Gottes Wort ist wie Regen und Schnee

Gottes Wort ist wie Regen und Schnee. Das ist manchmal unangenehm: Gottes Wort als Wahrheit über mich selbst kann wie eine kalte Dusche sein. Aber das ist auch schön: Es ist genug davon da. Ein Wort von Gott fällt auf den stocktrockenen Boden unserer Seele und macht ihn weich – aufnahmefähig für das, womit Gott uns satt machen will.

Bank im Hagelschauer auf Juist

Regen und Schnee oder Hagelschauer sind nicht immer angenehm, aber ohne Niederschlag würde nichts wachsen

#predigtGottesdienst am Sonntag Sexagesimä, 18. Februar 2001, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich mit dem Wort zur Woche aus dem Brief an die Hebräer 3, 15:

Heute, wenn ihr Gottes Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.

Der Wochenspruch gibt auch das Thema für diesen Gottesdienst an: Können wir Gottes Stimme hören? Spricht sein Wort uns an? Woran liegt es, wenn wir ihn nicht hören? Ist er gar nicht da? Oder macht unser „verstocktes“ Herz sich lieber zu und hart, als Gottes liebevolle Worte in sich aufzunehmen?

Lied vom Wort Gottes 196, 1+2+5:

1) Herr, für dein Wort sei hoch gepreist; lass uns dabei verbleiben und gib uns deinen Heilgen Geist, dass wir dem Worte glauben, dasselb annehmen jederzeit mit Sanftmut, Ehre, Lieb und Freud als Gottes, nicht der Menschen.

2) Öffn uns die Ohren und das Herz, dass wir das Wort recht fassen, in Lieb und Leid, in Freud und Schmerz es aus der Acht nicht lassen; dass wir nicht Hörer nur allein des Wortes, sondern Täter sein, Frucht hundertfältig bringen.

5) Dein Wort, o Herr, lass allweg sein die Leuchte unsern Füßen; erhalt es bei uns klar und rein; hilf, dass wir draus genießen Kraft, Rat und Trost in aller Not, dass wir im Leben und im Tod beständig darauf trauen.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Ich frage: Kann Gott zu uns reden?

Wenn ein Mensch mir erzählt: „Gott hat mit mir gesprochen!“ – dann bin ich erstmal vorsichtig. Denn oft geht es dann so weiter: „Gott hat mir gesagt, ich soll barfuß nach Rom wandern auf der Autobahn“, oder: „Gott hat mir gesagt, nimm deine Medikamente nicht mehr!“ oder „Gott hat mir gesagt, du bist nichts wert, du musst dich umbringen.“ Nein, das sind keine Worte von Gott, auch wenn der Sprecher ehrlich davon überzeugt ist. Er merkt es nicht, aber solche Stimmen – ängstigend, bedrohlich, zerstörerisch – kommen aus seiner eigenen gequälten und kranken Seele.

Trotzdem – Gott kann zu uns reden. Es gibt eine gesunde Art zu sagen: Gott hat zu mir gesprochen! Wer diese Erfahrung macht, heißt in der Bibel ein Prophet, eine Prophetin. Propheten hören im eigenen Geist Gottes Stimme und wissen: Das ist nicht von mir, das ist von Gott, das sind gute Worte, wichtige Worte, heilsame Worte für alle Menschen.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ich klage: Heute gibt es keine Propheten mehr. Oder man bringt sie um – Martin Luther King, Mahatma Gandhi, durchaus Sprachrohre Gottes in unserer Zeit – von Fanatikern getötet.

Ich klage: Propheten kommen nur selten vor in der Welt. Schon zur Zeit der Bibel waren sie selten. Schon damals war es normal, dass man nicht auf sie hörte, dass die Menschen ihr Herz für Gottes Stimme verstockten, dass man Propheten einsperrte oder tötete.

Ich klage: Warum sprichst du nicht direkt zu uns, Gott? Muss uns genügen, was uralte Propheten vor ewigen Zeiten aufgeschrieben haben? Für viele sind es leere Sprüche.

Ich klage zu dir, Gott, und bitte um dein Wort. Auch wenn es alte Worte sind, sprich uns durch sie heute neu an!

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Worte der Bibel – leere Worte? Wenn sie unser Herz erreichen, werden sie lebendig. Lasst uns danken für Gottes Wort mit dem Psalm 119:

89 HERR, dein Wort bleibt ewiglich, / so weit der Himmel reicht.

92 Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, / so wäre ich vergangen in meinem Elend.

105 Dein Wort ist meines Fußes Leuchte / und ein Licht auf meinem Wege.

116 Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe, / und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, sprich zu uns, lass dein Wort unser Herz anrühren, lass unser Vertrauen zu dir wachsen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören als Schriftlesung den Predigttext aus dem Prophetenbuch Jesaja 55, 6-13:

6 Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist.

7 Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.

8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR,

9 sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

10 Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen,

11 so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein; Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

12 Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.

13 Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem HERRN soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 571, 3-7:

3) Du Wort der Wahrheit, lautrer Quell, mach unsre dunklen Augen hell, dass wir die Wege Gottes sehn und in der Welt nicht irre gehn.

4) Du Wort der Buße, füll das Herz uns an mit tiefem Reueschmerz, dass unser Flehn und Seufzen sei: Gott, steh uns armen Sündern bei!

5) Du Wort der Gnade, tröstend Wort, o bring uns Botschaft fort und fort von ihm, der für uns litt und starb und uns Gerechtigkeit erwarb.

6) Du Wort des Glaubens, gib uns Kraft, dass wir, der Eitelkeit entrafft, im gnädig dargebotnen Heil ergreifen unser ewges Teil.

7) So geh uns auf, du Gottesglanz, durchdring uns und verklär uns ganz, du Wort, das noch in Kraft besteht, wenn Erd und Himmel untergeht.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! „Wer hat uns was zu sagen?“ So lautet das Thema eines Konfirmandenkurses, der gerade läuft. Da fragen wir unter anderem auch: Hat Gott uns was zu sagen? Gelten seine Gebote noch? Hat er vielleicht früher die Menschen angesprochen, aber heute aufgehört zu reden?

Diese Fragen, so modern sie klingen, sind schon so alt wie die Bibel. Zum Beispiel im Buch Jesaja kommen sie vor. Gehen wir zweieinhalbtausend Jahre zurück, mehr als 500 Jahre vor Christi Geburt. Die Juden lebten weit weg von ihrem Land Israel, ausgesiedelt, vertrieben ins Land Babylon. Gab es noch etwas zu hoffen? Viele dachten: Gott hat uns verlassen, Gott sagt nichts mehr. Er hat nichts mehr zu sagen. Er hilft nicht mehr, vielleicht ist er gar nicht mehr da.

In dieser Zeit redet ein Prophet. Wir haben in der Lesung seine Worte gehört (Jesaja 55). Er ruft den Leuten zu:

6 Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist.

Es war schon immer so: Wer nicht sucht, der findet auch nicht. Wer sich darüber beschwert, dass Gott nicht redet, muss sich erst einmal fragen: Will ich ihn überhaupt hören? Denn Gott drängt sich nicht auf. Man hört ihn nicht so wie die Stimmen in einer Psychose, die einen überfallen und gegen die man sich nicht wehren kann. Man hört ihn, wenn man ihn hören möchte.

Merkwürdig klingt das Wort „solange“. „Solange er sich finden lässt“, „solange er nahe ist“. Ist Gott irgendwann nicht mehr nahe? Ist es irgendwann zu spät, ihn zu suchen? Dann wäre dieses Wort ein Appell: Wartet nicht zu lange, es könnte zu spät sein, umzukehren!

Im hebräischen Urtext habe ich allerdings entdeckt, dass Martin Luther hier nicht ganz genau übersetzt hat. Da steht eigentlich wörtlich: „Sucht den Herrn in seinem Sichfindenlassen, ruft ihn an in seinem Nahesein.“ Das ist kein gutes Deutsch, deshalb können wir ruhig bei unserer Lutherübersetzung bleiben. Gemeint ist hier aber nicht, dass Gott nur eine begrenzte Zeit nahe ist und sich finden lässt. Vielmehr lässt Gott sich finden von jedem, der ihn sucht, er ist jederzeit näher als wir denken, jetzt ist er da. Seine Nähe spüren wir allerdings nur, wenn wir ihn suchen, immer wieder neu. Denn besitzen und kontrollieren können wir seine Nähe nicht: „Sucht den Herrn, er ist zu finden; ruft ihn an, er ist nahe.“

So viel zu Gott. Er ist da, nur einen Herzschlag weit entfernt. Was ist mit uns? Wie stehen wir da, wenn wir ernsthaft mit Gott Kontakt aufnehmen wollen? Der Prophet sagt:

7 Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.

Sind wir damit gemeint? Sind alle, die Gott suchen, grundsätzlich erst einmal Gottlose und Übeltäter?

Wir möchten nicht gern in einen Topf geworfen werden mit Atheisten und bösen Buben, mit Gewalttätern und Menschen, die die Kirche lächerlich machen.

Aber gerade die, die bereits an Gott glauben, werden in der Bibel am meisten gefordert: Gebt ein gutes Beispiel! Richtet euch an der Barmherzigkeit Gottes aus! Wenn ihr die anderen verachtet, die Gottlosen und Verbrecher, wenn ihr ihnen keine Chance zur Umkehr lasst, dann seid ihr selber nicht besser. Und ihr selbst – seid ihr wirklich hundertprozentig gute Menschen?

Gottes Wort will weder die Verbrecher entschuldigen noch die anständigen Menschen verunglimpfen, als ob es egal wäre, was man tut. Aber Gottes Wort lässt jedem die Chance, zu ihm umzukehren, und weist darauf hin, dass wir alle auf sein Erbarmen angewiesen sind.

Der Gottlose lasse von seinem Wege… Wer seinen Weg ohne Gott geht, geht einen einsamen Weg. Er muss durch eigene Anstrengung den Sinn seines Lebens finden, vielleicht im Erfolg seiner Arbeit oder in der Suche nach immer mehr Spaß. Innerlich bleibt er leer, ihm fehlt etwas, und er weiß nicht einmal was. Wie schön, wenn er von diesem Weg lassen, diesen Krampf loslassen kann und sein Glück nicht mehr selber schaffen muss. Wie schön, wenn er sich anvertrauen kann, wenn Liebe für ihn da ist, wenn das Leben einen Sinn hat – einfach so, geschenkt!

Der Übeltäter lasse von seinen Gedanken… Wer schlecht über andere redet, vielleicht aus Neid, wer wegnimmt, was ihm nicht gehört, weil man im Leben ja sowieso nichts geschenkt bekommt – wie schön, wenn er von seinen bösen Gedanken lassen kann. Der Prophet verspricht ihm: Wenn er Gott in die Hände fällt, hat er Vergebung zu erwarten.

Bisher hat der Prophet über Gott geredet. Jetzt sagt er ein Wort weiter, das er von Gott selber gehört hat – den meisten wird dieses Wort vertraut sein:

8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR,

9 sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Wir kennen dieses Wort vom Friedhof, es steht oft auf Grabsteinen junger Menschen. Wir hören es als Trost für Menschen, die ihr Schicksal nicht begreifen und versuchen, mit Gottes unergründlichem Ratschluss fertigzuwerden.

Gottes Gedanken und unsere Gedanken, Gottes Wege und unsere Wege – ein himmelweiter Unterschied! Aber Gott ist nicht himmelweit weg von uns. Größer als der Himmel, ist er uns doch ganz nahe. Unbegreiflich für unser Denken, ist er doch kein willkürlich herrschender Tyrann. Ich kann mir manchmal nur schwer vorstellen, dass ein Übeltäter sich bessern kann, aber Gott gibt niemanden auf. Mir tut es weh, wenn ein Schüler Gott beschimpft – und zugleich denke ich: Gott blickt ihm ins Herz und sieht seine Enttäuschung, seine unausgesprochene Sehnsucht, seine verzweifelte Bitterkeit. Geduldig wartet er auch auf ihn.

Gott, der höher über uns steht als die Sterne des Weltalls, Lichtjahre entfernt von unserem menschlichen Zugriff, der will also unbedingt den Kontakt mit uns. Er überbrückt den Abstand zu uns, indem er ein Wort zu uns spricht.

Wir Pfarrer denken manchmal: Gott spricht zwar, aber das Wort kommt nicht an. Wir predigen, aber wer hört uns zu? Dazu sagt der Prophet im Auftrag Gottes:

10 Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen,

11 so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein; es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

Gottes Wort ist also wie Regen und Schnee. Das ist schön: es ist genug davon da, für alle Menschen ohne Unterschied.

Gottes Wort ist wie Regen und Schnee. Das ist manchmal auch unangenehm: Regen macht nass – Gottes Wort als Wahrheit über mich selbst kann wie eine kalte Dusche sein. Schnee muss geräumt werden. Gottes Wort als Herausforderung an unsere Zeit und Kraft erhöht nicht immer den Spaßfaktor in unserem Leben.

Tröstlich ist jedenfalls: Regen und Schnee finden ihren Weg, um zu wirken. Feuchtigkeit macht Erde fruchtbar, lässt Nahrung und neuen Samen wachsen. Genau so findet Gottes Wort seinen Weg, um zu wirken, unsichtbar für unsere Augen. Ein Wort von Gott fällt auf den stocktrockenen Boden unserer Seele und macht ihn weich – aufnahmefähig für das, was Gott uns sagen will. Gottes Wort als Brot für unsere Seele macht uns satt, stillt unseren Hunger nach Liebe, nach Trost, nach Verständnis, nach Ruhe.

Auch neuen Samen lässt Gottes Wort wachsen. Gute Worte, erfahrene Liebe, die wir weitergeben. Das ist ja auch wohl die normalste Art, wie Gott zu Menschen redet: Indem das Wort von Mensch zu Mensch weitergereicht wird, indem einer zum anderen freundlich ist und nicht nachtragend.

Manchmal hat das Wort Gottes auch ganz große sichtbare Wirkungen. Auch davon konnte der Prophet damals ein Lied singen. Er versprach den Juden:

12 Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.

13 Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem HERRN soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.

Das babylonische Weltreich ging zugrunde, die Perser überrollten es. Der neue persische König Kyros, mit einem klugen Herz für kleine Völker, ließ die Juden in ihre Heimat zurückkehren.

Der Prophet verstand diese Freiheit als neue Chance für sein Volk. Vielleicht habt ihr euch an das Leben in Gefangenschaft gewöhnt – jetzt lasst sie mit Freuden hinter euch. Vielleicht ist die Freiheit schwer zu bewältigen – aber lasst euch im Frieden leiten. Der Prophet wusste: Viele Menschen sind überfordert, wenn die Freiheit zu groß wird. Darum ist es gut, Orientierung zu haben. In Gottes Wort, in seiner Liebe zu uns, in seinen Geboten, ist sie zu finden.

Sind wir frei und haben wir Orientierung, ist die Welt ein weiter Raum, durch den wir gehen, mit einem guten Ziel vor Augen. Unser Lebensweg mag steinig und dornig sein, er führt dennoch durch fruchtbares Land. Der Prophet hört bei der Heimkehr seines Volkes sogar die Berge und Hügel jubeln und die Sträucher und Bäume in die Hände klatschen. Obwohl der Weg mitten durch die Wüste führt, sieht er Zypressen statt Dornen und Myrten statt Nesseln am Wegrand wachsen. Dass dies geschieht – immer wieder – ist für den Propheten ein ewiges Zeichen: Gottes Ruhm wird nie vergehen.

Anderen Göttern stellte man Standbilder auf, siegreichen Feldherren setzte man Denkmäler, aber diese Denkmäler sind alle vergänglich. Nur Gottes Wort vergeht nie. Er ist das erste Wort und er behält das letzte Wort in der Welt und in unserem Leben.

Gottes Wort macht frei von Angst und Schuld, schenkt Geborgenheit und Trost, weckt Liebe und Barmherzigkeit. Es lässt Vertrauen wachsen, auch in uns, und macht uns fähig zu einem Leben in Verantwortung. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 199: Gott hat das erste Wort. Es schuf aus Nichts die Welten
Abkündigungen

Barmherziger Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus, mach uns frei von dem, was uns belastet, lass uns leben im Vertrauen zu dir und vergib uns unsere Schuld. Hilf uns, unser Leben verantwortlich zu gestalten, gut für uns selber zu sorgen und barmherzig gegenüber unserem Nächsten zu sein. Wenn wir anderen davon erzählen, dass wir an dich glauben, dann lass uns glaubwürdig sein – und zugleich barmherzig mit denen, die ihre Zweifel nur schwer überwinden können.

Wo Unfrieden herrscht auf der Erde, lass auch den Samen aller Friedensbemühungen aufgeben. Bewahre die Mächtigen davor, das Heil immer wieder allzuschnell in der Gewalt zu sehen.

Wo Trauer ist, schenke auch wirksame Worte des Trostes. Wo Verzweiflung ist, lass das Wunder geschehen, dass Menschen aufeinanderzugehen, sich füreinander öffnen, Einsamkeit überwinden. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 632: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht

Und nun geht mit Gottes Segen. Vielleicht bleiben Sie auch noch ein wenig zusammen im Gemeindesaal bei Kaffee oder Tee.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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