Ladestation

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Hier kann man Elektrofahrräder aufladen – religiöse Gemeinden können Ladestationen anderer Art sein (Foto: pixabay.com)

Zwei Mädchen und zwei Jungen waren die ersten Redner, als die Islamische Gemeinde Gießen öffentlich um Unterstützung für ihre Suche nach neuen Räumlichkeiten bat. Sie wünschten sich eine neue Moschee mit genügend Platz für Kinder und Jugendliche. Besonders horchte ich auf, als ein Vorstandsmitglied sagte: Gerade die Jugend nutze die Gemeinderäume als „Ladestation“, um Kraft für den Alltag zu tanken.

Das Bild der Ladestation gefällt mir. Auch für unsere christlichen Kirchen und Gemeindezentren. Jesus hat gesagt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Matthäus 11, 28 – nach der Einheitsübersetzung)

Aber sind es nicht hauptsächlich die Älteren, die etwas von der Kirche erwarten? Manchmal scheint es so. Doch dann schaue ich genauer hin und sehe, wie viele Menschen aller Generationen die Angebote und Räume unserer Gemeinde nutzen. Da gibt es den Kindersonntag, bei dem Kinder begeistert auf ihre Weise Gottesdienst feiern. Im Kindergarten verbringen Kinder einen Großteil ihrer alltäglichen Zeit und freuen sich, wenn auch einmal der Pfarrer kommt zum Singen und Geschichtenerzählen. Eltern dieser Kinder profitieren von Angeboten im Familienzentrum. Jugendliche lassen sich in ihrer Konfi-Zeit auf die Kirche ein und prägen das Gemeindeleben mit. Junge Erwachsene erleben beim Capoeira-Spiel in unserem Gemeindesaal eine Spiritualität, die sie aufbaut und trägt.

Und nicht zuletzt stehen im Gottesdienst Raum und Zeit zur Verfügung, um den leeren Akku der eigenen Seele aufzuladen, im Gesang und in der Stille, im Danken und Bitten, im Hören und Verstehen biblischer Worte. Gottesdienst heißt so, weil Gott uns dienen will. Manche nutzen diesen „Service“ regelmäßig, andere vor allem zu besonderen Anlässen. Und manchmal suchen Menschen auch das persönliche, vertrauliche Gespräch mit dem Pfarrer, um mit Problemen klarzukommen und Kraft zu tanken.

Gut, dass es „Ladestationen“ gibt, wo jeder auf seine Weise „andocken“ kann.

Dieser Beitrag von Pfarrer Helmut Schütz erschien ursprünglich in der Rubrik „Gedanken zum Sonntag“ am Samstag, 22. März 2014, im Gießener Anzeiger

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