Verschiedene Wege zum Osterglauben

In den Ostergeschichten reicht es einer Jüngerin, Jesu Stimme zu hören, um zum Glauben zu kommen. Andere wurden innerlich verwandelt, als sie das Abendmahl feierten. Thomas brauchte einen stärkeren Anstoß, um seinen Widerstand gegen den Glauben zu überwinden. Auch die Menschen heute kommen wohl auf ganz verschiedenen Wegen zum Glauben.

Ostereier mit Buchstaben, die das Wort Ostern bilden.

Es gibt viele Arten, zum Osterglauben zu finden (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Sonntag Quasimodogeniti, den 7. April 1991, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Herzlich willkommen im Gottesdienst am ersten Sonntag nach Ostern, der auch den Namen trägt: „Quasimodogeniti“, das heißt: „Wie die neugeborenen Kinder…“. Es geht an diesem Sonntag um den Glauben an Gott – und auch um unsere Glaubenszweifel. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“, so heißt es ja auch im Evangelium, „so werdet ihr nicht ins Reich Gottes kommen“, wenn wir nicht sozusagen neu geboren werden durch Gott, dann könnten wir gar nicht an Gott glauben. Davon mehr in der Predigt – wir werden eine Ostergeschichte hören, in der auch der große Zweifler Thomas vorkommt.

Besonders begrüßen möchte ich jetzt noch den Evangelischen Posaunenchor aus Spiesheim, der uns bei den Liedern im Gottesdienst begleitet, zuerst bei dem Lied 257, 1-3:

1) Halt im Gedächtnis Jesum Christ, o Mensch, der auf die Erden vom Thron des Himmels kommen ist, dein Bruder da zu werden; vergiss nicht, dass er dir zugut hat angenommen Fleisch und Blut; dank ihm für diese Liebe.

2) Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der für dich hat gelitten, ja gar am Kreuz gestorben ist und dadurch hat bestritten Welt, Sünde, Teufel, Höll und Tod und dich erlöst aus aller Not; dank ihm für diese Liebe.

3) Halt im Gedächtnis Jesum Christ, der auch am dritten Tage siegreich vom Tod erstanden ist, befreit von Not und Plage. Bedenke, dass er Fried gemacht, sein Unschuld Leben wiederbracht; dank ihm für diese Liebe.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“
Psalm 116:

1 Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens.

2 Er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

3 Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not.

4 Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich!

5 Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.

6 Der HERR behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

7 Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.

8 Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

9 Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.

10 Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Nicht immer, o Gott, fällt es uns leicht, die Psalmworte zu beten: „Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.“ Herr, wir sind Menschen zwischen Glauben und Zweifel, wir sehnen uns nach dem Glauben, aber immer wieder ist es so dunkel in uns, dass wir uns deine Güte kaum mehr vorstellen können. Ja, wir möchten glauben, hilf unserem Unglauben! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung 1. Petrus 1, 3-9:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,

4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch,

5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,

7 damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,

9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen vor der Predigt das Lied 449 (1+2), in dem Jesus mit dem unbesiegbaren Helden Simson und einem starken Löwen verglichen wird, weil er die Macht des Todes überwunden hat:

Lasset uns den Herren preisen, o ihr Christen überall! Kommt, dass wir Dank erweisen unserm Gott mit süßem Schall! Es ist frei von Todesbanden Simson, der vom Himmel kam, und der Löw aus Judas Stamm, Christus Jesus, ist erstanden. Nun ist hin der lange Streit. Freue dich, o Christenheit!

Warest du, o Held, gestorben, warest du ins Grab gelegt? Ei du bliebest unverdorben: Da sich nur die Erd erregt, bist du aus der Höhlen kommen, hast das Leben und die Macht aus der schwarzen Gruft gebracht und des Todes Raub genommen, schenkst uns nun die Seligkeit. Freue dich, o Christenheit!

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir aus dem Evangelium nach Johannes 20, 19-29:

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist!

23 Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen er sie behaltet, denen sind sie behalten.

24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben.

26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!

27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!

29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Liebe Gemeinde!

Wir haben eine zweiteilige Ostergeschichte gehört. Der erste Teil spielt sich direkt am Ostersonntag ab, am Ostersonntag-Abend, der zweite Teil erst eine Woche später. Darum ist dieser Predigttext auch für den heutigen Sonntag nach Ostern ausgewählt worden.

Wer an Ostern hier in der Kirche war, erinnert sich vielleicht noch ein bisschen an die Predigt: Wir haben in einer Ostergeschichte des Evangelisten Markus von den Frauen gehört, die am frühen Morgen zum Grab Jesu kamen und sich zuerst gar nicht darüber freuen konnten, dass das Grab leer war. Voller Zittern und Entsetzen liefen sie weg und fürchteten sich sehr.

Heute hören wir in einem Bericht des Johannes, dass es noch am Abend des Ostertages den zwölf Jüngern gar nicht anders ging: „Am Abend… dieses ersten Tages der Woche“ waren nämlich „die Jünger versammelt und die Türen verschlossen“ – warum? – „aus Furcht vor den Juden“.

„Vor den Juden?“ – das klingt für meine Ohren etwas merkwürdig, weil sie selber doch auch Juden waren und Jesus auch Jude war. Dazu müssen wir wissen: Johannes schreibt sein Evangelium in einer Zeit, in der die Christen noch eine ganz kleine Gemeinschaft waren und von der größeren Gemeinschaft der Juden bedrängt wurden; da ist es verständlich, wenn er so allgemein von der Furcht vor „den“ Juden spricht. Heute dürfen wir so nicht mehr verallgemeinern – denn seitdem die Zahl der Christen so sehr gewachsen ist, haben leider umgekehrt Menschen aus christlichen Völkern immer wieder Juden unterdrückt – und sogar vernichtet.

Damals allerdings hatte das kleine Häuflein der Jünger Furcht „vor den Juden“. An dieser Furcht der Jünger ist bemerkenswert: Es ist eine andere Furcht als die Furcht der Frauen am gleichen Morgen. Die Frauen am Ostermorgen fürchten sich vor dem Unfassbaren, dass da plötzlich das Grab leer ist und Jesus nicht mehr tot sein soll, wie es ihnen ein Engel sagt. Die Jünger dagegen haben im Grunde noch die alte Furcht, die in sie gefahren ist am Abend vor Karfreitag, als Jesus gefangengenommen wurde und er sich nicht wehrte. Seitdem ist für die Jünger alles zusammengebrochen. Ihre Hoffnungen auf ein neues Friedensreich, auf die Befreiung von den Römern, auf ein Ende von Unrecht und Leid, all diese Hoffnungen waren furchtbar enttäuscht worden. Denn Jesus war ja so schwach gewesen, hatte sich ja wehrlos verspotten und schlagen lassen, war dann elend am Kreuz, an diesem Marterpfahl der Schande, gestorben.

Die Jünger fürchten sich „vor den Juden“, das heißt also: sie fürchten sich vor den mächtigen Leuten in ihrem eigenen Volk, die Jesus ans Kreuz gebracht hatten. Könnte es nicht jeden Moment an die Tür klopfen, so wie zu manchen Zeiten die Gestapo oder die Stasi an Türen in Deutschland geklopft hat, könnten die Jünger nicht auch noch herausgeholt werden, um das gleiche Schicksal zu erleiden wie Jesus?

Und zu alledem waren sie mit dieser Furcht nun auch noch allein. Wer sollte ihnen Mut machen? Wer sollte sie trösten?

Der Osterbericht gibt ganz schnell eine Antwort auf diese Frage: Jesus selbst kommt zu ihnen und tröstet sie und macht ihnen Mut! Gerade, als sie so mutlos und furchtsam beisammensitzen, „kommt Jesus und tritt mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!“

Das würden wir wohl auch gern mal erleben. So schnell getröstet werden, so schnell Antwort auf unsere Glaubensfragen bekommen. Jesus ist plötzlich da, mitten unter den ratlosen Jüngern, und grüßt sie mit dem Friedensgruß. Und nicht genug damit. „Als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite.“ Er zeigt ihnen seine Wunden, damit sie sehen, er ist es wirklich, er, der gekreuzigt wurde. „Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.“

Fast ein bisschen zu schnell geht das, dass die Jünger froh werden. Warum erschrecken sie eigentlich nicht wie die Frauen am gleichen Morgen? Offensichtlich ist das bei jedem Menschen anders mit dem Osterglauben, in manchen wächst er langsam, in anderen bricht er urplötzlich durch.

Aber wie konnten die Jünger denn eigentlich Jesus sehen? Er war doch gestorben! War Jesus nun wie ein Gespenst, wie ein lebender Leichnam? Ist Jesus ihnen so erschienen, wie man sich heute in den Gruselfilmen Geister oder Zombies vorstellt?

Ein großer Unterschied ist: Jesus will durch seine Erscheinung niemanden erschrecken. Sofort, als er unter sie tritt, spricht er den Jüngern seinen Frieden zu. Aber trotzdem ist es nicht einfach so mit ihm wie vorher. Er erscheint den Jüngern nur kurz, nicht auf Dauer. Was will er denn? Er will, dass sie ihn wiedererkennen, er will ihnen etwas klarmachen, dann verschwindet er wieder vor ihren Augen.

Sehr bildhaft berichtet die Bibel davon, wie Jesus nach seiner Auferstehung den Jüngerinnen und Jüngern erscheint, vor allem wie er sich von ihnen wiedererkennen lässt. Er zeigt sich ihnen, wie sie ihn gekannt hatten. Der Maria Magdalena fällt es wie Schuppen von den Augen, als Jesus sie anspricht: „Maria!“ Sie erkennt ihn an seiner Stimme. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus erkennen ihn erst, als er mit ihnen zu Abend isst; da erinnern sie sich: Ja, so hat Jesus mit uns zusammen das Abendmahl gefeiert! Und hier in der Geschichte sind es die Wunden Jesu, an denen die Jünger ihn erkennen – ja, so hat er am Kreuz gehangen, da haben die Nägel seine Hände und Füße durchbohrt, da ist er mit der Lanze in die Seite gestoßen worden.

Die Jünger sollen merken: Jesus selber ist es, der ihnen hier erscheint, er selber ist auferstanden, er lebt! Aber zugleich müssen sie etwas anderes lernen: Er lebt jetzt auf andere Weise als vorher. Eine ganze Weile dauert es, bis sie es begreifen: Jesus lebt jetzt im Himmel, bei seinem Vater. Und auf der Erde müssen die Jünger weiterleben, ohne dass Jesus körperlich bei ihnen ist.

Die Evangelien berichten unterschiedlich davon, wie schnell die Jünger das begreifen. Lukas erzählt, dass es 40 Tage dauert bis zur Himmelfahrt, bis die Jünger wissen: Jesus ist nun wirklich im Himmel und nicht mehr leiblich bei uns. Lukas erzählt, dass es noch zehn weitere Tage dauert, bis die Jünger sich stark genug fühlen, um den Auftrag Jesu zu erfüllen: geht hin in die Welt, predigt in meinem Namen!

Johannes berichtet, dass Jesus den Jüngern schon am Osterabend diesen Auftrag gibt, nicht ohne sie zunächst noch einmal mit seinem Frieden auszurüsten: „Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Jesus wiederholt seinen Friedensgruß und schickt die Jünger in die Welt. Und schon jetzt erzählt Johannes, dass sie von Jesus den heiligen Geist bekommen, die innere Kraft von Gott. Jesus „bläst… sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist!“ Mich erinnert das auch an die Schöpfungsgeschichte, wo Gott dem Adam das Leben einhaucht. Jesus haucht seinen Jüngern neues Leben ein – sie sollen wie neugeschaffen sein, wie neugeboren.

Jesus gibt auch noch ein Beispiel, was geschieht, wenn dieser Geist in den Jüngern ist – sie können dann nämlich im Auftrag Jesu Sünden vergeben – Menschen zu Gott führen, die von Gott getrennt waren, jedenfalls alle die, die wirklich nach Gott verlangen. „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen er sie behaltet, denen sind sie behalten“, so beendet Jesus seinen kurzen Auftritt bei seinen Jüngern.

Aber einer war nicht dabei gewesen, nämlich Thomas, den wir als den „ungläubigen Thomas“ kennen. Wir merken gleich, warum er ungläubig genannt wird: „Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben.“ Thomas erinnert stark an die vielen modernen Menschen, die immer wieder sagen: Ich glaube nur, was ich sehe. Auferstehung ist doch Quatsch. Es ist noch keiner wiedergekommen.

Und das Erstaunliche: Jesus nimmt auch diesen Zweifler Thomas offensichtlich ernst. Denn eine Woche später wiederholt sich die Geschichte, die wir gehört haben, mit der Ausnahme, dass diesmal Thomas dabei ist: „Nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!“ Und dann wendet sich Jesus gleich an Thomas. Ja, ausgerechnet ihm, dem Zweifler, wendet er sich besonders zu. Er „spricht zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ So handgreiflich, wie er es sich gewünscht hat, darf Thomas fühlen, dass wirklich Jesus da zu ihnen gekommen ist!

Da fühlt sich Thomas überwältigt in seinen Zweifeln und kann anfangen zu glauben: „Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!“

Zwei Dinge sind mir wichtig in dieser Geschichte von Thomas. Einmal dass sich Jesus überhaupt so viel um einen kümmert, der große Zweifel hat. Der Thomas ist dem Jesus nicht egal. Jesus versteht offenbar, dass es nicht leicht ist, an etwas zu glauben, was man nicht sehen kann.

Und das zweite ist das, was Jesus zuletzt zu Thomas sagt. „Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Nicht jeder Zweifler bekommt so ein handgreifliches Zeichen von Jesus, wie es Thomas bekommen hat. Für die meisten anderen Christen seitdem gilt das Motto: nicht sehen und doch glauben!

Aber eins ist bei uns genauso wie bei Thomas: Aus eigenen Kräften können wir nicht glauben. So wie das kleine Baby sich das Leben nicht selber gibt, sondern von den Eltern gezeugt und geboren wird, so müssen wir zum Glauben von Gott her wiedergeboren werden.

Wie das zugehen kann? In den Ostergeschichten reicht es einer Jüngerin, Jesu Stimme zu hören, um zum Glauben zu kommen. Andere wurden innerlich verwandelt, als sie das Abendmahl feierten. Thomas brauchte einen stärkeren Anstoß, um seinen Widerstand gegen den Glauben zu überwinden. Auch die Menschen heute kommen wohl auf ganz verschiedenen Wegen zum Glauben.

Manche Menschen können zum Beispiel dankbar sein für eine gute Mutter oder Großmutter, die ihnen von Kind auf den Glauben nahegebracht hat.

Einem anderen Menschen macht vielleicht eine einzelne Predigt plötzlich klar: da spricht mich Gott selber an. Jesus ist zwar nicht leiblich bei mir, aber doch unsichtbar, mit seiner Liebe, mit seiner Kraft, mit seinem heiligen Geist.

Wieder jemand anders begegnet eines Tages einem anderen Christen und spürt: Hier bin ich angenommen, so wie ich bin. Ich bin nicht verloren in meinen Sünden, mir ist vergeben, und Gott ist für mich da, so wie eine gute Mutter oder wie ein guter Vater.

Und es kann auch sein, dass jemand schon oft verzweifelt versucht hat, zu beten, und es schien immer so, als höre Gott gar nicht zu. Und eines Tages geschieht etwas, so dass man den Eindruck hat: Gott hat mich doch erhört; Gott hat etwas gefügt, so dass etwas wieder gut wurde.

Und manche spüren in ihren Gebeten auch einfach, dass sie nicht allein sind. Sie können klagen, sie können weinen, sie können bitten, sie können wünschen und dabei wissen: nicht alles wird erfüllt, aber Gott ist bei mir, er versteht, wie mir zumute ist, ich bin nicht allein in der Welt mit meinem Kummer.

Offensichtlich hat Jesus viele Möglichkeiten, Menschen zu überwältigen, Menschen anzurühren, Menschen zum Glauben zu bewegen. Wir müssen nicht sehen, um glauben zu können. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Der unsichtbare Gott, der Gott mit dem Angesicht Jesu, er liebt uns und lässt uns wie neugeboren sein. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen das fröhliche Osterlied 85 (1-3 und 11-14):

1) Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufsteht; vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja.

2) Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen, gleich als wär ich tot, lässt du mir früh die Gnadensonn aufgehn, nach Trauern Freud und Wonn. Halleluja.

3) Nicht mehr als nur drei Tage lang bleibt mein Heiland ins Todes Zwang; am dritten Tag durchs Grab er dringt, mir Ehren sein Siegsfähnlein schwingt. Halleluja.

11) O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von der Herzens Tür. Halleluja.

12) Wie tief Kreuz, Trübsal oder Pein, mein Heiland greift allmächtig drein, führt mich heraus mit seiner Hand. Wer mich will halten, wird zuschand. Halleluja.

13) Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, dass er mich herzlich liebt. Wenn mir gleich alle Welt stürb ab, gnug, dass ich Christum bei mir hab. Halleluja.

14) Mein Herz darf nicht entsetzen sich, Gott und die Engel lieben mich; die Freude, die mir ist bereit‘, vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja.

Nun feiern wir – wie immer am ersten Sonntag des Monats – das heilige Abendmahl miteinander. Wer kommen will, mag gleich nach vorn kommen, wer nicht mitmachen will, mag auf seinem Platz bleiben.

Wie Christus unter seine Jünger getreten ist und zu ihnen gesagt hat: „Friede sei mit euch!“ so ist Christus auch jetzt unsichtbar bei uns und will uns seinen Frieden schenken. So wie zwei Jünger ihren Herrn wiedererkannt haben, als er mit ihnen das Brot zum Abendmahl brach, so will unser Herr Jesus nun auch bei uns sein im Brot und im Kelch des heiligen Abendmahls. Herr Jesus Christus, zeige uns, dass der Glaube keine Anstrengung unseres Kopfes oder unseres Willens ist, lass uns neugeboren werden zu einem kindlichen Glauben, den du uns einfach schenkst. Amen.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Hab Dank, o Gott, für deine Gaben, für deine Liebe, für dein Wort, für Brot und Kelch, für den Glauben, den du in uns weckst. Doch auch, was uns bedrückt, bringen wir vor dich. Heute z. B. die Sorgen um die kurdischen Flüchtlinge im Grenzland zwischen Irak und der Türkei, die vom Tod bedroht sind, weil Menschen ihnen grausam mitspielen. Wecke die Herzen anderer Menschen auf, dass die Kurden endlich Hilfe finden. Ja, Gott, lass Menschen Hilfe finden in leiblicher wie in seelischer Not! Wir bitten dich für alle, die zweifeln wie Thomas, für alle, in denen es dunkel ist und nicht hell wird, für alle, die in ihrer Schwermut verzweifeln. Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser

Zum Schluss singen wir das Lied 75:

1) Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

2) Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.

3) Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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