Traurig und heiter vom Verstorbenen erzählen

Trauerfeier für einen Mann, der nicht wollte, dass man traurig an ihn denkt, sondern von ihm erzählt, und zwar durchaus auch die heiteren Geschichten.

Traurig und heiter vom Verstorbenen erzählen: Ein Smilie mit lächelndem Mund und einem Regenschirm über den Augen inmitten von Herbstlaub in warmen rotgelben Farben

In der Erinnerung an einen Verstorbenen kann man auch lachen (Bild: geralt – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Herrn N., der im Alter von [über 60] Jahren gestorben ist.

Heute erinnern wir uns gemeinsam an ihn: wie er war, was sein Leben erfüllt hat, in welcher Weise er Ihnen begegnet ist. Wir üben vielleicht schon einmal ein bisschen ein, wie das geht, was er sich von Ihnen gewünscht hat:

Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig. Erzählt lieber von mir und traut euch ruhig, zu lachen. Lasst mir einen Platz zwischen euch, so wie ich ihn im Leben hatte.

Natürlich sind sie trotzdem traurig. Sie vermissen ihn ja. Und es wäre seinem Andenken auch nicht angemessen, wenn Sie jede Träne herunterschlucken würden. Aber in Traurigkeit versinken, das müssen Sie nicht, das hat er nicht gewollt.

Sie haben mir viel von seinem Lebenswillen, von seiner Durchhaltekraft, von seiner kämpferischen Art erzählt. Darin nehmen Sie ihn auch als Vorbild für sich selber, indem Sie dankbar an ihn denken und mit guten Erinnerungen an ihn nach vorn schauen.

Ich habe gespürt, dass Sie vor allem sehr dankbar sind für die erfüllte Lebenszeit dieses Menschen, der ihnen geschenkt war. Darum will ich Worte der Dankbarkeit mit Ihnen beten, einige Verse aus dem Psalm 103:

1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5 der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

14 Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.

15 Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

16 wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

17 Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind

18 bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun.

Liebe Frau N., liebe Trauerfamilie, liebe Gemeinde!

„Gott heilt alle Gebrechen“, so haben wir mit dem Psalm gebetet, da können wir skeptisch die Stirn runzeln und denken: Na ja, Herrn N. hat er nicht gesund gemacht, seine Krankheit hat er offenbar nicht geheilt.

Aber da steht auch gar nicht „Krankheit“, sondern „Gebrechen“, und wenn wir dieses Wort auf den alten Ausdruck „es gebricht mir an etwas“ zurückführen, dann kann deutlich werden, was gemeint ist: Gott, so wie von ihm in der Bibel die Rede ist, so wie er uns in unserem Leben begegnet, er will, dass es uns an nichts gebricht, dass wir bekommen, was wir brauchen, dass unser Leben von dem erfüllt ist, was von entscheidender Wichtigkeit ist, nämlich von Liebe, von Lebensmut, von Hoffnung.

Wenn ich an unser Gespräch zurückdenke, dann war es eigentlich kein Trauergespräch, sondern ein dankbares Erinnern an so viel Gutes, das Sie mit dem nun Verstorbenen erlebt haben. Das heißt, dieses Leben war auch in seinem letzten Abschnitt zwar ein Kampf, aber nicht von Niedergeschlagenheit oder gar Bitterkeit geprägt, sondern von einem liebevollen Miteinander und einem in die Zukunft weisenden Lebensmut.

Insofern passt der Psalm zu dieser Feier: er verschweigt nicht, dass wir Menschen rein materiell nichts als Staub sind, dass wir nur kurz auf dieser Erde blühen wie die Feldblumen, aber eben: wir blühen, wir sind von Gott nach dem Bild seiner Liebe geschaffen, um selber auf dieser Erde in Liebe miteinander zu leben.

„Erzählt von mir“, so hat Sie Herr N. aufgefordert. Und das wollen wir nun tun.

Erinnerungen an das Leben und an die Krankheit des Verstorbenen

So lange es ging, hielt er am Leben fest, erst als er schließlich zu schwach wurde, konnte er auch loslassen, ohne zu klagen. Eine Lebensverlängerung um jeden Preis war nicht in seinem Sinn.

Sie haben ihn noch in den letzten Tagen als den Menschen erlebt, der er immer war. Und Sie als Familie haben es ihm ermöglicht, in Würde und in der Gemeinschaft von Menschen zu sterben, die ihn liebten. Sie konnten als Familie alle gemeinsam von ihm Abschied nehmen. In der Tat konnte er friedlich hinüberschlafen auf die geheimnisvolle andere Seite des Lebens.

Sie haben es als Erlösung für Herrn N. empfunden, dass er nicht noch länger leiden musste. Dankbar sind Sie auch für die intensive palliative Betreuung in der Klinik, durch die er bis zuletzt vor unerträglichen Schmerzen bewahrt blieb.

Als wir miteinander sprachen, fiel mir ein schöner Satz des Apostels Paulus ein (Römer 12, 15):

Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.

So stellt sich Paulus den Umgang mit Gefühlen vor, damals in der christlichen Gemeinde in Rom und auch zu anderen Zeiten und an anderen Orten. Ich finde es stark, wenn man miteinander teilen kann, was man empfindet, egal was es ist. Wer die Tränen aushält, die einem selbst oder einem anderen kommen, wird bald auch wieder mit dem anderen lachen können, und wer – wie der verstorbene Herr N. – mit einer zuversichtlichen, optimistischen Art gesegnet ist, der wird dazu beitragen, dass trübe Gedanken einen nicht auf Dauer in die Niedergeschlagenheit herunterziehen.

Wir haben natürlich unsere Gefühle nicht immer in der Hand, und nicht jeder fühlt gleich. Es ist sehr wichtig, dass wir einander so nehmen und annehmen, wie wir sind, und dass wir nicht meinen, aus Rücksicht auf andere nicht zeigen zu dürfen, wie wir wirklich sind. In tiefe Depression kann derjenige stürzen, der seine Gefühle nicht aushält und anderen nicht zumuten möchte und sie daher lieber herunterschluckt. Besser ist es, vertraute Menschen um sich zu haben, mit denen man beides kann: zusammen lachen und auch einmal weinen, sich Geschichten vom Verstorbenen erzählen, wobei auch mal die Tränen laufen, und dabei sich auch an den heiteren Begebenheiten von Herzen freuen.

Und wenn eins der Enkelkinder meint: „Opa ist in den Himmel gegangen, neben den Mond“ oder „zum Mann im Mond“, dann tut es nichts anderes, als was auch wir Erwachsenen uns in Bildern unserer Phantasie vorstellen, wenn wir uns fragen, wo unsere geliebten Verstorbenen jetzt sein mögen. Vielleicht „irgendwo über dem Regenbogen“? Ein Lied mit diesem Titel werden wir gleich hören.

Natürlich wissen wir als gescheite, vernünftige erwachsene Leute, dass es da draußen im Weltall über den Wolken und zwischen den Milliarden von Sternsystemen keinen für uns auffindbaren Ort gibt, wo die Toten hinkommen. Aber wir können ja nun einmal grundsätzlich nicht über die zeitlichen und räumlichen Grenzen unserer Welt hinausdenken; wenn also ein ewiger Gott diese Welt geschaffen hat, ist es durchaus denkbar, dass er außerhalb dieser Schöpfung auf für uns unvorstellbare Weise doch so etwas wie einen nichträumlichen Ort und so etwas wie eine nichtzeitliche Ewigkeit für uns vorgesehen hat.

Wir müssen das nicht zu Ende denken; letztlich haben wir wirklich nur kindliche Bilder zur Verfügung, um unsere Hoffnung auszudrücken, dass wir in unserem Tode nicht verlorengehen. In der Bibel heißt es, dass Gott uns am Ende mit Ehren annimmt, dass wir in seiner Liebe geborgen bleiben, wenn wir sterben. Was wir in unserem Leben auf Erden an Liebe empfangen und verschenkt haben, das bleibt in Ewigkeit. In dieser Zuversicht können wir auch Herrn N. getrost loslassen. Amen.

Over The Rainbow

Großer Gott, wir danken dir für das Leben von Herrn N., besonders für alles Glück und all den reichen Segen, die du ihn und seine Familie und Freunde gemeinsam mit ihm hast erfahren lassen. Wir danken für die Bildung, die er sich selber aneignen und anderen vermitteln konnte, für die Liebe, die ihn vor allem mit seinen Familienmitgliedern bis hin zu den kleinen Enkelkindern verbunden hat. Auch für die Kraft, mit der er seine Krankheit getragen und seinen positive Einstellung zum Leben nicht aufgegeben hat, sind wir dankbar, und ebenso für die Behandlung, Pflege und Betreuung, die er von kompetenter Seite erfahren durfte.

Auch unsere Trauer bringen wir vor dich, Gott, all unsere schweren Gedanken. Vergib uns, wo wir einander etwas schuldig geblieben sind. Lass uns offen aussprechen, was wir auf dem Herzen haben. Schenke uns die Erfahrung, dass Belastungen, über die man sprechen kann, gemeinsam besser getragen werden können. Amen.

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