Konfi-Dreieck

„Wer von Ihnen will Gott darstellen?“ Eine Pfarrerin meldete sich. Sie sollte sich an die eine Seite des Kreises stellen. „Dann brauche ich einen Konfi.“ Die andere Pfarrerin hob die Hand. Der Konfi stellte sich Gott gegenüber. „So“, fragte der Leiter: „Wo stellt sich nun der Pfarrer hin, um dem Konfi etwas von Gott zu vermitteln?“

Ein möbius'sches Dreieck vor Galaxien und Sternen des Kosmos

Kann ein Dreieck helfen, Konfis etwas von Gott zu vermitteln? (Bild: jose_andres95 – pixabay.com)

#gedankeTurmgebet am Donnerstag, 1. April 2004, um 18.00 Uhr im Stadtkirchenturm Gießen

Herzlich willkommen beim Turmgebet! Ich bitte Sie, das Lied 631 aufzuschlagen, das ich gleich mit Ihnen singen möchte.

Wir sind hier versammelt im Namen des Gottes, der uns als Vater leidenschaftlich liebt, dessen Liebe im Sohn fassbare Gestalt angenommen hat und dessen Liebe uns durch den Geist verwandelt. Amen.

Wir hören zu Beginn die biblische Tageslese für den heutigen 1. April 2004 aus dem Evangelium nach Markus 14, 26-31:

26 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

27 Und Jesus sprach zu ihnen: Ihr werdet alle Ärgernis nehmen; denn es steht geschrieben: »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.«

28 Wenn ich aber auferstanden bin, will ich vor euch hingehen nach Galiläa.

29 Petrus aber sagte zu ihm: Und wenn sie alle Ärgernis nehmen, so doch ich nicht!

30 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

31 Er aber redete noch weiter: Auch wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen! Das gleiche sagten sie alle.

Eg 631: In Gottes Namen wolln wir finden, was verloren ist

Gott, am Ende eines Tages kommen wir zu Dir. Wir klagen Dir, was uns belastet und gefangen hält.

Wir bringen vor Dich unsere Verletzlichkeit, die uns manchmal überempfindlich reagieren lässt, die uns dazu veranlasst, uns einen dicken Schutzpanzer zu wünschen, die wir vielleicht auch überspielen, indem wir stärker und härter auftreten, als wir eigentlich sind oder sein wollen.

In Gottes Namen wolln wir finden, was verloren ist

Wir bringen vor dich unsere Unaufmerksamkeit, die uns daran hindert, die Menschen wahrzunehmen, wie sie in Deinen Augen wirklich sind. Wir sehen einen Menschen, der von Dir nichts wissen will, und übersehen in ihm den Menschen, der verzweifelt nach Anerkennung sucht. Wir strengen uns an, in Deinen Augen gut dazustehen, und überhören deine liebevolle Stimme, die uns sagt: Ich habe dich bereits wunderbar geschaffen, ich erwarte nicht von dir, dass du mir deinen Wert beweist.

In Gottes Namen wolln wir finden, was verloren ist

Wir bringen vor dich unsere Verzagtheit. Dass wir Dinge nicht ändern, weil uns die Weisheit fehlt, sie als veränderbar zu betrachten. Dass wir Dir nicht zutrauen, dass Du Menschen verändern kannst, vielleicht sogar uns.

In Gottes Namen wolln wir finden, was verloren ist

Zugleich wollen wir nicht aus dem Blick verlieren, dass Du uns täglich Grund zur Freude und zum Danken gibst. Darum erinnern wir uns in der Stille auch an das Gute, das uns begegnet:

Stille

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103, 2)

In Gottes Namen wolln wir finden, was verloren ist

Auf einem Seminar, in dem Pfarrerinnen und Pfarrer etwas über Konfirmandenunterricht lernen sollten, saßen wir in einem großen Kreis. Der Leiter des Seminars sagte: „Ich brauche drei Leute, die etwas darstellen sollen.“ Zwei Pfarrerinnen und ein Pfarrer traten in die Mitte. „Wer von Ihnen will Gott darstellen?“ Eine Pfarrerin meldete sich. Sie sollte sich an die eine Seite des Kreises stellen. „Dann brauche ich einen Konfi.“ Die andere Pfarrerin hob die Hand. Der Konfi stellte sich Gott gegenüber an den anderen Rand des Kreises. „So“, fragte der Leiter: „Wo stellt sich nun der Pfarrer hin, um dem Konfi etwas von Gott zu vermitteln?“

Wo hätten Sie ihn hingestellt? Die meisten Pfarrer würden sich in die Mitte stellen und hinter sich zeigen: „Hallo, Konfi, ich will dir was von Gott erzählen!“

Was sagt der Konfi? „He, Pfarrer, ich kann Gott gar nicht mehr sehen!“

Das war ein Aha-Erlebnis für mich. Ich glaube, ich stehe den Konfis oder Schülern vielleicht oft wirklich im Weg, wenn ich ihnen auf meine Art von Gott erzähle.

Es gibt aber auch noch andere Pfarrer oder mehr noch Pfarrerinnen. Die stellen sich links neben den Konfi, streicheln ihn ganz sanft am Oberarm und zeigen mit dem anderen Arm in Richtung auf Gott: Ich weiß den Weg zu Gott und zeig ihn dir.

Was sagt der Konfi? „Warum rückst du mir so nahe auf die Pelle? Das gefällt mir nicht.“

Beides funktioniert nicht. Nicht wenn wir Gott im Weg stehen. Nicht wenn wir so tun, als gäbe es keinen Unterschied zwischen der Situation des Konfis und uns als Erwachsenen.

Es gibt eine dritte Möglichkeit. Der Pfarrer kann sich auch an die dritte Ecke eines gleichseitigen Dreiecks stellen. Dann steht er dem Konfi gegenüber. Nur so kann er, wenn er will, etwas lernen. „Ich habe andere Erfahrungen als du. Aber ich bin nicht näher an Gott dran als du. Gott hat schon eine lange Geschichte mit dir, seit deiner Zeugung und Geburt. Wenn du willst, machen wir uns gemeinsam auf die Suche nach Gott. Vielleicht siehst du ihn ganz anders als ich. Aber du bist nicht weiter weg von ihm als ich.“

Mehr wollte ich Ihnen heute nicht erzählen. Mich hat dieser Impuls so sehr angesprochen, dass ich noch einmal ganz neu Lust auf den Konfirmandenunterricht bekommen habe. Und das nach einem Vierteljahrhundert in meinem Dienst als Pfarrer (auf den Tag genau heute vor 25 Jahren habe ich als Gemeindepfarrer in meiner ersten Pfarrstelle angefangen). Und das Schöne ist: offenbar hat das, was mich begeistert hat, auch andere in unserer Gemeinde angesprochen, denn ein paar Jugendliche und Erwachsene haben ganz spontan ihre ehrenamtliche Mitarbeit als Konfi-Begleiter angeboten.

EG 630: Wo ein Mensch Vertrauen gibt

Lasst uns beten (EG 853):

Unser Abendgebet steige auf zu dir, Herr, und es senke sich auf uns herab dein Erbarmen. Dein ist der Tag, und dein ist die Nacht. Lass, wenn des Tages Schein vergeht, das Licht deiner Wahrheit uns leuchten. Geleite uns zur Ruhe der Nacht und vollende dein Werk an uns in Ewigkeit. Amen.

Vater unser

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

EG 483: Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden

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