Jesus ist Heiland und Herr

Liebe macht die Menschen heil in ihren Schmerzen an Seele und Leib.

Eigentlich waren die Titel „Heiland“ und „Herr“ für den römischen Kaiser reserviert. Die Hirten vernehmen mit den Ohren des Herzens die Stimme eines Engels und sehen in dem, der in der Krippe zur Welt kommt, den Messias Israels und den Heiland und Herrn der ganzen Welt!

Weihnachtliche Szene in Bethlehem mit vielen Häusen und Landschaft im Hintergrund

In Bethlehem sollte Jesus zur Welt kommen, während einer Volkszählung (Foto des Krippenbildes: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst an Heiligabend, Donnerstag, den 24. Dezember 1992, um 15.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Hier sind wir also wieder in unserer kleinen Heiligabend-Gemeinde in der Klinik-Kapelle zusammen – kleiner als sonst manchmal, weil ja viele heute Urlaub haben und zu Hause in den Gottesdienst gehen – und ich begrüße Sie herzlich in unserem Gottesdienst, auch im Namen meines katholischen Kollegen Helmut Jung. Wir wollen mit Ihnen viel singen heute, und dabei greifen wir wieder zu unserem blauen Liederheft, das wir schon einige Male in den Adventsgottesdiensten und im Singkreis benutzt haben. Zum Teil begleitet uns der Alzeyer Posaunenchor beim Singen – herzlichen Dank! – zum Teil werde ich auch wieder selber zur Gitarre greifen.

Wir beginnen mit dem Lied Nr. 23, es besingt im Bild einer Blume den Sohn Gottes, der zu uns in eine kalte Welt hineinkam, um uns Wärme und Liebe zu bringen:

Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht.

Das Röslein, das ich meine, davon Jesaja sagt, hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd; aus Gottes ewgem Rat hat sie ein Kind geboren wohl zu der halben Nacht.

Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß; mit seinem hellen Scheine vertreibts die Finsternis: Wahr‘ Mensch und wahrer Gott, hilft uns aus allem Leide, rettet von Sünd und Tod.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Der Prophet Jesaja sieht mit seinem inneren Auge ein herrliches Bild: Alles wird anders werden – denn es wird ein Kind geboren! Wir hören die Verse Jesaja 9, 1-6, in denen diese Hoffnung ausgesprochen wird:

1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

2 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.

3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.

4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.

5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;

6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.

Den Geburtstag Jesu feiern wir heute, er ist das Kind, von dem schon die Propheten erzählen.

Herr, Jesus, dein Name ist „Wunder-Rat“ – lass uns deinen Rat annehmen, und verändere unser Leben auf ganz einfache und schlichte und doch wunderbare Weise.

Dein Name ist „Gott-Held“ – lass uns von dir lernen, der du ein Held bist durch Liebe und seelische Stärke, nicht durch äußerliche Macht und Stärke.

Dein Name ist „Ewig-Vater“ – schenke uns immer neu das Vertrauen zu dir, denn in dir spiegelt sich die Größe des ewigen Gottes wider, in dem du uns einen Vater zu erkennen lehrtest.

Dein Name ist „Friede-Fürst“ – mache uns zu Menschen, die den Frieden lieben und stiften, wecke in uns die Sehnsucht nach Frieden und beruhige unsere Angst, bis wir es nicht mehr nötig haben, uns mit Gewalt voreinander zu schützen.

Jesus, dein Geburtstag ist heute. Du willst auch in uns geboren werden. Komm heute zu uns, hilf uns, dass wir uns dir anvertrauen! Amen.

Wir singen das Lied Nr. 33, 1-4:

Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Engel, in Chören, singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren! Sehet doch da: Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren.

Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden. Friede und Freud wird uns verkündiget heut; freuet euch, Hirten und Herden!

Sehet das Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget; sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget! Gott wird ein Kind, träget und hebet die Sünd: Alles anbetet und schweiget.

Süßer Immanuel, werd auch in mir nun geboren; komm doch, mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren! Wohne in mir, mache ganz eins mich mit dir, der du mich liebend erkoren.

Wir hören nun die Weihnachtsgeschichte nach Lukas (Kapitel 2), aufgeteilt in verschiedene Abschnitte. Nach jedem Abschnitt gebe ich erst eine Auslegung dazu und dann singen wir jeweils ein Lied.

1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlecht Davids war,

5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Was ist das für eine Welt, in die Jesus hineingeboren wurde? Eine heile Welt? Ein prachtvoller Palast? Eine gute Kinderstube? Eine Welt voller Nestwärme und Geborgenheit?

Zunächst einmal hören wir nichts davon. Wir hören wohl von einem Kaiser und von einem kaiserlichen Provinzstatthalter, aber nicht in deren Häusern hat sich Nachwuchs angemeldet. Nein, wir hören zunächst einfach, wie sich eine staatliche Verwaltungsmaßnahme auf die kleinen Leute in aller Welt auswirkt. Eine Behörde gibt ein Gebot, einen Befehl, einen Erlass heraus, dem alle Menschen folgen müssen.

Viele von uns wissen, wie sehr einem ein Brief Angst machen kann, der vom Finanzamt oder vom Gericht kommt. Wir können uns also vielleicht vorstellen, wie es ist, wenn auch ein einfacher Zimmermann mit Namen Josef in der kleinen Stadt Nazareth eines Tages Post vom Statthalter bekommt und liest: Der Kaiser befiehlt eine Volkszählung! Alle sollen geschätzt werden, geschätzt in ihrer Finanzkraft, es geht darum: Wieviel kann jeder dem Kaiser an Steuern zahlen?

Ja, so fängt die Weihnachtsgeschichte an: mit Einzelheiten aus der Finanzverwaltung im römischen Reich. Hinter der knappen Schilderung des Lukas ist zu spüren: Die Menschen im Volk Israel leiden unter den Anordnungen des römischen Kaisers, viele hätten sich gern gegen ihn gewehrt, manche versuchen Aufstände gegen die Fremdherrschaft zu organisieren, aber die meisten fügen sich zähneknirschend seinen Befehlen. Wie unmenschlich Lukas diese Herrschaft empfindet, zeigt er am Schicksal einer jungen schwangeren Frau: der Zimmermann Josef muss sich mit seiner Verlobten Maria auf den Weg machen, weit von zu Hause weg nach Bethlehem, in seine Geburtsstadt. Denn dort muss er sich in die Steuerliste eintragen lassen.

6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Wieviel hat man in diese Zeilen hineingelegt an Vorstellungskraft und Gefühl! Unzählige Krippenspiele sind diesem Ereignis nachempfunden worden, das da berichtet wird: Ausgerechnet in der Fremde kommt die Zeit für Maria, dass sie ihr Kind bekommen soll. Ausgerechnet zur unrechten Zeit kommen die Wehen. Warum nur? Warum?

Und bis heute können wir fragen: Warum müssen immer wieder Kinder in der Fremde geboren werden, auf der Flucht? Was ist mit den Kindern in Bosnien, im Irak, in Kurdistan, in Somalia, die zur unrechten Zeit geboren werden, die kein warmes Kinderbettchen haben, deren Eltern um ihr Überleben kämpfen müssen? Was ist mit den Kindern selbst in unserer Wohlstandsgesellschaft, die scheinbar zur unrechten Zeit oder in die falsche Familie hineingeboren werden, ungeliebten Kindern, misshandelten, missbrauchten Kindern? Unser Text gibt keine Antwort auf diese Fragen, er stellt nur knapp und nüchtern fest: Die Zeit, in der dieses Kind geboren werden sollte, war nun einmal einfach da, ausgerechnet jetzt, ausgerechnet unter solchen schlimmen Umständen.

Und ebenso knapp wird geschildert, wie Maria, die Mutter mit dieser Situation fertig wird: Sie macht das Beste draus. Zunächst einmal: Sie lässt das Kind geboren werden. Sie bringt es zur Welt. Sie tötet es nicht ab. Sie lässt es leben. Dann: Sie wickelt es in Windeln. Sie schützt es vor Kälte. Sie hat nicht viel zum Anziehen für das Kind, keinen Strampler, keine teuren Sachen. Aber sie hat Windeln, und sie wickelt das Kind ganz da hinein, damit es schön kuschelig ist für das Kind. Ein Bett hat das Kind auch nicht – warum nicht den Futtertrog nehmen, der da steht, da kann das Kind liegen, wenn es schlafen soll, denn Maria und Josef können es nicht die ganze Zeit auf dem Arm tragen, sie müssen selber auch ruhen, brauchen neue Kraft für sich selber und für das Kind.

Ganz zum Schluss wird in einem Nachsatz ganz nebenbei bemerkt, warum Maria und Josef das Kind in einen Futtertrog legen müssen. Keinen Platz hatten sie gefunden, niemand wollte sie aufnehmen. Wie abgewiesene Asylbewerber standen sie vor verschlossenen Türen.

Was ist das für eine Welt, in die das kleine Kind hineingeboren wird? Es ist unsere Welt, so wie sie noch heute ist: oft abweisend und kalt, vor allem für die kleinen Leute. Und dennoch: Maria sorgt dafür, dass das Kind es trotz allem warm hat; sie sagt nicht: ich kann nichts für das Kind tun, nein, sie ist eine Mutter voll Phantasie und Einsatz für ihr Kind.

Wir singen das Lied 56, 1-3:

Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will! Marias Wiegenlieder klingen, und sie gibt dem Kind zu trinken. Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will!

Schlaf, schlaf, schlaf, mein liebes Kindlein, schlaf! Die Engel tun schön musizieren, vor dem Kindlein jubilieren. Schlaf, schlaf, schlaf, mein liebes Kindlein, schlaf!

Groß, groß, groß, die Lieb ist übergroß. Gott hat den Himmelsthron verlassen und muss reisen auf der Straßen. Groß, groß, groß, die Lieb ist übergroß.

8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

In was für eine Welt ist das Jesuskind hineingeboren worden? Lukas hat erzählt von der Kälte der Verwaltungsbürokratie, die zum Schicksal für ein junges Pärchen wird, die sich eigentlich ganz in Ruhe auf die Geburt ihres ersten Kindes vorbereiten wollten. Nun wird es geboren in der Kälte der Nacht, in der Kälte der Fremde, allerdings umfangen von der Wärme der Liebe seiner Mutter Maria und des Vaters Josef.

Aber diese Geburt bleibt trotzdem keine Privatsache der Kleinfamilie Josef und Maria. Im Kaiserhaus und im Palast des Statthalters kümmert sich zwar niemand darum, dass irgendwo in einem kleinen Ort unter schwierigen Umständen ein Kind zur Welt gebracht wird. Aber es gibt andere Menschen, die bekommen mit diesem neugeborenen Kind zu tun – arme, hergelaufene Menschen, die ihr Brot draußen auf dem Feld verdienen, indem sie dort auf die Schafe ihrer Herren aufpassen. Ausgerechnet diese Hirten, die von den sesshaften Bürgern in der Stadt verachtet wurden, sie erfahren als erste, was es mit diesem Kind auf sich hat. Sie erfahren es sogar noch vor den Eltern!

Das ist keine Botschaft, die am nächsten Tag in der Zeitung gestanden hätte, wenn es damals schon Zeitungen gegeben hätte. Nein, nur mit den Ohren des Herzens vernehmen diese Menschen die Stimme eines Engels, nur mit den Augen der Seele schauen sie die himmlische Klarheit, die sie vom Engel her umleuchtet. Die Hirten – sie stehen in der Weihnachtsgeschichte für all die Menschen, denen sich der erwachsene Jesus später nahe gefühlt hat: Zöllner, Sünder, das arme Volk, Behinderte und Aussätzige und andere an Leib und Seele Kranke. Sie waren es, die als erste begriffen, wer Jesus eigentlich war: in dem, der in der Krippe zur Welt kam, sehen sie den Christus, den Messias Gottes, den das jüdische Volk schon so lange erwartet hatte. Wörtlich heißt das Wort „Christus“ auf griechisch das Gleiche wie das hebräische Wort „Messias“: der Gesalbte, zum ewigen König sehen sie ihn gesalbt in der Nachfolge des großen Königs David.

Aber das Kind in der Krippe erfahren die Hirten in der Botschaft der Engel nicht nur als den Christus der Juden, sondern auch als den Heiland und Herrn der ganzen Welt! Eigentlich waren die Titel „Heiland“ und „Herr“ ja damals für den römischen Kaiser reserviert. Er nannte sich „Retter des Vaterlandes“ und ließ sich als „Herr“ und sogar als „Gott“ anbeten. Aber ist der Kaiser wirklich ein Retter, wenn er die Menschen ausbeutet und Maria und Josef in die Fremde hinausschickt? Den Hirten, den Menschen des einfachen Volkes wird es offenbar, dass ein anderer diese Anreden verdient: Jesus, in der Krippe geboren, ist Heiland und Herr, einer, der die Macht der Liebe einsetzen wird, um die Menschen heil zu machen in ihren Schmerzen an Seele und Leib.

Lasst uns nun singen Lied 22, 1-3:

Vom Himmel hoch da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will.

Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein, das soll eur Freud und Wonne sein.

Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not, er will eur Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein.

13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Den Menschen, denen ein Engel die frohe Botschaft verkündet, vielleicht auch nur ins Ohr flüstert, die Botschaft von dem Gott, der verletzbar wird wie ein bedürftiges Kind – diese Menschen sehen die ganze Welt plötzlich mit anderen Augen. In was für eine Welt ist Jesus hineingeboren? In eine kalte Welt voller Unrecht und Bosheit und Gewalt? Ja. Doch gerade durch dieses eine Kind wird die Welt anders. Sie gewinnt an Wärme; Vertrauen und Liebe darf geboren werden und wachsen. Und so geschieht es, dass die Hirten mitten in der dunklen, kalten Nacht plötzlich alle Engel singen hören: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Im Bibelkreis fragten wir uns gestern, wer das denn sein mag: die Menschen seines Wohlgefallens? Gefallen Gott denn nicht alle Menschen? Schließt er irgendwen aus seiner Liebe aus? Nein, es ist so wie in dem Kinderlied: „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“ Da heißt es in der dritten Strophe von den Menschenkindern: „Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen, kennt auch dich und hat dich lieb.“ Aus einer Welt, die nur kalt und abstoßend wirkte durch die Bosheit von Menschen, wird eine Welt, die auch Wärme und Liebe kennt – durch das Kind in der Krippe.

Lasst uns nun wie die Engel ein Loblied singen, das Lied 44, 1-3:

Engel haben Himmelslieder auf den Feldern angestimmt. Echo hallt vom Berge wider, dass es jedes Ohr vernimmt. „Gloria in excelsis Deo. Gloria in excelsis Deo.“

Hirten, was ist euch begegnet, dass ihr so voll Jubel seid? Gott hat heut die Welt gesegnet: Christ erschien der Erdenzeit. „Gloria in excelsis Deo. Gloria in excelsis Deo.“

Er gibt allen Menschen Frieden, die des guten Willens sind. Freude wurde uns beschieden durch ein neugebornes Kind. „Gloria in excelsis Deo. Gloria in excelsis Deo.“

15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.

17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Das Kind in der Krippe, was kann es schon tun? Es ist klein und darf klein sein, es wird gewickelt und gefüttert, und es muss noch nicht groß und stark sein. Und dennoch setzt es Menschen in Bewegung. Die Hirten laufen herbei, sie wollen sehen, vielleicht auch einfach helfen, die Botschaft der Engel weitersagen. Und die Menschen, die den Hirten zuhören, reagieren in unterschiedlicher Weise. Die meisten wundern sich, finden das ganz interessant – aber wir wissen nicht, ob sie es nicht bald schon wieder vergessen. Nur von Maria wird gesagt: Sie bewegte alle diese Worte in ihrem Herzen. Auch wenn sie ihren Sohn zuerst überhaupt nicht verstehen würde, als er erwachsen wurde und mit 30 Jahren als predigend und heilend durch die Dörfer zog, diese ganze Zeit über bewegt sich in ihr doch etwas – und schließlich, nachdem Jesus bereits gestorben und auferstanden ist, da gehört dann schließlich auch die Mutter Maria zur Gemeinde der Christen.

Darauf kommt es auch heute an. Wir hören wie in jedem Jahr die Worte der Weihnachtsbotschaft. Bewegen auch wir sie in unseren Herzen? Rühren sie uns an? Oder hören wir zwar einigermaßen interessiert zu, zucken dann aber die Schultern: Was soll’s? Nein, es geht nicht um eine mehr oder weniger idyllische oder nostalgische Geschichte, sondern um etwas, von dem unser Leben abhängt. Es geht darum, ob wir etwas begreifen von dem großen Gott, der ein Kind wurde, verletzbar und machtlos – nur auf diese Weise konnte er Wärme und Liebe und Vertrauen in eine kalte Welt hineinbringen – auch zu uns. Und wir können dieses Kind in der Krippe anschauen und ja zu ihm sagen – ja zu diesem Jesus, der genau so viel Liebe brauchte wie jedes andere Menschenkind, und genau deshalb auch ja zu unserem eigenen Leben, denn er hat auch uns lieb, jeden einzelnen von uns.

Wir sind am Schluss der Weihnachtsgeschichte angelangt und auch am Schluss der Predigt, doch Weihnachten kann noch weitergehen, im Herzen jedes einzelnen von uns. Davon singen wir in dem Lied 28, 1-3:

Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dirs wohlgefallen.

Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.

Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht‘, wie schön sind deine Strahlen!

Davon, wie Menschen durch das Kind in der Krippe sich anrühren und verändern lassen, gibt es auch viele Volkserzählungen und Legenden. Eine davon hören wir in diesem Gottesdienst, die Geschichte vom Tanz des Räubers Horrificus, der im Gespräch mit der Mutter Maria sich selbst erst richtig erkennt:

Der Tanz des Räubers Horrificus

Wir singen das Lied 62, das wir im Singkreis so gerne gesungen hatten:

Eine wundersame Zeit, eine Zeit im Winterkleid, und es grünt im Schnee der Rosenzweig

Worum sollen wir bitten am Heiligen Abend? Nicht um eine besondere Weihnachtsstimmung. Nicht darum, dass in den Weihnachtstagen alles harmonisch ablaufen muss. Sei einfach bei uns, Gott, lass uns so sein, wie wir sind, mit dem, was wir fühlen, mit dem, was wir denken, mit dem, was wir brauchen und was wir geben können, mit allen unseren Wünschen, den Wünschen, die erfüllt werden und denen, die nicht erfüllt werden. Wir bitten für alle, die selber nicht mehr beten können, wir bitten für alle, die verzweifeln in ihrer Angst und in ihren Schmerzen. Ehre sei dir, Gott, in der Höhe, doch es ist gut, dass du herabgekommen bist in unsere kalte Welt! Schenke Frieden im Kleinen und im Großen, schenke uns Mut zum Leben, lass uns nicht allein! Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Christ ist erschienen, uns zu versühnen: freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: freue, freue dich, o Christenheit!

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