Wegwerfmenschen?

Wenn Gott überhaupt Unterschiede macht, dann gerade umgekehrt: Er kümmert sich zuerst um die Verlorenen. Ihm sind die Mühseligen wichtiger als die Sorglosen, die Beladenen wichtiger als die Unbelasteten, die Behinderten wichtiger als die Nicht-Behinderten, die Kranken wichtiger als die Gesunden, die Sünder wichtiger als die Frommen. Nicht weil es bessere Menschen wären, sondern weil sie ihn einfach mehr brauchen.

Ein verlorenes Schaf zwischen Felsen

Jesus würde kein verlorenes Schaf aus der Gemeinschaft der Menschenkinder aufgeben (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis, den 16. Juni 1991, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Ich begrüße Sie herzlich im Gottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis mit dem Wochenspruch dieser Woche (Lukas 19, 10):

Der Menschensohn [also Jesus Christus] ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Dieser Spruch gibt auch das Thema unseres Gottesdienstes an. Was ist, wenn wir uns verloren vorkommen? Was ist, wenn wir uns in unserer Menschengesellschaft an den Rand gedrängt fühlen? Was ist, wenn wir uns nach dem Sinn unseres kleinen Menschenlebens fragen? Ich lade Sie ein, dass wir uns heute gemeinsam darauf besinnen, wie Jesus, der Sohn Gottes, mit dem umgeht, „was verloren ist“.

Loblied 198, 1+3+5:

1) Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in‘ Tod. Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja.

3) Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs ist, welcher vom Glauben sich nicht lässt trennen und hofft getrost auf Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Tat. Halleluja, Halleluja.

5) Zeigen sich welche, die Unrecht leiden, er ists, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er zur Speis bescheiden, was ihnen dient zur Lebenskraft. Die hart Gebundnen macht er frei, und seine Gnad ist mancherlei. Halleluja, Halleluja.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten des 9. Psalms:

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Weise »Schöne Jugend«.

2 Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen / und erzähle alle deine Wunder.

8 Der HERR bleibt ewiglich; / er hat seinen Thron bereitet zum Gericht,

9 er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit / und die Völker regieren, wie es recht ist.

10 Der HERR ist des Armen Schutz, / ein Schutz in Zeiten der Not.

11 Darum hoffen auf dich, die deinen Namen kennen; / denn du verlässest nicht, die dich, HERR, suchen.

19 Denn er wird den Armen nicht für immer vergessen; / die Hoffnung der Elenden wird nicht ewig verloren sein.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Du erträgst es nicht, Gott, dass eines deiner Menschenkinder verloren geht. Du suchst uns, wenn wir uns entfernt haben von dir. Viel mehr, als wir dich suchen, bist du auf der Suche nach uns. Wir halten uns fest an dem, was du uns zugesagt hast, und wir vertrauen uns dir an – im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus 1. Timotheus 1, 12-17. Paulus beschreibt dort, wie er zum Glauben gekommen ist, durch die Barmherzigkeit Gottes.

12 Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt,

13 mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben.

14 Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist.

15 Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.

16 Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.

17 Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Nach dieser Lesung und vor der Predigt singen wir ein Lied von Gottes Barmherzigkeit – 269, 3+6+7:

3) Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein; deswegen kam der Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein, deswegen klopft er für und für so stark an unsers Herzens Tür.

6) Wird alles andre weggerissen, was Seel und Leib erquicken kann, darf ich von keinem Troste wissen und scheine völlig ausgetan, ist die Errettung noch so weit, mir bleibet die Barmherzigkeit.

7) Muss ich an meinen besten Werken, darinnen ich gewandelt bin, viel Unvollkommenheit bemerken, so fällt wohl alles Rühmen hin; doch ist auch dieser Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir aus dem Evangelium nach Lukas 15, 1-10:

1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

8 Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet?

9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte.

10 So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Liebe Gemeinde!

Wie wichtig nimmt Jesus einen einzelnen Menschen! Unglaublich, was für einen Vergleich er anstellt: Da ist ein Mensch, der 100 Schafe hat, und eins geht ihm verloren. Die 99, die er sicher hat, lässt er allein, das eine geht er suchen. Er macht sich die Mühe für das verlaufene Schaf, bis er es wiedergefunden hat. So wichtig ist es ihm. Oder die Frau mit den Silbergroschen. Von zehn verliert sie einen, sie lässt die neun liegen und kümmert sich nur um den einen, den sie verloren hat.

Warum erzählt Jesus das? Will er sagen, wie ungewöhnlich es ist, dass Jesus sich um einen einzelnen Menschen kümmert? Nein, ich würde sagen, bei Jesus ist es gerade umgekehrt. Jesus wundert sich, dass Menschen sich gegenseitig so gering achten, wenn sie doch bei ihrem Besitz, den sie haben, so übergenau sind.

Zumindest zu Jesu Zeiten war es so: Wer 100 Schafe hatte, konnte es sich nicht so einfach leisten, eins zu verlieren. Eine Frau, die zehn Silberstücke besaß, hätte hungern müssen, wenn sie eins davon nicht wiedergefunden hätte.

Aber schon damals dachten Menschen von andern Menschen ganz anders als von ihren Tieren oder Sachen, die ihnen gehörten: Das ist ja bloß ein Zöllner, auf den kann man verzichten. Das ist ja ein Sünder, der ist nichts wert. Die ist ja eine Hure, die muss man verachten. Jesus will sagen: Gott macht nicht solche Unterschiede bei den Menschen. Alle Menschen gehören zu ihm. Jeder ist ihm etwas wert. Auf keinen Menschen will er verzichten. Jedem geht er nach, jeden will er für sich gewinnen oder zurückgewinnen. Nicht mit Gewalt, nicht mit Zauberei, sondern mit der sanften Kraft seiner Liebe. Gott hört nicht auf, auf jeden von uns zu warten.

Heute ist es schon lange auch mit den Sachen, mit den Dingen nicht mehr so, dass man so genau auf sie achtet. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Wenn etwas kaputt ist, wird es weggeworfen. Man muss sich schon etwas Gedanken machen und Mühe geben, wenn man bei einem Fest auf Plastikgeschirr verzichten will. Das Porzellangeschirr muss man ja spülen, das ist mehr Arbeit. Wenn heute jemand eine Mark verliert, denkt er vielleicht: Was soll’s? Warum soll ich mir so viel Mühe machen, danach zu suchen. Wenn einem Schafhirten ein Schaf verloren geht, denkt er vielleicht: Wieviel mag es kosten, das eine Schaf wiederzufinden? Wenn es zu teuer ist, mache ich ein Verlustgeschäft. Hauptsache, die andern kommen durch, dann mache ich immer noch einen Gewinn!

Um so wichtiger ist es, finde ich, auf das Gleichnis Jesu zu hören: Denn auf keinen Fall dürfen Menschen zu Wegwerfmenschen werden. Bringst du keine Leistung, zählst du nichts mehr. Bist du aus dem Arbeitsleben heraus, dann bist du zu nichts mehr nütze. Das darf nicht unter uns gelten.

Für Jesus gelten wir Menschen etwas, weil einer da ist, dem wir wichtig sind. So wichtig, dass er nach uns sucht, uns nachgeht, auch wenn wir uns verlaufen haben. Das heißt auch: Gott hat niemanden sinnlos erschaffen, er hat keinen Ausschuss produziert. Wenn z. B. ein behinderter Mensch sich als einen Misserfolg in Gottes Schöpfung ansehen müsste – nach welchem Maßstab würde er das tun? Das hieße ja: Nur Menschen, die bestimmte Dinge tun können, sind gelungene Menschen. Und manche Menschen, die weniger können oder weniger Chancen mitbekommen haben, die wären dann von vornherein Menschen zweiter oder dritter Klasse, die wären weniger wert.

Jesus will sagen: Bei Gott gibt es das nicht. Wenn Gott überhaupt Unterschiede macht, dann macht er sie gerade umgekehrt: Er kümmert sich zuerst um die Verlorenen, um die Benachteiligten. Ihm sind die Mühseligen wichtiger als die Sorglosen, die Beladenen wichtiger als die Unbelasteten, die Behinderten wichtiger als die Nicht-Behinderten, die Kranken wichtiger als die Gesunden, die Sünder wichtiger als die Frommen. Nicht weil es bessere Menschen wären, sondern weil sie ihn einfach mehr brauchen.

Und darum dreht Jesus auch die Maßstäbe für menschliches Leben um. Wann kann man denn überhaupt von einem Menschen sagen, sein Leben ist gelungen?

Jesus würde sagen: Es ist nicht dann gelungen, wenn einer alles erreicht, was er sich erträumt, wenn einer gesund und reich und schön und mächtig ist und keine Sorgen hat. Jesus würde sagen, es kommt auf ganz andere Dinge an.

Erfüllt muss das Leben sein von etwas, was einen innerlich reich macht, und die kann sich niemand erarbeiten, verdienen, erzwingen, auch wenn er noch so stark und leistungsfähig ist. Liebe kann ein Menschenleben erfüllen – die kann ein Behinderter genau so erleben wie ein Gesunder. Glaube kann ein Menschenleben tragen – manchmal spürt das ein schwacher Mensch sogar eher als einer, der allzusehr gewohnt ist, auf seine eigene Stärke zu vertrauen.

Jesus malt sich in seinem Gleichnis aus, wie die Engel im Himmel wohl über die Menschen denken. Unter den Engeln stellt man sich ja heilige, gute, beschützende Wesen vor, und man könnte sich auch denken, dass sie für die guten und gerechten Menschen mehr übrig haben als für die anderen, die es schwer hatten, auf dem rechten Wege zu bleiben. Aber Jesus malt es sich anders aus. Er sagt: Es „wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.“

Aber was heißt „Sünder“, was heißt „Buße“? Es ist ganz wichtig, über diese beiden Wörter nachzudenken. Diese Wörter werden nämlich meistens ganz falsch verstanden.

Die meisten Leute denken, dass ein Sünder deshalb ein Sünder ist, weil er etwas Böses getan hat. Buße tun würde dann heißen, dass man die böse Tat bereut und wieder gutzumachen versucht.

Aber in der Bibel ist es anders. Das Wort „Sünder“ hängt wahrscheinlich mit dem Wort „sondern“, „absondern“ zusammen. Man sondert sich ab, man lebt getrennt, getrennt von Gott, allein auf sich gestellt, man meint, niemanden zu brauchen, man weiß vielleicht gar nicht, wie es ist, geliebt zu werden und pfeift deshalb auf Liebe, Vertrauen, Geborgenheit. Merken Sie? Wenn Sünde ein Getrenntsein von Gott ist, dann kann die Folge davon auch sein, dass man böse handelt. Denn ein Mensch ohne Liebe kann egoistisch, kann neidisch, kann rachsüchtig, kann verbittert werden. Aber hinter diesen schlimmen Verhaltensweisen steckt im Grunde ein verzweifeltes, einsames Herz – ein Mensch, der gar nichts davon weiß oder wissen will, dass Gott etwas für ihn übrig hat.

Das weiß Jesus, und deshalb liebt er die Sünder. In anderen Worten: er liebt die, die so verzweifelt sind, dass sie nichts erhoffen von Gott und den Menschen.

Und was heißt dann „Buße“? Wörtlich heißt Buße: Umdenken, Umkehr, Erneuerung der inneren Einstellung. Im Grunde ist Buße nichts anderes als das Einsickern der Erkenntnis: Ich bin ja doch nicht verloren! Ich bin ja doch ein geliebter Mensch! Es lohnt sich ja doch, zu leben – auch wenn das Leben ein manchmal anstrengender Weg oder sogar ein harter Kampf ist!

Buße hat also nichts Trübsinniges an sich, hat nichts zu tun mit einem „Sich-selber-weh-tun“, einem „in-Sack-und-Asche-kriechen“. Trotzdem können viele dieses Gefühl gar nicht aushalten, von Gott geliebt zu sein, oder auch die Wertschätzung eines anderen Menschen zu erhalten, einfach so, weil man da ist. Manche sind stolz darauf, nie jemanden gebraucht zu haben. Oder sie haben Angst vor der Liebe und rebellieren dagegen, weil sie fürchten, abhängig zu werden von dem, der liebt. In diesem Stolz, in dieser Angst und Rebellion liegt Stärke, liegt ein Überlebenswille, man sollte das nicht einfach abwerten und abtun. Aber Stolz und Rebellion führen auf die Dauer auch zur Abwertung der Menschen und zur Abwertung Gottes und machen – einsam und verbittert. Viel Geduld ist vonnöten, um den Widerstand gegen die Liebe aufzuweichen – ein weiter Weg ist zu gehen, bis Vertrauen wirklich möglich ist, bis man es wagen kann, das Gefühl der Geborgenheit zu fühlen.

Es gab immer unter den religiösen Menschen auch welche, die meinten: das kann doch nicht so einfach sein mit der Buße. Gott kann doch nicht einfach jeden lieben. Man muss doch wenigstens ein bisschen für Gott getan haben. Man muss sich wenigstens etwas angestrengt haben, sonst kriegen ja die schlechten Menschen genauso viel wie die guten. So dachten damals die Pharisäer und Schriftgelehrten, die über Jesus murrten und sich empörten: „Wie kann er nur die Sünder annehmen und sich sogar mit ihnen an einen Tisch setzen zum Essen!“ Und ich weiß, dass es heute immer noch Leute gibt, die von Gott so reden, als sei er nur ein hart strafender Richter, der genau aufpasst, was wir Menschen alles falsch machen. Ich weiß auch, dass andere Menschen dann Angst bekommen, wenn sie das hören und sich Sorgen machen, wenn sie einmal nicht richtig gehandelt haben oder wenn sie meinen, sie seien nicht gut genug für Gott. – Jesus lehnt ein solches Reden über Gott ganz klar ab. Gott will nicht, dass irgendjemand verloren geht. Er liebt jeden Menschen, und er kümmert sich ganz besonders um die, die sich für verloren halten. Und so geschieht es, dass gerade die Menschen, die sich selbst für etwas Besseres halten, zum Schluss allein bleiben – Jesus kümmert sich lieber um die anderen, die scheinbar Verlorenen. Weite Wege geht er ihnen nach, mit ihnen geht er viele schwere Schritte, er weint und leidet Not mit ihnen, bis er schließlich auch mit ihnen lachen und sich freuen kann.

Als Jesus das Gleichnis vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Groschen erzählt hat, da war davon überzeugt, dass jeder Mensch Grund zur Freude haben kann. Es gibt Menschen, die sich verloren vorkommen. Aber es ist einer da, der ihnen nachgeht, dem sie wichtig sind, der nicht will, dass sie wirklich verloren gehen. Es gibt Menschen, die glauben, sie seien endgültig aus dem Paradies ihrer kindlichen Wünsche vertrieben und könnten nie eine Geborgenheit erleben, nach der sie sich so sehr gesehnt hatten. Und doch leben auch sie in einer Welt, die von Gottes Liebe umschlossen ist – und sie sind von dieser Liebe nicht für immer ausgeschlossen.

Jesus nimmt die Sünder an, Gott geht uns mit seiner Liebe nach, und er will uns Mut machen, dass auch wir Menschen uns das untereinander spüren lassen: Vertrauen ist möglich, Vertrauen muss nicht enttäuscht werden. Auch als Erwachsene können wir uns kindliche Gefühle leisten, kann unser Wunsch nach Geborgenheit und zuversichtlichem Mut erfüllt werden. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 268, 3-5:

3) Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergisst, suchet treulich das Verirrte, dass es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an.

4) Kommet alle, kommet her, kommet, ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubets doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an.

5) Ich Betrübter komme hier und bekenne meine Sünden; lass, mein Heiland, mich bei dir Gnade zur Vergebung finden, dass dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an.

Herr, unser Gott, durch Jesus Christus wissen wir, dass du keinen übersiehst, der sich verirrt hat. Wir danken dir, dass du uns suchst und findest. Du gibst niemanden auf, du gehst uns allen nach. Menschen, die innerlich am Ende sind, sich aber sicher und tüchtig geben. Menschen, die andern auf die Nerven fallen, die von anderen gemieden werden. Menschen, die misstrauisch geworden sind, weil sie zu oft enttäuscht wurden. Hilf auch uns, dass wir niemanden aufgeben, dass wir einander suchen und nachgehen – nicht nur dann, wenn wir helfen wollen, sondern auch dann, wenn wir Hilfe brauchen. Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser
Lied 371, 1+2+14:

1) Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.

2) Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.

14) Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben; verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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