Harfen, „die da weissageten“

Zu guter Letzt

Harfe beim Konzert für Harfe und Violine 2009 in der Paulusgemeinde Gießen… suchte ich einleitende Bibelworte für unser Harfen- und Violinenkonzert am 5. Februar 2006 und las im 1. Buch der Chronik 25, 3 dass Jeduthun und seine Kinder auf Harfen spielten, „die da weissageten, zu danken und zu loben den HERRN.“ Zugegeben, das stand so nur in der Lutherbibel von 1545, und mein Hebräisch reicht nicht aus, um zu beurteilen, ob Martin Luther den Sinn der Stelle richtig getroffen hat. Neuere Übersetzungen gehen davon aus, dass nur der Harfen-Spieler ein geisterfüllter Prophet gewesen sein kann. Wie dem auch sei – auch im Kirchenlied der Neuzeit singen wir ungeniert: „Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!“

Ein Prophet gibt also nicht immer nur mit Worten weiter, was er von Gott empfängt, er kann auch Musik einsetzen, um die Botschaft des Himmels zu verkünden. Und zwar Musik, die Freude macht. Auch die Engel Gottes singen ja nicht wirklich langweiliges Halleluja, sondern in ihrer himmlischen Big Band vereinigen sie die besten Musiker aller Stilrichtungen.

Deutlich wird umgekehrt auch, was eine Weissagung im Sinne der Bibel ist: nicht der angsterfüllte Versuch, ein Stück von der Zukunft in den Griff zu bekommen, sondern sozusagen eine Melodie aus dem Himmel, die uns wie ein musikalischer Ohrwurm nicht aus dem Kopf geht und uns hilft, die Zukunft getrost ins Auge zu fassen, mit neuer Orientierung, mit Mut zum Einsatz, mit Dankbarkeit im Herzen. Wer verlernt hat, mit Worten zu beten, der mag vielleicht Gott mit seinem Lieblingssong ein Dankeschön summen.

Ihr Pfarrer Helmut Schütz

„Zu guter Letzt“ März – Mai 2006 im Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen

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