Trauerfeier für einen exzentrischen Menschen

In einer Trauerfeier gehe ich darauf ein, dass wir alle unsere Sorgen auf Gott werfen können; auch unsere gemischten Gefühle gegenüber dem Verstorbenen können wir Gott anvertrauen.

Trauerfeier für einen exzentrischen Menschen: Ein gemaltes Bild eines Menschen, der innerlich aufgewühlt zu sein scheint

Wohin mit gemischten Gefühlen in der Trauer? (Bild: tsukiko-kiyomidzu – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Herrn J., der im Alter von [über 70] Jahren gestorben ist.

Wir erinnern uns an sein Leben. Wir stellen uns unseren Gedanken, unseren gemischten Gefühlen, und gehen auf dem Weg der Trauer eine kleine Strecke gemeinsam.

Und wir besinnen uns auf Gott; von ihm kommt unser Leben, er umgibt uns von allen Seiten und begleitet uns mit seiner Liebe; zu ihm kehrt unser Leben zurück, wenn wir sterben.

Von dieser Rückkehr zu Gott durch den Glauben spricht der Apostel Petrus (1. Petrus 1):

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,

4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch,

5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,

7 damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,

9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Von der Heimkehr zu Gott handelt auch das Lied 376 aus dem Evangelischen Gesangbuch, das Sie sich für diese Feier gewünscht haben und das ich gemeinsam mit Ihnen singen und mit der Gitarre begleiten möchte:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

Liebe Trauergemeinde!

Ich habe Herrn J. nicht gekannt; Sie haben mir aber einiges von ihm erzählt, so dass wir doch von ihm in persönlicher Weise Abschied nehmen können.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Sie haben mir gesagt, dass Herr J. „exzentrisch“ war. Bei seiner Lebensgeschichte verwundert mich das gar nicht. Er hat schon als Kind erleben müssen, wie sein Leben bedroht war und seine Heimat verloren ging; er hat immer wieder in Beziehungen gelebt, die am Ende gescheitert sind, wer auch immer dafür in welcher Weise verantwortlich war.

Zu seinem exzentrischen Wesen gehörte auch sein Umgang mit dem baldigen Sterben. Er hatte ihnen angekündigt, dass er zum Sterben ins Krankenhaus gehen werde. Er hatte sich verabschiedet und Ihnen dafür gedankt, dass Sie für ihn da waren. Dann war er in der Zeit vor seinem Tod nicht mehr für Sie erreichbar. Das hat Ihnen wehgetan.

Vielleicht hat er Angst gehabt, Sie würden weinen und er könnte das nicht ertragen. Auf jeden Fall hat er von Ihnen bewusst Abschied nehmen wollen und können. Offenbar hat er Sie – auf seine Weise – sehr geliebt.

Ich denke, Sie werden gemischte Gefühle in sich tragen. Da ist Trauer um den Menschen, dem Sie sich – sehe ich das richtig? – nahe und fremd zugleich fühlten. Da ist Liebe, mag sein, in komplizierter Form; vielleicht auch Enttäuschung und Zorn oder ein schlechtes Gewissen, weil es jetzt zu spät ist, noch Dinge zu klären, von denen man aber nicht weiß, ob sie überhaupt hätten geklärt werden können.

Eine Trauerfeier wie diese kann dazu beitragen, sich über die eigenen Gefühle innerlich klarzuwerden. Alle Gefühle haben ihr Recht, es ist gut, sie zuzulassen. Manche Tränen wollen geweint werden, manchmal lassen sie sich auch Zeit, bis sie sich lösen können.

Alles was wir empfinden und was uns belastet, können wir im Gebet vor Gott bringen, ja manches können wir regelrecht bei Gott loswerden, wie der Apostel Petrus einmal sagt (1. Petrus 5, 7):

Alle eure Sorge werft auf [Gott]; denn er sorgt für euch.

Und manchmal hilft es, wenn wir im Familien- oder Freundeskreis oder bei einem Seelsorger unser Herz ausschütten und unser Gefühlsdurcheinander zu klären versuchen.

Einige Abschiedsworte für Herrn J. haben Sie aus der Sicht der Familie selbst formuliert:

Wir denken alle an dich und beten für dich. Der Herrgott behüte dich und schenke dir Ruhe bis zur Auferstehung durch den Tod Jesu Christi, der für uns gestorben ist. Herr, wir legen unsere Sorgen auf deine Schulter, wir brauchen nicht zu grübeln, wir werden auferstehen und ewiges Leben erringen.

So haben auch Sie dem Sinne nach das Wort aus dem 1. Petrusbrief aufgegriffen, dass wir unsere Sorgen auf Gott werfen, ihm anvertrauen können, so dass wir auf dem Weg der Trauer zwar unsere gemischten Gefühle spüren und nicht verdrängen, aber auch nicht in ihnen versinken müssen.

Gefühle, denen wir uns stellen, verändern sich und uns im Zuge dessen, was man Trauer-Arbeit nennt. Trauer kann wieder neuer Freude Platz machen. Wer mit Traurigen weinen kann, der kann auch mit Fröhlichen wieder lachen, sagt schon der Apostel Paulus (Römer 12, 15). Wer sich den eigenen Gefühlen der Unzulänglichkeit und Schuld stellt, kann Vergebung und neuen Mut erfahren, und wer Zorn auf einen Menschen spürt, den er im Grunde von Herzen liebhat, der kann, gerade indem er den Zorn zulässt, auch wieder sein Herz von Liebe erfüllt sein lassen.

Ich hoffe, ich trete Ihnen mit diesen sehr persönlichen Bemerkungen nicht zu nahe. Vielleicht trifft vieles ja im Blick auf Ihre Gefühlswelt auch gar nicht zu. Mut machen möchte ich Ihnen dazu, nichts von dem wegzudrängen, was Sie wirklich empfinden und denken. Ich wage das im Vertrauen auf den Gott, der uns in Liebe trägt, weil er selber die Liebe ist.

In dieser Haltung dürfen wir Herrn J. getrost loslassen und ihn der Liebe Gottes anvertrauen. Für ihn können wir nichts mehr tun, als für ihn zu beten und uns dankbar an ihn zu erinnern. Amen.

Nun singen wir ein Lied von den Engeln Gottes, die uns als seine guten Mächte wunderbar umgeben und geleiten, wenn wir auf sie achten und uns von ihnen etwas sagen lassen:
EG 65: Von guten Mächten wunderbar geborgen

Wir beten mit Psalm 139:

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -,

12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

13 Denn du hast [mein Inneres] bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!

18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Barmherziger Gott, nimm du Herrn J. gnädig auf in deinem himmlischen Reich. Wir danken für sein reich erfülltes Leben, vor allem für die Liebe, die er in seinem Leben empfangen und verschenken durfte.

Für uns selbst bitten wir: Begleite uns in unserer Traurigkeit, lass uns aushalten, was uns belastet, und bewältigen, was weh tut. Hilf uns, das Chaos unserer Gefühle zu ordnen und Ruhe zu finden für unsere Seele. Um Vergebung bitten wir für das, was wir einander schuldig geblieben sind. Mach uns aufmerksam auf alles, was kostbar ist in unserem Leben, und lass uns in Hoffnung und Dankbarkeit vor dir unseren geraden Weg gehen. Halte uns fest und lass uns Wege finden, auf denen unser eigenes Leben glücklich wird, indem wir aus Liebe leben und Liebe geben. Amen.

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