Wie zarte Blumen der Sonne stillhalten

Gott ist eine Kraft, die alles durchdringt und die uns auf eine sehr zarte, ja zärtliche Weise berühren will. Gott blendet nicht unsere Augen mit seinem vollen Gotteslicht, sondern schenkt uns ein Licht, das uns aufbaut und wärmt und Klarheit gibt, so dass wir uns ihm gerne aussetzen, so wie sich Blumen dem Sonnenlicht öffnen und es in sich aufnehmen.

Blumen auf einer Wiese im Gegenlicht

„Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten…“ (Foto: pixabay.com)

Abendmahlsgottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis, 6. Juli 2014 in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Im Namen des Kirchenvorstandes begrüße ich alle herzlich in der Pauluskirche. Wie immer am ersten Sonntag in einem Monat feiern wir heute im Gottesdienst auch das Abendmahl.

Herr Pfarrer Schütz beschäftigt sich heute in Gebeten und in der Predigt mit dem Text des Liedes 165. Es fängt mit den Worten an: „Gott ist gegenwärtig“, das heißt: Gott ist hier bei uns, hier in unserer Mitte, obwohl wir ihn nicht sehen können.

Wir singen in der Pauluskirche ja verschiedene Lieder, zum Teil Lieder in moderner Sprache, die meist mit Klavier und Gitarre begleitet werden. Andere Lieder in unserem Gesangbuch sind schon sehr alt und in ihrer Sprache oft schwer zu verstehen. Wenn wir genau hinschauen und hinhören, können wir aber auch von ihnen für unseren Glauben und unser Leben etwas lernen.

Das Lied 165 ist fast 300 Jahre alt. In der ersten Strophe beschreibt der Dichter Gerhard Tersteegen, was wir hier im Gottesdienst machen: Wir beten Gott an, wir kommen zu ihm und tun dies – hoffentlich – in Ehrfurcht. Das ist ein altes Wort für den Respekt vor jemandem, der uns wirklich etwas zu sagen hat. Singen wir also aus dem Lied 165 die ersten vier Strophen:

1. Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder.

2. Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen.
Heilig, heilig, heilig! singen ihm zur Ehre aller Engel hohe Chöre.
Herr, vernimm unsre Stimm, da auch wir Geringen unsre Opfer bringen.

3. Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, aller Erdenlust und Freuden;
da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben dir zum Eigentum ergeben.
Du allein sollst es sein, unser Gott und Herre, dir gebührt die Ehre.

4. Majestätisch Wesen, möcht ich recht dich preisen und im Geist dir Dienst erweisen.
Möcht ich wie die Engel immer vor dir stehen und dich gegenwärtig sehen.
Lass mich dir für und für trachten zu gefallen, liebster Gott, in allem.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Was haben wir gesungen? Wenn wir zu Gott kommen, sollen wir erst einmal schweigen, still sein. Das macht Sinn, so können wir uns konzentrieren und stören auch die anderen nicht in ihrer Andacht. Alles in uns soll zur Ruhe kommen, von allem sollen wir abschalten können, was uns innerlich zerreißt.

Dann sollen wir uns beugen vor Gott, die Augen niederschlagen und uns ihm ergeben. Das sind Aufforderungen, die meinen Widerspruch wecken. Zu passiv, zu unterwürfig klingt mir das.

Will der Liederdichter in der ersten Strophe abchecken, ob man sich Gott gefahrlos nähern kann?

Direkt anschauen könnte ich Gott gar nicht, das Licht, das er ausstrahlt, wäre heller als Tausend Sonnen, wenn er für unsere Augen sichtbar wäre.

Allmächtig ist Gott, größer als das ganze Weltall; hätte ich überhaupt eine Chance, wenn ich gegen ihn kämpfen wollte? Muss ich mich ihm nicht einfach ergeben? Oder darf ich es, weil er mir alles geben kann, was ich brauche?

Jedenfalls verbeuge ich mich vor ihm nicht aus Angst. Er zwingt mich nicht, mich zu verbiegen. Innigst beuge ich mich vor ihm, wenn ich mir bewusst mache, wie groß Gott ist und wie klein wir Menschen. Und wie wunderbar es ist, dass Gott trotzdem in unserer Mitte sein will, für mich da sein will.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Noch eine Strophe gibt es, mit der ich Schwierigkeiten habe, die dritte Strophe. Was soll das heißen: „Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, aller Erdenlust und Freuden“? Darf das Leben keinen Spaß machen? Besteht das Leben nur aus der Erfüllung von Pflichten?

Nein, die Worte Eitelkeiten und Erdenlust meinen etwas anderes.

Eitelkeit ist der Wunsch, schöner und besser zu sein als andere, mehr Geld und Macht zu haben.

Erdenlust ist die Lust, andere für das eigene Vergnügen auszunutzen, ihnen vielleicht sogar Gewalt anzutun.

Und gegen die Freude hat der Liederdichter nur dann etwas einzuwenden, wenn es keine echte Freude ist, sondern vielleicht nur die kurzfristige Befriedigung, die man sich durch Alkohol und Drogen verschafft, bis sie einen zerstören, oder eine Schadenfreude, die auf Kosten anderer geht.

Gott, hilf uns, falsche und echte Freude zu unterscheiden.

Bring uns bei, was dein guter Wille ist. Mach uns klar, dass du uns wirklich frei machst.

Wenn wir dein Eigentum sind, wenn wir dir ganz gehören, unsere Seele, unser Leib, unser Leben, dann müssen wir niemandem beweisen, dass wir etwas wert sind. Du hast uns lieb. Wir sind kostbar in deinen Augen. Wir dürfen aufatmen und aufhören, uns zu bemitleiden und uns selber innerlich zu bekämpfen. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Die vierte Strophe unseres Liedes erinnert mich an den Gesang, den ursprünglich die Engel in Bethlehem gesungen haben, als Jesus geboren war: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden.“

Sie haben es leichter, dich zu loben, weil sie im Himmel sind und dich „gegenwärtig sehen“. Allerdings müssen sie dabei eins ihrer drei Flügelpaare vor die Augen halten, damit sie nicht geblendet werden von deinem Licht, wie es uns der Prophet Jesaja 6, 2 erzählt. Auch wenn wir dich nicht sehen können, Gott, loben wir dich mit den Engeln, die dort oben auf unserem Fensterbild abgebildet sind. Ein majestätisches Wesen bist du, ein Gott, der unsere Hochachtung, unseren Respekt, unsere Ehre verdient.

Lasst uns dir lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Großer Gott, wir können diesen Gottesdienst nutzen, um dir nahe zu sein. Wir können versuchen, dir zu gefallen, in allem. Wir können uns auf den Weg machen, um herauszufinden, wer du bist, wie du für uns da bist. Hilf uns dabei, durch Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Johannes 17, 17-24. Kurz vor seinem Tod betet Jesus dort zu Gott, seinem Vater im Himmel, für seine Freundinnen und Freunde:

17 Heilige sie in der Wahrheit…

19 Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.

21 Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.

22 Sie [sollen] eins sei[n], wie wir eins sind,

23 ich in ihnen und du in mir, damit … die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.

24 Vater, … wo ich bin, [sollen] auch die bei mir sei[n}, die du mir gegeben hast…; denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

In der Lesung haben wir schwierige Sätze gehört über Jesus, der eins ist mit dem Vater im Himmel. Vom Vater und vom Sohn handelt auch unser Glaubensbekenntnis, das wir jetzt miteinander sprechen:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde; und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Wir singen das Lied auf dem Liedblatt:

Halleluja, lobt Gott in sein‘m Heiligtum!
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, die erste Hälfte des Liedes 165 haben wir gesungen und uns in den Text vertieft. Bisher entsteht der Eindruck eines großen, gewaltig mächtigen Gottes, dem man sich nur mit Vorsicht nähern kann. Man muss sich vor ihm bücken, darf ihn nicht direkt ansehen, muss ihm dienen, damit man ihm gefällt. Gerhard Tersteegen umschreibt mit solchen Bildern die Vorstellung eines Gottes, der heilig ist, unantastbar und wunderbar groß.

Dann höre ich in der 5. Strophe plötzlich andere Töne:

5. Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben,
Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter.
Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden.

Gott wird hier mit der Luft verglichen, in der wir leben und die wir atmen. Wir sind uns dessen nicht in jedem Augenblick bewusst. Aber ohne die Luft mit ihrem Sauerstoff könnten wir nicht überleben. Ebenso wenig könnten wir leben ohne Gott: er hat uns geplant und ins Leben gerufen, er erfüllt uns mit seiner Kraft und mit den Gaben, die wir haben.

Mit einem unergründlich tiefen Meer wird Gott verglichen, in das wir uns tief hinunter versenken können, ohne darin zu ertrinken. Es ist das wunderbare Meer der Liebe, die stärker ist als der Tod und die in Ewigkeit nicht aufhört. In einem solchen Meer kann das eigene Ego durchaus verschwinden, ohne dass wir zugrunde gehen; im Gegenteil, wer die egoistischen Anteile in sich selbst überwindet und zur Liebe fähig wird, der findet in Gott zu seinem wahren Selbst, der ist erst richtig am Leben und kann wahrhaft glücklich werden.

Vorhin in der Schriftlesung haben wir von Jesus ähnliche Sätze gehört wie hier in diesem Lied. „Du, Vater, bist in mir“, sagt Jesus, „und ich bin in dir“. Auch wir sollen in Gott und in Jesus sein, und Jesus will in uns sein. Er erklärt das damit, dass Gott die Liebe ist. Gott liebt ihn und uns schon von aller Ewigkeit her, und diese Liebe kann in uns sein, uns miteinander verbinden. Gott will die Liebe in uns sein, auch wenn wir selber gar nicht so gut lieben können. Gott will uns miteinander in Liebe verbinden, auch wenn wir mit manchen Menschen Schwierigkeiten haben. Und wenn das gelingt, wenn in uns und unter uns Liebe entsteht und Frieden wächst, dann geschieht etwas mit uns, das die Bibel „heilig“ nennt. Im Kontakt mit dem heiligen Gott werden wir selber auch heilig. Unser Miteinander wird heil, wir selber werden innerlich heil. Wir erleben echte Freude und können wirklich zufrieden sein mit unserem Leben.

So ist Gott uns plötzlich viel näher, als die ersten Strophen vermuten ließen. Er ist in uns wie die Luft, die wir atmen, wir sind in ihm, als würden wir in einem Meer der Liebe schwimmen.

6. Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte.
Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten,
lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

Und Gott ist noch mehr als Luft und Meer! Er ist eine Kraft, die alles durchdringt und die auch uns auf eine sehr zarte, ja zärtliche Weise berühren will. Gott blendet nicht unsere Augen mit seinem vollen Gotteslicht, sondern er schenkt uns ein Licht, das uns aufbaut und wärmt und Klarheit gibt, so dass wir uns ihm gerne aussetzen, so wie sich die Blumen gerne dem Sonnenlicht öffnen und es still und ruhig in sich aufnehmen.

7. Mache mich einfältig, innig, abgeschieden, sanft und still in deinem Frieden;
mach mich reines Herzens, dass ich deine Klarheit schauen mag in Geist und Wahrheit;
lass mein Herz überwärts wie ein Adler schweben und in dir nur leben.

Diese Worte und Bilder sind nun wieder schwerer zu verstehen und nachzuvollziehen. „Einfältig sein“, das klingt in unseren Ohren wie „dumm sein“. Abgeschieden, das hört sich an, als wären wir tot oder jedenfalls sehr einsam. Der Dichter wünscht sich ein ruhiges sanftes reines Herz, er will den Stress in seinem Leben überwinden und anderen Menschen keinen Stress machen. Er versteht das Wort „Einfalt“ als Gegensatz zu einer Zerrissenheit der Seele: eins mit sich selbst will er sein, im innigen Kontakt mit dem, was er fühlt, will er den inneren Streit mit sich selbst und anderen Menschen überwinden.

Und wenn dann das Herz sich rein anfühlt, kann er klar sehen, wie Gott ist und was er will, und er gewinnt eine Freiheit, als würde er wie ein Adler fliegen, und er lebt im Einklang mit Gott.

8. Herr, komm in mir wohnen, lass mein‘ Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden;
komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre.
Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.

Unser Lied endet mit drei Bitten, die wir Gott entgegenbringen können und die zum Teil auf überraschende Weise formuliert sind.

Erstens: Wir können Gott bitten, dass wir für ihn ein Heiligtum werden. Er selbst, seine Liebe, seine Kraft, sein heiliger Geist wollen in uns wohnen.

Zweitens: Gott ist gar nicht weit weg, er ist ein „nahes Wesen“, und wir können ihn bitten, dass er sich in uns „verklärt“, also uns klar und deutlich macht, wer er ist, so dass wir ihn lieben und spüren, wie er für uns da ist.

Drittens: Gott ist überall, wo wir sitzen oder liegen, gehen oder stehen. Wir dürfen ihn bitten, dass wir ihn mitten in unserem Alltag mit den Augen unseres Herzens sehen und ihm mit Respekt begegnen. Wie gesagt, mit diesen Augen in unserem Kopf sehen wir ihn nicht; wir brauchen den Glauben, wir brauchen ein Vertrauen auf Gott, um Gott überall dort, wo wir sind, wahrnehmen zu können.

Damit sind wir zwar noch nicht am Ende der Predigt, aber am Ende unseres Liedes angelangt, darum unterbreche ich die Predigt, um die Strophen 5 bis 8 aus dem Lied 165 zu singen:

5. Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden.

6. Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

7. Mache mich einfältig, innig, abgeschieden, sanft und still in deinem Frieden; mach mich reines Herzens, dass ich deine Klarheit schauen mag in Geist und Wahrheit; lass mein Herz überwärts wie ein‘ Adler schweben und in dir nur leben.

8. Herr, komm in mir wohnen, lass mein‘ Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden; komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.

Liebe Gemeinde, immer wieder kamen wir in diesem Gottesdienst auf das Thema „Heiligtum“, „heilig sein“. Gott ist heilig, wir begegnen ihm in der Kirche, in seinem Heiligtum. Aber er will auch in unser Herz, in unseren Geist hineinkommen, wir sollen für ihn ein Heiligtum werden. Heilig sind wir, wenn in unserem Leben Platz ist für Gott, für Liebe, für gute, reine Gedanken und Taten des Friedens.

Nun haben wir in der letzten Woche auch die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden der Paulus- und Thomasgemeinde gefragt, was ihnen heilig ist. „Was ist dir so wichtig, kostbar und heilig, dass niemand es in den Dreck ziehen soll?“ Sie durften als Antwort alles nennen, was ihn einfiel.

Einige dachten bei dieser Frage an sich selbst. Ich bin mir heilig. Mein Leben. Mein schönes Leben. Konkret wurden genannt: Urlaub und Bücher, Leichtathletik und Sport allgemein, Geld oder die Ruhe im eigenen Bett. Einem war die Ordnung heilig, und acht Konfis setzten ihr Handy, ihre X-Box oder ihre Playstation auf ihre persönliche Heiligkeitsliste.

Andere meinten: Mir ist die Welt heilig. Die Umwelt. Gott. Jesus. Drei Konfis nannten die Gesundheit, davon wünschte sich einer, dass alle Leute gesund sind. Es gab auch Konfis, denen ihre kommende Schulausbildung heilig ist, gute Noten, das Abitur, ja: die Lehrer. Ich verstehe das so, dass ihnen bewusst ist: es ist nicht selbstverständlich, gesund zu sein, gute Lehrer zu haben und genug für das Leben zu lernen.

Die meisten Antworten der Konfis hatten jedoch mit Familie und Freundschaft zu tun. Fast alle sagten: „Die Familie ist mir heilig!“ Einige erwähnten besonders die Eltern oder nur die Mutter; andere die Geschwister oder nur den Bruder. Die zweithäufigste Antwort war: „die Freunde“. Sie wurden acht Mal genannt, und es war deutlich zu erkennen, dass sich bereits eine Woche nach Unterrichtsbeginn fünf Mädchen innerhalb der Konfi-Gruppe enger miteinander angefreundet haben. Insgesamt acht Konfis ist auch ihr Haustier heilig, davon 6 Mal ein Hund und einmal eine Katze. Einzelne fanden Gemeinschaft, Geborgenheit, Vertrauen und Liebe besonders wichtig.

Ich finde es schön, dass so vielen unserer Konfis am heiligsten lebendige Wesen sind, mit denen sie sich verbunden fühlen. Von da aus ist es nicht weit zu christlichen Einsichten. Wir Menschen sind in Gottes Augen alle eine große Familie und füreinander verantwortlich. Und Jesus will uns in seiner Gemeinde als Freunde zusammenschließen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen vor dem Abendmahl das Lied 225:

Komm, sag es allen weiter

Nun sind wir eingeladen zum Heiligen Abendmahl. Wir essen ein Stück Brot, wir trinken aus dem Kelch. Damit nehmen wir Gottes Liebe in uns auf, und wir lassen uns zusammenfügen zu einer Gemeinschaft, die wir den Leib Christi nennen. So wie ein Körper viele verschiedene Gliedmaßen und Organe hat, so gehören wir als unterschiedliche Menschen in der Gemeinde von Jesus Christus zusammen: Alte und junge Menschen, Gesunde und Kranke, Arme und Reiche, Fromme und Zweifler.

Gott, hilf uns loszulassen, was uns bedrückt, was auf uns lastet, was uns hindert, frei und getrost zu leben. Nimm von uns unsere Sünde: wo wir andern weh tun, wo wir nicht helfen, wo wir nur an uns selber denken.In der Stille sagen wir dir, wofür wir um Vergebung bitten:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Vorhin bin ich auf die zweite Strophe des Liedes 165 nicht eingegangen, ich weiß nicht, wer es gemerkt hat. Da ging es um die Cherubinen, um gewaltige Engel Gottes, die dienen Gott, die bücken sich vor ihm, die sind dafür geschaffen, seine Aufträge auszuführen, als Schutzengel zu wirken, Botschaften zu den Menschen zu bringen. Aber das ist nicht alles, was sie tun, sie sind nicht nur Arbeitstiere, sondern sie verstehen es auch zu feiern und zu singen und Gott zu loben. Ihren Gesang singen wir jedes Mal als ein kleines Lobopfer für Gott, wenn wir das Abendmahl feiern: „Heilig, heilig, heilig! singen ihm zur Ehre aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm unsre Stimm, da auch wir Geringen unsre Opfer bringen. Wir rufen zu dir, heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Mit den Worten Jesu beten wir darum, dass Gott mit seinem Reich des Friedens zu uns kommt und uns zu seinem Heiligtum macht:

Vater unser und Abendmahl

Lasst uns beten.

Gott, du nahes Wesen, wir danken dir, dass du uns im Gottesdienst begegnet bist und wir im Abendmahl deine Liebe in uns aufnehmen konnten. Wir bringen unsere Bitten vor dich.

Fürbitten

Wir singen das Lied 580:

Dass du mich einstimmen lässt in deinen Jubel, o Herr
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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