Menschenliebe verbindet

Bei einem Besuch in der Alevitischen Gemeinde betonte die Vorsitzende Yesim Kantekin, wie wichtig die Menschenliebe für jede Religion ist. In der Bibel heißt die Menschenliebe „Nächstenliebe“. Pfarrer Helmut Schütz erzählt vom barmherzigen Samariter, Abderrahim En-Nosse vom Mut-Testament Saladins, und die Kinder der Türkisch-Islamischen Gemeinde singen die Lieder: „Bismillah“ und „Ich danke dir, Gott!“

Der Kinderchor der Türkisch-Islamischen Gemeinde Gießen

Der Kinderchor der Türkisch-Islamischen Gemeinde Gießen

Interreligiöse Feier am Sonntag, 10. März 2013, um 16.00 Uhr im Gemeindesaal des Pauluszentrums Gießen
Begrüßung (Sabrina Stratil)

Herzlich willkommen im Gemeindesaal der Paulusgemeinde, der gleichzeitig der Turnsaal unserer Kita-Kinder ist! Heute sind wir hier zu einer interreligiösen Feier zusammengekommen, die von Christen und Muslimen, Frauen und Männern, gemeinsam vorbereitet worden ist. Ghenet Habte und Konstantin Masche aus dem Kita-Team haben mit Kita-Kindern Szenen aus dem Alltag eingeübt. Als Eltern haben Susanne Bourik und ich, Sabrina Stratil, mitgewirkt. Auch Abderrahim En-Nosse und Pfarrer Helmut Schütz sind dabei. Und Faime Okan hat den Kontakt zur Türkisch-Islamischen Gemeinde hergestellt – Ihren Imam begrüßen wir besonders herzlich!

Auf das Thema unserer Feier kamen wir, als wir die Alevitische Gemeinde hier ganz in der Nähe besucht haben. Die Vorsitzende der Gemeinde, Frau Kantekin, hat uns gesagt, wie wichtig die Menschenliebe für jede Religion ist. Das ist heute unser Thema: „Menschenliebe verbindet!“

Damit alle gut verstehen können, was gesagt und gesungen wird, bitten wir, während der Feier keine Gespräche zu führen und die Handys stummzuschalten. Wer Fotos machen will, darf das gerne tun. Die Lieder, die Pfarrer Schütz mit der Gitarre begleitet, können von allen mitgesungen werden. Der Text ist vorn auf der Leinwand zu lesen. Zuerst singen wir das Lied „Manchmal fühl ich mich allein.“

Lied: „Manchmal fühl ich mich allein“ (Gitarre: Helmut Schütz)
Licht-Gebet (Abderrahim En-Nosse)
Text „Menschlichkeit“ (Susanne Bourik)
Lied: „Bismillah“ (Faime Okan / Hayri Cihangeri / Kinder Türkisch-Islamische Gemeinde Gießen)

Vor dem Essen sagen wir: „Bismillah“, danach: „Elhamdulillah“.
Als wir gestern mit dem Essen anfingen,
sagten meine Eltern: „Bismillah“ (im Namen Gottes),
nach dem Essen „Elhamdulillah“ (Gott sei Dank).
Später fragte ich meinen Vater, was „Bismillah“ heißt.
Und ich fragte meine Mutter, was „Elhamdulillah“ heißt.
Mein Vater sagte: „Gott gibt uns das Essen.
Deswegen fängt man das Essen mit seinem Namen an (Bismillah).“
Meine Mama sagte: „Nachdem wir fertig sind, danken wir ihm (Elhamdulillah).“

Bilderbuch: „Der barmherzige Samariter“ (Helmut Schütz)

Ich zeige euch und Ihnen jetzt ein Bilderbuch. Es liegt normalerweise im Bücherregal im Familienzentrum, und die Kinder finden es toll (nach Lukas 10, 25-37).

Auf dem Bild ist Jesus zu sehen mit langen Haaren und einem langen Bart. Er sah in Wirklichkeit bestimmt nicht so aus. Aber wenn man dass weiß, darf man ihn ruhig malen, so wie man sich ihn vorstellt. Da kommt ein Mann zu Jesus, der kuckt ganz ernst und fast ein bisschen böse.

Der will Jesus eine Frage stellen. Aber nicht, weil er Jesus gut findet. Nein, der Mann meint, er weiß sowieso schon alles. Sogar besser als Jesus. Er will wissen, ob Jesus richtig oder falsch antwortet.

„Rabbi“, sagt der Mann zu Jesus. Denn er wollte höflich sein. Ein Rabbi war damals so etwas wie ein Pfarrer oder ein Imam. „Rabbi, sag mir: Was muss ich tun, damit Gott mit mir zufrieden ist?“

Jesus antwortet mit einer Frage: „Was steht denn darüber in der Bibel, im Gesetz des Mose, in der Tora?“

Der Mann sagt: „Das weiß ich. Da steht: Du sollst Gott lieben, so viel du kannst, mit aller Kraft, mit allen Gedanken, mit allem, was du tust. Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

„Richtig“, sagt Jesus. „Gott ist ja unsichtbar, und am besten liebt man ihn, wenn man die Menschen liebt. Und wenn du das tust, dann ist Gott mit dir zufrieden, und du kannst auch glücklich sein.“

Der Mann war mit dieser Antwort aber noch nicht zufrieden. Er regte sich nämlich gerne über Menschen auf, die anders waren, die ihn nervten, die fremd waren, die eine andere Religion hatten. Musste er die auch lieben? So fragte er Jesus: „Wer ist denn mein Nächster, den ich lieben soll?“

Da erzählte ihm Jesus eine Geschichte.

Ein Mann ging auf der Straße von Jerusalem nach Jericho.

Da überfielen ihn Räuber. Sie nahmen ihm seine Kleider und sein ganzes Geld weg.

Dann verprügelten sie ihn auch noch und ließen ihn halb tot am Straßenrand liegen.

Da kam ein Pfarrer vorbei. Eigentlich müsste er doch dem Mann auf der Straße helfen. Aber was machte dieser Pfarrer?

Er ging einfach auf die andere Straßenseite und ging weiter, ohne zu helfen.

Dann kam ein Lehrer vorbei. Er dachte vielleicht: „Wenn ich den anfasse, mache ich mich schmutzig“.

Auch er ging auf der anderen Straßenseite weiter und half dem Mann auf der Straße nicht.

Dann kam ein Samariter, so ein Fremder auf der Durchreise. Gerade erst vor kurzem hatte ihm einer gesagt: „Was willst du hier? Du hast eine andere Religion.“ Darauf hatte der Samariter nichts gesagt. Er wollte sich seine Laune nicht verderben lassen. Er war einfach weitergegangen.

Aber jetzt ging er nicht weiter. Er hatte Mitleid mit dem Mann auf der Straße. Er kniete sich neben ihn hin.

Er behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und machte ihm einen Verband. Wein und Öl hatte er dabei, weil er Kaufmann war. Dann hob er den Mann auf den Esel. Der konnte auch einmal mehr tragen als die Waren für den Kaufmann.

Der Samariter brachte den Mann in ein Gasthaus und gab dem Wirt Geld, damit er ihn pflegte. Vor allem kam der Mann in ein Bett, damit er es warm hatte und wieder gesund werden konnte. „Wenn das Geld nicht reicht, bezahle ich den Rest, wenn ich zurückkomme“, sagte der Samariter zu dem Wirt.

So weit erzählt Jesus die Geschichte. Dann fragt er den Mann, der zu ihm gekommen ist: „Wer von den drei Leuten war nun der Nächste für den Mann, der von den Räubern überfallen wurde?“

Darauf kann der Mann nur eine Antwort geben: „Der, der Mitleid hatte und ihm half.“

„Dann geh und mach es genauso!“, meint Jesus.

Also: egal welche Religion ein Mensch hat, das wichtigste in der Religion ist die Menschenliebe.

Eine Skulptur des Barmherzigen Samariters (Quelle: pixabay.com)

Eine Skulptur des Barmherzigen Samariters (Quelle: pixabay.com)

In der Bibel heißt die Menschenliebe „Nächstenliebe“. Vom barmherzigen Samariter lernen wir, dass wir nicht nur denen helfen sollen, die uns am nächsten sind, den Freunden oder denen in der Familie, sondern allen Menschen, die uns brauchen.

Szenen aus dem Alltag – Kindertagesstätte Paulus (Konstantin Masche und Ghenet Habte)
Kindermutmachlied (Gitarre: Helmut Schütz)
Mut-Testament, die Geschichte von Saladin (Abderrahim En-Nosse)
Lied: „Ich danke dir, Gott“ (Faime Okan / Hayri Cihangeri / Kinder Türkisch-Islamische Gemeinde Gießen)

Ich danke dir, Gott.
Ich danke dir, Gott.
Ich liebe dich, Gott.
Du bist so groß.
Du bist so einzigartig.
Ich nahm
eine Rose in die Hand:
Um zu sehen,
gabst du mir Augen.
Um zu riechen,
gabst du mir eine Nase.
Um zu fühlen,
gabst du mir Hände.
Ich danke dir, Gott.

Gebet: „Ich bitte um deine Liebe“ (Abderrahim En-Nosse)
Lied: „Gott macht keine Unterschiede“ (Gitarre: Helmut Schütz)
Segenszuspruch (Helmut Schütz)

Gott segne und behüte uns, Gott, unser gemeinsamer Herr, schenke uns seine Barmherzigkeit. Er, der eine Gott aller Menschen, schaue auf uns herab und gebe uns seinen Frieden. Amen.

Kaffee, Tee, Wasser, Saft, Baklava und Plätzchen im Gemeindesaal

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