Zwei Todesfälle in der Familie innerhalb einer Woche

Wie wird eine Großfamilie damit fertig, dass innerhalb einer Woche zwei Familienmitglieder sterben? Worte aus den Psalmen und aus dem 1. Petrusbrief helfen dabei, sich zu erinnern und Trost zu finden.

Zwei Todesfälle innerhalb einer Woche in einer Großfamilie: Hier sitzen zwei Frauen auf einer Hängematte an einem Fluss, von hinten gesehen.

Zwei alte Frauen, die füreinander da sind (Bild: pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir halten die Trauerfeier aus Anlass des Todes von Frau R., die mit [weit über 90] Jahren gestorben ist. Uns, die wir deshalb hier zusammen sind, gilt die christliche Botschaft (Romer 14, 8):

Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

Wir beten mit dem Psalm 23:

1 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Liebe Trauergemeinde!

Wir nehmen heute Abschied von Frau R., die mit [über 90] Jahren ein sehr hohes Alter erreicht hat. Uns Jüngeren ist es wohl sehr schwer möglich, einen Zugang dazu zu finden, wie jemand, der so alt geworden ist, sein Leben und die Welt empfindet. Denn so viel hat sich in der Zeit dieses Lebens geändert. Ein Kaiserreich, eine Demokratie und eine Diktatur sind in diesen fast hundert Jahren in unserem Land untergegangen, es hat Entwicklungen zum Besseren und auch zum Schlechteren gegeben; und es ist nicht ausgemacht, wie jemand, der in einer ganz anderen Zeit geboren wurde, auf all diese Umschwünge reagiert.

Als Frau R. konfirmiert wurde, schrieb man noch das 19. Jahrhundert; geheiratet hat sie vor dem Ersten Weltkrieg, während dessen sie ihre Kinder allein großziehen und die Landwirtschaft allein führen musste, denn der Mann war als Soldat an der Front. Im Zweiten Weltkrieg musste sie ihren Sohn in den Krieg ziehen lassen, der nach längerer Gefangenschaft nach Hause kam. Nun ist es auch schon wieder ein Vierteljahrhundert her, dass ihr Mann, wenige Jahre nach der Goldenen Hochzeit, gestorben ist.

Frau R. hat vor ihren Augen Generationen heranwachsen sehen. wie es kaum einem Menschen vergönnt ist: ihren Kindern folgten an die zehn Enkel, dann um die zwanzig Urenkel, und nun sind sogar schon kleine Ururenkel auf der Welt. Es blieb ihr nicht erspart, in dieser großen Familie auch das Leid mitzuerleben, als einige aus dieser großen Schar von Nachkommen vor ihr starben.

Ein langes Leben also, ein Leben in einer sehr bewegten Zeit, ein Leben, geprägt von der Aufeinanderfolge der Generationen – und doch war da auch eine große Beständigkeit, die Frau R. wohl noch mehr geprägt hat. Sie hat ihr Leben lang in ihrem Elternhaus gewohnt; zuletzt verlebte sie dort ruhig ihre Tage, betreut von der jüngeren Generation. Sie haben mir erzählt, wie sie bis vor einigen Jahren auf ihrem Platz gesessen und gestrickt hat, wie sie die Hände nicht in den Schoß legen wollte, wie sie sich für die tägliche Zeitung und die Fernsehnachrichten interessierte. Schließlich wurde sie bettlägerig und fing an, sich allmählich von der Welt zu verabschieden. Dann starb sie ganz schnell und ohne Schmerzen, nachdem sie schwächer und schwächer geworden war.

Wir sagen uns, dass es ganz natürlich ist, wenn die Lebenszeit eines alten Menschen ausklingt. Und doch ist da die Traurigkeit, jemanden zu verlieren, der einfach immer da war, so lange man zurückdenken kann, den man kennt in seinen Tagen des Glücks und seinen Tagen des Leids, mit seinen Stärken und seinen Schwächen, mit dem, was man von ihm bekommen hat und was man ihm geben konnte. Und außerdem werden wir daran erinnert, dass auch unser eigener Weg ein begrenzter Weg ist, dass wir zwar nicht wissen, in wie kurzer oder ferner Zukunft unser letztes Stündlein schlagen wird, aber dass wir auf jeden Fall auch einmal geliebte Räume und geliebte Menschen zurücklassen müssen.

Doch wenn wir auf das alte Gebet hören, das wir zu Beginn gesprochen haben, den 23. Psalm, dann erfahren wir auch von etwas, das bleibt (Psalm 23, 6):

Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

So schließt der Beter des Psalms mit einem Vertrauen zu Gott, das auch wir brauchen können für unser Leben und unser Sterben. Wenn unser Leben zerfällt, unser Körper, in dem wir wie in einem Haus wohnen, immer schwächer wird, so bleiben wir doch im Haus Gottes.

Dieses Bild vom Haus Gottes, in dem wir eine Bleibe im Leben und im Sterben haben, sagt: Wir brauchen nicht dafür zu sorgen, dass wir um jeden Preis überleben oder in der Erinnerung weiterleben oder in irgendwelchen Leistungen, die wir erbracht haben. Wir brauchen nicht unsere Ewigkeit zu besorgen. Gott überfordert uns nicht.

Dieser Tag, der nächste Schritt, das ist unsere Sache. Die treue Begleitung eines Lebenden und die ebenso treue Begleitung eines Sterbenden, das ist unsere Sache. Dass uns in diesen Aufgaben Kräfte zuwachsen und unsere Hoffnung Flügel hat, die weit tragen, dafür will Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, einstehen. Wie Gott Frau R. ihr langes Leben hindurch begleitet hat, in schönen und in schweren Zeiten, so will er uns allen nahe sein, uns ansprechen, uns Mut zusprechen, uns herausfordern und weiterbringen. Er ist ein Vater, der uns wie mündige Kinder behandelt: die Zuspruch brauchen, aber auch Freiheit, Regeln für ihr Zusammenleben, aber auch eigene Verantwortlichkeit.

Der Verstorbenen war schon zu ihrer Konfirmation der Spruch mitgegeben worden (Galater 3, 26-27):

Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.

Als Gottes Kind kann man leben und sterben, weinen und lachen, trauern und sich freuen, wütend werden und Angst durchstehen, ohne dabei verloren zu gehen. Wenn wir Christum „anziehen“, seine Art zu unserer eigenen machen, leben wir in Offenheit für unsere Mitmenschen, achten wir unverkrampft auf das, was wir selbst und unsere Nächsten zum Leben wirklich brauchen, nutzen wir die Zeit, die jedem von uns in unterschiedlichem Ausmaß gegeben ist, um als liebende und fühlende Menschen zu leben.

Ich schließe mit einigen Liedstrophen aus dem 16. Jahrhundert (EKG 312, 1-3+7, im EG 521 nur Strophe 1-3):

1. O Welt, ich muss dich lassen, ich fahr dahin mein Straßen ins ewig Vaterland. Mein’ Geist will ich aufgeben, dazu mein’ Leib und Leben legen in Gottes gnädig Hand.

2. Mein Zeit ist nun vollendet, der Tod das Leben endet, Sterben ist mein Gewinn; kein Bleiben ist auf Erden; das Ewge muss mir werden, mit Fried und Freud ich fahr dahin.

3. Auf Gott steht mein Vertrauen, sein Antlitz will ich schauen wahrhaft durch Jesus Christ, der für mich ist gestorben, des Vaters Huld erworben und so mein Mittler worden ist.

4. Damit fahr ich von hinnen. O Welt, tu dich besinnen, denn du musst auch hernach: Tu dich zu Gott bekehren und von ihm Gnad begehren, im Glauben sei du auch nicht schwach.

Amen.

Bereits in der Woche darauf gab es in der nächsten Generation der Großfamilie einen weiteren Todesfall, so dass nach sieben Tagen eine weitere Trauerfeier stattfinden musste.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Der Tod hat Sie hart getroffen, zum zweiten Mal in Ihrer Familie innerhalb von acht Tagen. Wir müssen Frau R. begraben. Wir wollen bedenken, wie wir das ertragen können; wir fragen nach dem Glauben, der uns zum Leben hilft.

Eingangsgebet

Wir beten mit den alten Worten aus dem Psalm 90 (Vers 10 nach der Lutherbibel 1912, Verse 13-14 nach GNB):

1 Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.

2 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

3 Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

4 Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

5 Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,

6 das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt.

10 Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn‘s hoch kommt, so sind‘s achtzig Jahre, und wenn‘s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.

12 Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

13 HERR, wie lange zürnest du uns noch? Hab doch Erbarmen mit uns und wende dich uns wieder zu!

14 Lass uns jeden Morgen spüren, dass du uns hältst, dann sind unsere Tage erfüllt von … Dank.

15 Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden.

17 Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns. Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!

Lieber Herr R., liebe Trauergemeinde!

Das ist immer noch nicht recht zu fassen. Eine Woche, nachdem ihre Schwiegermutter gestorben ist, die sie so lange treu gepflegt hat, ist Frau R. ihr diesen Weg nachgegangen, unerwartet und plötzlich. Während Frau R. senior, deren Kräfte immer mehr nachließen, sich allmählich vom Leben verabschiedet hat, wurde Ihre Ehefrau, Ihre Mutter und Großmutter, Ihre Schwester, Ihre Nachbarin, Frau R. junior, aus einer Vielzahl von Beziehungen herausgerissen, in denen sie bis zuletzt im Einsatz war als eine bewegende Kraft.

Sie war auch schon über 70 Jahre alt; aber einen Ruhestand, den es für Hausfrauen ohnehin nicht gibt, hat sie nicht gekannt, hätte sie auch nicht kennen mögen. Als Sie, lieber Herr R., Ihre Frau damals heirateten, da haben Sie beide einen Trauspruch auf Ihren gemeinsamen Lebensweg mitbekommen aus dem Apostelbrief 1. Petrus 4, 10:

Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.

Es heißt dort: Dient EINANDER, und Dienen ist immer auch eine Sache auf Gegenseitigkeit. Ob es in der Ehe oder Familie, in der Nachbarschaft oder weiter herum im Dorf ist – Sie konnten sicher der nun Verstorbenen auch geben, was sie gebraucht hat, wie Sie von ihr empfangen haben, was Sie nötig hatten. Doch ich kann, nach dem,was ich von Frau R. gehört habe, von ihr sagen, dass sie ein Mensch war, der mehr zu geben in der Lage war als viele andere, der geradezu darin aufging, sich zu verschenken, an andere zu denken.

Sie hat die Gaben, die Gott ihr geschenkt hatte, nicht für sich behalten und für sich ausgenutzt, sondern sie – wie es der Bibelvers sagt – wie eine gute Verwalterin oder Haushalterin durch ihre Hände gehen und anderen zugute kommen lassen.

Erinnerungen an schwere Zeiten im Leben der Verstorbenen

Und wenn die Zeiten nicht so waren wie in diesen schweren Jahren, so hat Frau R. doch nie nein sagen können, wo ihre Hilfe gebraucht wurde. Sie hat Essen zu Kranken gebracht und für sie mitgekocht, sie war die Kontaktstelle für den Arzt hier im Ort, sie ging mit einer schwangeren Nachbarin mit in den Keller, um ihr zu leuchten, dass ihr nichts geschehen sollte – es gibt viele Beispiele, wie sie für viele da gewesen ist.

Einander dienen heißt füreinander sorgen, und es kann auch heißen: sich Sorgen machen umeinander. Frau R. hat in ihrem Leben oft Grund gehabt, sich Sorgen zu machen, in beiden Weltkriegen, in Krankheits- und Krisenzeiten. Dabei hat sie auch etwas davon gewusst, dass es heißt (1. Petrus 5, 7):

Alle eure Sorge werft auf [Gott]; denn er sorgt für euch.

Sie hat beten können, beten vor allem für andere, und hat so auch dort, wo sie selbst nichts mehr für andere tun konnte, doch nicht einfach die Achseln gezuckt und aufgegeben.

All diese Sorgen und die harte Arbeit werden nicht spurlos an Frau R. vorübergegangen sein, auch wenn man es ihr nicht anmerkte. Sie hat sich und ihr Herz bis an die Grenzen der Belastbarkeit verausgabt, doch es war erst zu erkennen, als vor einer Woche ihre Schwiegermutter gestorben war. Sie war nie krank gewesen, und hat noch jetzt, als sie ins Krankenhaus gefahren worden war, im Grunde mehr an ihre Arbeit gedacht, die sie zu Hause zurückließ, als dass sie gedacht hätte, nun ein Recht zu haben, einmal nur an sich selbst zu denken.

Hilfe oder Pflege von anderen hatte sie nie annehmen müssen, für sich hatte immer sie selbst sorgen können, seit sie den Kinderschuhen entwachsen war, und so bedeutete es wohl eine ungeheure Umstellung für sie, sich nun im Krankenhaus auf all das einzulassen, was dort mit einem gemacht wird, ohne selbst großen Einfluss nehmen zu können. Nur gut, dass unter den Krankenschwestern ein für sie bekanntes Gesicht gewesen ist und dass ihre Angehörigen sie nun, als es ihr schlecht ging, auch nicht allein gelassen haben.

Sie ist dann so plötzlich gestorben, als ob sie zwar noch weiterleben und weiterarbeiten gewollt hat, aber ihre Kräfte einfach nicht mehr gereicht haben. So lange sie für die Schwiegermutter da gewesen war, da durfte sie einfach nicht krank werden; nun kam vielleicht etwas zum Durchbruch, das schon lange im Verborgenen an ihrer Gesundheit gezehrt hatte. Sie hat es möglicherweise sich nicht anmerken lassen wollen, oder aber aufgrund ihrer Stärke und Selbstbeherrschung, mit der sie vieles ertragen hatte, es gar nicht so gespürt, wie krank sie gewesen war.

Wie auch immer, wir werden keinen zureichenden Grund finden können, warum sie so schnell sterben musste, und es ist auch müßig, einen Sinn darin finden zu wollen. Gott, der der Herr über Leben und Tod ist, lässt uns darin keinen Einblick nehmen, warum der eine früher und der andere später sterben muss. Und es ist sicher gut so, dass er uns dieses genaue Wissen erspart.

Was wir aber angesichts des Todes tun können und müssen, ist: Danken für das Gewesene, Durcharbeiten der Erinnerungen, und Suchen nach dem, was für unser Leben diesen Tod überdauert. Jede Erinnerung ruft ins Bewusstsein, welche Lücke der Tod von Frau R. in die Beziehungen gerissen hat, in denen sie gelebt hat, und es wird sicherlich eine längere Zeit hindurch so sein, dass die Tränen bei diesen Erinnerungen gleich mit aufsteigen. Dann ist es gut, das Weinen nicht zurückzudrängen, denn wo Liebe gewesen ist, da ist das Traurigsein und jede Träne – ob von ganz nahen Angehörigen oder auch von anderen, die mit der Verstorbenen vielleicht nur einige wenige Erfahrungen verbinden – eine gute und normale Sache und ein Zeichen für Liebe über den Tod hinaus und ein Zeichen dafür, dass man selbst weiterlebt und weiterleben darf – traurig zwar, jedoch in Hoffnung.

Hoffnung – worauf gründet sie sich? Darauf, dass Gott ein Gott der Lebenden ist. Dass er, dessen Sohn am Kreuz starb, diesen Sohn auferweckt hat. Dass Gott uns auch in der Stunde des Todes Worte sagt, die uns zum Leben ermutigen wollen. Denn Trauern ist Leben, zeigt, dass wir Menschen sind und ein fühlendes Herz haben. Trauern heißt: von vielem nach und nach loslassen, was uns mit der Verstorbenen verbunden hat, heißt aber auch: das bewahren, was von dem, was sie gesagt und getan hat, für unser künftiges Leben gültig bleibt. Viele, vor allem natürlich die engsten Angehörigen, werden von ihrer Art lernen, füreinander da zu sein, müssen nun das, was Frau R. für alle bedeutet hat, einander gegenseitig geben.

In diesem Sinn habe ich für Sie alle den einen Wunsch, dass Sie in dem Schmerz, der Sie getroffen hat, nicht vergessen, für sich selbst und füreinander zu sorgen. Schmerz in sich hineinzufressen und Kummer allein mit sich abzumachen, kann grausam sein – bei jemand anderem sich ausweinen können, auch wenn der einem gar nichts Tröstliches zu sagen weiß, ist einer der besten Dienste, die wir einander, wenn wir Vertrauen zueinander haben, erweisen können.

So schließe ich mit der Lesung eines Gleichnisses aus dem Evangelium nach Matthäus 25, das mir einfiel, als Sie von Frau R. erzählt haben, und das ein unverrückbarer Maßstab dafür ist, wie wir miteinander umgehen sollen und dürfen:

31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,

32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,

33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

35 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.

36 Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.

37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?

38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? oder nackt und haben dich gekleidet?

39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Herr, wir beten zu dir, zu dem auch die Verstorbene gebetet hat und an den sie sich gehalten hat in guten und in schweren Zeiten. Wenn du uns auch fremd geworden bist, in dieser und in der letzten Woche, so möchten wir dir doch gerne glauben, dass wir hier nicht für immer stehen bleiben werden, dass es nicht so leer bleibt in uns. Gott, bring uns über diesem Tod hinaus, damit wir die Freiheit lernen, uns an erlebter gemeinsamer Geschichte zu freuen und sie mit dem, was kommen wird, zu verbinden. Amen.

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