Vom Teufel versucht, von Engeln behütet

Politische Macht wird teuflisch, wenn sie den Himmel auf Erden schaffen will. Im Römischen Reich kommen Christen tatsächlich an die Macht. Sie vergießen das Blut der Heiden, christianisieren die Germanen mit Gewalt, verbrennen später Ketzer und Hexen. Sie schaffen nicht den Himmel, sondern ein Stück Hölle auf Erden. Wer auf Erden im Namen Jesu herrschen will, hat Jesu Segen nicht.

Jesus sitzt inmitten von Steinen in der Wüste

Jesus sitzt inmitten von Steinen in der Wüste (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am Sonntag Invokavit, den 9. März 2003, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Die Predigt hat heute das Thema: „Wie Jesus den Teufel besiegt“ – passend zum Wochenspruch in 1. Johannes 3, 8:

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Mit diesem Thema beginnt im Kirchenjahr die Passionszeit. Das Wort Passion bedeutet Leiden, aber auch Leidenschaft. Von Aschermittwoch bis Ostern denken wir darüber nach, wie und warum Jesus leiden muss: Mit Leidenschaft liebt der Gottessohn die Menschen und siegt so über das Böse.

Zwei Mädchen mit ihren Familien, Paten und Freunden begrüßen wir besonders herzlich in der Pauluskirche, denn wir taufen sie heute: …

Wir singen nun das Lied von dem Gott, der die ganze Welt in seiner Hand hält, Nr. 619:

1) Er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

2) Er hält das winzigkleine Baby in seiner Hand, er hält das winzigkleine Baby in seiner Hand, er hält das winzigkleine Baby in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

3) Er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

4) Er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Gott hält die Welt in seiner Hand, Sonne und Mond, Erde und Meer, dich und mich und auch das winzigkleine Baby. Er ist die Kraft, die hinter allem steht, was es gibt. Er ist die Macht der Liebe, die stärker ist als die Macht des Bösen. Er ist es, der uns trägt mit seinen Engelmächten.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Manchmal haben wir das Gefühl, dass nicht Gott diese Welt beherrscht, sondern böse Mächte und Gewalten. Geld regiert die Welt. Egoismus ist wichtiger als Nächstenliebe. Gewalt ist die Sprache, die manche Politiker am besten beherrschen. Wir rufen zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Gott gibt Freiheit, auch die Freiheit zum Bösen. Gott schenkt Liebe – und zwingt niemanden, sie anzunehmen. Gott greift nicht gewaltsam ein in unsere Welt – und doch ist seine Liebe stärker als das Böse.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, hilf uns glauben, auch wenn wir immer wieder zweifeln.

Gott, hilf uns lieben, auch wenn es schwerfällt.

Gott, hilf uns hoffen, auch wenn wir manchmal keinen Ausweg wissen.

Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wer hat die höchste Macht in der Welt? Hat Gott dem Teufel auf der Erde für immer das Feld überlassen?

Das Taufevangelium nach Matthäus 28, 16-20, sagt uns, wem Gott die Macht im Himmel und auf Erden überträgt:

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Amen. „Amen.“

Liebe Tauffamilien, liebe Paten und Freunde der Taufkinder, liebe Gemeinde!

Kinder, die getauft werden, bekommen dreimal Wasser über den Kopf geschüttet. Dreimal, weil wir Kinder im Namen des dreieinigen Gottes taufen. Wir bezeugen damit handgreiflich, dass sie Kinder des lebendigen Gottes sind. Er, der unsichtbar ist, lebte unter uns in der Gestalt Jesu und will in uns leben mit allen Kräften den Heiligen Geistes.

Unsichtbar ist Gott, und doch spüren wir manchmal ganz deutlich seine Nähe und seine Hilfe. Manche sagen dann: Das war mein Schutzengel.

Auch die Bibel kann so von Gottes guten Mächten sprechen, die uns umgeben und umsorgen, zum Beispiel in einem Wort aus Psalm 91, 11, das Sie als Taufspruch für … ausgesucht haben:

[Gott] hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Manchmal haben Gottes Engel alle Hände voll zu tun, besonders wenn wir Menschen einander das Leben schwer machen. Es ist nicht leicht zu begreifen, warum Gott es zulässt, dass schon Kinder Grausamkeiten erleiden oder mit ansehen müssen – wer da seinen Glauben nicht verliert, das ist schon ein Wunder! Manchmal besteht die Hilfe eines Engels vielleicht genau darin: dass er hilft, den Glauben an die Liebe nicht aufzugeben, auch wenn man enttäuscht wurde. Dass er Mut macht, sich zu überwinden und Menschen zu suchen, denen man vertrauen kann.

Liebe ist in unserer Welt, so wie sie ist, nicht selbstverständlich. Aber sie ist notwendig, wenn dies eine Welt sein soll, in der unsere Kinder willkommen sind. Im Taufspruch für … kommt dieser Gedanke zum Ausdruck, in einer Formulierung von Paulus in 1. Korinther 16, 14:

Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen.

Liebe ist in diesem Sinn kein Schönwettergefühl, das nur dann am Platz ist, wenn man sich ohne Sorgen rundherum glücklich fühlt, und das nur den Menschen gilt, die man besonders gut leiden mag. Alle Dinge in Liebe geschehen zu lassen – was kann das heißen? Wenn man es schafft, auch in Stresszeiten Geduld zu bewahren mit dem quengelnden Kind. Wenn man rachsüchtige Gefühle gegen Menschen, von denen man verletzt wurde, doch nicht in die Tat umsetzt. Wenn man Zeit aufbringt für Kinderfragen, auch wenn man auf die vielen Warums irgendwann gar keine Antwort mehr weiß. Wenn man es fertigbringt, gemeinsam mit dem Partner oder unter Freunden sich die Last der Kinderbetreuung zu teilen, damit man sich auch an und mit den Kindern freuen kann. Christliche Kindererziehung – was ist das eigentlich? Am wichtigsten ist es, dass wir den uns anvertrauten Kindern einen Raum schaffen, in dem sie sich geborgen fühlen, und dass wir als Erwachsene liebevoll und zuverlässig für sie da sind. So werden sie ganz von selbst auch Fragen nach Gott und der Welt stellen, und sie sind uns nicht böse, wenn wir diese Fragen nicht perfekt beantworten – es wäre nur schade, wenn sie überhaupt keine Antwort bekämen.

Genug geredet über die Taufe! Wir kommen zum Ritual der Taufe selbst. Dieses Ritual beginnt heute mit dem Tauflied 211:
Gott, der du alles Leben schufst

Der nächste Schritt im Taufritual ist das Bekenntnis unseres Glaubens, das wir nun gemeinsam sprechen, stellvertretend auch für unsere Taufkinder:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied: Jedes Kind braucht einen Engel
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, jedes Kind und jeder Mensch braucht Engel, die schützen, halten und auffangen. Engel sind Bewahrungen in unserem Leben, ein Engel kann ein anderer Mensch sein, der rettend eingreift, ein Engel kann sogar das eigene Kind sein, das eine Gefahr durch sein Schreien abwendet. Wir brauchen Engel, weil wir irdische Wesen sind, nicht unsterblich, nicht vollkommen, sondern vieler Dinge bedürftig, nicht zuletzt der Liebe, verletzbar und oft auch verletzend.

Jeder Mensch braucht seinen Engel – aber hat auch jeder seinen guten Engel? Oder ist hinter unserem Rücken ein Kampf im Gange: gute Engel gegen böse Geister? Ist es wie in den Fernsehserien, wo Dämonen von guten Hexen oder von der Jägerin vernichtet werden; bestimmen übersinnlich Mächte über uns?

Auch von Jesus heißt es, dass die Engel ihm dienen. Doch zuvor muss er sich allein mit dem bösesten aller Geister auseinandersetzen – mit dem Teufel persönlich. Ich lese diese Geschichte Vers für Vers, wie sie im Evangelium nach Matthäus 4, 1-11, steht. Sie fängt an, nachdem Jesus von Johannes dem Täufer getauft worden ist und die Stimme Gottes aus dem Himmel gesagt hat: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.

Da stutze ich. Gottes Geist führt Jesus in die Wüste, um vom Teufel versucht zu werden. Wozu ist das gut? Was hat der Heilige Geist mit dem Teufel zu tun? Vielleicht sollen wir wissen: Auch wenn wir bösen Mächten ausgesetzt sind, kann dahinter trotzdem ein Plan Gottes stehen. Bei Jesus ist es jedenfalls so.

2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.

Handpuppe Lutz, ein rot-schwarzes Teufelchen mit gelben HörnernAuf sein erstes öffentliches Auftreten bereitet sich Jesus mit einer langen Fastenzeit vor – sieben Wochen ohne – ohne Essen, ohne einen Menschen in der Steinwüste. Er fastet nicht, um abzunehmen, sondern um Abstand zu gewinnen von dem, was vorher war: von seinem Leben als Zimmermann und Normalbürger. Er fastet, um Zugang zu gewinnen zu dem, was Gott ihm sagen will, um den Menschen das Richtige weiterzusagen.

Dann geschieht etwas ausgesprochen Menschliches. Als Mensch, der Jesus ist, kriegt er Hunger. Er ist kein Halbgott ohne menschliche Bedürfnisse. Er hat sich nicht einmal wie ein Yogi lästige Gefühle wie Hunger und Schmerz abtrainiert. Quälender Hunger hat manchen fastenden Heiligen verrückt gemacht, und auch von Jesus wird erzählt, dass er von einer bösen Vision heimgesucht wird. Der Teufel persönlich rückt ihm auf den Leib. Doch was ist das? Auf den ersten Blick wirkt er gar nicht so böse. Er redet freundlich mit Jesus. Vielleicht sieht er sogar freundlich aus, wie dieser kleine rote Teufel hier.

3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.

Das ist logisch gedacht. Die Stimme der Versuchung klingt nicht teuflisch böse, sondern menschlich. Sie packt Jesus bei seiner Ehre als Gottes Sohn. „Du bist also der Sohn Gottes. Dann dürfte dein Hunger für dich kein Problem sein. Ein kleiner Zaubertrick, und du hast Brot, so viel dein Herz begehrt. Steine liegen genug herum in der Wüste. Oder kannst du das etwa nicht? Ist es zu schwer für dich als Sohn Gottes, aus Steinen Brot zu machen? Wie, du lässt dich den Sohn des Höchsten nennen und bist doch nur ein Mensch?“ Sind das nicht menschlich verständliche Gedanken? Ein Jesus, der nicht zaubern kann, der nicht vom Kreuz heruntersteigt, ein Jesus, der ganz und gar Mensch ist – der soll Gottes Sohn sein? Der soll unser Vertrauen verdienen?

4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Buch Mose – Deuteronomium 8, 3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«

Jesus antwortet mit einem Wort aus der Bibel. Aus seiner jüdischen Bibel, die er in- und auswendig kennt. Jesus spürt Hunger, oh ja. Der Magen knurrt, der Hunger will seine Eingeweide zerreißen. Und doch zaubert er kein Brot. Es geht ihm buchstäblich wie jedem Menschen, der Hunger hat und das Brot ist alle – da können wir auch nicht mal eben einen Zauberspruch sagen und unser Problem ist gelöst. Jesus weiß: Das kann kein sterblicher Mensch.

Und er weiß noch mehr. Zwar hat der Mensch Bedürfnisse wie die Tiere. „Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zum Essen, bitte sehr“, hatte Bert Brecht gesungen. Aber der Mensch ist dazu geschaffen, mehr als ein Tier zu sein – Gottes Ebenbild der Liebe. Er lebt, mehr noch als vom Brot, „von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“.

Das heißt: Ein Wort Gottes hat uns ins Leben gerufen, uns geschaffen, und wir Menschen – im Gegensatz zu den Tieren – wissen das.

Weiter: Das Wort Gottes spricht zu uns liebevoll, begegnet uns so, dass wir uns selber liebhaben können.

Schließlich: Gottes Wort fordert uns heraus, lässt uns aufrecht gehen, verantwortlich handeln.

So meint das Jesus: Lieber Teufel – ich habe es nicht nötig, aus Steinen Brot zu machen, um Gottes Sohn zu sein. Ich bin Mensch, bin Gottes Ebenbild, lebe durch sein Wort, von seinem Wort, mit seinem Wort. Nur so bin ich auch sein Sohn und weiß: er hat mich lieb.

Naja, da hat der Teufel keinen Erfolg gehabt. Aber er lässt nicht locker.

5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels

6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91, 11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«

Wieder redet der Teufel freundlich mit Jesus. Diesmal kommt er nicht mit menschlicher Logik, sondern er versucht Jesus mit seinen eigenen Waffen. In die heilige Stadt Jerusalem entführt er ihn. Sogar die Bibel zitiert er, es ist ein frommer Teufel, er kennt den Taufspruch von einem unserer Taufkinder: „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ Damit provoziert er Jesus: Wenn du bloß ein Mensch bist, verstehe ich natürlich, dass du dich nicht so ganz auf deinen Schutzengel verlassen willst. Aber bist du Gottes Sohn, dann wage doch das kleine Experiment: Spring vom Tempelturm und lass dich von den Engeln auffangen! Das ist bestimmt ein geiles Gefühl – und die Leute werden dich feiern. Du wärst von heute auf morgen der Superstar!“

Wird Jesus sich als Supermann erweisen, der vom Tempel herunterschwebt, von Engeln getragen?

7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Buch Mose – Deuteronomium 6, 16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

Auch aus dem Zusammenhang gerissene Bibelworte führen Jesus also nicht aufs Glatteis. Jesus ist Gottes Sohn auf andere Art, als es der Teufel ihm und uns einflüstert. Allmächtig ist Gott nicht, indem er die von ihm selbst geschaffenen Naturgesetze außer Kraft setzt. Allmächtig ist Gott, indem er liebt.

Ich kann zwar versuchen, Gott zum magischen Wunscherfüllungsautomaten zu machen, aber dann versuche ich Gott. Ich führe Gott in Versuchung, etwas zu tun, was mir nicht gut tut und was gegen seinen erklärten Willen wäre. Ich grabe damit Gott eine Grube, falle aber selbst hinein. Nein, sagt Jesus mit einem Wort aus seiner Bibel: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen!“

Pech gehabt, armer Teufel! Aber er versucht es noch ein drittes Mal, Jesus in Versuchung zu führen.

8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit

9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.

Beim ersten Mal hatte der Teufel menschlich logisch argumentiert, beim zweiten Mal biblisch göttlich, jetzt bietet er ihm offen einen Teufelspakt an: Du betest mich an, dafür bekommst du die Herrschaft über die ganze Welt. Hier versucht der Versucher nicht mehr, Jesus mit List zu gewinnen, sondern er geht aufs Ganze: „Du musst dich entscheiden, Jesus. Du hast es in der Hand. Du kannst Weltherrscher werden, der beste Kaiser, den es je gab, ein UNO-Generalsekretär, der wirklich Frieden durchsetzt, ein Religionsführer, der dafür sorgt, dass Gottes Gebote überall gelten.“ Die Sache hat nur einen Haken. Die Weltherrschaft kostet einen Preis. Jesus müsste den Teufel anbeten.

Warum eigentlich? Wäre es nicht toll, einen Weltpräsidenten wie Jesus zu haben? Was ist so teuflisch an der Weltherrschaft?

Politische Macht wird teuflisch, wenn sie den Himmel auf Erden schaffen will. Im Römischen Reich kommen Christen tatsächlich an die Macht. Sie vergießen das Blut der Heiden, christianisieren die Germanen mit Gewalt, verbrennen später Ketzer und Hexen. Sie schaffen nicht den Himmel, sondern ein Stück Hölle auf Erden. Dabei hat Jesus gesagt: „Unter euch, die ihr mir nachfolgt, soll es nicht so sein, dass einer über den andern herrscht.“ Nein, wer auf Erden im Namen Jesu herrschen und Kriege führen will, hat nicht den Segen Jesu – und das sagt er dem Teufel auch ganz klar:

10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! denn es steht geschrieben (5. Buch Mose – Deuteronomium 6, 13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«

Trotzdem ist es wahr, wenn Jesus im Taufevangelium sagt: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“ Diese Macht über die Welt gewinnt Jesus aber nicht mit Gewalt, sondern indem er aus Liebe zu den Menschen am Kreuz stirbt.

Dieser Jesus wird vom Tod erweckt, dieser Sohn sitzt im Himmel zur Rechten Gottes, dieser Christus herrscht von dort aus über die Welt – aber nicht mit Mitteln der Welt, nicht mit Magie und Manipulation, Zwang und Gewalt, sondern mit der Macht seiner Liebe.

Jetzt ist der Kampf mit dem bösen Geist zu Ende. Und jetzt treten die Engel auf, die der Teufel vorher erwähnt hatte:

11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Gute Geister dienen Jesus – warum? Muss er als Gottessohn bedient werden? Nein, er sagt von sich, dass er nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Ich glaube, die Engel dienen ihm so, wie sie auch uns dienen, wenn wir beschützt und gehalten sind von guten Engeln. Jesus besiegt ja den Teufel nicht mit magischen Beschwörungen, sondern indem er Mensch bleibt: Ein Mensch, der sich auf Gottes Wort verlässt, auf seine Engel, die ihn bewahren – nicht vor jedem Leid, aber in allem Leid. Wie Jesus dürfen wir uns Gottes Liebe anvertrauen und behütet sein von guten Engeln, was auch immer geschieht. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 443, 3-5:

3) Du wollest auch behüten mich gnädig diesen Tag vors Teufels List und Wüten, vor Sünden und vor Schmach, vor Feu’r und Wassersnot, vor Armut und vor Schanden, vor Ketten und vor Banden, vor bösem, schnellem Tod.

4) Mein‘ Leib und meine Seele, Gemahl, Gut, Ehr und Kind in dein Händ ich befehle und die mir nahe sind als dein Geschenk und Gab, mein Eltern und Verwandten, mein Freunde und Bekannten und alles, was ich hab.

5) Dein‘ Engel lass auch bleiben und weichen nicht von mir, den Satan zu vertreiben, auf dass der bös Feind hier in diesem Jammertal sein Tück an mir nicht übe, Leib und Seel nicht betrübe und mich nicht bring zu Fall.

Gott, wir bitten um Glauben. Dass diese Welt nicht zum Teufel geht, sondern durch Liebe gerettet wird.

Gott, wir bitten um Hoffnung. Dass Krieg im Irak noch abgewendet wird und Schritt für Schritt ein Stück mehr Frieden in Gerechtigkeit möglich wird.

Gott, wir bitten um Liebe. Dass wir treu sind und streiten können bis zur Versöhnung. Dass wir unseren Kindern gute Grenzen setzen und uns nicht auf ihre Kosten gehen lassen. Dass Nachbarschaft auch im Multikultiwohnblock gelingt. Dass Christen sich akzeptieren, auch wenn sie unterschiedlich glauben. Und dass wir uns selbst so liebhaben können, wie du uns liebst. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 334: Danke für diesen guten Morgen
Abkündigungen

Gott segne dich und er behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.