geweint werden wollen, wann und wo auch immer, haben ihr gutes Recht und sind kein Zeichen von Schwäche.

Doch Frau F. hat so viel Lebensfreude und Kampfesgeist, Liebe und Hoffnung ausgestrahlt, dass wir uns von davon anstecken lassen und auf ihr reich erfülltes Leben vor allem mit Dankbarkeit zurückblicken können.

Lassen Sie mich also von ihrem Leben erzählen, so viel wir in unserem Gespräch zusammengetragen haben. Ich kann nur einige Linien ihres Lebenslaufes andeuten, und jeder und jede von Ihnen, von euch, wird das Bild aus eigenen Erinnerungen ergänzen.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Als sie schwer krank wurde, verlor sie doch nicht ihre Hoffnung, blieb eine Kämpfernatur. Sie hatte zwar vieles für den Fall ihres Todes im Stillen vorbereitet, aber sie gab sich nie auf, schaute immer nach vorne. Auch als sie zuletzt nicht mehr allein wohnen konnte, hielt sie doch an ihrem Wunsch fest, noch einmal nach Hause zu kommen. Sie fand nicht, dass sie zu den alten Leuten im Heim wirklich dazu gehörte.

Bei einem Besuch in der letzten Woche ihres Lebens traf man sie reisefertig an. Sie hatte gepackt und wollte eine Reise antreten. Vielleicht sehnte sie sich wieder nach Hause, vielleicht ahnte sie aber auch, dass ihr eine andere Reise bevorstand, eine Reise hinaus aus diesem irdischen Leben, die wir alle einmal antreten müssen. In ihrem Zuhause, das sie zuvor gehabt hatte, hätte sie jedenfalls nicht mehr allein weiterleben und sich versorgen können wie zuvor.

Wohin ist ihre Reise gegangen, als sie gestorben ist? Wohin gehen wir alle, wenn wir sterben? Von dem, was uns nach dem Tode erwartet, können wir nur in Bildern sprechen; vorstellen können wir es uns nicht wirklich, was dann sein wird. Ich finde, es genügt, wenn wir darauf bauen, dass wir im Tode nicht verlorengehen, sondern dass die Liebe und Freude unseres Lebens in Gottes Liebe aufbewahrt bleiben und zur Vollendung gebracht werden.

Jetzt haben wir von Frau F. erzählt, uns an sie erinnert; so werden Sie es auch in der Zukunft immer wieder einmal tun, jeder und jede für sich, und hier und da werden Sie auch Ihre Erinnerungen an sie austauschen. „Weißt du noch?“, werden Sie sagen, und dann das tun, was Sie sich gewünscht hat: „ihr einen Platz zwischen Ihnen, zwischen euch lassen, so wie sie ihn in ihrem Leben hatte“.

„Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig“ – können wir ihr auch diesen Wunsch erfüllen?

Ich habe ja schon gesagt – die Traurigkeit lässt sich nicht wirklich verdrängen, sie ist ja da. Die Frage ist, was wir mit ihr machen.

Was sagt die Bibel zur Traurigkeit? Ich staune, wie unterschiedlich die Menschen in ihr davon reden.

Der Apostel Paulus erinnerte trauernde Menschen an die Auferstehung der Toten (1. Thessalonicher 4, 13),

damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben.

Ein weiser Mann des Alten Testaments, der den Namen Jesus Sirach trägt, wendet sich mit ganz anderen Gründen gegen allzugroße Trauer (Sirach 38):

21 Lass die Traurigkeit nicht in dein Herz, sondern weise sie ab und denk ans Ende und vergiss es nicht;

22 denn es gibt kein Wiederkommen.

24 Weil der Tote nun seine Ruhe hat, so höre auch du auf, ihn zu beklagen, und tröste dich wieder, weil sein Geist von ihm geschieden ist.

Das ist eine große Bandbreite von Haltungen mit dem gleichen Ergebnis: Auf der einen Seite: Sei nicht allzu traurig, denn du kannst auf ein Leben nach dem Tod vertrauen. Oder auf der anderen Seite: Lass die Traurigkeit nicht in dein Herz eindringen, denn es ist gut, wenn ein Toter nach einem langen Leben seine Ruhe gefunden hat.

Eine dritte Haltung wird in der Bibel von dem Jesus des Neuen Testaments bezeugt. Er sagt seinen Jüngern, die darüber traurig sind, dass ihr Lehrer und Meister Jesus sterben wird und von ihnen Abschied nimmt (Johannes 16, 20):

Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.

Diese Haltung ist mir persönlich am sympathischsten. Denn, wie gesagt, Trauer und Tränen fordern ihr Recht, ganz von allein, da muss man sich nur an ein bestimmtes Erlebnis erinnern, schon fließen bei dem einen die Tränen, und dem andern sitzt ein Kloß im Hals. Und trotzdem gibt es im Erinnern an den geliebten verstorbenen Menschen immer wieder auch Anlass zur Freude und zum Lachen. Manchmal geht beides Hand in Hand.

Worauf es Jesus ankam: dass wir keins unserer Gefühle verdrängen oder für unangebracht erklären. Alles hat seine Zeit, das Weinen und das Lachen, die Trauer und die Freude. Alle Tränen sollen einmal abgewischt werden, auch das sagt die Bibel, aber zuerst darf auch geweint werden, ohne dass man dabei zusammenbricht. Tränen sind vielmehr ein Zeichen dafür, dass man jemanden sehr geliebt hat, und wer von Herzen trauern kann, der kann auch in Liebe den geliebten Menschen loslassen, ohne die Liebe zu ihm zu verlieren.

Geweinte Tränen helfen dabei, die Trauer in Freude zu verwandeln. Insofern ermutige ich Sie und euch dazu: Lasst zu, dass ihr traurig seid, aber versinkt nicht in der Traurigkeit, „denn eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden“. Amen.

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