Salomo und die Ameise

Zappi und Jamal erzählen aus der Bibel und aus dem Koran von einem weisen König.

Spielszene mit Handpuppen im Stuhlkreis der Kita-Kinder der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen.

Zappi: Hallo Kinder, heute bin ich mal alleine mit Jamal bei euch.

Jamal: Salaam, Kinder, und wir sollen euch auch von Fischli, Lutz und Gabi grüßen. Lutz und Gabi hatten keine Lust, mitzukommen, weil sie lieber zusammen spielen wollen.

Zappi: Wir wollen euch heute mal von einem König erzählen, der uns besonders gut gefällt.

Jamal: Der König hieß Salomo, und von ihm erzählt nicht nur die Bibel, sondern auch der Koran.

Zappi: Ich fange mal an. Salomo war der Sohn von König David in Israel vor ganz ganz langer Zeit. Salomo glaubte an Gott, genau wie sein Vater David. Und einmal, in der Nacht, als er schlief, da hatte er einen sehr schönen Traum.

Salomo träumte, dass Gott mit ihm sprach. Gott sagte zu ihm: „Ich will dir etwas ganz Tolles schenken. Du darfst dir alles wünschen, was du willst. Aber du hast nur einen Wunsch frei!“

Salomo überlegte und überlegte. Da half ihm Gott. „Weißt du, Salomo, ich gebe dir drei Möglichkeiten zur Auswahl. Was willst du lieber: Reich sein? Berühmt sein? Oder klug und weise sein?“

Na, was hättet ihr euch gewünscht? * * *

Salomo sagte: „Ich möchte vor allem ein guter und gerechter König sein. Und dafür brauche ich Klugheit und Weisheit. Darum lass mich bitte klug und weise sein.“

Gott gefiel dieser Wunsch sehr. „So soll es sein“, sagte er. „Du wirst der weiseste König aller Zeiten sein. Und weil du einen so klugen Wunsch gewünscht hast, schenke ich dir außerdem noch Reichtum und Berühmtheit dazu.“

Salomo wusste wirklich über alles Bescheid: über Bäume und Blumen, über Vögel und andere Tiere und ganz besonders über die Menschen. Er hat viele Sprichwörter aufgeschrieben, zum Beispiel:

„Freundliche Worte sind so süß wie Honig.“ (Sprüche 16, 24)

„Gott mag es nicht, wenn man lügt; er mag es, wenn man die Wahrheit sagt.“ (Sprüche 12, 22)

„Wer ein Herz hat, ist auch lieb zu den Tieren.“ (Sprüche 12,10)

Ein Sprichwort finde ich besonders schön. Es handelt von einer Ameise (Sprüche 6, 6-8):

Geh zur Ameise, du Faulpelz,
sieh, was sie tut, und lerne von ihr!
Sie hat keinen König und keinen Chef,
und doch holt sie ihr Futter im Sommer,
und sammelt sich Vorräte für den Winter.

Jamal: Den Spruch finde ich auch schön. Weißt du, dass es im Koran auch eine Geschichte von Salomo und einer Ameise gibt?

Zappi: Nein, das wusste ich nicht. Kannst du die erzählen?

Jamal: Wenn die Kinder das auch wollen… Wollt ihr das? * * *

Die von Jamal erzählte Geschichte steht im Koran in Sure 27, 15-19 (hier wiedergegeben nach der Übertragung ins Deutsche durch Bubenheim und Elyas):

15 Und Wir gaben bereits Dāwūd und Sulaimān Wissen. Und sie sagten: „(Alles) Lob gehört Allah, der uns vor vielen Seiner gläubigen Diener bevorzugt hat!“

16 Und Sulaimān beerbte Dāwūd und sagte: „O ihr Menschen, uns ist die Sprache der Vögel gelehrt worden, und uns wurde von allem gegeben. Das ist wahrlich die deutliche Huld.“

17 Und versammelt wurden für Sulaimān seine Heerscharen – unter den Ğinn, Menschen und Vögeln –, und so wurden sie in Reihen geordnet.

18 Als sie dann zum Ameisental kamen, sagte eine Ameise: „O ihr Ameisen, geht in eure Wohnungen hinein, damit euch ja nicht Sulaimān und seine Heerscharen niederwalzen, ohne dass sie es merken.“

19 Da lächelte er erheitert über ihre Worte und sagte: „Mein Herr, veranlasse mich, für Deine Gunst zu danken, die Du mir und meinen Eltern erwiesen hast, und rechtschaffen zu handeln, womit Du zufrieden bist. Und lasse mich durch Deine Barmherzigkeit eingehen in die Reihen Deiner rechtschaffenen Diener.“

Ameise (Quelle: pixabay.com)

Ameise (Quelle: pixabay.com)

Es war einmal eine kleine Ameise, die lebte im Ameisental.

Ameisen können nicht alleine leben. Sie leben in Ameisenhaufen, immer viele Tausend Ameisen zusammen. Diese Ameisenhaufen sind richtige Städte unter der Erde, da wohnen die Ameisen, und es gibt Straßen, auf denen sie hin- und herlaufen.

Bei den Ameisen gibt es nicht nur Männchen und Weibchen, sondern drei verschiedene Arten. Die dritte Art nennt man Arbeiterinnen, das sind die meisten. Von den Ameisenfrauen gibt es nur eine einzige in jedem Ameisenhaufen, die nennt man Königin.

Zappi: Aber dann hat Salomo ja nicht Recht. Er hat gesagt, die Ameise hat keinen König und keinen Chef.

Jamal: Stimmt ja auch. Die Königin ist ja kein König. Und die Arbeiterameisen sind ganz von alleine sehr fleißig.

Die Ameisen haben kein leichtes Leben. Im Sommer sammeln sie mehr Essen, als sie brauchen, und heben es als Vorrat für den Winter auf. Denn im Winter finden Ameisen nicht so viel Nahrung, denn es regnet viel und manchmal schneit es sogar. Und außerdem ist es gefährlich für Ameisen, wenn es regnet. Ameisen können nicht schwimmen und müssen sofort in ihren Ameisenhaufen, wenn es anfängt zu regnen. Wenn die Sonne herauskommt, kommen sie auch wieder heraus.

Einmal wird ein Stück Zucker gefunden. Wie sollen sie es in den Ameisenhaufen bringen? Es ist zu schwer für die kleinen Ameisen! Sie besprechen sich: „Es wurde Zucker gefunden.“ „Wo?“ „Tausend Ameisenschritte vom Ameisenhaufen entfernt.“ „Wieviele Ameisen werden gebraucht, um den Zucker herzubringen?“ „Tausend.“ „Ach, es sollen Zehntausend Ameisen loslaufen.“ Warum so viele? Weil oft Ameisen von Menschen zertreten werden. Die Menschen merken gar nicht, dass sie auf Ameisen treten, weil die so klein sind. Und Menschen schauen beim Gehen nicht auf den Boden.

Manche Muslime sagen übrigens, dass auch Ameisen beten können. Sie tun es nicht mit Worten, sondern mit ihrer Art zu laufen. Ab und zu bleiben sie stehen, gehen einen Schritt nach links oder rechts, dann laufen sie wieder weiter wie vorher. Die Menschen finden das komisch. Aber manche Muslime sagen: Die Ameisen denken an Gott in allen vier Richtungen, und so beten sie zu Gott. Wohin sie sich auch drehen, Gott ist überall und immer da.

Eines Tages ging eine kleine Ameise mit vielen anderen durch einen langen Tunnel. Sie trugen gemeinsam Nahrung in den Ameisenhaufen unter der Erde. Auf einmal hörte sie von oben lauten Krach. Die ganze Erde bebte über ihr. Da lief sie in die Richtung von dem Krach. Andere liefen hinter ihr her. Sie liefen lange und kamen zu einem Baum. Die erste kletterte nach oben und schaute, woher der Krach kam. Die anderen folgten ihr nach.

Da kriegte die kleine Ameise einen großen Schreck: Eine große Armee kam heran, viele Soldaten marschierten und trampelten auf den Boden. Die Ameise bekam Angst, denn in dieser Armee waren nicht nur Menschen, sondern auch Vögel und Dschinn. Die Dschinn, das sind so etwas wie Geister. Die sind unsichtbar. Aber Ameisen spüren, dass sie da sind. Und es waren so viele. Wenn die durch das Ameisental marschieren, werden alle Ameisen zertreten.

Aber wenn Ameisen in Gefahr geraten, dann warnen sie einander. Sie können zwar nicht sprechen wie wir, aber sie können einen besonderen Warngeruch ausschwitzen. Es ist, als ob sie mit ihrem Geruch reden und mit ihrer Nase hören. Die kleine Ameise vorn fing an und strömte einen Geruch aus, den die anderen Ameisen riechen konnten und sofort weitergaben. So sagte die Ameise allen anderen: „Passt auf! Eine große Armee kommt durch das Ameisental. Geht in eure Nester! Flüchtet in die Ameisenhaufen!“ Und das taten die Ameisen sofort.

Die Armee war inzwischen ganz nahe herbeigekommen. Und auf einmal hielt sie an. Direkt vor der kleinen Ameise, die immer noch auf dem Baum saß, oben auf einem Zweig. Sie sah einem Menschen in die Augen und sah diesen Menschen lächeln.

Die kleine Ameise dachte: Wieso lächelt dieser Mensch? Hat er verstanden, was ich gesagt habe? Versteht er unsere Ameisen-Geruchs-Sprache? Was soll‛s dachte sie sich, ich frage ihn einfach. „Wer bist du?“ fragte die Ameise.

Da sagte der Mann: „Ich bin König Salomo, Gottes Diener und Prophet.“

Die Ameise fragte: „Warum verstehst du unsere Sprache?“

„Gott hat mich gelehrt, die Sprache der Vögel und der Tiere zu verstehen.“

„Und warum lächelst du?“

„Weil ich mich freue, dass du all die anderen Ameisen gewarnt hast, dass ihnen nichts Böses passiert.“

Dann betete Salomo zu Gott: „Mein Gott! Ich danke Dir für alles, was du mir und meinen Eltern schenkst. Lass mich Gutes tun und sei immer gut zu mir. Und auch zu diesen Ameisen.“

Und zu der Ameise sagte Salomo: „Keine Angst! Die Armee wird euch nicht zertreten. Wir werden nicht durch euer Tal marschieren.“ (921)

Zappi: Das war also die Ameisengeschichte des Königs Salomo. Die war schön.

Jamal: Finde ich auch. Und jetzt will ich mit den Kindern singen. Und weil es kein Ameisenlied gibt, will ich ein Elefantenlied singen: „Echt elefantastisch…!“

Zappi: Super, das finde ich auch toll. Singt ihr alle mit? * * *

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