Vom Baum, der im Meer Wurzeln schlägt

Als die Jünger Jesus bitten: „Stärke unseren Glauben!“, macht er sich nicht über sie lustig. Er sagt ihnen und uns: „Euer Glaube muss nicht gestärkt werden. Wagt ihn, auch wenn er klein ist. Lebt im Vertrauen auf Gott; nicht euer Glaube muss groß sein, wenn Gott groß ist. Gott ist stärker als alle Dämonen der Angst und der festgefahrenen Lebenseinstellungen.“

Ein Baum ohne Blätter steht mitten im Meer inmitten dunkelblauer Dämmerung

Wie kann ein schwacher Glaube einen Baum im Meer verwurzeln? (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 15. Sonntag nach Trinitatis, den 23. September 2001, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie und Euch in diesem Gottesdienst mit dem Wort aus 1. Petrus 5, 7:

Alle eure Sorge werft auf [Gott], denn er sorgt für euch!

Wir haben Sorgen in dieser Zeit. Neben unseren persönlichen Sorgen sind wir besorgt um den Weltfrieden und um die Sicherheit vor Terroranschlägen. Mit unseren Sorgen kommen wir in die Kirche und vertrauen uns Gott an.

Lied 366:

1) Wenn wir in höchsten Nöten sein und wissen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hilf noch Rat, ob wir gleich sorgen früh und spat,

2) so ist dies unser Trost allein, dass wir zusammen insgemein dich anrufen, o treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Not,

3) und heben unser Aug und Herz zu dir in wahrer Reu und Schmerz und flehen um Begnadigung und aller Strafen Linderung,

4) die du verheißest gnädiglich allen, die darum bitten dich im Namen deins Sohns Jesu Christ, der unser Heil und Fürsprech ist.

5) Drum kommen wir, o Herre Gott, und klagen dir all unsre Not, weil wir jetzt stehn verlassen gar in großer Trübsal und Gefahr.

6) Sieh nicht an unsre Sünde groß, sprich uns davon aus Gnaden los, steh uns in unserm Elend bei, mach uns von allen Plagen frei,

7) auf dass von Herzen können wir nachmals mit Freuden danken dir, gehorsam sein nach deinem Wort, dich allzeit preisen hier und dort.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Das Leben geht weiter, auch wenn Schreckliches geschehen ist. Terror, der die ganze Welt aufwühlt, oder ganz persönliches Leid. Das Leben geht weiter mit kleinen und großen Freuden, mit kleinen und großen Sorgen, mit kleinen und großen Fragen. Freude ist nicht selbstverständlich – danke, Gott! Sorgen dürfen wir auf dich werfen – danke, Gott! Für all unsere Fragen hast du ein offenes Ohr – danke Gott!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Das Leben geht weiter, aber anders als zuvor. Wird nun Sorge und Angst unser Leben regieren? Wird Misstrauen und Abwehr die Feindseligkeit zwischen Menschen noch verstärken? Gewinnen Rachegedanken und Vergeltungswünsche in uns die Oberhand, die niemanden wieder lebendig machen und neues Unheil heraufbeschwören? Oder lassen wir uns lähmen durch das Gefühl der Ratlosigkeit und Machtlosigkeit gegenüber heimtückischer Bosheit?

Gott, hilf uns, dass wir aufhören, um uns selbst zu kreisen in sinnlosem Grübeln, und lass uns nach deinem Willen fragen.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Das Leben geht weiter, aber anders als zuvor. Dein Wille ist es, dass das Leben weiter geht, dass es erfüllt ist von Liebe und Frieden, dass wir neu erkennen, wie kostbar es ist. Du hast es geschaffen als Geschenk an uns Menschen. Dafür lasst uns Gott lobsingen!

„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, wenn wir hin- und hergerissen sind zwischen unserem Alltag und besorgten Gedanken an die Weltlage, zwischen hilfloser Trauer und ohnmächtigem Zorn, dann gib uns neue Orientierung. Zeige uns, worauf wir uns verlassen können, wo wir wirklich Halt finden, welchen Weg wir gehen können. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus 17, 14-23. Die Szene beginnt, als Jesus vom Berg der Verklärung zurückkommt und einer Volksmenge begegnet.

14 Und als sie zu dem Volk kamen, trat ein Mensch zu ihm, fiel ihm zu Füßen

15 und sprach: Herr, erbarme dich über meinen Sohn! denn er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser;

16 und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, und sie konnten ihm nicht helfen.

17 Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Bringt ihn mir her!

18 Und Jesus bedrohte ihn; und der böse Geist fuhr aus von ihm, und der Knabe wurde gesund zu derselben Stunde.

19 Da traten seine Jünger zu ihm, als sie allein waren, und fragten: Warum konnten wir ihn nicht austreiben?

20 Er aber sprach zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

22 Als sie aber beieinander waren in Galiläa, sprach Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen,

23 und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen. Und sie wurden sehr betrübt.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 428: Komm in unsre stolze Welt
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, die Jünger wollen einen Dämon austreiben, aber sie schaffen es nicht. Jesus verliert fast die Geduld mit ihnen, so erzählt Matthäus, und hält ihnen vor, dass sie nicht einmal so viel Glauben wie ein Senfkorn haben. Sonst könnten sie ganze Berge an eine andere Stelle rücken. Dieser Satz ist sprichwörtlich geworden: Glaube versetzt Berge. „Nichts ist unmöglich!“, sagt Jesus sogar, ein Satz, mit dem heutzutage für Autos geworben wird. „Nichts wird euch unmöglich sein, wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn.“

Aber ist das nicht ein größenwahnsinniger Satz? Ist das ernstzunehmen? Selten war das Misstrauen gegen große Versprechungen größer als in diesen Tagen, denn vor zwölf Tagen wurde deutlich: Die Sicherheit, in der wir uns in der westlichen Welt gewiegt haben, war trügerisch. Wir stehen nicht auf so sicherem Boden, wie wir gedacht hatten. Pläne, die wir machen, sehen wir in diesen Tagen unter ganz anderen Vorbehalten als noch vor zwei Wochen. Was wird die Zukunft bringen?

Wie können wir da noch glauben, dass nichts unmöglich ist, wenn man nur fest genug daran glaubt? Würden wir uns damit nicht selbst betrügen? Als wären wir allmächtig? Als wären wir Gott? Als könnten wir die Welt doch wieder in den Griff bekommen, wenn wir nur noch stärker werden? Die Vereinigten Staaten vom Amerika sind unbestreitbar die stärkste Macht der Welt, und dennoch verwundbar, nicht allmächtig. Natürlich versucht Amerika gemeinsam mit der zivilisierten Welt, die Verwundbarkeit wieder einzuschränken, die Sicherheit vor weiteren Terrortaten zu erhöhen. Aber wenn Präsident Bush ankündigt, man werde den Terrorismus vom Angesicht der Erde ausmerzen, kommen mir Zweifel und mir wird angst. Kann das gelingen? und wenn überhaupt, mit welchen Mitteln, um welchen Preis? Menschen sind nicht allmächtig.

Trotzdem sagt Jesus: „Selbst einem kleinen Glauben ist nichts unmöglich“. Unglaublich. Wie meint er das nur?

Unser Unglaube fängt genau hier an. Einem kleinen Glauben trauen wir nicht viel zu – wir wünschen uns einen möglichst großen Glauben, damit wir möglichst alle Probleme lösen können.

Das geht nicht nur uns modernen Menschen so. Schon die Apostel, die engsten Mitarbeiter Jesu, die alles für ihn aufgegeben hatten, haben damit ihre Schwierigkeiten gehabt. Im Lukasevangelium wird erzählt, wie sie mit ihrem schwachen Glauben Probleme haben und zu Jesus gehen. Ich lese 17, 5-6:

5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben!

6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

Das ist schon die ganze Geschichte, liebe Gemeinde. Was tut Jesus hier? Macht er sich über seine Jünger lustig?

Sie flehen ihn an: „Stärke unseren Glauben!“ Er sagt: „Wenn ihr Glauben hättet, könntet ihr Bäume ausreißen! Und nicht nur das, ihr könntet sie sogar ins Meer verpflanzen!“

Was soll das? Jesus antwortet ihnen paradox, ganz anders, als sie erwarten. Ist ihre Bitte um Glaubensstärkung nicht normal und verständlich? Warum macht er nicht einfach ihren Glauben stärker?

Anscheinend kann und will Jesus seinen Jüngern den Glauben nicht einfach einflößen, so wie man einem Patienten ein Medikament gibt. Der Glaube ist auch nicht etwas, was man messen und vermehren kann – je mehr, desto besser. Der Glaube wächst nicht mit der Zahl der Gebete, die man spricht, oder mit der Anzahl der Gottesdienste, die man besucht. Der Glaube ist gar keine Leistung, die wir erbringen, sondern ein Vertrauen auf Leistungen, die Gott vollbringt.

Jesus nimmt die Welt anders wahr als seine Jünger. Ihm ist der heilige Geist geschenkt. Ganz und gar lebt Gott in ihm. Darum weiß er: Ohne Gottes Liebe läuft nichts in der Welt – jedenfalls läuft dann nichts gut, nicht in die richtige Richtung. Die Welt ist gewollt von einem guten Gott, sie ist gut geschaffen, und alle Menschen auf dieser Welt sind seine geliebten Kinder – das ist Jesu feste Überzeugung, das ist sein Glaube, sein kindliches Zutrauen zum Papa im Himmel.

Dafür wirbt Jesus: habt doch Zutrauen zu einem Vater, der es gut mit euch meint. Ein klitzekleines Bisschen von diesem Vertrauen reicht schon, dann werdet ihr Bäume ausreißen können und sie ins Meer einpflanzen! Wörtlich meint Jesus das natürlich nicht. Warum sollte man auch reale Bäume ausreißen wollen? Wie sollten reale Bäume im Meerwasser Wurzeln schlagen und Halt finden können? Aber wenn wir nach einer Krankheit noch keine Bäume ausreißen können, meinen wir das ja auch nicht wörtlich. Und je mehr ich über den Satz von Jesus nachdenke, desto großartiger finde ich dieses Bild: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: ‚Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!‘, und er würde euch gehorchen.“

Manchmal sind Standpunkte in einem erbitterten Streit wie festverwurzelte Bäume im Boden der eigenen Erfahrungen und Vorurteile. Da ist nicht dran zu rütteln, kein Weg führt herüber oder hinüber. Anzuerkennen, dass der andere Recht haben könnte, würde mir den Boden unter den Füßen entziehen, mich entwurzeln, mich umwerfen. Aber wie fest ist ein Standpunkt, den ich ängstlich bewahren muss?

Wage ich ein klitzekleines Stückchen Glauben, dann muss ich nicht um jeden Preis Recht behalten, nicht unbedingt auf meinem Fleck stehenbleiben, denn es geht um die Wahrheit, die größer sein kann als meine bisherige Erkenntnis. Ich sehe auch das Körnchen Wahrheit in der Überzeugung des Andersdenkenden, versuche mich in seine Lage zu versetzen. Ich verpflanze sozusagen den Baum meiner Erkenntnis in ein ungewisses Meer, indem ich mich auf meinen Gesprächspartner einlasse, indem ich selber noch am Suchen bin, indem ich nicht von vornherein weiß, ob mein Standpunkt sich nicht verändern wird. In diesem Meer kann ich durchaus ins Schwimmen geraten und den Boden unter den Füßen verlieren. Doch ich traue Gott zu, dass er mich festhält, so wie Jesus den Petrus festhielt, als sie über das Meer der Angst gingen und Petrus beinahe untergegangen wäre (Matthäus 14, 28-31).

Manchmal fühle ich mich selbst wie festgewachsen im Boden, möchte über den eigenen Schatten springen und schaffe es nicht. Sorge und Angst lähmen meine Entschlusskraft. Schlechte Angewohnheiten, in Jahrzehnten eingefahren – kann ich sie wirklich noch abstellen, nach so vielen Jahren? Was zu meinem Charakter gehört, wo jeder sagt: „Der war schon immer so, der ändert sich nie!“ – daran soll ich wirklich noch etwas ändern können?

Jesus sagt: Ein winziges Stück Vertrauen genügt. Sich anvertrauen wirkt Wunder. Was man allein nicht kann, geht leichter dann, wenn man Liebe spürt. Wenn einer mir noch etwas zutraut. Wenn einer mich unterstützt auf meinem Weg.

Der Maulbeerbaum, der im Meer Wurzeln schlägt – das sind wir selbst, wo wir an Gott glauben. Mich erinnert dieses Meer auch an das Wasser der Taufe – das steht ja als Symbol am Anfang eines Christenlebens. Als Christen wurzeln wir scheinbar völlig im Ungewissen, denn wir setzen unser Vertrauen auf einen unsichtbaren Gott, der uns liebt. Wir glauben an einen Gott, der sich ausgerechnet in Jesus offenbart haben soll, der sich ausnutzen und kreuzigen ließ. Das Risiko ist groß, das Vertrauen auf diesen Gott zu wagen. Doch wer es wagt, erfährt: Dieses Wasser trägt. Mehr noch: es engt uns nicht ein. Es trägt uns an neue Ufer.

Es gibt im alten Testament das Bild von dem Gerechten, der wie ein Baum ist, der an Wasserbächen gepflanzt ist (Psalm 1, 3). Vielleicht will Jesus sagen, dass dem, der an Gott glaubt, sogar ein ganzes Meer von Liebe und ewiger Seligkeit zur Verfügung steht.

Das Meer ist oft auch ein Bild für den Tod, für den Untergang in der Verzweiflung, im Rachen des Nichts. Aber Gott lässt uns selbst im Meer des Todes nicht versinken, sondern er trägt uns hindurch zum ewigen Leben.

Als die Jünger ihren Herrn bitten: „Stärke unseren Glauben!“ – da macht er sich nicht über sie lustig. Er nimmt sie ganz ernst. Er sagt ihnen und uns: „Euer Glaube muss nicht gestärkt werden. Wagt ihn einfach, egal wie viel ihr davon habt, er ist stark genug. Lebt im Vertrauen auf Gott; nicht euer Glaube muss groß sein, wenn Gott groß ist. Gott ist stärker als alle Dämonen der Angst und der festgefahrenen Lebenseinstellungen.“

Es ist auch keine Schande, wenn man das nicht allein schafft. Ein erster Schritt zum Glauben kann so aussehen: Ich traue mich, um Hilfe zu bitten, um ein Gespräch. Schon dass mir einer zuhört, wirkt manchmal Wunder. Erst recht, wenn ich erfahre, dass einer mich versteht. So kann zum Beispiel aus einem schüchternen, zurückhaltenden Menschen einer werden, der seine Ängste kennt und sie überwindet.

Sind mit Gottvertrauen auch unsere Weltprobleme lösbar? Jedenfalls können wir von Jesus lernen, was der Spruch: „Nichts ist unmöglich!“ nicht bedeutet. Er bedeutet nicht: „Wir sind allmächtig!“ – leider und Gott sei Dank nicht.

In einem anderen Sinn ist uns aber wirklich nichts unmöglich, wenn wir Gott vertrauen. Alles ist uns möglich, was uns gut tut, was uns ewig glücklich macht. Wir finden Liebe, können Liebe schenken. Wir können Verantwortung tragen, Leid ertragen, Zeiten der Ratlosigkeit durchstehen.

Welche politischen Entscheidungen wir zu treffen haben, das kann und will ich hier nicht erörtern oder gar vorschreiben. Aber einige Leitlinien gibt Jesus uns vor: Vergesst nie, dass nur Gott allmächtig ist, nicht ihr selbst. Ihr könnt immer nur begrenzt Gerechtigkeit und Sicherheit herstellen. Das allerdings ist eure Aufgabe, die ihr erfüllen sollt, so gut ihr könnt. Lasst euch dabei nicht lähmen von Angst und Sorgen, sondern werft alle Sorgen auf Gott (1. Petrus 5, 7). Er sorgt für euch. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 262: Sonne der Gerechtigkeit
Abkündigungen

Himmlischer Vater! Was vor nur zwölf Tagen in Amerika geschehen ist, hat uns furchtbar erschreckt und bis in die Tiefe unserer Seele verunsichert. Warum konntest du es nicht verhindern? Wo warst du, Gott, als menschenverachtender Hass so viele Menschen getötet hat? Wir können den Terror nicht mit deiner Liebe reimen, suchen nach Wegen und Gedanken, das zu verkraften, ohne unser Vertrauen zu verlieren.

Trotz allem bleibst du die zuverlässigste Adresse im Himmel und auf Erden, an der alle unsere Fragen und Klagen gehört werden und sogar unsere Zweifel gut aufgehoben sind.

Wir verstehen nicht, wie Menschen sich sogar auf dich berufen können und in deinem Namen Verbrechen verüben, die unsere bisherige Vorstellungskraft übersteigen. Für die Menschen, in deren Mitte solch ein grauenvoller Hass und Fanatismus wachsen konnte, bitten wir dich: Lass sie jetzt endlich einsehen, dass Terror nicht dein Wille ist und niemals dem Ziel der Gerechtigkeit dienen kann.

Für alle, die jetzt entscheiden und anordnen müssen, wie auf die Anschläge zu reagieren ist, bitten wir um Besonnenheit und Weitsicht. Schenke verantwortliches Handeln, das nicht durch den Ruf nach Rache bestimmt wird, sondern durch den Willen zum Frieden. Stärke die Bemühungen der Politiker, jetzt alle Völker und Religionen der Welt in die Verantwortung für den Frieden einzubinden.

Lass uns auch darüber nachdenken, welche Opfer wir bringen müssen, um dem Terror entgegenzutreten und dem Fanatismus in der Welt den Nährboden zu entziehen.

Vor allem aber beten wir für die vielen tausend Menschen, die für unser Begreifen unschuldig und sinnlos ihr Leben verloren haben. Wir beten für die ungezählten Angehörigen, die durch den Terror den Tod ihrer liebsten Menschen betrauern müssen.

Unsere Gedanken sind jetzt oft bei dem, was in der weiten Welt geschieht, doch wir bitten dich auch um deinen Segen und Bewahrung für das Leben, das weitergeht in unserem kleinen Alltag. Lass uns bewusst wahrnehmen, wie kostbar das Leben ist, lass uns verantwortliche Entscheidungen treffen, lass uns an Schicksalsschlägen nicht zerbrechen.

Insbesondere beten wir für ein verstorbenes Mitglied unserer Paulusgemeinde: für Frau …, die im Alter von … Jahren gestorben ist. Schenke ihr um Jesu willen bei dir die ewige Heimat und schenke ihren Angehörigen deinen Trost und deine Hilfe, dass sie in der Trauer ihren Glauben und Lebensmut bewahren.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben, ungeklärte Fragen, Klagen, Zweifel und Bitten.

Stille und Vater unser
Lied 369, 1+5+7:

1) Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

5) Denk nicht in deiner Drangsalshitze, dass du von Gott verlassen seist und dass ihm der im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist. Die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel.

7) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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