Der gejagte Jäger des himmlischen Schatzes

Ein Jäger des himmlischen Schatzes kann seine Jagdbeute offenbar nur erringen, wenn er selbst zur Beute dieses Schatzes wird, wenn er sich von Christus fangen lässt. Das ist keine Leistung, das ist kinderleicht – und zugleich ist es ungeheuer schwer. Es fällt eben nicht so leicht, loszulassen, was hinter mir liegt. Traut Gott mir mehr zu, als ich mir zutraue?

Marathonläufer, abstrakt gemalt

Start bei einem Marathonlauf – Paulus benutzt sportliche Bilder für seinen Glauben (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis, den 8. August 2004, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug der Tauffamilie mit den Patinnen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Im Taufgottesdienst in der Pauluskirche heißen wir heute besonders herzlich zwei Taufkinder willkommen. Es sind … und …, die mit ihren Familien und Paten bei uns sind.

Eine Woche vor Beginn der Olympiade in Athen enthält unser Predigttext sportliche Anklänge: Der Apostel Paulus schreibt, dass er einem Ziel nachjagt, um einen Siegespreis zu bekommen. Das Thema des Gottesdienstes lautet: „Jäger des himmlischen Schatzes“.

Lied 622: Weißt du, wo der Himmel ist, außen oder innen
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 103:

11 So hoch der Himmel über der Erde ist, lässt [Gott] seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

12 So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

17 Die Gnade des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind

18 bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ist es altmodisch, himmlischen Schätzen nachzujagen? Ist die Ehrfurcht vor Gott unmodern geworden?

Wir möchten keine Vertröstungen, wir mögen kein autoritäres Gehabe, wir wollen keine Erziehung, in der man den Kindern Angst macht vor dem Gott, der alles sieht.

Gott, lass uns nachdenken, bevor wir das Kind mit dem Bade ausschütten.

Dein Himmel beginnt nicht erst nach dem Tod, sondern schon hier, wo uns deine Liebe ergreift. Die Ehrfurcht vor dir ist kein Gefühl der Angst, sondern des Vertrauens. Gute Autorität in der Erziehung unterdrückt Kinder nicht, sondern stärkt ihnen den Rücken. Gott, wir bitten dich um neue Einsichten des Glaubens!

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 34:

12 Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren.

13 Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen?

14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.

15 Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Wenn wir dahinleben ohne konkretes Ziel – Gott, öffne unsere Augen für den Schatz, der unser Leben reich macht! Wenn wir zufrieden sind mit unseren Zielen und Wegen – Gott, öffne uns die Augen für die, die zurückbleiben, die enttäuscht sind, die uns brauchen, um neuen Mut zu gewinnen. Wenn wir Kinder erziehen – Gott, öffne uns die Augen für das, was Kinder wirklich brauchen: Liebe, Verständnis, gute Grenzen. Darum bitten wir dich, Gott, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Im heutigen Text zur Predigt aus dem Brief an die Philipper 3, 7-14, hören wir, welchen Ziel der Apostel Paulus nachjagt:

7 Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.

8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne

9 und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.

10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden,

11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

12 Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.

13 Meine [Geschwister], ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist,

14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Herr, dein Wort ist unseres Fusses Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied 346, 1-3:

1. Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen. Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden.

3. Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein; denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.

Liebe Gemeinde, welchem Ziel lohnt es nachzujagen? Nächste Woche bei der Olympiade ist die Antwort einfach. Wer in den olympischen Kader von Athen hineingekommen ist, hat nur noch ein Ziel: Medaillen zu erringen, möglichst in Gold. Wer die Filme mit Indiana Jones gesehen hat, weiß, wonach der Jäger des verlorenen Schatzes gesucht hat, Bundeslade, Heiliger Gral, geheimnisumwobene Steine mit göttlichen Kräften. Die Jagd nach diesen Schätzen kann das Leben kosten, und dennoch setzt der Jäger alles aufs Spiel, um sie zu erlangen. Offenbar muss der, er sich auf eine solche Jagd einlässt, davon überzeugt sein, dass er sein Leben erst gewinnt, wenn er am Ende sein Ziel erreicht.

Wie kostbar muss etwas sein, damit wir unser Leben dafür aufs Spiel setzen? Diese Frage scheint sehr theoretisch zu sein, denn wir leben normalerweise kein so abenteuerliches Leben wie Indiana Jones oder andere Kinohelden. Trotzdem: Auch im Alltag eines ganz normalen Menschen, für den sich nie ein Regisseur interessieren würde, steht immer wieder unser Leben auf dem Spiel – wofür wir leben, was wir anstreben, was unser Leben erfüllt. Und jedes Leben endet mit dem Tod, wobei niemand weiß, wie viele Jahre ihm geschenkt werden. Darum ist jeder Tag zwischen Geburt und Tod ein kostbares Geschenk.

Sie, liebe Taufeltern und liebe Paten, freuen sich heute über die Kinder, die Sie zur Taufe bringen. Sie treffen eine Entscheidung für ein Kind, die weitreichende Folgen haben kann. Es ist ein Unterschied, ob ein Kind in den Glauben hineinwächst oder nicht, ob es frühzeitig etwas von Gott erfährt, ob es lernt, vor Gott zu verantworten, was es tut und lässt. Mit der Taufe stellen Sie bewusst eine Beziehung her zwischen diesen Kindern und Gott.

Dass ein Kind nicht nur ein Zufallsprodukt der Evolution ist, sondern ein einmaliges und kostbares Geschöpf Gottes, wird unübertroffen in dem Taufspruch ausgedrückt, den Sie, liebes Ehepaar …, für Ihren Sohn … ausgesucht haben (Psalm 139, 14):

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.

Ein gesundes Selbstwertgefühl ist sehr wichtig für ein Kind, wobei ich den Ton auf das Wort gesund lege. Wenn ich davon überzeugt bin, dass ich von Gott wunderbar geschaffen bin, habe ich es nicht nötig, andere zu hänseln und zu quälen. Wenn Eltern wissen, dass sie ihr Kind nicht besitzen, sondern dass es ihnen von Gott anvertraut ist, werden sie alles daransetzen, dem Kind seinen eigenen Weg im Leben zu ermöglichen, als ein freier und liebevoller Mensch.

Während …s Spruch betont, woher ein Kind kommt, legt der Taufspruch von … den Akzent darauf, wovon das Leben des Kindes erfüllt sein wird (Psalm 23, 6):

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.

Dieser Vers stammt aus dem Psalm vom Guten Hirten und spricht die Gewissheit aus, dass Gott uns in dieser Welt nicht allein lässt, was auch immer geschieht. Ein Kind ist nicht dazu bestimmt, als Einzelgänger in einer Welt zu leben, in der jeder nur an sich selbst denkt, sondern es soll lernen, Liebe anzunehmen und zu geben, Gutes zu tun und barmherzig mit sich und anderen umzugehen.

Lasst uns nun in alten Bildern unser Gottvertrauen aussprechen: dass Gott unsere Welt als einen guten Raum zum Leben geschaffen hat; dass Gott in Jesus ein Gott zum Anfassen geworden ist; und dass Gott mit seiner Liebe in uns selber wohnen will.

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied 574: Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, um einen besonderen Jäger des himmlischen Schatzes geht es in der Predigt. Er ist Jude und lebt um die Mitte des ersten Jahrhunderts. Sein Name ist Saul, auf lateinisch nennt er sich Paulus. Er kennt die griechischen Sportwettkämpfe und benutzt gern sportliche Bilder, wenn es um den Glauben geht. Für ihn ist das ganze Leben ein Wettkampf, eine Jagd nach dem Siegespreis, den Gott verleiht. Paulus will, dass sein Leben gelingt, und weil er von seiner Kindheit an seine Bibel auswendig kennt, weiß er, was Gott von ihm verlangt. Zu den Gerechten will er gehören, nicht zu den Gottlosen. An den Einen Gott Israels will er glauben und nach seinen Geboten leben. Gott soll einmal von ihm sagen: Seht, mein Diener Saul ist ein Mann nach meinem Herzen!

Aber wenn man ein Schatzjäger ist, dann muss man sich hüten vor Konkurrenten, vor anderen Jägern, die das gleiche Ziel haben, aber Böses im Schilde führen. So jedenfalls denkt Saul, genannt Paulus. Für ihn hat das Böse bald einen bestimmten Namen: Jesus Christus – und er fängt an, alle zu hassen, die an Jesus glauben und sich Christen nennen.

Warum dieser Hass des jungen Paulus auf die Christen? Er findet es unverzeihlich und gotteslästerlich, dass sie behaupten, Jesus sei der Messias, Gottes Sohn – und das, obwohl dieser Mensch am Galgen der dreckigen Römer regelrecht krepiert ist! Paulus ist ursprünglich der ärgste Feind der Christen und will sie möglichst alle vor Gericht stellen, damit diese Gottlosigkeit nicht noch mehr Anhänger findet. Als Jäger des himmlischen Schatzes macht er Jagd auf Christen, wird er zum brutalen Menschenjäger.

Aber unsere Pauluskirche wäre kaum nach Paulus benannt, wenn es in seinem Leben nicht eine totale Kehrtwende gegeben hätte. Hier vorn auf dem Fensterbild haben wir vor Augen, was mit Paulus passiert, als er mit Soldaten wieder einmal auf dem Weg nach Damaskus ist, um Christen ins Gefängnis abzuführen. Getroffen von einer Stimme aus dem Himmel fällt Paulus zu Boden und weiß nicht, wie ihm geschieht. „Saul, warum verfolgst du mich?“ hört er Jesus rufen. Getroffen vom Licht Christi, ist er drei Tage lang blind. Als er sein Augenlicht wiedergewinnt, sieht er die Welt in einem neuen Licht. Er bleibt zwar ein Jäger des himmlischen Schatzes, aber das Ziel seiner Jagd wird ein anderes. Paulus fängt an, auf Jesus zu vertrauen.

Wie sich dadurch seine Jagd nach dem himmlischen Schatz verändert, schildert Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi. Er schreibt:

7 Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.

8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck.

Wie ein Geschäftsmann stellt Paulus Gewinn und Verlust gegenüber, ja er gebraucht noch härtere Worte: was er vorher als Gewinn verbucht hatte, wertet er jetzt als Schaden oder als einen Haufen Dreck, um hier auf der Kanzel nicht noch schlimmere Wörter in den Mund zu nehmen.

Was sieht er denn als Dreck an, worauf er vorher stolz gewesen ist? Er hat gedacht, ein guter, ein gerechter Mensch zu sein, den Gott einfach belohnen muss; er hat in einer Welt gelebt, in der die Frommen belohnt und die Gottlosen bestraft werden.

Durch die Begegnung mit Jesus wird dem Paulus klar: diese Welt existiert nur im Kopf der Superfrommen. Als Paulus bei Damaskus zu Boden stürzt, stürzt für ihn zugleich diese Welt zusammen: die Welt der Illusion. Niemand kann Gottes Liebe verdienen. Kein Mensch ist immer nur stark im Glauben. Selbst Jesus war angewiesen auf die Liebe seines Vaters im Himmel, auf seinen Heiligen Geist. Ohne Barmherzigkeit, ohne Vergebung werden wir hart gegen uns selbst und andere. Das Beispiel des Paulus zeigt deutlich, wohin eine solche Haltung führt: er wird zum gewalttätigen Fanatiker.

Diese Haltung, dieses Weltbild bricht für Paulus zusammen, als er sich selber Christus anvertraut. Bei ihm dauert es nur drei Tage, bis seine Blindheit endet und er genau weiß, was sein neues Ziel sein muss. Warum will er sein altes Leben vergessen?

…damit ich Christus gewinne

9 und in ihm gefunden werde…

Paulus hat die Christen gehasst – jetzt gehört er zu ihnen. Paulus hat gedacht, Jesus sei als Gekreuzigter von Gott verflucht – jetzt glaubt er an ihn als Gottes Sohn. Er will Christus gewinnen. Er will nirgendwo mehr gefunden werden als nur noch „in Christus“. Sein Ziel ist nun,

…dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.

Vorher hat Paulus aus eigener Kraft das Gesetz erfüllen und ein Gerechter sein wollen. Jetzt weiß er: das ist unmöglich. Wenn ich mir einbilde, vollkommen gerecht zu sein, und dabei andere Menschen als ungerecht und gottlos abstempele, mache ich mich selbst zu einem unbarmherzigen, ungerechten und gottlosen Menschen. Von Jesus lernt Paulus, dass Gerechtsein ein Geschenk von Gott ist. Je mehr ich Gott zutraue, um so gerechter kann ich sein; je mehr ich auf Vergebung vertraue, um so ehrlicher kann ich meine Stärken und Schwächen sehen; je mehr ich erkenne, dass Gerechtigkeit und Barmherzigkeit bei Gott keine Gegensätze sind, höre ich auf, über andere Menschen urteilen zu wollen. Das meint Paulus mit dem „Gefundenwerden in Christus“. Er will sich wiederfinden in Jesu Gottvertrauen, getragen von seiner Vergebung, von seiner Liebe.

Im Grunde wünscht er sich auch ein ähnliches Schicksal wie Jesus:

10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden,

11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

Jesu Gottvertrauen wurde nicht enttäuscht – Gott erweckte ihn von den Toten auf. Darum wünscht sich Paulus, dass er genau so auf Gott vertrauen kann wie Jesus, damit er die Kraft seiner Auferstehung am eigenen Leibe erfährt. So ist der Jäger des himmlischen Schatzes auf der Jagd nach dem ewigen Leben.

Und bei dieser Jagd ist Paulus bereit, allerhand in Kauf zu nehmen. Er lässt sich auf die „Gemeinschaft seiner Leiden“ ein. Wer Jesus nachfolgt, wer bei einem bösen Spiel nicht mitmacht und zum Spielverderber wird, wer als uncool gilt, der kann das gleiche Schicksal wie Jesus erleiden.

Paulus nimmt das gern in Kauf, weil er weiß, dass er im Leiden nicht allein ist – Christus, der ihm vorausgegangen ist, ist bei ihm. Er möchte sogar, bildlich gesprochen, mit Jesus sterben, damit er auch mit ihm leben kann. Auf keinen Fall meint Paulus das wörtlich – er will sich nicht selbst töten, um schneller von dieser Erde weg und dann in den Himmel zu kommen. Nein, der starke, stolze Paulus, der muss – bildlich gesprochen – sterben, damit Paulus immer mehr auf den vertraut, dessen Kraft in Schwachen mächtig ist. So fängt durch den Glauben wirklich ein neues Leben an.

Doch Paulus fühlt sich noch lange nicht als Sieger auf der Jagd nach dem himmlischen Schatz:

12 Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.

13 Meine Geschwister, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist,

14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Eine eigentümliche Jagd ist das: Paulus will etwas ergreifen, was er noch nicht ganz zu fassen bekommt; und zugleich fühlt er sich ergriffen, weil der, den er jagt, ihn selber schon zu fassen bekommen hat. Ist er nicht nur der Jäger, sondern zugleich der Gejagte?

Ja, ein Jäger des himmlischen Schatzes kann seine Jagdbeute offenbar nur erringen, wenn er selbst zur Beute dieses Schatzes wird, wenn er sich von Christus fangen lässt. Christus nachfolgen, das kann keiner aus eigener Kraft. So ein Gottvertrauen haben, so wenig an sich selbst denken, so barmherzig sein in einer bösen Welt – wer kann das außer Jesus selbst? Paulus weiß es seit dem Tag seiner Berufung in Damaskus: Nur weil er die Stimme Jesu hört, wird er Christ. Nur weil Jesus selbst ihn davon überzeugt, dass er der Messias Gottes ist, darum beginnt für Paulus ein neues Leben. Nur weil Christus von ihm Besitz ergreift, kann er schrittweise ergreifen und begreifen, was es bedeutet, Gott zu vertrauen.

Die Jagd nach dem himmlischen Schatz besteht darin, zu spüren und dazu Ja zu sagen, dass ich von Christus und dem Vater im Himmel längst ergriffen bin.

Das klingt nach keiner großen Leistung, ist es ja auch gar nicht, darauf kann und muss ich mir nichts einbilden. Aber es verändert alles, dieses Ja-Sagen zur Liebe Gottes: mein ganzes Leben, meine ganze Welt, in der ich lebe.

Das ist keine Leistung, das ist kinderleicht – und zugleich ist es ungeheuer schwer. Es fällt eben nicht so leicht, loszulassen, was hinter mir liegt. Kann ich mein Leben wirklich nicht aus eigener Kraft meistern? Bin ich wirklich auf Gottes Liebe und Vergebung angewiesen? Oder bin ich ohne das Vertrauen auf Gott viel zu verzagt und vorsichtig? Traut Gott mir mehr zu, als ich mir zutraue? Kann ich über meinen eigenen Schatten springen und mutig meine Angst überwinden? Oder kann ich auf etwas verzichten, kann ich teilen, weil ich reich beschenkt bin? Kann ich meinem Kind zumuten, dass es nicht alles bekommt, was angeblich alle haben, wenn ich weiß, das ein Mensch zu wenig hat, wenn er immer alles kriegt?

Paulus spornt sich selber an: „Was hinter dir liegt, kannst du vergessen!“ Er ruft auch uns zu: „Streck dich aus nach dem wahren Siegespreis, nach der echten Goldmedaille deines Lebens!“ Nur darauf kommt es an, dass wir die Hand ausstrecken nach der ausgestreckten Hand Gottes. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 625: Wir strecken uns nach dir, in dir wohnt die Lebendigkeit

Guter Vater im Himmel, wir beten für die Kinder, die wir getauft haben, für Kinder, die geborgen aufwachsen, aber auch für gequälte und vernachlässigte Kinder. Lass nicht zu, dass irgendein Kind auf dieser Erde in Ewigkeit verlorengeht! Wir beten für Eltern und Paten, für Seelsorger und Lehrer. Hilf ihnen, barmherzig mit sich selber umzugehen und sich im Vertrauen zu dir zu üben, damit sie gut für die sorgen können, die ihnen anvertraut sind. Wir beten für Kranke und Trauernde, für Belastete und Verzweifelte. Schenke ihnen neuen Mut und hilf ihnen, deine ausgestreckte Hand zu ergreifen. Insbesondere beten wir heute für Herrn …, der im Alter von … Jahren nach einem langen erfüllten Leben gestorben ist. Nimm ihn in Gnaden auf in dein himmlisches Reich und lass ihn den Schatz des ewigen Lebens genießen. Und den Angehörigen steh du bei mit deinem Trost. Amen.

Gebetsstille und Vater unser
Lied 572: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
Abkündigungen und Segen

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